1.3


~*~

Wenn Chanyeol von einem ereignisreichen Wochenende sprach, dann untertrieb er noch immer. Freitagabend hatte er einen Engel vor seiner Haustüre gefunden, Samstagabend war besagter Engel aufgewacht und den ganzen Sonntag hatte er über seine Flügel gemeckert und Kartoffelchips in sich hinein geschaufelt.

„Du kommst auch wirklich zurecht?"

„Ich bin ein Engel, kein Straßenhund, wie oft denn noch."

„Ein Hund wäre mir lieber als ein Fabelwesen", murmelte Chanyeol, während er seine dickere Herbstjacke überstreifte. Dann lauter: „Bitte verlass die Wohnung nicht, ich will nicht dass du anderen Menschen, den gleichen Schrecken wie mir einjagst."

„Geht in Ordnung."

„Du weißt wie du die Mikrowelle bedienen musst?"

„Du hast es mir zwei Mal gezeigt."

„Vielleicht sollte ich noch ein drittes Mal-"

„Du kommst zu spät zur Arbeit. Deine richtigen Patienten warten auf dich."

Chanyeol seufzte, ein anderer Gedanke kam ihm. „Hey, du...du bist doch noch da wenn ich wiederkomme oder?"

Baekhyun wirkte ein wenig überrascht über die Frage. „Ich denke schon. Ich wüsste nicht, wo ich sonst hingehen sollte?"

„Okay. Vergiss die Mikrowelle nicht!"

Baekhyun scheuchte ihn aus seiner Wohnung heraus und Chanyeol seufzte als er an der frischen Luft angekommen war.

Der Asphaltboden, wo Baekhyun ‚eingeschlagen' war, war beschädigt und zerbrochen. Chanyeol hatte bereits vorgestern beobachtet, wie zwei Polizistinnen den Ort vorsichtig abgesichert hatten und ratlos auf das Loch gestarrt hatten.

In der Praxis kam ihm als erstes Tiffany über den Weg. Sie hielt einen Venti-Starbucksbecher zwischen den Händen und wirkte so früh am Morgen bereits in Eile. „Morgen, wie war dein Wochenende?"

„Gut", brachte Chanyeol zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Und deins?"

Tiffany grinste breit. „Nickhun und ich waren auf einem Picknick-Date! Er hat sich endlich die Zeit genommen."

„Glückwunsch", Chanyeol meinte es. Tiffany und Nickhun hatten, nach den Erzählungen der anderen Tierärztin zu folge, momentan kleinere Krisen zu überwältigen. „Habt ihr auch über Nickhuns Mutter gesprochen?"

„Die Hexe kam kein einziges Mal vor", sagte Tiffany mit verengten Augen. „Ehrlich wenn ich die Frau noch einmal-"

„Sie ist seine Mutter", beschwichtigte Chanyeol, bevor Tiffany noch zu fluchen begann. „Er kann nicht anders."

Tiffany vergrub ihr Grummeln in ihrem zu großen Kaffeebecher. „Bei dir ist alles so viel einfacher Chanyeol. Jongins Eltern lieben dich, egal was du tust."

„Ganz so einfach war es am Anfang auch nicht, aber ich hatte tatsächlich großes Glück." Ehrlich gesagt, hatte sich Chanyeol alles viel schwerer vorgestellt als er sich in der Oberstufe seinen Gefühlen für Jongin gestellt hatte. Es war - gegen seine Vorstellungen - alles absolut glatt gelaufen.

Chanyeol und Tiffany verabredeten sich für die Mittagspause, bevor Chanyeol in sein Büro ging. Myungsoo, sein Sekretär, gab ihm eine kurze Zusammenfassung seiner heutigen Patienten, während Chanyeol seine Jacke durch seinen weißen Kittel ersetzte. Er zog zuletzt seine überdimensionale Brille auf, bevor auch schon das erste Kaninchen in den Raum getragen wurde.

Chanyeol fragte sich nicht selten an diesem Montag, was wohl Baekhyun gerade unternahm.

~*~

Während Chanyeol auf der Arbeit war entdeckte Baekhyun das Leben der Television. Im Himmel war es Entertainment genug auf die Erde hinunterzusehen, aber die Welt durch einen Flachbildfernseher zu betrachten war mindestens genau so unterhaltsam.

