10.4
Die Nachricht kam als niemand mehr mit ihr gerechnet hatte. Die Prinzessin hatte Empfangen. Sie hatte die letzten Tage über Übelkeit geklagt aber da sie zuvor keine anderen Anzeichen einer Schwangerschaft gezeigt hatte hielt man es für eine normale Magenverstimmung. Nun war sich der zuständige Heiler sicher und verkündete voller Freude dass die Prinzessin ein Kind erwartete.
Jongin fiel vor Erleichterung in sich zusammen. Jetzt galt es nur noch dass das Kind ein Junge wäre und schon konnte er den Palast guten Gewissens hinter sich lassen.
„Du solltest zu ihr gehen", sagte Chanyeol, nachdem Jongin ihm die Nachricht überbracht hatte. „Sie würde sich bestimmt darüber freuen dich zu sehen."
Jongin dachte darüber nach, zuckte schließlich jedoch die Achseln. „Ich werde ihr ein paar Smaragde senden. Sie braucht jetzt Ruhe bis das Kind da ist."
Chanyeol hatte Mitleid mit der Prinzessin, weil Jongin nicht das geringste Interesse für sie zeigte und wusste gleichzeitig dass sie von allen Menschen am wenigsten von ihm bemitleidet werden wollte. Immerhin war es Chanyeols Schuld das Jongin ihr nichts seiner Zuneigung erübrigen konnte.
~*~
Das zweite Mal das Chanyeol die Prinzessin alleine antraf war kein Zufall. Sie trug ein dunkles Gewand mit einer Kapuze über ihren dichten schwarzen Locken und hielt das Gesicht gesenkt, bis Chanyeol um die Ecke bog. Er war schmutzig und verschwitzt vom Training und wollte zu den Bädern gehen um sich wieder präsentabler zu machen. Jongin und er hatten nach ihrem gemeinsamen Training eine separate Rutine entwickelt, weil es Zeit wurde dass sie sich auf die Dinge vorbereiteten, um die sie sich später kümmern mussten. Für Chanyeol bedeutete das enorm viel Training mit Semachites, der ihm erklärte wie man ein Bataillon befehligte.
Sie musste Sklaven befehligt haben ein Auge auf Jongin und ihn zu behalten, damit sie ihn abfangen könnte. Chanyeol hatte keinen Zweifel daran.
Er trat zu ihr heran und verneigte sich vor ihr, denn sie war, trotz allem, die Prinzessin und zukünftige Königin dieses Reiches. Sie zog ihren Mantel enger um sich und Chanyeol bemerkte dass ihre Hände dabei zitterten.
„Fühlt Ihr euch nicht wohl?", fragte er sanft. „Ihr solltet nicht hier draußen sein."
Tatsächlich sollte die Prinzessin nirgendwo sein. Sie war hochschwanger und niemand außer ihren Dienerinnen und den Ärzten durfte sie sehen.
„Ich bin es leid", flüsterte sie. „Die ganze Zeit eingesperrt zu sein. Die ganze Zeit nichts tun zu dürfen außer...außer Sticken." Sie sprach das letzte Wort wie einen Fluch aus.
Chanyeol nickte. „Ich verstehe Prinzessin aber man möchte euch damit nur beschützen", versicherte er. „Ihr tragt das Kind unseres Prinzen in eurem Leib."
Sie lachte freudlos auf und schob sich noch etwas weiter in die Schatten, die die Wand warf. Chanyeol fragte sich wo alle Wachen waren. „Was hat der Prinz mit mir vor, sobald das Kind auf der Welt ist?", fragte sie mit schwacher Stimme. Ihre Lippen zitterten. Chanyeol war ihr als eine Frau mit wenig Gefühlen begegnet aber selbst sie schien diese Fassade nun nicht mehr aufrechterhalten können. „Was wird er mit mir tun wenn das Kind da ist?"
Chanyeol schüttelte schnell den Kopf. „Ihr denkt dass er euch etwas antun wird? Das würde Jongin nicht tun."
