11.6
Jongdaes Gesicht war ganz blass geworden als Baekhyun mit dem schwarzen Rauch, der aus seinen Händen evaporierte, näher an die Tür herantrat. Es war immerhin eine verbotene Macht. Baekhyun hatte keine Zeit sich darum Sorgen zu machen.
Als er vor der schwarzen Tür mit ihren dutzenden von Ketten stand, kniff er konzentriert die Augen zusammen. Seine Macht gehorchte ihm problemlos und explodierte gegen die Tür, wie eine Kanonenkugel, die durch eine Holztür geschleudert wurde. Es dauerte einen Moment, bevor der Rauch der Explosion verschwunden war und Baekhyun sein Werk begutachten konnte. „Noch nicht alle. Ich muss noch einmal."
„Baekhyun?"
„Gib mir nur einen Moment."
Jongdae ergriff ihn mit großen Augen am Arm. „Baekhyun, deine Flügel!"
Baekhyun blickte verwundert über seine Schulter. „Was ist mit ihnen?"
„Sie...sie sind eben wieder dunkler geworden."
Baekhyun hielt inne. „Dunkler?"
„Ja!", versicherte Jongdae mit Aufregung in der Stimme. „Ich konnte es deutlich sehen!"
Baekhyun verzog das Gesicht. Das konnte nur bedeuten, dass seine Erzengelmacht und seine Verbotene Macht sich nicht miteinander vertrugen. Seine Verbotene Macht musste die andere fortdrängen, was in diesem Moment absolut ungelegen kam.
„Kannst du nicht einfach einen Befehl aussprechen um die Ketten zu zerstören?", schlug Jongdae vor, der sich seinen Part dazu wohl auch schon gedacht hatte. „So wie du uns ins Palodium gebracht hast?"
Etwas in Baekhyun sagte ihm, dass es wahrscheinlich nicht so einfach wäre. „Ich kann es versuchen."
Baekhyun legte eine Hand auf die Ketten vor sich und nahm dann ein paar tiefe, beruhigende Atemzüge. Er versuchte in sein Inneres zu sehen, so wie er es vorhin schon einmal getan hatte um ins Palodium zu kommen, aber dieses Mal regte sich auf seine stille Bitte hin rein gar nichts.
Baekhyun seufzte tief. „Ich wusste es. Es ist nicht so einfach. Erzengel hin oder her, für die wichtigen Befehle scheine ich die Schriften zu brauchen. Ich kann...auf diese Macht nicht wirklich zugreifen, ich weiß nicht wie."
Jongdae ließ die Schultern sinken. „Was jetzt?"
„Wie viel dunkler sind meine Flügel geworden?"
Jongdaes Augen musterten seine Rückseite kritisch, dann zuckte er die Achseln. „Ein paar der dunklen Flecke haben sich ausgeweitet."
Wenn Baekhyun mit seiner Vermutung richtig lag, dann würde er seine Erzengelmächte verlieren, wenn seine Flügel wieder komplett schwarz wären. Ein Gedanke durchzuckte ihn. Baekhyun blickte auf seine Hände hinunter und lächelte. „Das Universum ist ein verfluchter Mistkerl."
„Was?"
„Es macht keinen Unterschied", sagte Baekhyun. „Wir sollten uns beeilen."
Jongdae trat unweigerlich einen Schritt zurück, als Baekhyun wieder dunkeln Rauch in seiner Handfläche sammelte. Vielleicht ein wenig mehr als nötig gewesen, oder seine plötzlich aufgeflammte Wut hatte seine Macht noch ein wenig verstärkt, denn als er seine Hände dieses Mal auf die Ketten legte, brachen sie in einer heftigen Explosion auseinander und rissen dabei auch die schwarze Tür aus den Angeln.
„Das war...erstaunlich", sagte Jongdae atemlos. Er wagte sich wieder in Baekhyuns Nähe und blickte nun in den dunklen Rauch hinein, den die Explosion verursacht hatte. Baekhyun kommentierte nicht wie Jongdaes Augen noch einmal über seine Flügel gestrichen waren und sich anschließend in Sorge senkten.
Ein leises Geräusch ließ Baekhyun nach Jongdaes Handgelenk greifen, damit er stehenblieb.
„Was ist?"
