Chapter 16.

Normalerweise war die Ruhe etwas was Alucard sehr genoss. Lärm und zu viele Geräusche taten ihm sonst viel zu schnell in den Ohren weh. Doch manchmal, vorallem in Momenten wie diesen, hasste er sie abgrundtief. Mit einem Seufzen drehte sich der Schwarzhaarige auf den Rücken und starrte an die Holzdecke über sich. Die einzigen Geräusche, die den Raum erfüllten, war die Atmung seiner Tribemitglieder und das leise, nächtliche Treiben im Wald. Schlaflosigkeit war eine Bitch. Langsam drehte er seinen Kopf zur Seite und sah zu seinen Kameraden. Alle schliefen sie tief und fest.
Alexander lag mit dem Rücken zu ihm gedreht in dem Bett , welches einige Fuß neben seinem stand. Die Mädels dahinter hatten ihre Betten zusammen geschoben und fanden Ruhe in einander Armen. Ein müdes Lächeln machte sich auf seinen Lippen breit. Die Beiden waren schon unglaublich süß, das musste er zugeben. Ihre Interaktion miteinander, ohne einander, einfach alles. Doch machte sich auch unweigerlich ein stechender Schmerz in seiner Brust breit. Glühende Nadeln, welche sich in sein Herz bohrten. Warum nur?
Alucard presste die Lippen aufeinander und sah zurück an die Decke. Dann drehte er sich auf die Seite und zog die Beine an seine Brust. Was würde er jetzt dafür geben zurück in der Hauptbasis zu sein, nur für Raikas Präsenz. Allein ihre Anwesenheit beruhigte ihn so unglaublich sehr. Er wollte zu Raika. Oder Alex. Oder Seras? .....Nein. Seras war nicht da. Genauso wenig wie Integra.

Was wohl aus ihnen geworden ist? Er hatte sie schließlich im Feuer des Gefächts allein gelassen, hatte nicht sehen können ob seine Mädchen den Krieg gegen Millennium gewannen oder verloren. Iscariot war zu dem Zeitpunkt zum größten Teil praktisch zerfallen. Die Entscheidung lag nur noch an Integra, dem Major, dem Captain, Seras, Walter, ihm und Schrödinger. Und Schrödinger hatte ihn zerstört. Walter war höchstwahrscheinlich von allein zerfallen. Sein Körper war schließlich so instabil, dass er nicht mal seine Form aufrechterhalten konnte.
Aber was war dann? Er wusste, dass Heinkel den Krieg überlebt und sogar noch gute 50 Jahre weiter gelebt hatte. Sie hatte es mal erwähnt. Doch fürchtete er sich davor sie direkt zu fragen. Sonst sprachen sie nicht von der Vergangenheit. Das hier und jetzt war diese Welt hier. Die Tiere, der Tribe. Alles war wichtiger. Vielleicht sollte er dennoch mal nachfragen? Schnell verdrängte er diese Gedanken wieder. Es brachte nichts über die Vergangeheit zu grübeln, wenn es doch eh zu keinem Ergebnis führte. Er war wieder ein Mensch. Es war seine Pflicht die Vergangenheit loszulassen und weiter zu gehen. Er musste es tun. Für seine jetzigen Kameraden. Aber--
Wenn er doch eigentlich von neuen Kameraden und Verbündeten, von Tieren, die seine Aufmerksamkeit benötigten, umgeben war, warum fühlte er sich dann so verdammt allein?! Warum? Warum fühlte er sich so, als bewegte sich alles zu schnell, als dass er hinterherkommen würde, als wäre er nur ein Relikt alter Zeiten, unfähig sich anzupassen? So verdammt hilflos. Vielleicht wird er im Inneren einfach nie etwas anderes sein. Ein Vampir. Ein Wesen verloren zwischen den Epochen, unfähig sich zu bewegen, weder vorwärts noch rückwärts. Still in der Zeit.
Er rollte sich nur noch enger zusammen. Was hatte er auch eigentlich anderes erwartet? Eine zweite Chance? Pah. Die hatte er schon lange nicht mehr verdient. Nicht nach dem was er getan hatte. Nicht nachdem was er war. Nicht bei all dem was er wahrscheinlich noch tun wird. Warum war er überhaupt hier? Vielleicht hätte Schrödinger einen gründlicheren Job machen sollen. Vielleicht sollte er versuchen- Nein! Nicht schon wieder!
