10.3
Jongin hatte sein Wort gehalten und sich bei der Prinzessin und dem Prinzen Von Peloneos entschuldigt. Die Sache wurde von Gurantius mit Zähneknirschen und ein paar drohenden Worten schließlich entschuldigt und Leias Meinung hatte in dieser Sache ohnehin keinen Wert. Die Hauptsache war, dass nichts von Jongins beleidigendem Benehmen die Ohren des Königs von Peloneos erreichte und so tat es dies auch nicht.
Damit stand Jongins und Leias Verlobung fest und etwas Normalität kehrte in die Schlossmauern zurück. Sklaven tuschelten aufgeregt miteinander, ab und an sah ein Soldat Chanyeol mit spöttischer Anerkennung an aber niemand wagte Chanyeol gar Jongin offen auf das anzusprechen, was der König während des Fests angedeutet hatte. Weit davor, wahrscheinlich sogar bevor Chanyeol zu Jongins Gefährten erklärt wurde, mussten Gerüchte über sie beide hinter vorgehaltenen Händen ausgetauscht worden sein. Chanyeol scherte sich nicht weiter darum. Wenn jemand ernsthaft glaubte dass er seine Position erlangt hatte, weil er mit Jongin geschlafen hatte, dann wäre er nur allzu bereit dazu, ihm in einem Schwertkampf das Gegenteil zu beweisen.
Chanyeol trat Fuß in die Gärten und entdeckte sogleich Semachites und Jongin, die bereits mit erhobenen Schwertern dastanden. Schweißtropfen rannten Jongin über die Schläfen und seinen Hals hinunter. Das war eine Sache, die der sonstigen Normalität etwas abwich. Jongin hatte sein Training mit Semachites nicht nur verdoppelt sondern die Stunden gleich verdreifacht. Er nahm mehr Unterricht in Kampfeslehren und gleichzeitig Unterricht bei allen möglichen anderen Lehrern, die er von weit her zu sich reisen ließ. Mathematik, Logik, Philosophie, Griechisch und so viel mehr. Sein Tag bestand nur noch aus der körperlichen Ertüchtigung, die er von Semachites (und Chanyeol) bekam und den etlichen Theoriestunden seiner anderen Lehrer.
Chanyeol hatte zunächst nicht ganz verstanden, was Jongin mit all dem neuen extra Unterricht bezweckte, war ihm jedoch nichtsdestotrotz still gefolgt. Er hatte vermutet es könnte mit Prinzessin Leia zusammenhängen, weil er ihr womöglich aus dem Weg gehen wollte, aber dafür musste er nicht extra so viel Unterricht nehmen. Es war nicht unüblich dass Männer sich nicht mit ihren Ehefrauen verstanden oder gar Interesse an ihnen hegten (das funktionierte zumeist in beide Richtungen) also was war so plötzlich in Jongin gefahren? Chanyeol verstand erst mit der Zeit und begann sich innerlich zu wappnen, sobald er sich seiner Theorie sicher war.
„Nimm mir den Prinzen vom Hals", bat Semachites, sobald er Chanyeol entdeckte. „Himmel er ist eine einzige Plage geworden!"
Jongin lächelte zufrieden und lehnte sich auf sein Holzschwert um zu Atem zu kommen. „Sieht so aus als würdest du nicht mehr hinterherkommen Meister Semachites."
Semachites schnaubte aber Unsicherheit blitzte in seinen Augen auf. Jongin hatte Fortschritte gemacht, seit er sich so verbissen in sein Training gestürzt hatte. Fortschritte für die er früher Monate gebraucht hatte, erreichte er nun in wenigen Tagen.
Chanyeol übernahm das Holzschwert das Semachites ihm hinhielt und positionierte sich vor Jongin. „Brauchst du eine Pause? Es ist nicht ganz fair, wenn ich jetzt gegen dich kämpfe."
„Ich erwarte ohnehin nicht zu gewinnen", erwiderte Jongin mit einem kleinen Lächeln. „Ich will dich nur lange genug in Schach halten können, Erschöpfung hin oder her. Auf dem Schlachtfeld wird mir auch niemand eine Pause ersparen nur weil ich müde bin, nicht wahr?"