„Hörst du das?", fragte Baekhyun und bedeutete ihm, inne zu halten um für einen Moment in die Leere zu horchen, die langsam vor ihnen sichtbar wurde.
„Was meinst – oh! Ja!" Er hörte noch einmal hin. „Eine Stimme? Es klingt nach einer Stimme!"
Sie blickten sich für einen Moment völlig überrascht an.
„Baekhyun...Das war Sehuns Stimme, oder? Es ist Sehun!"
Und vielleicht war es ein wenig überstürzt und ganz gewiss nicht vorsichtig genug, aber letztlich waren sie beide nie ein Beispiel für beispielhafte Achtsamkeit gewesen. Sie rannten kopflos in die Dunkelheit hinein, die die Tür ihnen offenbart hatte.
-
Baekhyun hatte sich nie darum gekümmert wie hoch die Kriminalrate im Himmel wohl war, aber er erhielt die Antwort auf diese Frage nun doch. Sie lautete: Eins.
Die Zellen an denen Jongdae und Baekhyun vorbeiliefen, während Sehuns Stimme immer lauter wurde, waren alle vollkommen leer. Natürlich gab es kaum Engel, die tatsächlich ein Verbrechen begehen würden und diejenigen, die es taten, waren von solcher Schwere, dass man sie auf die Erde und zum endgültigen Tode verbannte.
„Sehun!", rief Jongdae laut aus und erhielt ein lautes ‚Hier! Ich bin hier!!' zurück. Die Worte hallten in dem großen Raum wieder, das Echo unterstütz von der Leere. Dieser Ort musste einer der einsamsten Orte des Himmels sein.
Jongdae und Baekhyun schlitterten um eine Ecke und wären beinahe in eine Wand aus Eisenstangen gerannt. Sehun klammerte sich mit beiden Hände an denn fest Stange, das Gesicht fest gegen das Eisen gedrückt. Seine Augen waren in Schrecken geweitet.
„Oh Himmel", flüsterte er. „Ich bin so froh euch zu sehen, oh Himmel!"
Sehun sah mitgenommen aus, nicht nur durch seine geweiteten Augen und dem Schmutz auf seiner Wange, sondern auch seine weiße Robe, die von Dreck und zerrissenen Stellen gekennzeichnet war. Seine Flügel waren geschlossen, was ebenfalls ein Teil seiner Strafe sein musste.
„Kann ich hier raus?", fragte Sehun mit brechender Stimme. „Hat man euch geschickt um mich rauszulassen, aber wo ist Junmyeon? Und was war das für ein Krach dort oben? Was ist passiert und-" Sehun brach ab. Er sah so aus, als würde er seine Gedanken langsam wieder ordnen. „Baekhyun?"
Baekhyun versuchte sich an einem Lächeln. Er war nicht gänzlich unschuldig an Sehuns Lage. Wenn er ihm niemals erlaubt hätte an ihm zu experimentieren...wenn er einfach darauf bestanden hätte, dass sie auf Junmyeon warteten, dann wäre Sehun nicht hier eingesperrt. „Hey Sehun."
„Baekhyun, d-du bist am Leben."
„Mehr oder weniger – oder, mh, schon wieder, trifft es wohl eher. Aber das ist eine lange Geschichte."
Er musterte ihn mit großen Augen. Baekhyun war sich nicht wirklich sicher, ob er ihn überhaupt verstanden hatte. „Du bist tot. Ich meine, du solltest tot sein. Ich...wegen mir wurdest du zum Tode verurteilt."
„Das ist eine alte Geschichte", winkte Baekhyun ab. „Das kommt später. Viel wichtiger ist, dass wir dich hier rausbekommen, damit du uns helfen kannst."
Sehun sah völlig fertig aus. Das rote Licht, dass die Korridore hier unten beherrschte und von den Ölfackeln an den Wänden kam, ließ sein Gesicht noch schmutziger und noch länger erscheinen. Seine Augen wirkten beinahe schwarz, so groß waren seine Pupillen. „Aber Baekhyun-" Er fing plötzlich an zu zittern.
„Sehun, es ist wirklich in Ordnung."
„Aber-" Schniefen kam dazu und Schniefen war in ihrer jetzigen Situation wirklich keine gute Neuigkeit. „Es tut mir so leid."
