11.5

Baekhyun und Jongdae waren beide zur Salzsäure erstarrt. Das war es also, hier endete ihr kläglicher Versuch den Himmel zu retten. Der falsche Erzengel, der gerade unter dem Torbogen des Palodiums hervorgetreten war, blickte ihnen mit leeren, dunklen Augen entgegen. Selbst wenn Baekhyun wollte, unter diesem Blick konnte er sich nicht bewegen.

Vielleicht könnte er es mit EINEM Erzengel irgendwie aufnehmen, aber bisher war er immer nur geflohen und er wusste nicht, wie gut seine Chancen in einem direkten Kampf standen. Seine eigene Macht war mit absolut hoher Wahrscheinlichkeit nur genug, um ihnen einen kurzen Fluchtvorsprung zu verschaffen, aber was dann? Wohin sollten sie fliehen, wenn sie sich innerhalb des Palodiums nicht auskannten? Zurück? Sollten sie diese Aktion abbrechen und fliehen? Aber würde sich ihnen eine neue Chance anbieten? Was, wenn Jongin bis dahin von ihnen Wind bekäme?

Baekhyuns Gedanken drehten sich im Kreis, wie ein Karussell ohne einen Hebel zum Abschalten. Der falsche Engel starrte sie weiterhin unbeteiligt an und...war dann urplötzlich verschwunden. Wie in Luft aufgelöst!

Jongdae griff neben ihm nach seinem Handgelenk um sich festzuhalten, als seine Knie weich wurden. „Ich zittere", sagte er mit brüchiger Stimme und deutete auf seine Knie, die tatsächlich schlotterten wie Wackelpudding. „Das...ist er wirklich weg?"

Baekhyun nickte langsam. „Sieht ganz danach aus, oder?"

„Irgendwie schon."

Sie schwiegen kurz.

„Mh, bist du dir sicher?"

„Woher soll ich das wissen?", knurrte Jongdae. Er richtete sich wieder halbwegs auf. „Großartig, und wir beide sollen den Himmel retten? Wir sind waschechte Bilderbuch Helden."

Baekhyun lächelte wacklig. „Das ist doch gerade noch gut gegangen. Er dachte sich wahrscheinlich nichts dabei uns zu sehen, hast du seinen Blick gesehen? Seine Augen waren total leer. Die Erzengel auf der Erde waren auch nur wie Puppen, ich denke sie sind nicht allzu intelligent."

„Das ist gut!" Er straffte die Schultern. „Tödlich UND intelligent wären zu viel des Guten! Na dann, weiter! Finden wir Sehun, damit er uns helfen kann deine neuen Erzengel-Kräfte richtig einzusetzen!"

Baekhyun nickte mit neuer Entschlossenheit. „Wir werden dieses Baby schon irgendwie schaukeln."

„Klar", versicherte Jongdae. Erneute Stille. Sie wandten gleichzeitig den Kopf zueinander um. „Na los, mach du den ersten Schritt."

Baekhyun verzog das Gesicht. „Was ist mit dir?"

„Ich bin nicht derjenige mit den coolen Fähigkeiten!"

Verflucht auch.

Baekhyun setzte sich in Bewegung. „Das ist nicht der richtige Zeitpunkt, um zu Zögern", sagte er mit gespielter Entrüstung in der Stimme. Während er das jedoch sagte, fragte er sich insgeheim, wie viele weitere Zombie-Erzengel sich wohl noch innerhalb des Palodiums befinden würden. Er versuchte sich einzubilden, dass seine Hände nicht zitterten, aber selbst seine blühende Fantasie genügte dafür nicht aus.

Sie hatten die ersten drei Stufen der Treppe hin zum Palodium gerade bestiegen, als Jongdae leise lachte. „Weißt du, was mir gerade durch den Sinn geschossen ist?"

„Was?"

„Es ist aber echt ein dummer Gedanke." Jongdae hatte Baekhyuns Handgelenk noch immer nicht losgelassen.

„Du hast nichts als dumme Gedanken", erwiderte Baekhyun. Der Torbogen des Palodiums ragte nun über ihnen auf. Vor ihnen erstreckte sich ein Flur, so lang, dass Baekhyun sein Ende nur erahnen konnte.

