Chapter 9.
Alucard wusste nicht wann, wie und wieso, aber irgendwann hatte sich einfach ein, etwas seltsamer, Raptor zu ihnen gesellt. Nicht weil er etwa seltsam aussah, Nein. Eigentlich sah er ganz gewöhnlich aus mit seinen braunen Schuppen und schwarzen Federn. Er war seltsam, weil er sich sofort die Holzschale mit den Klauen vom Boden geschnappt und darauf gewartet hatte, dass jemand ihm was vom Bier einschenkte. Dies hatte Heinkel auch getan und innerhalb von Sekunden war die Flüssigkeit schon weggext worden und der Raptor wartete auf neues. Dies war alles so ein wenig merkwürdig. Vorgestellt wurde der Raptor als 'Beerson', der Bier-sohn. Er war eine Aufzucht, welche im ganz jungen Alter über eine halbvolle Flasche gestolpert war. Seit dem war der Raptor scheinbar süchtig danach. Ein Alkoholiker-dino. Mal was ganz neues.
Vorallem war das Zeug ganz schön stark! Es wunderte den schwarzhaarigen wirklich, dass der Saurier noch nicht umgekippt war, so viel wie der sich schon reingekloppt hatte. Alucard selbst merkte den Alkohol schon überdeutlich, dabei hatte er gerade mal sein erstes Bier beendet. Der Raptor hatte sicherlich schon das doppelte Intus!
Doch je weiter der Abend fortschritt, desto seltsamer wurden die Geschichten, die erzählt wurden.
"- und dann standen wir da, bewegungslos, mit den Waffen im Anschlag. Zwischen uns diese gottverdammte Masse an Rentnern, die noch immer ganz gemütlich die Bilder und auch uns angeschaut haben. Wirklich, die waren nicht aus der Ruhe zu bringen! Darunter war auch dieser eine alte Typ. Ich weiß nicht was bei dem gerade im Oberstübchen abgegangen war, aber....da war halt diese Dame. Die hat so auf mich gedeutet, ihr Wort an diesen Typen gerichtet und gesagt 'guck mal, der hat eine Pistole'!" Während Alucard zitierte, versuchte er ebenso die Stimme einer Oma nachzuahmen. Dies entlockte zumindest den beiden Frauen ein helles Lachen, während Anderson sein Amüsement mit einer Hand vorm Mund zu verdecken versuchte. "Tja, dieser Typ antwortete darauf nur 'Oh, die ist aber groß', hat aber nicht einen Blick an meine Waffe verschwendet! Ich hatte Hoffnung, aber Nein! Stattdessen starrt der mir, nicht mal unauffällig, auf eine etwas andere Körperregion!!" Das Lachen der Frauen wurde lauter und selbst der Blondhaarige, konnte sein Lachen nicht mehr verbergen. "Warte warte warte!", unterbrach Yumiko als sie sich wieder ein wenig zusammen reißen konnte. "Der hat dir wirklich-" "JAAAA", jammerte Alucard und nahm einen weiteren Schluck aus seiner, nun zweiten, Flasche. "Ich schwöre, ich war noch nie so peinlich berührt wie in diesem Moment! Nichts konnte das bis jetzt toppen!" "Naja, das mit dem toppen ist jetzt nicht wirklich schwer nh", murmelte Anderson hinter vorgehaltener Hand. "Whus?" "Ich habe gefragt, ob du deshalb so genervt aussahst...Dachte immer das lag daran, dass Seras uns mit den Senioren unterbrochen hatte." "Nein, nein...der Typ war Grund genug"
Alucard seufzte und hob erneut die Flasche an seine Lippen. Er war zwar Blicke und Kommentare gewohnt gewesen, da Vampire von Natur aus anziehend auf Menschen wirkten, aber von nem Senior, Betonung MÄNNLICH, war das alles sehr unerwartet.