„Unsinn", zischte sie. „Er hasst mich. Ich bin ihm ein Dorn im Auge!"
Chanyeol fragte sich ob sie durch den Schleier ihrer verwirrten Gefühle sprach oder ob sie es wirklich ernst meinte. „Jongin hegt keine negativen Gefühle für euch Prinzessin", wiederholte Chanyeol und betonte jedes einzelne Wort um glaubwürdiger zu erscheinen. „Jongin ist ein ehrenhafter Mensch."
Sie zitterte nun am ganzen Leib und leises Schluchzen kam ihr über die Lippen. „Er hasst mich", wiederholte sie und schwang sich plötzlich in Chanyeols Arme. Er spürte deutlich die Rundung ihres Bauches, der unter ihrem Gewand kaum zu sehen gewesen war. Chanyeol stand wie erstarrt da, unsicher was er mit der weinenden Prinzessin tun sollte. Unsicher auch, weshalb sie sich gerade an ihn gewandt hatte.
„Wollt ihr so dringend von Jongin gemocht werden?", fragte er schließlich und schluckte schwer hinunter. „Wenn dem so ist, dann könnte ich mit ihm reden, ihn bitten..." Tja ihn um was bitten? Sie zu lieben? Nicht nur das Chanyeol das nicht konnte, er wollte es auch nicht. Aber was sonst sollte er dieser weinenden Frau sagen?
Sie weinte und schniefte und schüttelte dann den Kopf. „Ich will es nicht", flüsterte sie. Chanyeol glaubte sie nicht ganz richtig verstanden zu haben.
„Wie bitte?"
„Ich will den Prinzen nicht", zischte sie dann lauter und voller Wut in der Stimme. Chanyeol runzelte die Stirn und wollte fragen, was sie denn sonst wollte, als sie ihm eine Hand in den Nacken legte und sich plötzlich auf die Zehenspitzen stellte. Ihre Lippen waren salzig von ihren Tränen als sie ihn küsste. Chanyeol stand da wie erstarrt.
Sie ging ein paar Augenblicke darauf einen Schritt zurück und sah hoffnungsvoll zu ihm auf. „Ist es so schwer?" Sie nahm seine Hand zwischen ihre und legte sie sich selbst auf die Brust. „Eine Frau zu lieben?" Chanyeol zog seine Hand zurück als hätte er sich an ihr verbrannt. Er starrte sie an ohne Worte zu finden. Das alles hatte sich unheimlich falsch angefühlt.
„Chanyeol!" Beide zuckten heftig zusammen und wandten sich gleichzeitig der Gestalt zu, die mit festen Schritten auf sie zukam. Jongin blieb vor ihm stehen und sah ihn von Kopf bis Fuß an. „Du bist noch immer so schmutzig, wolltest du nicht ein Bad nehmen?"
Chanyeols Mund öffnete und schloss sich ein paar Mal wie ein Fisch der an den Strand gespült wurde.
Jongin schüttelte den Kopf. „Geh", sagte er sanft und mehr brauchte Chanyeol nicht. Er nickte der Prinzessin zu und wandte sich ab. Er hörte ihr Schluchzen als Jongin sie am Handgelenk packte und er blieb nicht stehen als sie leise wimmerte. Jongins Stimme klang kalt und schneidend als Chanyeol um die Ecke bog um zu den Bädern zu gelangen. Er sah nicht zurück.
Das war das letzte Mal dass er jemals wieder alleine mit der Prinzessin gesprochen hatte und einen Monat darauf gebar sie einen Sohn und der ganze Palast atmete erleichtert auf. Jongin an aller erster Stelle.
Drei Monate darauf stellte Jongin ein Heer auf dass dem König von Aspiris in ihrem Kampf gegen das Reich Tysanderia helfen sollte. Sie waren beide erst frische neunzehn Jahre alt, als sie in ihre erste Schlacht zogen.