„Haha ja, du hast absolut Recht! Ich habe immer nur dumme Einfälle!" Dass Jongdae ihm zustimme, anstatt ihn empört anzufauchen (wie üblich), beunruhigte Baekhyun mehr, als die Anspannung in Jongdaes gesamtem Körper – selbst seine Flügel wirkten statisch geladen und einzelne Federn ragten ab.

„Was ist es denn jetzt? Dein dummer Gedanke."

„Er ist wirklich dumm."

„Jongdae-"

„Absolut dumm!"

Baekhyun wandte den Kopf wieder zu ihm um, ein ungeduldiger Ausdruck in den Augen.

Jongdae schluckte schwer hinunter. „Na ja, was wenn der falsche Erzengel nicht einfach so verschwunden ist?"

„Sondern?"

Jongdaes Finger verkrampften sich um sein Handgelenk. „Tja, was wenn er zu dem dunklen Engel geflogen ist, um ihm von uns zu erzählen?"

„Das...ist natürlich ein dummer Gedanke! H-hast du seine Augen nicht gesehen? Er hat uns kaum wahrgenommen."

Jongdae nickte schnell. „So ist es! Stimmt! Ich sagte doch, es war nur ein dummer Gedanke."

Baekhyun nickte wieder und wandte sich dann dem Eingang des Palodiums zu. Er setzte die ersten Schritte in den Flur hinein aber er kam nicht weit, bevor die Unruhe in seinem Inneren, ihn wieder zum Sprechen brachte.

„Jongdae?"

„Hm?"

„Was wenn du Recht hast?"

„Das...wäre ungut."

„Ja, du hast Recht."

„Verdammt ungut."

„Mhm."

„Wir würden draufgehen."

„Definitiv. Zum wiederholten Male – für mich zumindest."

„Baekhyun?"

„Ja?"

Jongdae preschte nach vorn und zog ihn dabei hinter sich her, bis Baekhyuns Füße kooperierten. „RENN!"

Und Baekhyun hatte gedacht, seine Beine wären zu wackelig um zu rennen, aber er wurde eines besseren belehrt. Der Flur war zu eng, dass sie beide ihre Flügel ausstrecken konnten und Baekhyun glaubte nicht an seine Fähigkeit in diesem Moment ruhig genug zu bleiben und nicht gegen eine der Granitsäulen zu fliegen, die den Pfad umrahmten. (Und in dieser Situation konnte wirklich niemand einen gebrochenen Flügel gebrauchen). Also rannten sie - und sie rannten so schnell sie konnten.

~*~

„Ein Erzengel?", wiederholte Jongin und zog dabei beide Augenbrauen hoch in die Stirn. „Du bist dir sicher?"

Der Erzengel, mit den weißen Schwingel und den absolut leeren Augen, nickte. „Ein fleckiger Erzengel und ein normaler Engel befinden sich im Palodium."

Jongin schüttelte den Kopf. „Das ist unmöglich, es gibt keine weiteren Erzengel im Himmel." Er sah mit gerunzelter Stirn auf Chanyeol hinunter. „Wenn es einen gäbe, wieso sind die Tore dann weiterhin geschlossen? Wieso hat er sich noch nicht blicken gelassen?" Sein Blick wanderte weiter über all die Engel – und die zwei bewusstlosen Gestalten auf dem Boden – die er in Ketten gelegt hatte. „Ein Erzengel von dem ich nichts weiß? Aber das ist unmöglich." Er betrachtete die Erzengel-Marionette, die er erschaffen hatte, um das Palodium im Auge zu behalten und zischte dann genervt. Er wusste, dass es keinen Grund für dieses Wesen gab, ihn anzulügen und ein Versehen war...unwahrscheinlich.

Jongin verschränkte die Arme vor der Brust. „Am besten ich sehe mir das selbst an." Er wandte sich lächelnd zu zwei seiner am Boden liegenden Engel um, bis er direkt vor ihnen stand. „Scheint ganz so, als wäre heute euer großer Tag. Auf diese Beförderung habt ihr bestimmt schon lange gewartet. Vor allem du, Junmyeon."

Kris stemmte sich erneut gegen seine Ketten auf. „Fass ihn nicht an, du widerlicher Dreckskerl! Geh weg von ihm!"