"Oh oh oh! Heinkel! Das erinnert mich gerade an unser Erlebnis in diesem Einkaufszentrum!", platzte dann Yumiko damit heraus und die Blondhaarige ließ nur den Kopf hängen. "Yup...leider..."
Fragend legte Alucard den Kopf schief und auch Anderson schien nun Neugierig. Scheinbar hatten die Frauen es auch ihm noch nicht erzählt gehabt. "Urgh, da war nur auch so'n Typ gewesen, der uns BEIDEN aus dem Nichts einen Heiratsantrag gemacht hat. Vielleicht wegen einer Runde Wahrheit oder Pflicht, was weiß ich. Aber wir kannten den nicht mal und waren offensichtlich wie Nonnen gekleidet!" Heinkel wirkte alles andere als amüsiert, als sie dies erläutert. "Ich schwöre, hätte der uns nicht direkt in Ruhe gelassen, hätte ich dem allzugern ins Knie geschossen!" Yumiko lachte nur und legte der größeren eine Hand auf den Kopf, strich ihr, nur halb ernst, über die Haare. "Beruhig dich mal wieder. Es ist ja sch lange her!" "Eine Hochzeit ist meist der wundervollste Moment im Leben eines Menschen. Darüber macht man keine Witze...", brummte die schießwütige Nonne nur. Yumiko hingegen lachte nur und machte weiter mit ihren Streicheleinheiten, während die beiden Männer amüsiert zusahen und sich an ihren Bieren gütlich taten. Auch Beerson wurde ein wiederholtes Mal eingeschenkt! Inzwischen hatte Alucard sein zweites geleert und schon nach dem dritten gegriffen.
"Aber wenn wir schon bei unangenehmen Geschichten sind, wie war das mit dem Klo?", grinste nun Heinkel böse und linste dabei zu Anderson rüber, der nur große Augen bekam und sich noch einen Schluck hinter die Binde kippte. "Nein!", sagte er dann. "Das erzählt ihr nicht!" Nun war Alucards Neugierde geweckt. "Doch doch! Bitte fahrt fort. Was ist passiert?!" "Heinkel! Yumie! Wagt es nicht-!" "Anderson hat sich in seiner Anfangszeit bei Iskariot im Klo eingesperrt und kam nicht mehr raus!" "Heinkel NEIN!" "Heinkel DOCH!", grinste diese. Anderson ließ den Kopf hängen. Alucard hingegen gab nur ein heiseres lachen von sich und starrte dann ungläubig Anderson und dann die Mädels an. "Wie hast du-?" "Klappe!!" "Es war tatsächlich Renaldos Lieblingsgeschichte. Die hat er jedem erzählt, der eng mit Pater Anderson zusammen gearbeitet hat. Er hat sich halt irgendwie eingesperrt und kam nimmer raus. Schlussendlich musste Renaldo zur Rettung eilen." Es brauchte Alucard weiterhin einige Momente der erstaunten Stille, bevor er schlussendlich entgültig in einem Lachanfall ausbrach. Anderson hingegen sank immer weiter in sich zusammen und betrank sich auch weiterhin. "WARTE. Echt jetzt?? Mein geliebter Erzfeind, Alexander Anderson, Angeldust und Judaspriest, hat es geschafft sich auf'm Scheißhaus einzusperren?" "Japp!!", kicherte nun Yumiko.