Mit einem Mal schreckte Alucard praktisch auf. Der Raum fühlte sich viel zu klein, zu stickig. Seine eigene Haut zu eng für seinen Körper. Er musste hier raus!

So schnell aber dennoch so leise wie möglich sprang er aus dem Bett und flüchtete aus dem Häuschen. Die kalte Nachtluft war wie ein hingehend benötigten Schlag ins Gesicht, Balsam für seine angespannten Nerven. Zumindest klärte sie ein wenig seine Sinne.
Erst dann bemerkte er das Brennen seiner Augen, das Zittern, welches seinen gesamten Körper erbeben ließ, sein flacher, stockender Atem.
Angewidert von sich selbst zwang der Schwarzhaarige einen tiefen Atemzug in seine Lungen bevor er sich über das Gesicht rieb. Erbärmlich. Langsam nahm er die Hände wieder runter und sah sich um. Die Allosaurier schliefen ungestört weiter. Ihr Anblick ließ doch tatsächlich seine Mundwinkel nach oben zucken, auch wenn das Lächeln nicht ganz seine Augen erreichte. In den zwei Tagen Training hatten sie sich unglaublich gemacht , beherrschten fast alle Dinge, die Alex teilweise noch lernen musste. Wie unglaublich clever diese Tiere doch waren. Er war schon ein wenig stolz auf sie. Mit diesem gedanken wandte er sich jedoch seufzend ab. Das Lächeln schwand wieder aus seinem Gesicht, als er sich langsam zum Rand der Klippe bewegte an dem Nici ihre Basis gebaut hatte. Am Rand ließ er sich dann nieder, ließ die Beine über den Rand hängen, der Blick gen Sterne gerichtet. Der Mond stand als Sichel bereits hoch am Himmelszelt. Die Sterne zeigten sich in vertrauten Konstellationen welche er schon seit Jahrhunderten auswendig kannte.
Wenigstens waren auch diese Dinge ewig. Der Mond wäre immer da, wie ein Fels in der Brandung, unveränderlich. Er war da bei seiner Geburt und würde auch noch da sein, an dem Tag an dem er vielleicht auf Ewig seinen Tod finden konnte. Wann auch immer der kommen möge. Seine letzte Chance wurde ihm ja schließlich erneut verwehrt.  Nun war er hier? Wollte er das überhaupt? Er sollte wirklich aufhören nachzudenken. Alles was es ihm brachte, war nur noch weiterer Schmerz. Er wollte doch nur ein wenig Frieden finden. Wie sollte er diesen Frieden finden, wenn er jedes verdammte mal auf irgendeine weise wieder erschien. War es erneut ein grausamer Spaß von irgendwelchen höheren Mächten? Wann würde er endlich genug buße getan haben für all seine Sünden? Ein bitteres Lachen entkam ihm, die Augen noch immer auf den Mond gerichtet. Bei seinen Taten würde es noch Jahrhunderte dauern. Es gab kein Entkommen.

Eine Bewegung zu seiner Rechten ließ ihn aufschrecken. Doch entspannte er wieder als er Nici erkannte, die sich neben ihn an die Klippe setzte und in den Himmel sah. Einige Minuten verbrachten sie so in Stille, bis Nicis sanfte Stimme diese leise durchbrach.
"Geht es dir gut?" Für eine Weile schwieg der Schwarzhaarige, zu laut waren seine Gedanken.
"Klar...warum nicht?" Nici seufzte und drehte den Kopf zu ihm, ihre Augen strahlten ein Mitgefühl aus, dass Alucard es schmerzte sie anzusehen. Also wandte er seinen Blick wieder ab.
"Naja, es ist drei in der früh, du sitzt hier draußen und starrst in den Himmel als sehnst du dich nach deinem Zuhause, welches nur auf einem ganz fernen Planeten zu finden ist." Der Vampir schnaubte. Ja klar. Er und Zuhause. Er gehörte nirgendwo hin, hatte nichts zudem er zurück kehren konnte. Rein garnichts.
"Du bist so still... Was ist los?"
"Garnichts. Alles in Ordnung."