„So viel Gefühl", murmelte Jongin verwundert. Es war berauschend - ein Gefühl wie die dunkelste Art von Glückseligkeit, wenn Jongin daran dachte, wie sehr Kris mitfühlen würde, wenn er gleich mitansehen müsste, was Jongin mit Junmyeon zu tun gedachte. Es war das Leid aller anderer, an dem er sich ergötzte, dass ihn stärker und immer stärker machte. Es war die Dunkelheit in ihren Seelen, die Jongin mehr brauchte und mehr WOLLTE, als alles andere. Und gerade Engel! Engel, die Gefühllos und von Dunkelheit gereinigt waren, waren für gewöhnlich so schwere zu beeinflussen, aber Kris und Junmyeon waren schon immer anfällig für ihn gewesen, weil sie das Gefühl von Liebe kannten, dass so einfach zu manipulieren war! Ein so mächtiges, wie seltenes Gefühl unter Engeln, dass selbst in einem Engel wieder Dunkelheit beschwören könnte.

Und dann war da natürlich Chanyeol! Chanyeol, der gut und rein und der perfekte Erzengel war – und dennoch schon immer voller Dunkelheit gestrotzt hatte. Dunkelheit, die aus seinen Schuldgefühlen entsprang, die in direktem Zusammenhang zu Jongin selbst standen. Was Chanyeol schon immer seine beträchtliche Stärke als Erzengel gegeben hatte – seine starken Gefühle, die niemals gänzlich erloschen waren – machten ihn auf die gleiche Art absolut anfällig für Jongin. Und Jongin war durch seine Dunkelheit stärker geworden, hatte sich von ihr ernährt und war durch sie gewachsen, weil sie eine unermüdlich, starke Quelle war und immer in seiner greifbaren Nähe. Die Wiedergeburten hatten seine Dunkelheit nicht unterdrückt, sie hatten sie nur unbewusst genährt – ein langsamerer aber ebenso stetiger Prozess.

Jongin war innerlich voller Dunkelheit. Wenn man durch die Barriere seiner Haut sehen könnte würde man auf dunklen Rauch stoßen und seine wahre Form erblicken. Eine dunkle Aura im Körper eines Engels. Ein Dunkler Engel – der einzige, den es je gegeben hatte.

Und Jongin war noch nicht fertig seine Dunkelheit auszuweiten – noch lange nicht. Schmerz, Leid, Hass und Angst waren die Empfindungen, die er am liebsten hatte und er war unermüdlich in seinen Bemühungen die ganze Welt in ihnen ertrinken zu lassen.

Junmyeons Augen waren geweitet – panisch! – als Jongin die Hand über ihn ausstreckte. Die Zeilen der Schriften, die Jongin aus dem Palodium gestohlen hatte, gingen ihm durch den Kopf. Macht, die in seinen Händen nichts verloren hatte, agierte unter seinem Befehl. Ein Befehl so gefährlich, so böswillig, dass ihn kein guter Engel jemals aussprechen würde, legte sich über Junmyeon. Ketten klirrten und brannten sich in Engelshaut, VERbrannten Engelsflügel als Kris sich auflehnte und schrie und verlangte, dass Jongin von Junmyeon abließ.

Jongin wandte sich um und blickte Chanyeol mit einem triumphierenden Grinsen auf den Lippen entgegen – auch seine Dunkelheit wollte er deutlich sehen können. Chanyeol hing in seinen eigenen Ketten, als hätten ihn nicht nur seine Erzengelkräfte verlassen, sondern seine komplette Körperenergie. Er blickte Jongin mit bebenden Schultern an, seine Augen von Schatten verhüllt, die seine Haare auf sein Gesicht warfen. Selbst das strahlende Licht des Himmels konnte mit dem richtigen Winkel nicht verhindern, dass Schatten geworfen wurden. KEIN Licht des Universums kam ohne Schatten aus und Jongin fand sogar dass die strahlendsten Lichter, die dunkelsten Schatten hervorbrachten. So zumindest verhielt es sich mit Engeln.

Die schönsten Engel warfen die dunkelsten Schatten.

Er drehte sich zu Kyungsoo um, der Junmyeon anstarrte, als könnte er noch nicht glauben, was eben geschehen war. „Keine Sorge", sagte er mit einem boshaften Lächeln. „Du bist der nächste."