"Ich hasse euch so sehr...." "Tust du nicht~", grinste der Vampir und prostete ihm zu. Anderson hingegen sah nur eingeschnappt auf die Seite. Ja, er hatte es damals hinbekommen und ja, das kratzte noch immer an seinem Ego. Noch schlimmer wenn es auch noch herumerzählt wird. Da dachte er, er könnte diese Schmach mit ins Grab nehmen, aber neeiiiin. Dies schien ihm ja nicht vergönnt zu sein. Alucard zog jedoch nur ne Schmolllippe, bevor er sich einige weitere Schlucke Bier reinkippte. Der Raptor Beerson hatte im übrigen mittlerweile so ziemlich das dreifache von dem Intus was Alucard getrunken hatte. "Ach komm, jetzt mach nicht einen auf angepisst!", murrte der schwarzhaarige. Dann sah er auf Raika und musste grinsen. "Naja, bedenke, egal wie Sauer du bist. Dinos sind Saurier!" Von den Frauen hörte man nur das klatschende Geräusch der Facepalms. Alucard hingegen lachte offen über seinen eigenen Flachwitz. Der Witz war nicht ansatzweise gut, doch selbst Anderson musste grinsen, auch wenn er sich die Hand an die Stirn legte. "Ich glaub ab diesem Punkt hast du eindeutig zu viel Alkohol Intus." Damit lehnte sich Anderson nach vorn und versuchte dem Untoten die Flasche zu klauen. Dieser drehte sich nur von ihm weg und drückte die Flasche an seine Brust. "Ey! Das ist meine!" "Nope! Flasche her!" "Nuuuuhhhh!!!!" "Gib sie her!" "MEINSSS!" Bevor Anderson sich die Flasche krallen konnte, sprang Alucard lachend auf und rannte weg. Anderson hingegen schüttelte bloß amüsiert den Kopf, lief ihm aber nicht hinterher.
Einige Momente später warf Alucard dem Blondhaarigen die leere Flasche entgegen, als er lachend wieder aus der Dunkelheit auftauchte. Locker fing Anderson die Flasche und bevor alles noch weiter eskalierte, entschied sich jeder besser schlafen zu gehen. Auch wenn es bei dem Vampir nur mit einigem Gezeter der Fall war.
Eine Woche war seit ihrem Saufgelage vergangen. Müde zwang Alucard sich dazu seine Augen zu öffnen. Ein grummeln verließ seine Kehle und seufzend drehte er sich auf die Seite. Es war eine Woche voller Ereignisse gewesen. Hauptsächlich hatte er sich dem Training mit Alex gewidmet. In fast jeder freien Minute war er bei dem Argentavisweibchen gewesen um ihre Bindung zu festigen und jede Trainingseinheit weiter zu verinnerlichen. Satteln, aufsitzen, absteigen, Bodenarbeit. All dies wurde solange trainiert, bis beide mal eine Pause brauchten. Neben dem Training hatte Alucard auch gelernt wie das bauen in dieser Welt funktionierte. Es passierte wie mit der Werkzeugherstellung im Inventar. Beim setzen der Strukturen tauchte erneut ein Hologramm vor seinem Inneren Auge auf, welches entweder rötlich schimmerte, wenn irgendwas beim Bau nicht funktionieren würde oder grünlich schimmerte wenn alles klappte. Es war seltsam und ungewohnt und es würde ihn sicherlich noch eine Weile dauern, bis er alles fehlerfrei beherrschte. Sein Zimmer wurde jedoch schon umgebaut! Die Wand zu Andersons Raum wurde endgültig verschlossen, dafür aber endlich eine Tür in die Wand zum Gang eingelassen. Somit gab es für beide Männer etwas mehr Privatsphäre und Alucard musste nicht mehr durch Andersons Zimmer laufen, wenn er rein oder raus wollte. War ja aber auch eh klar gewesen, dass es sich dabei um eine temporäre Lösung gehandelt hatte.