Außerdem entdeckte er Junkfood und Soda für sich. Neben dem ganzen Obst und Gemüse fand Baekhyun genug Süßigkeiten in Chanyeols Kühlschrank und Wandschränken und warf sich mit seinem Fund auf die Couch.

„Menschsein ist nicht schwer", murmelte er mit vollem Mund. „Unterscheidet sich kaum von Engelsein, nur spricht hier keiner von Moralen und guten Zwecken." Und natürlich gab es auf der Erde Nahrung.

Damit beschäftigte sich Baekhyun knapp drei Stunden lang, dann rollte er sich auf die Seite und fand ein anderes Spielzeug. Chanyeols iPad (wenn jemand glaubte Engel wären nicht auf dem neusten Stand der Technologie, dann hatte sich die Person aber geschnitten). Nur kannte Baekhyun sein Passwort nicht. Bei seinem Laptop sah es ähnlich düster aus.

„Wenn ich ein Erzengel wäre, dann könnte ich einfach mit den Fingern schnipsen und alles würde mir gehorchen", murmelte er beleidigt.

Er stand auf und erkundete stattdessen ein wenig die Wohnung. Das Schlafzimmer kannte er bereits gut – er hatte Chanyeol noch nicht verraten, dass er nicht wirklich schlafen musste, aber sein Gastgeber hatte von vornherein gesagt, dass er kein Problem damit hatte auf der Couch zu schlafen.

Die Küche kannte Baekhyun ebenfalls sehr gut – wirklich sehr gut – also sah sich Baekhyun die modernen Möbel genauer an, strich mit den Fingern über das Glas und die interessanten Figuren die in Vitrinen steckten. Er blätterte in ein paar von Chanyeols medizinischen Büchern herum und hob Fotorahmen von Tischen und Kommoden auf.

Chanyeol hatte unglaubliche Ähnlichkeit mit seiner Schwester, so weit, dass Baekhyun nicht ausschließen konnte, dass sie Zwillinge waren. Chanyeols Vater war ein eher kleinwüchsiger, Durchschnitts Mann mit einer dicken Nase und einem strahlenden Lächeln. Seine Mutter, eine einzige Schönheit, mindestens eins achtzig groß mit der Figur und der Ausstrahlung eines Models.

Auf vielen Bildern war außerdem ein Junge abgebildet, der unmöglich Chanyeols Bruder sein konnte. Baekhyun sah sie beide in Schuluniform im Klassenzimmer sitzen, auf einer Party mit geröteten Wangen und Bierkannen in den Händen. Küssend – oh ja keine Verwandtschaft – am Flussufer des Hanrivers (da kamen Erinnerungen auf). Und noch viele weitere solcher Art. Baekhyun musste sich nicht weit aus dem Fenster lehnen bei der Annahme, dass der Junge Chanyeols fester Freund war.

„Das ist üblich unter Menschen", erinnerte sich Baekhyun. „Beziehungen. Liebe." Im Himmel gab es auch ‚Paare' unter Engeln. Nur ganz anders, als auf der Erde. Man verpflichtete sich als Engel zu viel mehr und es war ein Todesdelikt eine Beziehung unter Engels zu beenden.

Baekhyun hatte sich schon immer gefragt, wie man das Leben von unsterblichen Wesen beenden wollte, aber er hatte noch nie mitbekommen, wie sich ein Engel-Paar getrennt hatte. Zugegeben es gab auch wirklich nicht viele. Baekhyun war in seiner Existenz überhaupt erst einem solchen Paar begegnet.

Anschließend schleppte sich der Engel ins Schlafzimmer und fiel in die weichen Kissen. Seine Flügel fühlten sich noch immer etwas wund an und wenn er sie öffnete schmerzten sie, als hätte er Gelenkmuskelkater. Außerdem war da noch der Umstand, dass sie schwarz waren. Schwarze Federn. Baekhyun war kein verdammter Rabe, oder ein schwarzer Schwan. Weiß war die Markenfarbe von Engeln, was war bei ihm bloß schiefgelaufen?