~*~

„Gibt es hier keine verdammte Karte?", murmelte Jongdae genervt. „Oder Schilder? Was zum Henker soll das denn? Wie soll man sich hier denn zurecht finden?"

„Ich denke das ist der Sinn der Sache", gab Baekhyun zu bedenken. „Dass Engel, die hier nichts zu suchen haben, wie wir, orientierungslos bleiben."

„Aber wir haben hier sehr wohl etwas zu suchen!"

Baekhyun konnte nicht dagegen argumentieren. Das Palodium war ein Labyrinth ähnliches Gebilde, dass aus lauter Fluren und Säulen bestand. In die Decke waren kleine Lichtquellen eingelassen, die wie Sterne, oder Diamanten, auf sie hinunterstrahlten und die übliche Wärme des Himmelslichts in sich trugen, aber bisher war das Palodium der dunkelste Ort, den Baekhyun im Himmel jemals gesehen hatte.

Sie erreichten erneut eine Abbiegung, die sie in drei unterschiedliche Richtungen weitergehen lassen konnte. Jongdae blickte von rechts nach links und dann nach vorne. Er seufzte tief. „Und wohin jetzt?"

Baekhyun zeigte nach links. „Dahin."

„Wieso? Du führst uns die ganze Zeit in irgendwelche Richtungen Baekhyun! Weißt du wirklich wo wir sind?"

Er zuckte die Achseln. „Ich habe da so ein Gefühl."

„Ein Gefühl? Ist das so eine Art Erzengel-Sache? So wie vorhin, als du uns hierher gebracht hast?"

„Nein, nicht das. Aber der Ort hier kommt mir eigenartig bekannt vor."

„Er kommt dir bekannt vor?" Er sog scharf Luft ein. „Du bist hier schon einmal gewesen?"

„Nein." Er betonte es indem er den Kopf schüttelte. „Ich weiß nicht ob ich völlig falsch liege, aber es erinnert mich an die Hölle."

„Die Hölle?", wiederholte Jongdae mit großen Augen. „R-richtig du bist dort ja schon einmal gewesen." Er blickte hinunter. „Du musst schreckliches durchgestanden haben."

„Nicht wirklich. Es war natürlich keine einfache Zeit, aber ich hatte teilweise auch viel Spaß."

„Spaß? In der Hölle?" Jongdae klang, als hätte er etwas absolut Unmögliches ausgesprochen – in seinen Augen musste es wohl so sein.

Er schenkte Jongdae ein kleines Lächeln. „Die Hölle ist ganz anders, als du sie dir vorstellst. Sie ähnelt der Erde, nur das Naturgeister, Verlorenen Seelen und Dunkle Auren dort das menschliche Treiben ersetzen. Lucifer kopiert die Erde und-" Baekhyun deutete um sich herum. „Es gibt dort einen Ort – ein Schloss, das ist die Academia – dass von innen irgendwie die Form des Palodiums hat. Nur sind in die Flure der Academia lauter Türen und Zimmer eingelassen – das ist gut damit man sich verstecken kann – aber ansonsten ist alles sehr ähnlich." Baekhyun dachte nach. „Es ist mir aufgefallen als wir diesen ersten langen Flur hinter uns hatten und dann zwei Weggabelungen vor uns hatten. Es wirkte eigenartig vertraut und mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher, dass dieser Ort tatsächlich der Struktur der Academia ähnelt. Nur sind vorne und hinten vertauscht – denke ich zumindest." Baekhyun dachte an den Saal mit der Kuppel, der in der Academia direkt nach dem Eingang zu finden war und der Baekhyun schon bei seinem ersten Mal an die Palodiums-Bilder erinnert hatte.

„Was für Dinger ersetzen die Menschen in der Hölle?"

Baekhyun lachte wieder. „Vergiss es. Ich erzähle es dir wann anders."

Eigentlich war überhaupt nicht verwunderlich, dass Lucifer die Academia wieder nach der Schablohne eines vorhandenen Gebäudes errichtet hatte – seine gesamte, eigene Schöpfung bestand ja aus Nachfertigungen.

Und wenn Baekhyun nicht alles täuschte und Vorder- und Hintereingang wirklich einfach vertauscht waren, dann würde er bald den hinteren Teil des Palodiums erreicht haben – und dort müsste sich dann ein Raum mit einer Kuppel befinden – ganz wie in der Academia.