Seufzend drehte Alucard sich erneut um, diesmal zur anderen Seite, den Rücken zur Wand. Kaum darauf spürte er eine Bewegung im Bett, welche nicht seine eigene war. Diese Bewegung kroch näher, bevor der schwarzhaarige schließlich eine schuppige Nase im Gesicht hatte. "...hmmm-morgen Raika...", brummte er und spürte, wie sich das Dilo-weibchen neben ihn legte. Nicht lang fackelnd schlang Alucard seine Arme um den kleinen Saurier und kuschelte sich näher an sie. Fast sofort waren seine Ohren von einem zufriedenen, gleichmäßigen brummen erfüllt und Raika legte ihren Kopf in seine Halsbeuge. Diese morgendlichen Kuscheleinheiten hatten sich auch im Laufe dieser Woche einfach so ergeben. Die Körperwärme und die direkte Entspannung beim aufwachen, machte einfach den gesamten Tag irgendwie besser. Außerdem profitierte jeder davon irgendwie. Sei es durch Wärme, Entspannung oder simple Aufmerksamkeit.
Seufzend streckte Alucard sich ein wenig ohne jedoch Raika lange los zu lassen.
Heute würde ein Interessanter und wichtiger Tag werden. Es stand nämlich nicht nur normale Arbeit für den Tribe auf dem Plan oder gar weiteres Training. Vielmehr hatte er heute seine 'Abschlussprüfung' was sein Training mit Alex, dem Argentavis, anging. Ein Rundflug war geplant, zusammen mit Alexander. Die paar Flugrunden innerhalb der Stammesmauern waren gut gewesen, aber es galt nun heraus zu finden ob die beiden bereit waren für weite Flüge. Nach einigen weiteren Momenten des entspannten Kuschelns klopfte es schließlich an der Tür, bevor eine weibliche Stimme laut wurde. Heinkel. "Alucard! Aufstehen! Frühstück!!" Dann hämmerte es noch einige Male weiter bevor Alucard schließlich ein angenervtes "ja!" von sich gab. Damit scheinbar zufrieden, zog die Blondhaarige von dannen und ließ den Vampir weiter hoch dümpeln. Circa zwei Minuten später, ließ dieser dann seinen kleinen Saurier los, die darauf nur unfreiwillig das warme Bett verließ. Auch Alucard musste sich extrem aufraffen. Selbst nach einer Woche, schien sich seine Innere Uhr noch immer dagegen zu weigern auf komplett Tagaktiv umzustellen. Nachts kam er sehr gut zurecht, während ihm jedoch das zeitige Aufstehen am morgen extreme Schwierigkeiten bereitete. Dies schienen auch die anderen bemerkt zu haben, weshalb sie ihn nicht allzusehr schallten, wenn er mal wieder verpennt hatte. Dennoch weckten sie ihn immer zum Frühstück, wenn er nicht schon von selbst eine wache Phase hatte, so wie heute.
Kaum hatte er sich aufgesetzt musste er erstmal gähnen und sich ordentlich strecken. Raika tat das gleiche. Dann schließlich stand er auf, um sich umzuziehen. Zum schlafen hatte er wieder normale, dünne Stoffkleidung bekommen, da diese einfach im Bett viel bequemer war, als die etwas dickere Lederrüstung. Als dies nun geschafft war, tapste er zur Tür, wuschelte sich zuerst noch durch die langen schwarzen Haare um diese irgendwie ein wenig zu sortieren, und öffnete eben jene schließlich.
Zusammen mit Raika kam er dann die Treppe hinunter und wurde direkt schon von seinen drei Mitbewohnern begrüßt. Während der schwarzhaarige nur müde, zur Begrüßung, die Hand hob und sich an seinen Platz setzte, war Raika schon ganz munter. Fröhlich hopste sie durch die Gegend, vorallem als auch Nova, Andersons Dimorphodon, um sie herum flog. Die beiden hatten sich in der kurzen Zeit scheinbar echt gut angefreundet. Selbst wenn Anderson am Anfang Angst hatte, dass Raika Nova fressen würde. Tatsächlich war dies aber nie passiert, noch waren jegliche Andeutungen von eben sowas jemals deutlich geworden.