Chanyeol gefiel dieser Gedanke überhaupt nicht aber schließlich nickte er. „Na dann, mal sehen wie lange du durchhältst."
Jongin strahlte ihn für einen Moment an, bevor sich Ernsthaftigkeit über seine Miene legte. Er hob das Schwert an und griff als erstes an. Jongin zögerte nicht mehr, sein Gehirn funktionierte schneller, seine Schläge waren stärker seine Parier-Künste deutlich präziser. Ein Gott, womöglich Hera selbst musste ihre Hand über ihn ausgestreckt haben denn Jongin flog über den Boden wie nie zuvor. Stärker und schöner als jemals zuvor.
Etwas hatte sich definitiv verändert und was es auch war, es trieb Jongin zu absoluten Höchstleistungen.
Der restliche Unterricht wurde von Jongin mit ebenso scharfen Sinnen verfolgt wie sein Training. Er las mehr Bücher als sonst und spielte ein Strategiespiel mit Archimedes während dieser ihn gleichzeitig unterrichtete. Jongin sagte es würde ihn lehren selbst im Auge einer anderen Situation noch konzentriert zu bleiben.
Unermüdlich ging Jongin dieser Routine für Monate ohne Ende nach. Eine Zeit in der er, so viel Chanyeol bekannt war, die Prinzessin von Peloneos nur flüchtig und zufällig angetroffen hatte. Chanyeol hatte keine Ahnung was das Mädchen den ganzen Tag trieb aber er glaubte dass sie gut von ihren Dienerinnen unterhalten wurde. Mit einem schlechten Gewissen hoffte er es zumindest für sie.
~*~
Es war nur eine Woche vor der Hochzeit dass Chanyeol Prinzessin Leia zufällig auf seinem Weg in die Speisehalle traf. Jongin würde bei Archimedes essen, weil sie sich von einer besonders kniffligen Partie ihres Strategiespiels nicht losreisen wollten.
Das Mädchen war in Begleitung einer Handvoll kichernden Palastdienerinnen (keine Sklaven, sie waren höheren Ranges) und wirkte schrecklich gelangweilt in ihrer Mitte. Sie blieb unvermittelt stehen als Chanyeol sich im Gehen vor ihr verneigte.
„Warte!", befahl sie gerade als er an ihr vorbeigehen wollte. „Ihr. Geht. Ich will alleine mit ihm sein."
Die Mädchen hielten unsicher inne. „Prinzessin verzeiht aber ich denke das ist keine gute Idee.", sagte eine Dienerin und blickte Chanyeol zögernd an. „Ihr solltet nicht...Ihr wisst schon."
„Ist das etwa ein Mann der hier steht?", fragte die Prinzessin mit eiskalter Stimme. „Er ist Teil des Prinzen, meines Verlobten, es wäre nicht anders als würde ich mit meinem Verlobten sprechen."
Die Mädchen, sichtlich geschockt von den beleidigenden Worten der Prinzessin erstarrten zu Steinsäulen. „A-aber-"
Die Prinzessin verdrehte genervt die Augen. „Geht schon. So schnell können wir gar keine Unzucht führen. Er sieht aus als könnte er zumindest ein paar Minuten durch-" Die Mädchen rannten davon, in sichtlicher Entrüstung über die Worte der höherrangigen Frau.
Chanyeol sah sie mit hochgezogener Augenbraue an. „Prinzessin", sagte er jedoch nur und verneigte sich noch einmal vor ihr.
Sie verschränkte die Arme vor ihrer Tunika, die voller Goldreifen glitzerten. „Ich werde in einer Woche heiraten", sagte sie dann zu ihm.
Chanyeol nickte. „Das war mir bekannt."
„Und um ehrlich zu sein", setzte sie fort „Kann ich weder den Prinzen noch dich sonderlich ausstehen."
„Verstehe."