Jongdae seufzte. „Gut...und will ich wirklich wissen, was du damit meintest, dass viele Zimmer gut dafür geeignet sind, um sich in ihnen zu verstecken?"

Baekhyun lachte – unweigerlich, weil die Erinnerung nun so weit entfernt wirkte, obwohl er die Hölle erst seit ein paar Tagen verlassen hatte. „Das war der unschöne Teil meiner Zeit in der Hölle. Wobei ich dabei ein paar ziemlich coole Leute kennengelernt habe. Wir sind gute Freunde geworden. Eines Tages werde ich sie dir-" Baekhyun brach ab, weil er sich daran erinnerte, dass es nicht möglich war, dass er Jongdae Jin und seine anderen Ausbilder vorstellen könnte. Sie waren an die Hölle gebunden, in die Jongdae niemals einen Fuß hineinsetzen würde.

„Eine Tür!", rief Jongdae plötzlich aus. „Woah endlich! Wir sind so lange herumgeirrt!"

Baekhyun war plötzlich wirklich dankbar dafür, dass er fast ein ganzes Jahrhundert in der Academia verbracht hatte und das Lucifer nicht kreativ genug war, um sich seine eigenen, komplexen Gebäude zu erfinden.

Sie wurden wieder nervös, als sie vor den großen Flügeltüren zu stehen kamen. Die Türflügen erstrahlten, wie keine Replikate der Himmelstore (was sie wahrscheinlich sogar waren) aber sie waren verschlossen und ließen nicht erahnen, was sich hinter ihnen befand.

„Was wenn dort nun doch ein paar falsche Erzengel auf uns warten?"

Baekhyun zuckte die Achseln. „Ich weiß es nicht."

Jongdae seufzte leise. „Na ja, jetzt sind wir schon hier, nicht wahr?" Er versuchte stark und tapfer zu wirken, als er Baekhyun anlächelte. „Und da wir keine Treppe hinunter in den Verließ gefunden haben..." Er räusperte sich. „Ja das ist unsere beste Chance. Ich mache sie auf." Jongdae legte seine Hände auf die strahlende Tür. Seine Arme und Flügel zitterten vor Anspannung. Baekhyun stellte sich neben ihn und legte die Hände ebenfalls auf die Tür.

„Wenn Zombie-Erzengel drinnen sind, dann kratzen wir die Kurve, verstanden? Vielleicht haben wir Glück und sie verlaufen sich, während wir davonrennen."

Jongdae warf ihm einen wenig begeisterten Blick zu. „Zuallererst sind WIR es, die sich verlaufen. Wegrennen wirkt jetzt nicht."

Baekhyun war sich sicher, dass, wenn falsche Erzengel hinter der Tür auf sie warteten, sie sich schon lägst verraten hatten.

„Gut, auf drei und dann schieben wir. In Ordnung?"

Jongdae nickte. „Klar bin ich bereit, ich war nie bereiter." Ganz danach klang er auch. In jeder anderen Situation hätte sich Baekhyun vielleicht über seinen besten Freund lustig gemacht, aber das hier war nicht eine dieser Situationen.

„Okay." Er nahm einen tiefen Atemzug und begann dann auf drei zu zählen.

Sie drückten die Tür mit einem Kampfesschrei auf den Lippen auf, der ihnen gleichermaßen unbewusst von den Lippen kam (Baekhyun schob alles auf seine Nerven, die zum Reißen gespannt waren). Die Tür gab problemlos nach und war deutlich leichter, als beide angenommen hatten. Sie stolperten über ihre eignen Füße und fielen mit dem Gesicht voraus durch die Tür hindurch, die sich auch schon durch einen kleinen Schupps geöffnet hätte. Sie taumelten in einem ungraziösen Haufen, aus flatternden Armen und Flügeln zu Boden, ihr Kampfesschrei mittlerweile nur noch ein schriller Ton der Panik, der durch ‚Uff!' und ‚AU!' ersetzt wurde, als sie zu Boden krachten.