Die Braunhaarige seufzte nur noch lauter. "Das glaube ich nicht....aber okay. Wenn du nicht reden möchtest, werde ich dich sicherlich nicht zwingen...aber....was auch immer in deinem Kopf gerade passiert, musst du nicht allein ertragen wenn du nicht willst..." Erneut ein Schnauben. "Ich meine es Ernst! ....Wirklich." Das letzte Wort sprach Nici um einiges leiser aus, bevor sie auf ihre Hände in ihrem Schoß sah.  "Weißt du...seit dem ich das erste Mal hier aufgetaucht bin hab ich mir echt jemanden gewünscht der an meiner Seite gewesen wäre. Ich hatte so viel Angst und verstand nicht wie diese Welt hier funktionierte. Tue ich bis heute nicht. Aber das schlimmste war für mich, als ich realisierte, dass ich meinen Fuchs nicht mehr kontaktieren konnte. Alles was ich war, was ich dachte, was immer bei mir bleiben würde, wurde mir unter den Füßen weggerissen. Ich habe bis jetzt noch Probleme damit. Ich vermisse meinen Fuchs, meine Arbeit, meine Freunde, meine Familie.....meine Mutter, meinen Vater....meine Brüder" Nici wurde immer leiser, ihre Stimme brüchiger. Mit einem Schniefen wischte sie sich schnell über die Augen, bevor sie wieder zu Alucard hoch sah. Die Tränen in ihren Augen glänzten in dem schwachen Sternenlicht. "Also egal was du gerade durchmachst, sei versichert, dass ich auf irgendeiner Weise schon verstehen werde, okay? Wir sind Verbündete. Dementsprechend kümmere ich mich auch, in Ordnung?"
Es brauchte dem Schwarzhaarigen einige Momente zu verstehen, dass Nici wirklich eine Antwort von ihm erwartete, bevor er leicht nickte. Er hasste es seinen Gedanken Ausdruck zu verleihen aber irgendwie hatte er das Bedürfnis Nici nun irgendwie daran teilhaben zu lassen, nun, dass sie sich auch ihm geöffnet hatte. "Vor...vor ein paar Tagen..." Kurz musste er durchatmen um seinen Gedanken nocheinmal zu sortieren. "Vor ein paar Tagen meinte Anderson, dass ich als Mensch nun eine gewisse zweite Chance hätte und daher....einfach weiter gehen sollte...."
Stolz und erleichtert, dass Alucard endlich sprach, lächelte Nici und wischte sich mit dem Handballen erneut über die Augen.
"Darf ich raten? Es fühlt sich nicht wie eine zweite Chance an, weil du keine Ahnung hast, wie man die Vergangenheit zurücklassen kann. Du weißt nicht wo du selbst stehst, richtig?" Kurze Stille bevor der ehemalige Vampir kurz nickte. "Das ist völlig normal und völlig verständlich. Alles was du kanntest ist fort. Daher klammert man sich an alles was man noch von früher hat, auch wenn es nur Erinnerungen und Gedanken sind. Noch dazu sind die paar Leute, die du von früher kennst, ein weiterer, irritierender Faktor. Sie sind ein Verbindungsglied, welches nicht ganz zudeuten ist. Loslassen ist ein Lernprozess. Nantürlich wirst du nicht sofort alles verstehen aber du musst geduldig mit dir sein und dir Zeit geben. Lass dir Zeit beim herausfinden und vergiss nicht die Leute um dich herum. Auch sie könnten dir helfen, wenn du sie darum bittest."
Alucard seufzte. Das war für den Moment jetzt nicht sonderlich hilfreich. "Ich vermeide es normalerweise zuviel nachzudenken. Nur manchmal kann ich es nicht stoppen..."
"Das ist jetzt nicht unbedingt die gesündeste Herangehensweise..."
"Hab ich auch nie gesagt..."
"Touché. Ich wäre ein Heuchler wenn ich nicht zugeben würde, dass ich vieles auf die selbe weise löse..."
"Ich will langsam einfach nur in die Hauptbasis zurück..."
"Verstehe ich...Ich will meine Emmy zurück. Ich weiß, dass sie sicher bei euch ist und genug Futter in den Trögen vorhanden ist, um sie ein paar Tage rum zu bringen. Dennoch mache ich mir Sorgen. Wen hast du im Kopf?"