„Aber Heirat ist nun einmal Heirat, daher will ich dass du nicht ständig an dem Prinzen klebst. Es ist schandhaft und nervig."
Chanyeol lächelte freundlich. „Verzeiht mir meine Prinzessin aber das wird mir nicht möglich sein. Bittet Jongin doch darum, er könnte mich womöglich davon überzeugen."
„Das wird er nicht tun", sagte die Prinzessin irritiert. „Daher befehle ich es DIR."
Chanyeol fand die Situation um ehrlich zu sein mehr komisch als wirklich bedrohlich. „Ich gehorche, zu meinem ehrlichen Bedauern, leider nur den Befehlen meines Prinzen, Prinzessin von Peloneos." Und Jongin erteilte ihm keine Befehle – Chanyeol war ein freier Mann.
Die Prinzessin wurde etwas rot im Gesicht, mehr Gefühl als er je in ihrem kalten Gesicht gesehen hatte. „Männer sind verächtliche Wesen. Du wirst sehen, sobald ich dem Prinzen Söhne geschenkt habe, wird er sich von dir abwenden."
„Wenn es das ist was ihr wünscht, dann werden wir beide wohl darauf warten müssen."
„Wie kannst du dir deiner so sicher sein?", wollte dir Prinzessin wissen. „Ich habe mich über dich erkundigt. Du warst einst nicht mehr als ein Sklave."
Das mochte wahr sein, aber bei aller Wahrheit Chanyeol fühlte sich nicht mehr wie ein Sklave. Es mag nicht lange her sein, dass er und Jongin sich einem Schwur anvertraut hatten, der über Leben und Tod hinausging aber er war sich seiner so sicher, wie nichts anderem in seinem Leben.
Chanyeol lächelte die Prinzessin breit an, was sie plötzlich erröten ließ. „Ich bin ein Mann, der einst nichts hatte Prinzessin. Wissen Sie wie solch ein Leben aussieht?" Er wartete nicht auf ihre Antwort und schüttelte den Kopf. „Natürlich nicht. Jongin ist ihnen da sehr ähnlich aber Jongin schert sich um solche Dinge nicht, was ihn sehr wohl von Ihnen und so vielen anderen Menschen unterscheidet. Ich erwarte nicht dass sie das verstehen." Er trat drei Schritte auf sie zu und zwang sie damit den Kopf in den Nacken zu legen, damit sie ihm weiterhin in die Augen sehen konnte. Er sprach leise aber aufgrund ihrer Nähe hörte sie jedes einzelne Wort allzu deutlich. „Denken Sie nicht ich bin glücklich über diese Hochzeit aber sie wird ihn nicht von mir losreisen können. Ebenso wenig wie Sie es können Prinzessin."
Sie starrte ihn an ohne Worte zu finden. Ihre Wangen rot und ihre Lippen leicht gespalten.
„Ich wünsche Ihnen nichts Böses", sagte er zum Schluss und wandte sich von ihr ab. Er wusste dass sie ihm hinterher blickte aber er wandte sich nicht mehr zu ihr um.
~*~
Jongin heiratete an einem Tag an dem die Sonne hinter dicken Gewitterwolken versteckt war. Hier im Süden regnete es nicht häufig und noch seltener schlugen Blitze in die Brandungen vor der Küste aber genau so ein Tag begleitete die Zeremonie.
Viele Besucher von weit her, hochrangige Herren mit ihren Ehefrauen und sieben Kindern, Adel mit viel Landbesitz und alte Kriegsfreunde jubelten dem frischvermählten Paar zu und pfiffen anerkennend. Wein floss reichlich, so wie es immerzu der Fall zu sein schien und Essen in Hülle und Fülle erschien auf den Tischen. Nur wenige Leute von Peloneos waren zur Hochzeit ihrer dritten Prinzessin (denn sie war die jüngste) erschienen und ihr Onkel war als Repräsentant für ihren Vater, dem König, anwesend.