Irgendwie hatte Jongdae es geschafft zur Hälfte auf Baekhyun zu landen, so dass einer seine Flügel auf seinen Kopf hinunterdrückte. Baekhyun schob ihn schnell von sich herunter und blickte durch seine Haare in den weiten Raum hinein.

Ein Raum, der, bis auf sie beide, völlig leer war.

Baekhyun sah mit einem Seufzen zu Jongdae herüber. „Das, gerade eben, bleibt für immer zwischen uns, in Ordnung?"

„Darauf kannst du Gift nehmen!"

Sie richteten sich auf, um den weiten Saal zu überblicken und es war erneut erstaunlich, wie viele Ähnlichkeiten Baekhyun auch hier mit der Academia fand. Es war beinahe die gleiche Kuppel, die nun über ihnen hing, nur waren hier, bis auf Muster und Glas, auch Wolken, die sanft und lautlos umher flogen. Außerdem waren die Dimensionen des Raumes ganz andere. Dieser Raum war gigantisch und die Kuppel über ihnen so weit wie der Himmel selbst, wenn man ihn von der Erde aus betrachtete – so zumindest schien es.

„Das ist unglaublich", flüsterte Jongdae ehrfürchtig. „Das also ist das Herzstück des Palodiums, nicht wahr?" Sein Blick glitt über die Marmorstatuen der Erzengel, unter denen sich auch Chanyeol befand, und über den Mosaikboden, der Engel, Palodium und Himmel zeigte und wohl Geschichten darstellte, die Baekhyun von oben betrachten müsste um sie als Ganzes zu erkennen.

„Ich denke schon. Von hier aus wurden dann wohl auch alle verantwortungstragenden Engel auf die Erde geschickt." Baekhyun erschauderte unweigerlich.

„Das ich jemals hier sein würde...aber das ist jetzt egal! Wir müssen irgendwie in das Verließ finden!"

Baekhyun nickte. „Es muss sich irgendwo unter dem Palodium befinden. Wir sollten versuchen eine Tür, oder so etwas Ähnliches, zu finden. Ich habe das Gefühl, dass sich der Eingang nach unten irgendwo hier befinden muss."

„Mh, Baekhyun?"

„Vielleicht eine Art Portal, oder, ich weiß nicht, ein Spruch an der Wand vielleicht?"

„Baekhyun!"

„Was?"

Jongdae deutete mit dem Finger nach links. Dort, weit hinten, befand sich eine Wand, in die eine große, schwarze Tür, eingelassen war, vor der dutzende von Ketten hingen. Wie einen Tresor, den man doppelt und dreifach...und hundertfach sicherte. „Das ist vielleicht eine gewagte Annahme, aber ich denke wir müssen durch diese Tür."

Er nickte leicht. „Sieht ganz danach aus."

„Und wie kriegen wir die Ketten da weg?"

Baekhyun betrachtete seine Hände und ließ ein wenig von seinem dunklen Rauch erscheinen. „Überlass das mir."

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Selbes Spiel wie letztes Mal - das Kapitel hätte länger sein sollen aber dann hätte ich euch noch länger warten müssen, daher ist es erneut eher kurz geraten...
(Ich habe das Gefühl ich baue unnötige Spannung auf xD aber gut :D)

Ah ich weiß nicht, ob es irgendjemanden nervt aber ich liebe die Idee dass Baekhyun und Jongdae einfach die zwei schlechtesten Helden in der Geschichte von Helden sind xD sie sind so ungeeignet für den Job, aber ich finde es irgendwie total lustig so und ich hoffe euch geht es genau so :D

Teil 11 ist bisher schon aus drei unterschiedlichen Perspektiven geschrieben worden und da es sich hierbei um den letzten Teil handelt, ist das auch absichtlich :D Ich wollte euch auf jeden Fall noch einmal einen Einblick in Jongins Inneres geben und ich hoffe ich konnte verständlich machen, was so in ihm vorgeht etc.

Es wurde ja schon angedeutet, was im nächsten Kapitel passieren wird ;D es wird ein nicht so freudiges Wiedersehen werden! (oder vielleicht sogar zwei? ;))

Ich hoffe ihr freut euch auf das nächste Kapitel! IIch habe absolut Spaß daran, diesen Teil zu schreiben. Hoffentlich habt ihr genau so viel Spaß daran ihn zu lesen ^^

Liebe Grüße!
Cherry


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