Irritiert davon, dass Nici direkt ausging, dass Alucard für eines der Tiere zurück wollte, hob dieser eine Augenbraue, bevor er jedoch einknickte. An sich hatte sie ja voll ins Schwarze getroffen.
"Raika...", antwortete er knapp.
"Dein kleiner Dilophosaurus, richtig?" Ein kurzes Nicken. Nici lächelte. "Sie scheint echt goldig. Das muss ich zugeben. Auch wenn ich bis jetzt nur eine kurze Bekanntschaft mit ihr gemacht habe."
Alucard zuckte mit den Schultern und Nici rutschte kangsam näher.
"Hey...." Eine kurze Pause. "Darf ich....darf ich dich vielleicht mal umarmen? Einfach so?"
Diese Frage traf den ehemaligen Vampir ein wenig unvorbereitet und kurz blinzelte er ein wenig irritiert, bevor er jedoch nickte. Wenn es das war, was sie gerade brauchte, dann war er halt mal kurz Mittel zum Zweck.
Vorsichtig legte sie ihm einen Arm um die Schultern, einen um seine Taille und zog ihn vorsichtig näher, bevor sie ihren Kopf auf seiner Schulter anlehnte. Für einige Momente verharrten sie so, Alucard steif wie ein Brett. Doch als Nici nach diesen Momenten noch immer keine Anstalten machte ihn loszulassen, taten ihre Körperwärme und seine Müdigkeit ihr übriges. Er begann sich tatsächlich zu entspannen. Der angekündigte Körperkontakt war doch nicht so schlecht wie gedacht. Vorsichtig lehnte er seinen Kopf an ihren, hob seine Hand, legte sie an Nicis Arm und schloss die Augen. Vielleicht war es viel weniger schlecht als gedacht. Nici lächelte nur. Ein voller Erfolg.
Die Minuten verzogen. Zwei einsame, ehemalige Wesen, welche mitten in der Nacht sich gegenseitig Nähe und Trost spendeten. Fast schon romantisch, wenn es nur nicht so platonisch wäre. Nici wusste einfach wie es war in seinem eigenen Kopf gefangen zu sein und nicht mehr raus zu kommen. Fast das ganze letzte Jahr war sie damit geplagt gewesen und wäre es nicht für ihre Tiere gewesen, hätte sie sich schon lange dem Wahnsinn hingegeben. "Alu?"
Brummend öffnete jener wieder die Augen. Ja, er wäre ab diesem Punkt fast eingeschlafen und, nein, er würde es nie laut zugeben. "Du wirkst ein wenig entspannter. Meinst du nicht wir sollten vielleicht versuchen noch etwas vernünftigen Schlaf zu bekommen?", murmelte die Braunhaarige und löste ihre Arme von dem ehemaligen Vampir.
Dieser nickte und richtete sich ebenfalls auf, auch wenn er selbst dafür fast zu müde war. All die Dinge in seinem Kopf hatten seine Energie praktisch ausgesaugt. Dennoch zwang er sich auf die Beine und überspielte seine eigene Erschöpfung indem er Nici eine Hand zum aufhelfen hinhielt. Dankend nahm sie diese an und zog sich ebenso auf die Beine, bevor sie dem Schwarzhaarigen noch ein Lächeln schenkte.
"Ich meine es ernst, versuch wirklich zu schlafen. Wir brauchen morgen- uhh in ein paar Stunden diese Energie wirklich."
Alucard nickte. "Ich weiß aber tue das selbe als es mir nur zu predigen."
Nici schnaubte. "Im Gegensatz zu dir habe ich schon ein bisschen geschlafen. Ich schlafe nur nicht sonderlich lange durch und bin daher wach. Mach dir da mal keinen Kopf." Der Schwarzhaarige verdrehte die Augen. Sonderlich Sorgen hätte er sich nicht gemacht. Jeder ist selbst für seinen Schlafrythmus verantwortlich. Dennoch war Nicis Gesellschaft sehr angenehm gewesen.
"Alles gut. Danke...für alles..uhm" Alucard verstummte für einen kurzen Moment. "Naja...Gute Nacht."