Die Zeremonie glich jeder anderen Hochzeit. Ein Priester sprach murmelnd ein paar Worte, ein paar Tiere – vor allem Lämmer und ein Bulle – wurden geschlachtet und viel Wein zu Boden geschüttet um den Göttern ein wohlwollendes Trinkopfer darzulegen. Danach erklang laute Musik und Tänzer, die mit den Hüften schwangen – ob männlich oder weiblich war dabei ganz gleich.
Chanyeol saß an der Tafel ein paar Stühle von seinem rechtmäßigen Platz neben Jongin entfernt. Er aß stillschweigend etwas von dem Fladenbrot vor sich und scherte sich nicht um den Wein in seinem Krug. Er hätte nichts lieber getan als sich zu betrinken aber er würde nicht die Nerven verlieren nur weil er ein wenig Wein getrunken hatte.
Also schmollte er auf seinem Stuhl und hörte nur mit halbem Ohr zu, was Semachites über seine eigene Hochzeit zu erzählen hatte.
„Ich war natürlich grün hinter den Ohren wie ein Wasserfrosch. Und alle hatten mich angestachelt zu trinken" demonstrativ nahm er einen großen Schlug aus seinem Kelch. „Und was habe ich getan? Ich hatte ihre Hüften zwischen den Händen – sehr schöne Hüften - und wusste plötzlich gar nichts mehr. Nichts. Also hab ich gefragt was ich jetzt tun soll. Gestottert hab ich wie ein Volltrottel." Er schüttelte den Kopf während seine Zuhörer in Gelächter ausbrachen. „Sie war so gut mir zu zeigen was meine Aufgabe war und seitdem hat sie nicht aufgehört mir vorzuschreiben wie der Hase läuft. Hört mir zu wenn ich sage, dass sich alles in der Hochzeitsnacht entscheidet! Eure ganze Zukunft und Autorität hängt von dieser einen Nacht ab."
Chanyeol war Semachites' Ehefrau ein paar Mal zufällig begegnet und sie erschien ihm wie eine Frau, die sich nicht viel von ihrem Ehemann anhörte, bevor sie mit dem Nudelholz ausholte. Sie hatte auch Arme wie jemand der gut ausholen konnte. Sie war fähig und schön und Semachites schien ihr bis heute noch verfallen zu sein.
Chanyeol tunkte ein Stück Brot in etwas gesalzenes Öl und schob es sich lustlos in den Mund. Er wollte nicht wirklich an Jongins Hochzeitsnacht denken.
Er riskierte einen Blick zur Seite und sah wie Jongin leicht von einer zur anderen Seite schwankte. Er, ganz anders als Chanyeol, hatte nicht davor gescheut etwas tiefer in sein Weinglas zu blicken. So oft wie er auch mit anderen Leuten anstoßen musste, die ihm gratulieren wollten, blieb ihm wahrscheinlich auch gar keine andere Wahl. Chanyeol war nicht eifersüchtig, das hatte er mit sich selbst abgesprochen, er war nur nicht ganz glücklich. Was war schon dabei wenn Jongin die Nacht mit einer Frau verbrachte? Chanyeol könnte dasselbe tun und es würde keinen Unterschied machen...vielleicht sollte er das tun! Vielleicht...vielleicht...vielleicht war er doch ein klein wenig eifersüchtig. Eine Nacht und dann würde er zu ihm zurückkehren. Was auch immer.
Jongin erhob sich plötzlich und wurde dafür mit Jubel entlohnt. Er hatte mehrere Stunden unter der Feiergesellschaft ausgeharrt und würde nun gehen. Zu seiner Ehefrau, die den Abend unter den Frauen verbracht hatte und nun in ihrem gemeinsamen Zimmer auf ihn warten würde. Weil sie seine Ehefrau war und das ihre Hochzeitsnacht.