Das Essen verlief ruhig wie immer, es wurden einige Worte ausgetauscht, unter anderem auch was heute alles anstand. Die Mädchen wollten wieder den Ressourcen Vorrat aufstocken, da diesmal Holz und Stroh langsam knapp wurden. Die Männer würden sich zuerst um das entmisten kümmern, nach den Tieren sehen und vorallem nach den kleinen Raptoren. Toshis Babys waren vor einigen Tagen geschlüpft. Damit hatte Alucard auch endlich verstanden was damit gemeint war, als Alexander sagte, dass die Jungen hier unglaublich schnell aufwuchsen. Innerhalb von drei, vier Tagen hatten sie schon die Hälfte an Größe von ausgewachsenen Raptoren erreicht. Es würde nicht mal mehr eine Woche dauern und die Babies würden selbst ausgewachsen sein. Es war alles so unglaublich seltsam hier. Nun, nachdem sie sich aber um alles gekümmert hätten, würden sie dann alles zusammenpacken für ihren Rundflug. Dann würde es für Alucard ernst werden.
Kaum war das Essen beendet, wurde sich gemeinsam an die Arbeit gemacht. Die Frauen sattelten ihre Argentaven und flogen los, um die benötigten Ressourcen zu besorgen, während die Männer mit der unangenehmen Aufgabe des entmistens begonnen. Entmistet wurde täglich, morgends und abends. Eine sehr nervige Aufgabe aber leider nötig mit so vielen Tieren. Viele Tiere machten halt viel Mist. Nerviger wurde es allerdings dann, wenn einem auch noch zwei verspielte, junge Raptoren um die Beine sprangen. "Reí! Raoul!! Könnt ihr mich jetzt mal durch lassen??", murrte Alucard, als er verzweifelt versuchte, zum beenden dieser verdammten Arbeit, den Wagen mit Mist zu den Komposthaufen zu bringen. Die Raptoren allerdings tollten nur weiterhin vor dem ehemaligen Vampir herum, ohne auch nur ansatzweise anzudeuten, dass sie irgendwie auf ihn hören würden.
Lachend näherte sich Anderson von hinten und stellte sich schließlich neben den frustrierten Schwarzhaarigen. "Die hören noch nicht auf alles! Aber sobald es geht erziehen wir sie richtig! Okay?" Alucard nur grummelte weiter. Noch immer sprangen ihm die Jungen Raptoren in den Weg, sollte er versuchen an ihnen vorbei zu kommen. Doch mit Alexander war auch noch eine weitere Gestalt neben ihm aufgetaucht. Toshi. Die Raptoren-mutter. Auf sie würden die Jungen hören. Das taten sie dann auch nachdem ihre Mutter, auf Alexanders andeuten, ein mahnendes Fauchen verlauten ließ. Es war wirklich faszinierend wie sehr die Tiere menschliche Intelligenz zu zeigen schienen.
Kaum hatte Toshi ein Machtwort gesprochen, traten die Jungen beseite und ließen Alucard endlich passieren. Ein wenig missmutig trat er endlich zum Kompost und die beiden Männer machten sich zum Abschluss daran den Mist in die Kästen zu räumen.
Kaum war dies geschafft konnten die beiden endlich das machen, was heute überhaupt geplant war. Der Rundflug mit den Argentaven. Mit einen Pfiff kamen beide Vögel sofort angeflogen und routiniert wurden die Sättel aufgelegt und fest gezurrt. Alex merkte sofort, dass etwas anders war, da Alexander nie zuvor zeitgleich einen anderen Argentavis gesattelt hatte, geschweige denn Loki. Dementsprechend wurde das Argentavis-weibchen ein wenig unruhig. "Shhh, mein Mädchen...ganz ruhig!", hauchte der Vampir und strich ihr sanft über den Schnabel, eine Geste welche sehr entspannend zu sein schien. Tatsächlich wurde der Argentavis wieder ruhiger und zeitgleich konnten die beiden Männer auf ihre Vögel steigen, worauf sich beide Tiere schließlich in die Lüfte schwangen.