Er drehte sich auf den Rücken und legte seine Flügel wie einen Raupencancan um sich. Wenn er die Wohnung jemals verlassen wollte, dann würde er seine Flügel für eine Weile verschwinden lassen müssen. So wie bei den großen Versammlung, wo sich Engel Reih an Reih aufstellen mussten und ihre Flügel nur im Weg waren.

„Ein Engel ohne Flügel ist wie ein Pfau ohne seine Federkrone. Erniedrigend."

Tatsächlich war es eine Form von Unterwerfung wenn ein Engel seine Flügel verschwinden ließ. Baekhyun hatte es getan, wenn er Kyungsoo so sehr verärgert hatte, dass dieser ihn ununterbrochen ausschimpfte. Baekhyun war auf die Knie gefallen und hatte seine Flügel verschwinden lassen und Kyungsoo hatte endlich aufgehört ihn auszuschimpfen. ‚Komm her', hatte er gesagt ohne ihn anzusehen und Baekhyun zur Entschuldigung für sein Ausrasten in die Arme geschlossen.

Baekhyun's Brust zog sich zusammen, wenn er an Kyungsoo und Heimat und Himmel dachte. Er schob die Gedanken von sich und schloss die Augen. Er versuchte sich zu entspannen und sich einzureden, dass seine Flügel nicht verbrannt rochen. Dass er sich alles nur eibildete.

Es war Stunden später, als Baekhyun von einem klingelnden Telefon und kurz darauf von einem Schlüssel in einem Schloss abgelenkt wurde.

~*~

„Heilige Scheiße", murmelte Chanyeol und stand panisch von seinem Schreibtischstuhl auf. „Myungsoo, Myungsoo!"

„W-was ist los, alles in Ordnung?"

„Nein, ich muss sofort nachhause. Bitte Tiffany darum meinen letzten Patienten zu übernehmen, in Ordnung? Ich mache es wieder gut."

Myungsoo blieb kaum ein Moment zu antworten, als Chanyeol bereits aus dem Büro rannte. Noch immer in Kittel und Brille.

Chanyeol hatte eben eine Kakaonachricht von Jongin erhalten und es war keine erfreuliche.

‚Bin auf dem Weg zu dir' ein tanzender Hase als Emoticon. ‚Ich habe Wein und Take-out dabei. Ich warte bei dir Zuhause.' Noch ein Emoticon: Ein Hase der Papierflieger abschoss.

„Gott, nein, nein, nein." Während er nach einem Taxi-Ausschau hielt, rief er mehrfach Jongin an, aber sein Freund hatte sein Handy auf Lautlos gestellt – so wie immer. Er würde ihn nicht erreichen können. Wusste Baekhyun wie man an ein Telefon ging?

Chanyeols Option war der Bus, oder er rannte die fünfzehn Minuten zu sich nachhause. Gerade als er sich fürs Rennen entschieden hatte wurde ein Taxifahrer auf Chanyeol aufmerksam. „Gott sei Dank", murmelte er während er einstieg und dem Fahrer hastig seine Adresse nannte. „Bitte, so schnell es Ihnen irgendwie möglich ist." Er wählte seine Hausnummer, aber Baekhyun ging nicht ans Telefon.

„Wieso haben Sie es denn so eilig junger Mann?"

Chanyeols Kopf dampfte. „Ich...mein Freund, er will in meine Wohnung kommen."

„Und was ist daran so dramatisch?" Der Fahrer lachte erheitert. „Verstecken Sie seine Freundin bei sich zuhause?"

‚Wenn es nur das wäre', dachte Chanyeol. Jongin würde vor Schock ohnmächtig werden.

„Halten Sie vor dem gelben Haus an."

„Jaja, sehr gerne." Chanyeol zahlte das doppelte von dem eigentlich Fahrpreis in seiner Hast aus dem Wagen zu kommen. Er rannte die Treppen in sein Stockwerk hinauf und zwang seine Hände zur Ruhe, als er den Schlüssel ins Schloss steckte.

„Jongin!", rief er in die Wohnung. „Jongin bist du hier?" Seine Schuhe waren es zumindest. „Verdammt." Chanyeol schlitterte ins Schlafzimmer, wo er Jongin im Türrahmen vorfand. Er griff nach seinem Arm. „Oh Gott Jongin, ich kann das erklären, du musst keine Angst vor-"

„Du bist zurück", grüßte Baekhyun gutgelaunt vom Bett aus. Chanyeol starrte ihn an.