„Schon gut Sehun, ehrlich, mir geht es blendend", versuchte Baekhyun und griff durch die Metallstäbe um Sehun über den Kopf zu streichen, als er seine Stirn in die Stangen drückte.
„Wie gesagt", sagte Jongdae, der nun beschloss, dass sie genug geredet hatten. „Wir müssen dich hier rausholen. Wir brauchen ganz dringend deine Hilfe."
Sehun schüttelte den Kopf. „Ich muss hier auf meine Strafe warten. Ich darf nicht gehen."
„Das klang gerade eben aber noch ganz anders", murmelte Jongdae. Baekhyun rammte ihm seinen Ellbogen in die Seite, damit er schwieg.
„Sehun, es ist wirklich wichtig. Hör gut zu: Seitdem du hier unten bist hat sich einiges verändert. Lange Rede kurz: Wir müssen den Himmel und die Erde retten, weil ein verrückter Engel hier Amok läuft." Sehun hob den Kopf an und sah ihn nun endlich an. Seine Augen waren Tränennass. „Er hat alle verantwortlichen Engel auf die Erde verbannt und irgendwie eine Horde Erzengel erschaffen, die nur auf sein Kommando hören. Oh und er hat die verdammten Himmelstore geschlossen. Der Himmel ist isoliert und keiner hat eine Ahnung, wie wir die Tore wieder öffnen können."
„Baekhyun und die anderen Gefallenen Engel-" Sehun zuckte heftig zusammen. „Ah sorry, wunder Punkt, ich vergaß. Baekhyun und seine neuen Freunde konnten eines der Tore aufsprengen und hierherkommen, aber niemand konnte rechtzeitig agieren, bevor der verrückte Engel – er heißt Jongin - alle außer Gefecht gesetzt hat. Er hat sogar Baekhyun umgebracht."
Sehun starrte sie mittlerweile an als hätten sie den Verstand verloren. Baekhyun konnte es ihm nicht verübeln.
„Ich war nur kurzzeitig...nicht mehr am Existieren, aber das ist jetzt auch zu kompliziert. Auf jeden Fall wurde ich auf den Himmel zurück geschickt und bin irgendwie zu einer Art Erzengel geworden, aber ich habe keine Ahnung wie man das mit der Erzengelmacht kontrolliert. Deshalb brauchen wir deine Hilfe."
Sehun trat einen Schritt zurück. „Fantasiere ich?"
Das war nicht die Antwort, auf die Baekhyun gehofft hatte. „Nein! Das ist unser ernst!"
„Ich bin völlig verrückt geworden."
„Sehun!", unterbrach Jongdae das nervöse Gestotter des anderen Engels. „Sieh ihn dir an. Sieh dir Baekhyun an! Du wirst erkennen, dass er ein Erzengel ist...oder so etwas ähnliches zumindest."
Sehun kam der Aufforderung nach und musterte Baekhyun von Kopf bis Fuß. Als er damit fertig war wurden seine Augen noch eine Spur größer. „Wow."
„Da du uns jetzt glaubst, hättest du etwas dagegen uns zu helfen? Es ist verdammt wichtig."
„Die anderen Engel sind...wirklich alle weg?"
Baekhyun zögerte, unsicher ob er Sehun wirklich schon mehr erzählen sollte, aber vielleicht verstünde er dann wie wichtig es war, dass sie schnell handelten. „Kyungsoo, Junmyeon und der Erzengel Chanyeol sind mit den anderen Gefallenen Engeln und mir in den Himmel eingedrungen. Ich...ich weiß nicht was aus ihnen geworden ist. Nur, dass Jongin sie in seiner Gewalt hat. Ich...weiß wirklich nicht, was er mit ihnen angestellt hat."
So etwas wie Schock, dicht gefolgt von Entschlossenheit huschte über Sehuns Gesicht. „Gut. Kannst du die Stäbe entfernen? Hier drinnen ist jede Art von Befehl, inklusive meiner Flügel blockiert."
„Nichts lieber als das. Wenn du mir verrätst, was ich tun muss."
Sehun runzelte die Stirn. „Du bist ein Erzengel, du müsstest wissen, was du tun kannst."
„Nein", sagte Baekhyun mit einem schrecklichen Gefühl in der Magengegend. „Das ist doch das Problem!"
„Hast du die Schriften gelesen?"