Er wurde von ‚gut gemeinten' Ratschlägen und weniger subtilen Hand- und Körpergesten zur Tür begleitet. Als er schließlich gegangen war wurde die Musik noch lauter, das Gelächter überschäumend. Natürlich ging die Feier weiter, bis auch die letzte Person ohnmächtig zu Boden sank. Chanyeol jedoch hatte genug. Er entschuldigte sich, gerade als jemand vorschlug dass sie auf Chanyeol, den Gefährten des Prinzen, trinken sollten. Chanyeol erstickte diesen Vorschlag geschickt im Keim und entschuldigte sich dann mit der Ausrede dass er Magenschmerzen hatte. Er ignorierte jeglichen Protest und war heilfroh dem heißen und stickigen Raum zu entfliehen. Draußen gewitterte es noch immer was Chanyeol Schade fand, denn er hätte nichts dagegen gehabt kurz ins Meer zu springen. Oder in den Gärten ein wenig mit seinem Schwert auf einen Baumstamm einzudreschen.
Er überdachte die Sache noch einmal und gab sich dann geschlagen. Er würde einfach früh ins Bett gehen. Er schlenderte die Gänge hinunter in Richtung von Jongins und seinem Quartier und gab sich Mühe betont an nichts zu denken. Und doch war er so in Gedanken, dass er Jongin erst bemerkte als er nahe genug war um seinen Schatten auf dem Fußboden zu sehen.
Er blieb abrupt stehen und blickte auf. Jongin stand an der Wand gelehnt da, mit geschlossenen Augen und an den Seiten geballten Fäusten.
„Du hast dich in der Richtung vertan", sagte Chanyeol schließlich. „Das Zimmer der Prinzessin ist in der anderen Richtung."
Jongin öffnete die Augen und schenkte ihm ein schmallippiges Lächeln. „Ich bin in diesem Palast aufgewachsen aber danke für die Information."
Chanyeol zuckte die Achseln. „Könnte doch sein. Du bist ziemlich betrunken."
Jongin schwieg für einen Moment. „Nicht meine Beine haben mich hierhergetragen", sagte er dann. Chanyeol hörte die Verbitterung in seiner Stimme. „Sondern mein Herz."
Chanyeols eigenes Herz machte einen Sprung. „Verstehe."
Jongin stieß sich von der Wand ab und stellte sich vor Chanyeol. „Denk...denk nicht nach in Ordnung? Denn ich werde es nicht tun."
Chanyeol nickte, denn was sonst sollte er sagen? Natürlich würde er nachdenken, sobald Jongin ihn verlassen würde. Jongin schien ihm den Gedanken aus den Augen herauszulesen und seufzte tief. Er legte langsam die Arme um seinen Hals und wartete darauf ob Chanyeol sich zu ihm hinunterbeugen würde. Chanyeol tat es. Ihre Lippen fanden aufeinander, vertraut und richtig. Jongin seufzte in den Kuss hinein und plötzlich war Chanyeol rasend vor Wut. Er stieß ihn zurück.
Jongin hatte kaum Zeit überrascht zu gucken, bevor Chanyeol ihn an der Wand gepinnt festhielt und seine Lippen attackierte. Er biss in seine Unterlippe und fuhr mit der Zunge über seine Zähne. Jongin erschauderte heftig.
„Chanyeol-"
Doch Chanyeol war noch nicht bereit dazu loszulassen. Er presste sich Jongin entgegen und fuhr mit der Hand seinen Oberschenkel hinunter bis er sein Bein an der Kniekehle anheben konnte. Lippen dabei auf seiner Brust. Küsse die Spuren hinterlassen würden. Rote und lilafarbene Flecken über die er sich freute. Jongin hakte sein Bein um seine Hüfte und beide keuchten für einen Moment über die neue Nähe. Ihre Haut war erhitzt und ihr Atem ging laut in dem verlassenen Flur.
Chanyeol legte seine Stirn gegen Jongins und verharrte einen Augenblick bevor er ihn wieder küsste.
Sie waren beide durcheinander und erhitzt als sie schließlich voneinander abließen. Jongin atmete zittrig ein und versuchte sich an einem Lächeln.
„Wenn ich nur halb so durcheinander aussehe wie du, dann werden mein Vater und all seine Gäste zufrieden sein wenn sie mich sehen...und das alles bevor ich mich dem Bett der Prinzessin auch nur genähert habe."