Einige Minuten verstrichen und die beiden waren hoch in der Luft, glitten mit ihren Vögeln hoch über den Bäumen, der Wind sie umschmeichelnd. Es lag Stille zwischen ihnen. Jeder irgendwie in seinen eigenen Gedanken während sie den Argentaven jegliche Kontrolle überließen. Dennoch blieben beide Tiere ruhig, wobei sich Alex wohl eher an dem älteren und erfahreneren Loki orientierte. "Anderson?" "Hm?" "Da wir jetzt mal...... relativ ungestört sind. Darf ich dich mal was fragen?" "Klar, Hau raus..." "Ich bin jetzt seit exakt 10 Tagen hier, seit ca acht einhalb bin ich in deiner Nähe. Noch kein einziges Mal hast du die Kirche und den Christlichen Glauben erwähnt. Hat das irgendeinen Grund. Ich frage nur....", kurz brach er ab. Tatsächlich wusste der schwarzhaarige nicht so wirklich wie er dieses Thema irgendwie besser und etwas weicher im Übergang ansprechen hätte können. Es hatte ihn jetzt schon seit einigen Tagen gestört. "Ich frage nur weil ich dich sonst nicht anders kenne...nicht anders gekannt habe." Fragend blickte er von seinem Vogel zu dem anderen. Dieser wirkte irgendwie als hätte man ihn gerade angeschossen. Irgendwie eingefrohren während er nur auf den Sattel starrte. Ein wenig verunsicherte es den Vampir schon. Vorsichtig manövrierte er Alex näher an Loki ran, jedoch so dass ihre Flügel sich nicht in den Weg kamen, und wollte gerade noch etwas nachhängen als Anderson endlich das Wort ergriff. "Weißt du....Ich wunder mich dass diese Frage erst jetzt kommt und noch so vorsichtig dazu. Da könnte ich auch schon fragen was da los wäre, so zynisch und sarkastisch wie ich dich kenne..." Der blondhaarige kicherte ein wenig, doch dieses scheinbare Amüsement war schnell verflogen. Der ehemalige Priester wirkte irgendwie schwermütig. "Die beste Art und Weise wie ich es momentan erklären könnte ist..... Es gibt einfach einige Dinge die sind wohl mit mir gestorben, du verstehst?" Ein wenig überrumpelt wandte Alucard seinen Blick wieder ab. "Oh...." Das war..... unverhofft persönlich und doch so vage, dass es ihn irritierte. Was da wohl in seinem Kopf abgegangen war? So einfach legt man doch keinen Glauben ab, vorallem nicht so jemand wie Anderson! Er war der fanatischste Katholik den er je kennen gelernt hatte. Was wohl passiert war?
Wie ausgewechselt lächelte der Paladin wieder. "Na komm! Ich muss dir doch die Grenzen zeigen!" Damit lehnte er sich vor und legte seine Hände auf Lokis Nacken, ein Zeichen welches andeutete, dass er nun tiefer fliegen sollte. Ein wenig aus dem Konzept gebracht folgte Alucard dem Blondhaarigen. Alex machte sich auf diesem Flug verdammt gut. Sie war zwar noch unsicher bei einigen Manövern, allerdings vertraute sie Alucard und er ihr. Diese Ruhe machte schon vieles aus. "Warte...Grenzen?" "Jupp...hatte ich nicht bei unserem ersten Treffen erwähnt, dass es hier noch drei, vier andere Tribes gibt, aber mit denen keinen Kontakt herrscht?" Nun begann Alucard zu verstehen und zählte eins mit eins zusammen. "Also hast du Grenzen aufgestellt um bloß keinen Stress zu haben?" "Eher um uns zu schützen! Wir hatten schon Kontakt zu welchen, die waren alles andere als wohlwollend...." Unbeeindruckt hob Alucard eine Augenbraue. "Du bist stark? Einfach platt machen?" Daraufhin