Baekhyun schüttelte den Kopf. „Nein, wo finde ich sie?"
Sehun starrte ihn fassungslos an. „Das weißt du nicht?"
„Nein", wiederholte Baekhyun. „Man hat mich nicht wirklich aufgeklärt, bevor ich ein Erzengel wurde." Tatsächlich hatte ihm das Universum rein gar nichts erklärt. Baekhyun wusste nur, dass eine Macht in seinem Inneren steckte, an die er irgendwie herankommen musste, bevor seine andere, Verbotene Macht, sie abstieß. Baekhyun hatte ein Zeitlimit und er wusste nicht wie viel dieser Zeit noch übrig blieb.
„Es gibt spezielle Schriften für Erzengel", erklärte Sehun.
„Super, aber ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung von Schriften, kannst du mir einfach erklären, was das bedeutet?"
Sehun ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Er wusste ja noch nicht, um was es hier wirklich ging und wie verflucht dringend ihre Situation war. „Es gibt die normalen Schriften für Engelsbefugte, wie Junmyeon, dann die Palodiums-Schriften für Palodiums-Engel mit den besonderen, den gefährlichen Befehlen, die kaum jemand kennt, und dann noch die Erzengel-Schriften an die nur die Erzengel herankommen."
Jongdae nickte heftig. „Sehr schön und wie kommt Baekhyun an sie ran?"
„Ich...ich denke die Stelle habe ich noch nicht gelesen."
Baekhyun brauchte einen Moment, bevor er verstanden hatte. „WAS?"
Sehun zuckte zurück. „Ich wurde festgenommen, bevor ich die Schriften zu Ende lesen konnte."
„Das bedeutet du kannst uns nicht helfen?"
Sehun blickte zerknirscht drein. „Ich...ich denke nicht."
Sollte Baekhyun dem Universum jemals wieder gegenüberstehen, dann würde er ihm so einiges erzählen. Verflucht einiges.
„Ich bin nutzlos", seufzte Baekhyun und konnte sich ein fassungsloses Lachen nicht unterdrücken. „Natürlich bin ich das! Ich habe die Macht eines Erzengels in mir, aber keine Ahnung, wie ich an sie rankommen soll. Großartig. Wirklich, wirklich großartig." Und mal wieder so verdammt typisch für ihn.
Während Baekhyun innerlich noch mehr Flüche an das Universum sendete, dachte Jongdae schon längst weiter. „Kannst du ein Himmelstor öffnen Sehun? Wir sitzen hier fest, aber wenn du das Himmelstor öffnen könntest..."
„Ich bin mir nicht sicher", er zögerte für einen Moment. „Ich kenne einen Befehl, aber ich weiß nicht ob sie mir gehorchen würden."
„Das ist alles was wir jetzt haben", sagte Jongdae eindringlich und holte damit auch Baekhyun aus seiner inneren Schimpftirade heraus.
„Dafür muss ich aber vor ein Tor kommen. Ich kann nicht alle auf einmal öffnen. Höchstens eins und nur aus nächster Nähe. Und selbst das ohne völlige Gewähr."
„Du bist doch Junmyeons Azubi", sagte Baekhyun mit einem schwachen Lächeln. „Du wirst das schon hinbekommen."
„Dann müssen wir ihn vor eines der Tore bekommen." Jongdae verzog das Gesicht. „Aber auch das war wieder unser anfängliches Problem. Sobald wir uns einem der Tore nähern haben wir Jongin und eine Horde falscher Erzengel am Hals."
Baekhyun spürte die Anspannung in seinen Schultern. Eine Stimme in seinem Kopf (die stark nach Jins Stimme klang) nannte ihn einen absoluten Volltrottel. Er ignorierte sie. „Nicht, wenn ihr euch einem Tor heimlich annähern könnt."
„Und wie..." Jongdae stockte. „Du willst den Köder spielen?"
„Wenn wir Jongin auf mich aufmerksam machen können, dann-"
„Nein, das ist genau das, was wir die ganze Zeit nicht tun wollten Baekhyun! Wir brauchen dich!"
„Nicht, wenn wir Sehun haben. Ich habe ohnehin keine Ahnung wie ich die Tore öffnen soll und uns bleibt bestimmt nicht genug Zeit auch noch irgendwelche Erzengelschriften zu finden von denen keiner eine Ahnung hat. Ich kann Jongin hinhalten. Für eine kurze Weile zumindest."