~*~
Die ersten Jahre auf dem Schlachtfeld waren hart. Jongin war jung und unerfahren und seine Berater wie auch die Soldaten benahmen sich ihm gegenüber herablassend und spöttisch. Viele unter ihnen waren vor Jahrzehnten unter der Führung von Jongins Vater bereits in den Krieg gezogen und rühmten sich nun mit ihrer Erfahrung. Jongin ließ dies kalt. Seine Botschaft war klar: „Folgt mir und wir werden siegen. Stellt euch gegen mich und diese Schlacht, wie unser aller Leben, wird verloren."
Natürlich folgten die Männer ihm, weil er ihr Prinz war, aber ihre Witze und herablassenden Bemerkungen brachten Chanyeol zur Weißglut. Sie hatten ihre erste Front noch nicht einmal erreicht und plötzlich konnte Chanyeol es nicht mehr abwarten endlich dem Feind gegenüber zu stehen. Er wusste dass Jongin ein guter Heerführer wäre und Chanyeol wusste gleichermaßen, dass er selbst ebenfalls bereit dazu war ein Bataillon zu führen.
Sie ritten den halben Tag Richtung Aspiris, schlugen dann ihre Zelte auf und trainierten bis zum Sonnenuntergang. Dies war auch eine Sache, die auf Spott traf.
‚Training! Wie kleine Jungen, die noch nie ein Schwert in der Hand gehalten hatten!', zischten die Soldaten. Wozu brauchten sie Training? Sie waren ihrer selbst so sicher, so unvorsichtig und arrogant.
Sie waren zu Tausenden unterwegs, daher war es schwer die Meute ruhig zu behalten aber Jongin beharrte auf diese Trainingseinheiten am Ende des Tages. Natürlich traf er bald auf Proteste und die ersten mutigen Seelen wagten es sich bei Jongin zu beschweren.
„Wir sind müde von dem langen Tagesritt mein Prinz", sagte Euklipedes. Er war angesehen unter den Männern, weil er in seiner letzten Schlacht mit seinem Mut und seinem Geschick viel Ehre erlangt hatte. Jongin hatte ihn zu einem seiner Offiziere erklärt aber sich dem anderen Mann gegenüber noch nicht ausreichend bewiesen.
Jongin sah ihn nun mit zur Seite gelegtem Kopf an und überdachte seinen Antrag. „Die Männer verlangen also von mir, dass ich das Training am Abend absetze? Obwohl wir noch Wochen brauchen bis wir die Front von Aspiris erreichen werden?"
Euklipedes nickte ernst. „Wir sind erfahrene Krieger", sagte er. Chanyeol konnte den Spott und das unterdrückte ‚Ganz anders als Sie' aus seiner Stimme heraushören und biss fest die Zähne aufeinander. „Wir sollten uns schonen bevor die Schlacht beginnt."
Jongin sah zu Semachites herüber, dann zu Chanyeol. Als er sich Euklipedes erneut zuwandte spannte seine Lippen ein Lächeln. „Gut, ich verstehe das Anliegen der Männer."
Euklipedes wirkte sehr zufrieden mit sich selbst. „Dann werde ich den Männern mitteilen dass-"
Jongin fiel ihm ins Wort. „Ich werde ihnen gestatten das Training sein zu lassen - aber nur unter einer Bedingung."
Euklipedes blinzelte verwirrt. „Eine Bedingung?"
Jongin nickte und zeigte dann mit der Hand auf Chanyeol. „Wenn einer der Männer es schafft Chanyeol zu besiegen, dann seid ihr von euren Trainings-Pflichten befreit."
Stille herrschte im Zelt. „Was?", fragte Euklipedes dann erstaunt nach.
„Wenn es auch nur ein Mann schafft meinen ersten Offizier zu besiegen streiche ich das Training am Abend."
Erneute Stille. „Ihr denkt doch nicht ernsthaft, dass ein Mann...ein ehemaliger Sklave es mit den erfahrensten Männern dieses Heers aufnehmen kann?!" Wut klang aus seiner Stimme heraus. Jongin hatte ihn provoziert und wahrscheinlich in seiner Ehre gekränkt, denn er sah in Jongin nur einen verzogenen kleinen Jungen, der sein Leben auf den weichen Kissen des Palasts verbracht hatte, ohne jemals die Beschwerden des wahren Lebens kennengelernt zu haben.