Chanyeol lachte, denn Jongin sah definitiv nach dem aus was sie gerade getan hatten. Rot und zerzaust mit Flecken auf Hals und Brust wo die Tunika ihm über die Schulter gerutscht war und Lippen so rot, als hätte er in einen Granatapfel gebissen.
„Ich denke zumindest dem Anschein nach wird niemand anzweifeln dass deine Hochzeitsnacht ein voller Erfolg war." Jongin stieß ihm lachend gegen die Schulter. Chanyeol lachte ebenfalls.
„Geh zu Bett", sagte er dann leise. „Ich komme bald nach."
Chanyeol küsste ihn noch einmal und nickte dann. Er wandte sich ab, bevor Jongin es tun konnte und verschwand in ihrem gemeinsamen Quartier. Er fühlte sich besser, obwohl er wusste dass sich faktisch nichts verändert hatte. Und doch...Jongin würde gleich in diesem Zustand in das Zimmer der Prinzessin gehen und so wenig er partout gegen die Prinzessin hatte, so sehr freute er sich darüber seinen Standpunkt noch einmal deutlich gemacht zu haben. Er grinste, nicht mit wenig Schadenfreude.
~*~
Jongin stolperte in der Nacht in ihr Quartier hinein und stieß sich an irgendetwas – der Bettkante wahrscheinlich – den Fuß. Sein Fluchen weckte Chanyeol auf.
Jongin legte sich neben ihn und seufzte als er nach Chanyeol griff.
„Du riechst nach parfümierten Ölen."
Jongin hielt inne. „Immer noch? Entschuldige ich hätte länger baden sollen."
Chanyeol schüttelte den Kopf und wandte sich zu ihm um. Ihre Gesichter nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. „Ich würde ja fragen aber ehrlich ich denke ich möchte es nicht wissen."
Jongin brummte leise in Eiverständnis. Er schmiegte sich an Chanyeol und legte das Gesicht gegen seine nackte Brust. „Was auch immer es ist vorbei."
Chanyeol schlang die Arme um ihn und hielt ihn fest. Froh darüber, dass Jongin hier bei ihm war anstelle bei ihr.
~*~
Die nächsten Wochen vergingen mit einer gewissen Anspannung, die Jongin nicht verlassen wollte. Er hielt weiterhin an seinem strikten Regime fest und übte unermüdlich den Schwertkampf, seine Treffsicherheit mit Pfeil und Bogen und den Zweikampf und nach alledem sperrte er Chanyeol, ein paar Gelehrte und sich selbst in ein Zimmer ein und schärfte dort seinen Geist.
Seit der Hochzeit schien er noch entschlossener zu sein, was Chanyeols Vermutung, was es mit dieser ganzen Sache auf sich hatte, schließlich bestätigte.
Er zog Jongin nach ihrem Training mit Semachites fort in Richtung Strand und Jongin beschwerte sich nur für ein paar wenige Minuten lang bevor er schließlich einsah, dass Chanyeol auf diese Pause bestand.
Sie setzten sich in den warmen Sand und atmeten ein paar tiefe Atemzüge der salzigen Meeresluft ein, bevor Chanyeol ansetzte: „Ich denke ich weiß was du vorhast Jongin."
Jongin antwortete nicht. Er nahm eine Handvoll Sand in die Hand und ließ die feinen Sandkörner durch seine Finger gleiten. „Und?", fragte er dann. „Willst du es mir ausreden?"
„Nein. Nein das hatte ich nicht vor." Er lächelte schwach. „Ich kann nicht sagen, dass ich ganz glücklich mit deiner Entscheidung bin aber du weißt dass ich dich begleiten werde."
„Das dachte ich mir. Entschuldige dass ich dir nicht eher davon erzählt habe." Er seufzte und legte den Kopf in den Nacken. Sein blondes Haar blitzte im Sonnenlicht wie poliertes Gold. „Ich bin an den Palast meines Vaters gebunden solange ich noch keinen Erben produziert habe aber wenn...wenn Prinzessin Leia erst einmal..." Er ließ den Rest des Satzes zwischen ihnen hängen.