„Er wird dich umbringen."
Baekhyun schluckte schwer. „Wäre nicht das erste Mal." Baekhyun war sich jedoch mit beklemmender Sicherheit gewiss, dass es das letzte Mal sein würde.
„Das alles bringt nichts, so lange ich noch hier eingesperrt bin", seufzte Sehun. Diese Stäbe sind massiv, sie können nur durch einen bestimmten Befehl geöffnet werden. Einen aus den Palodiums-Schriften." Er ließ den Kopf hängen. „Ein Erzengel könnte sie bestimmt auch öffnen, aber-"
„Geh ein paar Schritte zurück", bat Baekhyun bevor Sehun zu Ende gesprochen hatte. „Du auch Jongdae."
Sehun betrachtete ihn mit gerunzelter Stirn, gehorchte jedoch und trat bis an die gegenüberliegende Wand heran. „Was hast du vor?"
„Dir zeigen, dass du mich nicht umsonst verbannt hast", sagte Baekhyun liebenswert. Eine Sekunde darauf explodierte es in der Zelle.
-
„Sie müssten den Himmel wirklich gegen Gefallene Engel sichern", murmelte Baekhyun, während er sich den Staub von den Handflächen klatschte. Ein Stück der Steinwand war ebenfalls bei der Explosion pulverisiert worden und hing nun in der Luft. „Als Gefallener hat man hier freie Laufbahn."
„Normalerweise gehören Gefallene Engel auch nicht in den Himmel", sagte Jongdae mit einem Lächeln, das seine Augen nicht erreichte. „Baekhyun, deine Flügel werden immer dunkler."
Das war nur ein Zeichen dafür, dass die Erzengelsmacht allmählich in seinem Inneren erlosch. Ihm blieb ganz gewiss nicht mehr genug Zeit um zu lernen wie er sie kontrollieren könnte, also müsste er wohl oder übel ohne sie auskommen.
Sehun trat verdutzt über die am Boden liegenden Steinbrocken und durch das Loch in den Metallstäben, das Baekhyun hinterlassen hatte. „Das war Verbotene Macht", murmelte Sehun fassungslos. „Baekhyun, du wirst dafür hingerichtet werden."
„Du bist hundert Jahre zu spät dran, um mir das zu erklären." Baekhyun versuchte sich an einem Lächeln, hatte plötzlich aber einen Armvoll Sehun an seiner Brust, der ihn fest an sich drückte. Baekhyun klopfte ihm beruhigend auf den Rücken. „Schon gut. Ehrlich, es ist alles in Ordnung. Beruhig dich, ich bin dir nicht böse."
„Aber-"
„Das ist jetzt völlig egal. Wir müssen die Tore öffnen Sehun." Baekhyun dachte an die anderen. An Kyungsoo, Junmyeon und Chanyeol, an Luhan, Minseok, Kris und Yixing, die er in Ketten zurückgelassen hatte. Jongin völlig ausgeliefert. „Das hat jetzt Priorität, verstehst du? Öffne ein Tor Sehun, damit die echten Erzengel den Himmel zurückerobern können." Damit die Seelen der Toten zurück in den Himmel kehren könnten und nicht auf ewig als Verlorene Seelen umher wandern mussten. Um nicht zu Dunklen Auren zu werden wie Hoseok, oder schlimmer noch, wie Jongin.
„Was ist mit dir?", fragte Jongdae leise. „Hast du wirklich vor-"
„Ich lenke Jongin ab", bestätigte er. „Er wird überrascht sein mich wiederzusehen."
„Nicht positiv", murmelte Jongdae, wandte sich jedoch ab. „In Ordnung, ich-"
„Du begleitest Sehun", sagte Baekhyun, bevor Jongdae weitersprechen konnte. „Nichts gegen dich Kumpel, aber du kannst noch weniger gegen ihn aussetzen als ich."
Jongdae machte nicht einmal einen Scherz daraus. Baekhyun sah den Konflikt auf seinem Gesicht, den Wunsch zu protestieren, aber er musste einsehen, dass Baekhyun Recht hatte. Dass er ihm wahrscheinlich nur im Weg stehen würde.