Jongin ließ sich noch immer nicht außer Ruhe bringen. „Sind meine Bedingungen nicht im Rahmen dessen, für was die Soldaten des Heeres sich gewachsen fühlen."
Euklipedes schnaubte und spuckte dann zu Boden. „Schön. Das wird ganz schnell gehen. Beschweren Sie sich nur nicht wenn ihrem werten ersten Offizier dabei versehentlich der Kopf von den Schultern getrennt wird."
Jongin lächelte. „Oh ich mache mir darum keine Sorgen."
Euklipedes schnaubte noch einmal und wandte sich dann wutentbrannt um, um den Soldaten die Nachricht zu übermitteln."
Jongins Berater – sieben wenn man Semachites und Chanyeol nicht mitzählte – rieben sich nervös die Hände. „Eure Majestät, mit Verlaub, war das klug? Sie haben die Soldaten damit nur gegen sich erbost mein Prinz."
Semachites schüttelte den Kopf. „Das ist Ihre erste Reaktion werter Berater? Man hat dem Prinzen vor die Füße gespuckt! Ich werde mir Euklipedes vorknüpfen sobald-"
„Keine Umstände Meister Semachites. Euklipedes wird seine Lektion auf andere Art und Weiße lernen." Er wandte sich Chanyeol zu. „Ich habe vollstes Vertrauen in dich. Du wirst nicht verlieren." Es war keine Frage, denn für Jongin war die Antwort tatsächlich klipp und klar.
Ein anderer Berater stöhnte entnervt auf. „Zwei Wochen sind wir nun unterwegs und schon bricht dieses Heer auseinander! Mein Prinz, ich bitte Sie, solche Entscheidungen dürfen Sie nicht so unbedacht fällen. Ich verstehe ja, ihr seid noch jung und unerfahren aber-"
„Ihr habt Recht", unterbrach Jongin ihn. „Ich bin jung und unerfahren aber ich bin auch ihr Prinz", sagte er mit schneidender Stimme. „Und es wird Zeit diesem Bataillon etwas zu beweisen, nicht wahr? Ich vertraue auf Chanyeols Fähigkeiten und ich vertraue auf meine eigenen." Damit wandte er sich ab und trat aus dem Zelt heraus, dicht gefolgt von Chanyeol.
Jongin lachte leise, sobald die Soldaten vor dem Eingang den dicken Stoff zurück schoben. „Chanyeol ich denke ein paar Leute warten auf dich."
Tatsächlich hatten sich Soldaten bereits vor dem Zelteingang gesammelt und warteten mit grimmiger Miene. Euklipedes an ihrer Spitze. „Die Nachricht muss sich in der Geschwindigkeit eines Waldbrandes verbreitet haben", murmelte Chanyeol. „Ich frage mich, war das wirklich ein spontaner Einfall Jongin oder hast du das schon seit einer Weile geplant?"
Jongin zuckte nichtssagend die Achseln. „Macht das einen Unterschied?"
Chanyeol seufzte. „Nein. Ich denke nicht."
Jongin lachte leise. „Bring bitte niemanden um."
Euklipedes zog sein Schwert aus der Scheide und richtete es auf Chanyeol. „Bringen wir es schnell hinter uns, die Soldaten wollen eine Pause einlegen." Seine Stimme klang noch viel herablassender, jetzt da er mit Chanyeol sprach.
„Ah", sagte Chanyeol leise zu Jongin. „Jetzt verstehe ich, warum ICH gegen die Männer kämpfen soll und nicht DU."
„Wenn du es leid wirst kannst du immer mir das kämpfen überlassen."
„Nein." Er zog sein Schwert. „Ich denke ich werde damit fertig."