Das hatte es also mit Jongins Anspannung auf sich. Chanyeol hatte sich etwas in diese Richtung bereits gedacht. „Du hoffst also sie hat in eurer Hochzeitsnacht empfangen?"
„Ich hoffe es sehr", bestätigte Jongin. „Ich will endlich von hier fortkommen."
„Ich hätte nicht gedacht, dass jemals zu sagen aber ich hoffe sie wird erst viel später Schwanger."
Jongin sah ihn an. „Ich dachte du sagtest, du bist nicht gegen meine Entscheidung?"
„So habe ich das nicht gesagt. Ich sagte ich würde dich begleiten – natürlich - nicht dass ich deine Entscheidungen gutheiße."
„Dann hältst du mich für einen Idioten?"
„Nein", sagte Chanyeol und lächelte ein wenig. „Niemand würde dich einen Idioten nennen Jongin aber ich habe Angst um dich. Das kannst du mir nicht verübeln."
„Ja, ich weiß." Seine Mundwinkel zogen sich hoch aber das Lächeln erreichte seine Augen nicht. „Wenn ich könnte würde ich dich nicht mitnehmen, weißt du? Dich hier in Sicherheit lassen."
„Das würde ich dir nicht verzeihen."
„Und wenn schon, dir würde nichts geschehen was interessiert mich dein verletztes Vertrauen in mich. Das Problem ist", setzte Jongin fort, bevor Chanyeol etwas einbringen konnte. „Ich denke ich würde es nicht überleben."
Chanyeol lachte leise. „Weil dein Herz sich zu sehr nach mir sehnen würde?"
„Auch", erwiderte Jongin grinsend. „Aber vor allem weil du der einzige bist dem ich auf dem Schlachtfeld meinen Rücken anvertrauen werde. Du bist der einzige, der die Rolle meines ersten Offiziers einnehmen könnte Chanyeol."
Chanyeol sah zu Boden, er hatte unbewusst Muster in den Sand gemalt. „Ich würde dir noch weniger verzeihen einer anderen Person meinen rechtmäßigen Platz zu überlassen."
Jongin nickte. „So viel habe ich mir gedacht."
Damit kam Stille über sie beide. Sie hingen ihren jeweils eigenen Gedanken nach. Chanyeols Theorie hatte sich bestätigt. Jongin machte sich bereit für einen Krieg und Chanyeol hatte eine Ahnung, dass sein Entschluss viel mit den Worten seines Vaters und seinem verletzten Stolz zu tun hatte.
‚Als ein Mann ist es deine Aufgabe ZU EROBERN und NICHT EROBERT ZU WERDEN!', hatte König Phobos Jongin wutentbrannt entgegengeschrien und Jongin sah wohl keine andere Möglichkeit als sich nun zu beweisen.
Chanyeol wollte ihn darauf ansprechen, ihm sagen dass er sich von blinder Wut nicht blenden lassen sollte, aber er wusste auch das Jongin mit dem Wissen aufgezogen worden war eines Tages ihr Heer in Schlachten zu führen. Jetzt gerade befand sich ihr Land nicht im Krieg aber es gab genug Kriege zwischen benachbarten Ländern, die um Hilfe lechzten und gute Entlohnungen anboten. Chanyeol hatte gesehen, wie Jongin sich mit Archimedes und Semachites diesbezüglich abgesprochen hatte und er hatte mitbekommen, wie Semachites sein Training mit den anderen Jungen verschärft hatte. Bald würden die ersten Gerüchte in der Armee ihre Runden ziehen.
Jongin wartete nur noch auf einen Nachfolger, woraufhin sein Vater ihm kein Veto mehr erteilen könnte.
Für einen Moment dachte Chanyeol daran wie jung sie beide noch waren und wie in aller Welt sie in ein paar wenigen Monaten so rücksichtlos in die Erwachsenenwelt gedrängt werden konnten. Es war als hätte Jongin dasselbe gedacht, denn plötzlich sagte er: „Nicht viele Männer werden mich ernst nehmen. Sie werden sich über mein Alter lustig machen und...sie werden Witze über dich und mich reißen."