Sie traten den Rückweg zur großen Palodiumshalle an. „Dann sollten wir jetzt von hier verschwinden. Irgendwie muss ich es noch schaffen, dass Jongin auf mich aufmerksam wird."
„Das ist eine schreckliche Idee", murmelte Jongdae schwach. Baekhyun wusste, dass er Recht hatte. Er wusste auch, dass ihnen keine andere Wahl blieb.
„Ich freue mich schon darauf Jongins Gesicht zu sehen, wenn er mich wiedersieht. Er wird ein Gesicht ziehen wie-" Jongdae packte Baekhyun und Sehun gleichzeitig am Arm. Seine Augen waren in Schock geweitet und sein Gesicht blass. Er presste sich einen Finger über die Lippen, als er ihre Aufmerksamkeit hatte.
Dann hörten sie Schritte.
~*~
Jongin trat in die Palodiumshalle hinein und schnalzte dabei missbilligend mit der Zunge. „Was für eine Unordnung. Der schöne Boden ist ganz dreckig geworden."
Baekhyun presste sich an die Wand neben dem Ausgang – dort wo vorher Türen gewesen waren, die Baekhyun aus den Angeln gerissen hatte. Er hatte nicht so früh mit Jongin gerechnet. Ganz und gar nicht. Er sah zu Jongdae und Sehun herüber. Wenn Jongin sie zu Gesicht bekam, dann wäre ihr Plan nutzlos...sofern Jongin sich noch nicht selbst zusammengereimt hatte, was hier ablief. Jedoch, hatte Jongin sich nicht von Anfang an darum gekümmert, dass Sehun auf die Erde geschickt wurde, was mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf schließen ließ, dass er nicht von ihm wusste. Er hatte eine Lücke in seinem Plan und wusste davon wahrscheinlich noch nichts. Baekhyun wollte um jeden Preis verhindern, dass er davon erfuhr.
„Hier soll sich ein Erzengel befinden?", rief Jongin mit Spott in den Saal herein. „Ich würde mich gerne selbst vergewissern? Würde der Erzengel bitte auftauchen?"
Baekhyun schluckte schwer. „Könnt ihr alleine von hier fortkommen?", flüsterte er angespannt.
„Durch das Labyrinth?" Jongdaes Schultern sackten hoffnungslos herunter.
„Ich kann uns hier wegbringen", sagte Sehun nervös. „Dann kann ich gleich austesten, wie viel Macht mir noch geblieben ist. Ob meine Befehle noch wirksam sind."
„Besser jetzt als später", bestätigte Baekhyun. Er sah seine Freunde noch einmal nacheinander an. „Ich lenke ihn ab und ihr öffnet dieses verdammte Tor. Verstanden?"
Sie nickten entschlossen. „Geh nicht drauf", bat Jongdae.
Es brachte Baekhyun zum Lächeln. „Ich kann nichts versprechen." Dann trat er um die Ecke und in den weiten Palodiumssaal hinaus.
Jongins Lächeln fiel ihm von den Lippen. Baekhyun hatte Recht behalten, es war tatsächlich ein urkomischer Anblick.
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Die Kapitel kommen mir so kurz vor weil ich mittlerweile an lange Kapitel mit 10 oder mehr Seiten gewöhnt bin - wegen Bittersüß etc. aber eigentlich ist das eine normale länge :D Auch wenn ich zugeben muss, dass ich die Sache weiterhin hinauszögere :'D
Also Sehun ist jetzt ebenfalls mit im Boot und natürlich konnte es nicht so kommen wie Baekhyun es sich vorgestellt hat. Er kann seine Erzengelmacht immer noch nich benutzen...ist sie ihm jetzt also völlig nutlos gegeben worden oder wird sich das noch ändern?
Außerdem: Das ist der perfekte Moment um Wetten abzuschließen: Wie oft wird Baekhyun in dieser Geschichte noch draufgehen? Was denkt ihr? ;D
Sorry dass es so lange gedauert hat!!
Ah und mein Wattpad spinnt völlig. Ich bekomme ständig Benachrichtigungen ohne angezeigt zu bekommen, wer mir was und wann geschrieben hat. Es ist super frustrierend :( Wenn ich brauche um zu antworten dann liegt das zu 100 % an Wattpad.
Liebe Grüße
Cherry
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