Er stellte sich Euklipedes gegenüber und hob sein Schwert gegen das seine. Sie wurden sogleich von Soldaten eingekreist, die dem Kampf gespannt entgegensahen. Sie lachten und baten Euklipedes ‚nicht zu hart mit dem Jungen umzugehen'. Nicht nur Jongin musste seine Stelle in diesem Heer unter Beweis stellen, Chanyeol musste es ebenfalls. Das war der Grund weshalb Jongin diese Kämpfe vorgeschlagen hatte, denn wie sonst sollte Chanyeol diese Männer in die Schlacht führen, wenn sie ihn so verspotteten?
Adrenalin strömte durch Chanyeols Adern. Jongin hatte dies mit Sicherheit geplant und es bestätigte ihm nur noch einmal was für ein genialer Heerführer er sein würde. Jetzt musste Chanyeol sich nur noch beweisen.
„Bereit Junge?", fragte Euklipedes. Er machte einen Schritt zurück und...und öffnete seine Kampfhaltung. Die Soldaten lachten. „Dich besiege ich Einhändig." Noch mehr Gelächter. „Und blind wenn es sein muss." Pfiffe, Grölen und Klatschen folgten seinen Worten. Er war der Held dieser Männer, stark, arrogant und selbstsicher. Und dumm. Seine gesamte rechte Seite war völlig ungeschützt weil er sich nicht um seine Deckung scherte. Er nahm Chanyeol nicht ernst und er würde es bereuen. Chanyeol hätte ihn töten können, bevor er es überhaupt realisieren würde, oh Himmel. Er nahm einen tiefen Atemzug, überdachte das ganze schnell und hatte seinen Entschluss schließlich getroffen.
Chanyeol warf sein Schwert zu Boden und hob die Fäuste vors Gesicht.
Euklipedes blinzelte verwirrt dann brach er in Gelächter aus. „Junge! Hat man dir nicht beigebracht dass man bei einem Schwertkampf EIN SCHWERT in der Hand halten muss?"
„Du nimmst diesen Kampf offensichtlich nicht ernst", erwiderte Chanyeol. „Ich hingegen tue es also ist es nur fair, wenn ich mich auf dein Level hinunter begebe." Er lächelte liebenswert, so wie Jongin es manchmal tat wenn jemand vor ihm stand, den er nicht ausstehen konnte. „Wir wollen den Männern ja keinen allzu ungleichen Kampf präsentieren."
Euklipedes schnaubte wütend und rannte in der nächsten Sekunde auf Chanyeol zu. Chanyeol hatte mit nichts anderem gerechnet. Euklipedes war alt und arrogant und so sehr von sich selbst überzeugt, dass er seine gesamte Deckung völlig vernachlässigte. Das einzige was ihn in diesem Moment gefährlich machte, war das Schwert in seiner Hand und die Stärke in seinem Arm aber selbst das wurde von blinder Wut zu Nichte gemacht.
Chanyeol wich flink unter seinem Arm hindurch aus und schickte ihn mit seinem Fuß gegen sein Kniekehlen zu Boden. Euklipedes fiel in den Staub. Stille war über die Lichtung gefallen. „Bist du jetzt dazu bereit richtig zu kämpfen?", wollte Chanyeol wissen. „Oder willst du dich weiterhin über mich lustig machen?"
Euklipedes kam wütend auf die Beine und wischte sich den Staub von den Händen. „Sag mir nicht was ich zu tun habe, du kleiner Scheißkerl. Ich war bereits im Krieg, bevor du überhaupt von deiner Sklavenhure einer Mutter geboren wurdest!"
„Also nicht", schlussfolgerte Chanyeol, nicht im Geringsten aus dem Konzept gebracht. Euklipedes machte dies nur wütender. Er schwang sein Schwert erneut nach Chanyeol aus aber es war lächerlich einfach ihm auszuweichen. Chanyeol hatte oft unbewaffnet gegen Jongin gekämpft und so länger der Kampf anhielt, desto wütender und beschämter wurde sein Gegenüber. Jongin war am Anfang nicht anders gewesen. Irgendwann fing er an, wild und ohne Routine nach ihm zu schwingen, einfach um die Sache endlich zu beenden. Euklipedes handelte nicht anders. Sein Gesicht glühte vor Scham und Wut scharlachrot und er brüllte aus voller Kehle wenn er auf Chanyeol einschlug. Seine jahrelange Erfahrung ging ihm im Auge seines Hitzkopfes völlig verloren.