„Was...wo sind-?"

„Meine Manieren? Richtig." Baekhyun stand geschwind auf, wobei Chanyeols Shirt ihm über die Schulter rutschte. „Ich hatte noch keine Gelegenheit mich vorzustellen. Ich heiße Park Baekhyun. Chanyeols Cousin vom Land. Du musst Jongin sein, nicht wahr? Chanyeol hat mir schon so viel von dir erzählt. Vor allem von euren romantischen Dates am Hanriver."

„Chanyeol hat nie einen Cousin erwähnt", sagte Jongin düster.

Chanyeol verstand endlich in was für eine Situation er hineingeschlittert war. Baekhyuns Flügel waren...weg. Einfach weg. Diese riesigen, federnden Schwingen waren einfach verschwunden.

Stattdessen musste die Situation ein ganz anderes Bild für Jongin ergeben. Ein fremder Junge in Chanyeols Bett, in Chanyeols Klamotten... Jongin hatte keinen Engel, sondern die vermeintliche Affäre von Chanyeol entdeckt. Hölle, das war noch viel schlimmer.

„I-ich habe ihn bestimmt schon einmal erwähnt", stotterte Chanyeol als er sich endlich wieder zusammengerissen hatte. „Park B-baekhyun. Mein Cousin. Vom Land."

Jongin hatte Baekhyuns ausgestreckte Hand nicht ergriffen und langsam ließ der schwarzhaarige sie sinken. „Ich kenne deine gesamte Familie Chanyeol, ich kenne dich. Die Rede war noch nie von einem Park Baekhyun! Was ist hier los? Wer ist er? Was hat er hier zu suchen?"

„Ich bin kein Familienmitglied über das gerne geprahlt wird", mischte sich Baekhyun ein. „Ich habe die Familie mit meinen Glückspielereien ziemlich aus der Ruhe gebracht", er lachte als wäre ihm seine erfundene Vergangenheit peinlich. „Ich bin gerade erst aus dem Gefängnis gekommen, nachdem ich mir eine große Summe Geld geliehen habe, die ich nie zurückzahlen konnte. Chanyeol war so gut mich aufzunehmen."

Jongin sah skeptisch zwischen den beiden hin und her. „Ist das wahr?"

„Ja, so ist es." Chanyeol hörte den Tremor in seiner Stimme.

„Ich wusste nicht dass der Bruder deines Vaters auch einen Sohn hatte. Hieß es nicht immer, dass er nur vier Töchter hat?"

„Nein, nein wir sind viel entfernter verwandt. Mehr ein Cousin...dritten Grades?"

„Dritten Grades", wiederholte Jongin.

„Dritten Grades", bestätigte Baekhyun.

„Dritten Grades", lachte Chanyeol und legte einen Arm um Jongins Schultern. „Entschuldige, ich wollte dich vorwarnen, aber er ist erst seit Freitag hier und alles war seitdem ziemlich hektisch. Ehrlich, es tut mir leid."

„Schon gut." Chanyeol schaffte es Jongin in die Küche zu schieben. „Entschuldige Chanyeol, meine Nerven sind gerade mit mir durchgegangen. Ich dachte wirklich für einen Moment, dass..."

„Du weißt ich würde dir nicht Fremdgehen."

Jongin zuckte zusammen. „Ich weiß, nur..." Chanyeol wusste woran Jongin dachte und Schuldgefühle blitzten in seinen Augen auf. Beinahe freute sich Chanyeol darüber, dass Jongin angenommen hatte Baekhyun sei seine Affäre gewesen. Es war nur gerecht, dass Jongin einmal das fühlte, was Chanyeol...

„Dort wo ich herkommen, wird Betrug unter Paaren mit Exekution bestraft." Beide zuckten zusammen, als sie Baekhyun im Türrahmen vorfanden. „Also mach dir keine Sorgen Jongin."

„W-wo kommst du denn her?"

„Oh ich meinte es nicht Wort-wörtlich. Es ist sowas wie Rufmord." Als Jongin sich abwandte zwinkerte Baekhyun Chanyeol zu, woraufhin ihm ein kalter Schauer über den Rücken jagte.