Chanyeol nickte.
„Aber ich habe vor mich ihnen zu beweisen und ich weiß, dass du es ebenfalls tun wirst. Ich werde versuchen keine dummen Entscheidungen zu treffen", er lächelte schwach. „Na ja, bis auf die eine dumme Entscheidung in den Krieg zu ziehen versteht sich." Chanyeol lächelte ebenfalls. „Mögen die Götter mir eine einzige Dummheit verzeihen und von da an will ich keine falsche oder unbedachte Entscheidung mehr treffen und sollte ich es doch tun...hindere mich daran. Ich vertraue dir mein Leben an, das weißt du. Wenn du dir also sicher bist, dass ich den falschen Weg einschlage dann sprich mit mir. Sag es mir ehrlich und ohne Umschweife und Schonungen und ich schwöre auf dich zu hören."
Chanyeol nickte. „In Ordnung." Er würde schweigen und geschehen lassen, was Jongin befahl und er würde erst handeln wenn er es unbedingt für nötig hielt. Das könnte er tun.
Jongin nickte. „Wir werden in die Geschichte eingehen Chanyeol. Nicht so strahlend wie Achilles oder gerissen wie Odysseus aber wir werden unsere eigenen Spuren hinterlassen."
Jongin klang so entschlossen dass Chanyeol Jongins Version vor seinen Augen sehen konnte. Sie würden Länder erobern und Flaggen hissen und viel, viel Blut vergießen.
Jongin berührte mit den Fingerspitzen sein Gesicht. „Es ist gewiss ein schlechtes Omen schon jetzt über den Tod zu sprechen aber ich hoffe die Götter sind uns freundlich gestimmt." Er küsste seine Lippen. „Lass uns einander ein Versprechen geben."
„Ich dachte alles wäre bereits zwischen uns versprochen?"
Jongin lachte leise. „Wahrscheinlich ist es das tatsächlich bereits aber ich will noch einmal sichergehen."
„Dann verspreche ich es dir", sagte Chanyeol und grinste Jongin an.
Jongin legte für einen Moment den Kopf in den Nacken als ein Lachen ihn überkam. „Hör mir zu, WAS wir einander versprechen werden."
„Das ist nicht wirklich von Belang aber nur zu, ich höre dir zu."
Jongin küsste ihn noch einmal. „Wir versprechen einander nichts zwischen uns kommen zu lassen. Nicht die Intrigen von Menschen, die Schönheit einer Frau, die Verlockung der Götter und" Jongin machte hier eine kleine Pause. „Auch nicht die Fänge des Todes. Selbst der Tod darf uns nicht trennen, verstehst du? Versprich es mir Chanyeol."
Chanyeol wusste dass er ein Versprechen wie dieses eigentlich nicht geben konnte, denn niemand wusste was die Götter mit ihm anstellen konnte oder wie der Tod – der Hades – ihn empfangen würde aber er schärte sich nicht weiter darum. Sollten Menschen, Götter, gar der Tod ihn doch herausfordern, er würde Jongin niemals aufgeben. „Ich verspreche es dir", sagte er also. „Weder Mensch noch Gott, noch der Tod werden mich von dir Trennen Jongin."
Jongin lächelte. „Gut. Ich verspreche dir dasselbe Chanyeol. Weder Mensch noch Gott, noch der Tod." Sie küssten einander, die Bande zwischen ihnen so stark wie nie zuvor.
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Ich will gar nicht mehr aufhören diesen Teil zu schreiben aber ich freue mich gleichzeitig auf den nächsten (der mit hoher Wahrscheinlichkeit der letzte wird - denke ich. Ich bin mir noch nicht ganz sicher). Teil 10 hat noch 2 Kapitel (oder so) die cool werden (hoffe ich) und dann!! Tja wer weiß das schon.
Liebe Grüße :)
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