Chanyeol wartete auf seine Gelegenheiten, wich Euklipedes Schwert aus und trat ihm in den Bauch, gegen die Beine, in den Hintern...er machte ihn nur wütender bis Chanyeol bemerkte, dass er wirklich nur noch mit ihm spielte und den älteren Mann bloßstellte. Also beendete er die Sache in dem er ihm sein Schwert, mit einem Schlag gegen seinen Unterarm, aus der Hand schleuderte und ihm mit erhobener Faust am Kragen seiner Uniform packte.
Euklipedes atmete schwer vor Anstrengung und Erschöpfung. Chanyeol ließ ihn los.
„Ich sagte doch. Es wäre ein ansehnlicher Kampf geworden, wenn wir etwas ernster gemacht hätten."
Euklipedes starrte zu Boden. Noch immer herrschte Stille unter ihren Zuschauern aber langsam begannen Leute zu murmeln. Chanyeol ging vor Euklipedes zu Boden und erhob die Stimme, so dass man ihn gut verstand.
„Ich bin mir sicher ich kann viel von Euch lernen Meister Euklipedes. Ihr habt einen beachtlichen Schwerthieb."
„Machst du dich jetzt über mich lustig?", schnaubte der ältere Mann, noch immer wütend.
Chanyeol schüttelte den Kopf. „Nein, im Gegenteil. Es war nie meine Absicht mich über Euch lustig zu machen aber", er grinste leicht. „Auch ich bin nur ein Mann und habe meinen Stolz. Ich musste mich irgendwie beweisen. Das nächste Mal...sollten wir beide mit allem kämpfen was wir haben. Denkt Ihr nicht dasselbe?" Euklipedes starrte ihn für einen Moment an, dann brach er plötzlich in Gelächter aus. Er reichte ihm die Hand und Chanyeol zog ihn zurück auf die Beine.
„Gut. Du hast mich überzeugt." Er schlug ihm halbherzig mit der Faust gegen die Schulter. „Mann du hast verdammt schnelle Beine, muss an deiner blutigen Jugend liegen."
„Ja das kann gut sein", lächelte Chanyeol.
Euklipedes klopfte ihm nun laut lachend auf die Schulter, alle Anspannung war verschwunden. „Du bist schwer in Ordnung."
Damit nickten auch die anderen Soldaten still vor sich hin und beglückwünschten Chanyeol, erst zaghaft, dann lauter und mit mehr Inbrunst.
„Hab niemals gesehen dass jemand Euklipedes so zugesetzt hat. Echt erstaunlich."
„Nicht einmal ein Schwert in der Hand! Und das gegen den alten Euklipedes! Der Junge hat doch was drauf!"
Jongin beobachtete die Sezen von der Seite und wirkte sehr zufrieden mit dem Stand der Dinge. Er sah noch eine Weile länger zu, wie Soldaten Chanyeol auf die Schultern klopften und ihn beglückwünschten, bevor er sich räusperte. Chanyeol sah zu ihm herüber und ging an seine Seite zurück.
„Vergesst die Bedingung nicht. Chanyeol ist nicht besiegt, damit kehrt ihr jetzt zurück zu eurem Training." Er lächelte. „Morgen ist ein neuer Tag. Wählt euren Herausforderer mit Bedacht."
Die Soldaten akzeptierten dieses Urteil und kehrten zu ihrem Training zurück und um allen anderen die eben verfolgten Geschehnisse mitzuteilen.
„Das hätte schiefgehen können", sagte Semachites zu Chanyeol, sobald sie wieder im Zelt waren. „Zu viel Arroganz hätte dich auf ewig auf die falsche Seite dieser Männer gebracht."