„Du trägst noch immer deine Brille. Es ist unattraktiv", bemerkte Jongin dann.

„Oh", Chanyeol hatte sie total vergessen. „Ich, mh, gehe schnell ins Badezimmer und ziehe mich um." Chanyeol atmete tief durch, sobald er die Tür in seinem Rücken geschlossen hatte. Letztlich war alles gutgelaufen...nicht wahr? Baekhyun wurde nicht enttarnt (auch wenn Chanyeol keine Ahnung hatte, wo seine Flügel hin waren...unter sein Shirt passten sie nicht) und Jongin glaubte auch nicht länger, dass er ihn auf frischer Tat beim Fremdgehen erwischt hatte.

Chanyeol zog seinen Kittel aus und zog einen weichen Sweater über sein T-Shirt. Ein Geburtstagsgeschenk von seiner Schwester.

Er ließ die Brille neben dem Waschbecken liegen und strich sich mit den Fingern schnell durchs Haar um seine braunen Strähnen zu ordnen.

Als er zurück in die Küche kam saßen sich Baekhyun und Jongin am Küchentisch gegenüber und redeten anscheinend über Baekhyuns ‚Vorgeschichte'.

„Jemand hat ernsthaft versucht dir eine Kanonenkugel an die Füße zu binden um dich dann in den Hanriver zu werfen?", fragte Jongin gerade fassungslos. „Du machst Scherze oder?"

„Nein", lachte Baekhyun. „So lief das in der guten alten Zeit."

„In der..."

„Auf dem Land", korrigierte Baekhyun schnell. „Ich wurde rechtzeitig von der, mh, Dorfpolizei gerettet und kurz darauf für ältere Straftaten eingesperrt."

„Wofür hast du dir das Geld geliehen?"

„Ich..." Baekhyun stockte. „Ich war hungrig und...meine kleine Schwester..."

Chanyeol verstand plötzlich das Baekhyun aus Erfahrung sprach und sich die Geschichten nicht bloß ausdachte. Sein Blick war in weite Ferne gerichtet, als sähe er die Vergangenheit vor sich.

„Jongin, du hast geschrieben, dass du Essen mitgebracht hast", ging er dazwischen. „Soll ich es in der Mikrowelle aufwärmen?"

„Dann hat Chanyeol noch mehr Cousins dritten Grades?" Jongin klang wieder skeptisch.

„Oh, ich nenne sie nur meine kleine Schwester, weil wir zusammen aufgewachsen sind", berichtigte Baekhyun. Sein Lächeln hatte wieder seine ursprüngliche Leichtigkeit. „Du hast bestimmt auch enge Freunde, die du mit Familie gleichsetzt, nicht wahr Jongin?"

„Mh, ja, ich denke schon."

Während die beiden über andere Themen sprachen – „Oh du tanzt Jongin? Du machst es sogar beruflich, das ist so cool" – wärmte Chanyeol das Essen auf, dass Jongin mitgebracht hatte. Es war genug für eine Kleinfamilie. Für einen Ausgleich zu dem deftigen Gericht, stellte Chanyeol noch Kimschi und andere gesunde Beilagen auf den Tisch.

Zum Schluss schenkte er Wein ein und zögerte plötzlich über Baekhyuns Glas. Der Engel sah ihn erwartungsvoll an. „Mh, trinkst du?"

„Natürlich", versicherte Baekhyun. „Drei Flaschen am Tag mindestens." Jongin starrte ihn an. „Ich mache nur Scherze."

„Okay." Chanyeol schenkte ihnen ein. Da seine Theorie mit Baekhyun's Tierhaftigkeit (Chanyeol hatte gerade mit hoher Wahrscheinlichkeit ein neues Wort erschaffen) noch Bestand, fühlte sich Chanyeol nicht wohl dabei einem Wesen – dass zu achtzig Prozent Tier war – Alkohol einzuschenken. Aber gut. Wegen Jongin.

„Woher kennt ihr beiden euch?", fragte Baekhyun an einem Mundvoll Nudeln vorbei. „Chanyeol hat mir zwar viel erzählt", fügte er schnell hinzu. „Aber ich glaube das hat er vergessen."