sah Anderson ihn an, als hätte er einen Geist gesehen. "Ich werde ganz sicher nicht in eine gesicherte Basis einbrechen und dafür meine Tiere aufs Spiel setzen! Bedenke bitte mit wem ich los müsste um dort hin zu kommen!" Der kurze Blick zum Vogel, auf dem er saß, sagte alles. Er müsste dafür Loki in Gefahr bringen. "Aber können die Tiere sich nicht auch heilen?" "Naja, schon......nur kommen sie nicht zurück sollten sie sterben...." "Oh..." "Ja, 'oh'. Verstehst du jetzt meine Vorsicht?" Tatsächlich nickte Alucard nur. Bei ihrem letzten Kampf war es deutlich geworden, dass Anderson nicht sonderlich gut mit Trauer umgehen konnte. Damals konnte er dem jedoch nicht ausweichen und hatte deshalb Helenas Nagel als letzten Ausweg genutzt. Hier war es ihm jedoch möglich alldem zu entgehen, wenn er auf alle Tiere aufpasste. Nur stellte sich Alucard die Frage, wie es wohl gewesen wäre, wenn Anderson nicht sich selbst sondern ihn mit dem Nagel angegriffen hätte. Wäre er selbst dann früher gestorben? Wäre er dann auf Dauer tot geblieben? Schrödinger hatte zwar den selben Effekt gebracht, doch mit mehr leid. Was wohl aus Integra und Seras geworden ist? Seiner Meisterin und Schülerin. .....seinen Mädchen......
"Also, als Grenze gilt uns hier dieser Sumpf. Er zeigt uns wo wir nicht weiter fliegen sollten. Das Redwood Gebiet dadrüben, ist nämlich von einem dieser anderen Tribes besetzt..." Damit riss Anderson den schwarzhaarigen aus seinen Gedanken und deutete auf ein Gebiet mit riesigen Mammutbäumen auf der anderen Seite des Sumpfes. "Unser Gebiet sind die südlichen Inseln und das bleibt auch so. Das Redwood ist zwar sehr interessant wegen den Tieren, wie den Argentaven, verschiedenen Karnivoren oder sonstiges, aber wir sollten lieber nichts riskieren!" Alucard nickte. "Und was ist mit all dem Land da hinter?" "Dort waren wir noch nie.... ich weiß nicht was es dort alles gibt..." "Warum erkunden wir es dann nicht? Nur weil hier andere Menschen leben, dann heißt es noch lange nicht, dass sie uns bemerken müssen! Du kannst dich nicht in einem kleinen Gebiet verschanzen, während wir ausdauernde Vögel haben, mit denen wir bis ans Ende der Welt fliegen könnten!" Anderson hatte alle Freiheit, die er haben konnte aber nutzte sie nicht? Weil er Angst hatte? Angst hatte vor Konfrontation beziehungsweise vor bestimmten Gefühlen? Was war bloß passiert? Erst sein Glauben, nun seine ganze Kriegers-seele??
Schmunzelnd sah der blondhaarige von dem ehemaligen Vampir weg. "Ich bewundere deinen Tatendrang aber lern du erstmal wie das alles hier läuft, okay? So einfach kann ich nicht los fliegen! Wir haben die Basis um die wir uns kümmern müssen, die Tiere nicht zu vergessen....Komm! Ich zeig dir noch alle anderen Grenzgebiete und dann fliegen wir zurück!"
Damit ließ Anderson Loki umdrehen und Alucard folgte mit Alex. Zwar hielt er gerade die Klappe, allerdings war dieses Thema für ihn noch lange nicht gegessen. Ein Anderson, welcher sich in einem Gebiet verschanzte und keine Grenzen austestete nur um bestimmten Gefühlen zu entfliehen, welcher einen Kampf vermied, das war nicht der Anderson den er kannte! Doch würde er alles tun um diesen wieder zurück zu holen!
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