„Ich weiß", antwortete Chanyeol. „Aber ich hatte nicht vor mit Arroganz negativ aufzufallen. Ich wusste was ich tue."
Semachites nickte und klopfte ihm dann auf die Schultern. „Gut gemacht Chanyeol. Das war ein...verflucht beeindruckender Kampf! Ich gebe zu ich hätte dir am liebsten den Kopf abgerissen als du plötzlich dein Schwert zu Boden geworfen hast aber du wusstest wohl wirklich was du da tust."
„Ich hatte einen guten Lehrer", bestätigte Chanyeol grinsend.
Semachites schnaubte. „Gut? Den besten! Vergiss das nicht du einfältiger Junge!"
Chanyeol lächelte nur umso breiter.
Jongin wirkte in Gedanken, sobald Chanyeol sich ihm wieder zuwandte. „Woran denkst du?"
„Hm ich denke es ist nicht ganz fair."
„Was?"
Jongin nickte, als würde er seine Gedanken bestätigen. „Hast du Lust dich dem Training der anderen anzuschließen?"
„Aber Prinz-!", fingen drei der Berater gleichzeitig an, was Jongin mit Kopfschütteln unterband.
„Wir sollten ihnen wohl ein gutes Beispiel sein, nicht wahr? Wir reden später", richtete er an seine Berater und verließ mit Chanyeol das Zelt.
Die Männer von Gurian, der ebenfalls ein Offizier war, blickten verdutzt drein als sich Jongin und Chanyeol zu ihrem Training dazu gesellten aber den Prinzen unter ihnen zu wissen schien sie in ihrem Antrieb zu bekräftigen und ihr Training wurde grimmiger und härter ausgeführt als es die letzten Tage der Fall gewesen war.
So verstrichen die nächsten Tage aufregender als sie sollten. Sobald sie den Tagesmarsch hinter sich hatten und die Zelte errichtet waren, wurde der Herausforderer des Tages zu Chanyeol geschickt und von ihm besiegt. Es entwickelte sich zu einem Spektakel auf das sich die Soldaten regelrecht freuten, denn sie konnten Wetten abschließen und einen außerordentlichen Kampf beobachten. Anschließend gesellten sich Jongin und Chanyeol zu einer der vielen Trainingseinheiten, die nun tüchtiger denn je trainierten, und nahmen am Abend im Feuerschein ihr Abendessen ein. Danach berieten sich Jongin, Chanyeol, Semachites und die sieben alten Berater nach Vorgehensweisen und anderen taktischen Zügen, die sie später an der Front erwarten würden.
Innerhalb von wenigen Wochen hatten sich Chanyeol und Jongin vor tausenden von Männern bewiesen und der Spott war vollkommen verschwunden. Man begegnete ihnen nun mit dem Respekt und der Anerkennung, die sie sich mit den unbesiegten Kämpfen und der Teilnahme am Training verdient hatten. Die Soldaten sahen in ihnen nun respektable Kameraden und nicht die Palast-Schösslinge für die man sie gehalten hatte.
Ihr Heer war einheitlich und stark als sie schließlich die Front ihrer ersten Schlacht erreichten und Jongin würde, wie Chanyeol erwartet hatte, in seiner Fähigkeit zu führen nicht enttäuschen. Die Schlacht in Aspiris war die erste von vielen, die sie gewannen.
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Nur so, all die Ländernamen die hier stehen (wie Aspiris usw.) sind frei erfunden. Ich hab zwar eine Karte in einem Archäologischen Museum in Griechenland gefunden, die auf die Zeit der ff passt und auf der die Länder beschriftet waren aber so viel Mühe habe ich mir dann doch nicht gemacht :D
Also ihr könnnt euch warhscheinlich gut ausmalen wie dieser Teil enden wird (ich denke es wurde sogar schon einmal erwähnt) aber bis dahin sollte noch das ein oder andere geschehen. Wir nähern uns jedoch Teil 11 ;)
Liebe Grüße! (Mittlerweile schreiben mir immer wieder Leute liebe Grüße zurück und das ist super niedlich xD Danke!!)
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