„Wir sind zusammen aufgewachsen", erklärte Jongin. „Wir waren schon im selben Kindergarten."

„Wobei Jongin mich erst ab der Mittelstufe so wirklich leiden konnte."

„Das ist nicht wahr, ich mochte dich schon immer ganz gerne."

Chanyeol lachte. „Du hast immer gemeckert, wenn unsere Eltern sich verabredet haben, weil du nicht mit mir spielen wolltest."

„Das ist nicht wahr, du verdrehst die Wahrheit."

„Es macht mir nichts aus", sagte Chanyeol und nahm einen Schluck Wein. „Letztlich habe ich Jongin in der Oberstufe um ein Date gebeten."

„Wir haben nur Videospiele bei dir Zuhause gespielt, so wie jeden anderen Tag auch."

„Aber von da an haben waren wir ein Paar, auch wenn sich wirklich nicht viel verändert hat." Chanyeol dachte an das Flattern in seinem Magen zurück, als er Jongin zum ersten Mal gestanden hatte, dass er in ihn verliebt war. Er war so unfassbar glücklich gewesen.

„Hmm", machte Baekhyun an seinen Essstäbchen vorbei. „Das ist schon eine Weile her, nicht wahr? Wieso lebt ihr noch nicht zusammen?"

Stille kehrte zwischen ihnen ein. Es war eine Stille die einem die Kehle zuschnürte.

Baekhyun sah zwischen Jongin und Chanyeol hin und her. „Oh, uhm, ich habe da diesen guten Freund von mir. Er ist wahnsinnig verknallt in einen anderen Freund von mir. Sie leben quasi zusammen, aber Junmyeon ist sowas wie Sehuns Lehrer und er verlangt immer von ihm die allerdicksten Bücher zu lesen und Sehun hasst es, aber er macht es trotzdem. Ich denke Sehun muss wirklich verliebt in Junmyeon sein."

„Ist es wirklich eine Lehrer-Schüler Beziehung? Das ist doch illegal", merkte Jongin an. Chanyeol war noch immer damit beschäftigt Löcher in sein Essen zu starren.

„Oh nein, die beiden sind uralt, keine Sorge!!"

„Uralt?"

„Also volljährig will ich damit sagen, volljährig."

„Wie alt bist du Baekhyun?"

„Mh, vierundzwanzig, denke ich."

„Denkst du?"

„Ich bin mir sicher!"

„Dann bist du jünger als Chanyeol und ich. Wir sind achtundzwanzig und neunundzwanzig."

„I-ist das so?" Baekhyun griff schnell nach seinem Glas und kippte den Rest des Inhalts hinunter. „Lass mich dir noch einmal einschenken Jongin."

Chanyeol dachte an damals zurück. An den Tag als er endlich den Mut zusammengerafft hatte und eine kleine Schatulle aus dem Juwelier-Geschäft nachhause gebracht hatte. Er hatte seinen Text oft genug geübt. ‚Ich weiß, dass wir hier nicht heiraten können, es ist nur provisorisch und soll dir sagen und zeigen, wie sehr-...'

‚Lass uns nicht zusammenziehen', hatte Jongin später am Abend geflüstert. ‚Ich...lass dir Zeit Chanyeol. Es tut mir leid.'

„Ich gehe schnell ins Badezimmer", entschuldigte sich Chanyeol. Er hörte gar nicht was die anderen zwei darauf erwiderten. Er spritzte sich etwas kaltes Wasser ins Gesicht und nahm ein paar tiefe Atemzüge.

„Denk nicht daran", befahl er seinem Spiegelbild. Sein Spiegelbild strafte ihn mit einem anklagenden Blick.

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Ich habe bemerkt dass man auf der mobilen Version von Wattpad die Abstände zwischen den Parts nicht wirklich sieht, daher die neuen Abstände ~*~ Wie ein Stern über Wolken...oder ein Männchen (**Engel**) das gleich die Wolkendecke durchbricht und vom Himmel fällt o.O
  Okay nein. Ich hoffe ihr hattet Spaß beim Lesen! Ich bin wirklich glücklich wie viel Feedback die Story bisher bekommt, es macht so Spaß eure Kommentare zu lesen :D Ehrlich, danke dafür ^^


Liebe Grüße!

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