Nici schmunzelte und machte eine abwinkende Handbewegung. "Jetzt geh schon!"

Als Alucard im Orion-Außenposten verschwand, verlor sich ihr Lächeln wieder. Er hatte über viel mehr nachgedacht, als er preisgegeben hatte. Da war sie sich zu 100% sicher. Sie konnte auch verstehen, dass er nicht alles direkt teilen wollte. Dennoch war sie froh ihm irgendwie geholfen haben zu können. Inwiefern diese Hilfe funktioniert hat würde sich wahrscheinlich erst später zeigen. Zumindest konnte auch sie auf diese Weise noch einige Gedanken sortieren. Damit kehrte auch sie in ihre kleine Basis zurück.

Alu...hey...wach auf....hallo?" Eine dumpfe Stimme schälte sich durch die angenehme Leere, zog ihn langsam draus hervor. "Alucard! ...Raus aus den Federn!" Nein. Bloß nicht. Die Leere war gerade so schön angenehm. Warum durfte er nicht da bleiben?
Frustriert stampfte Yumiko auf den Boden auf. Wie zur Hölle machte Anderson das nur?! Der Idiot war schierweg nicht wach zu kriegen! Bis auf ein unwilliges Brummen und Umdrehen war nichts geschehen. Jetzt wo Anderson gebraucht wurde, war der natürlich Frühstück holen. Ganz toll. Sollte Yumiko ihn einmal schlagen? War das Okay? Bei Heinkel reichte eigentlich immer sprechen und rütteln um sie zu wecken. Dies war hier gescheitert. Anderson war tendenziell immer früher als sie wach. Hm. Was machte sie als jetzt?
Erschrocken kreischte sie auf als sich Arme um ihre Taille schlangen und sie an einen Körper gezogen wurde, bevor sie herumfuhr und einer sehr verdutzten Heinkel ins Gesicht blickte.
Augenblicklich wich jegliche Anspannung aus ihrem Körper. "Heinkel! Himmel, hast du mich erschreckt!" Der Angesprochenen Gesichtsausdruck wandelte sich in etwas entschuldigendes.
"Sorry, Süße. Hatte mich nur gewundert, was das so lange dauert."
Yumiko nickte und sah missbilligend zu Alucard.
"Ich krieg den nicht wach."
"Schlag ihn"
"Das kann man doch nicht einfach machen."
Heinkel zuckte mit den Schultern, löste sich von Yumiko und trat selbst an das Bett heran. "Doch. Ist ganz einfach." Ein gehässiges Grinsen machte sich auf Heinkels Lippen breit und die Schwarzhaarige schüttelte nur den Kopf.
"Das geht sicherlich schief!" Doch schon war es zu spät. Kaum kollidierte die flache Hand mit dem Hinterkopf des ehemaligen Vampirs schoss dieser wie eine absolute Furie hoch und packte seinen Angreifer bei der Kehle. Innerhalb der selben Sekunde fand sich Heinkel auf Alucards Bett wieder, mit eben jenem auf ihrem Torso kniend. Ein tiefes Grollen entkam seiner Kehle und auch wenn er keine Fangzähne mehr hatte flößte sein Zähnefletschen, dennoch ein wenig Respekt ein. Geschockt sahen beide Frauen den Schwarzhaarigen an. Auch dieser blinzelte schließlich, sah von Heinkels Gesicht auf seine Hand um ihre Kehle, gefolgt von einem Blick zu Yumiko. Erst dann sah er zurück und lockerte seinen Griff.
"Heinkel?" Angesprochene nickte erleichtert als sie wieder etwas freier atmen konnte.
"Yup....die bin ich", krächzte sie anschließend.
Alucard schnaubte verächtlich und lehnte sich noch näher zu der Blondhaarigen herunter. "Wenn du es wagst mich noch einmal so zu wecken, pulverisiere ich deine Knochen und verticke sie als Koks. Hast du verstanden?" Erst damit ließ er sie los und setzte sich vernünftig an den Rand seines Bettes. Heinkel nickte und stand ebenso schnell wieder auf, wie sie gelegen hatte. Mit einem verzogenen Gesicht, rieb sie sich sowohl über den Hals als auch über den Rücken. Sie konnte wirklich nicht abstreiten, dass der Schwarzhaarige wirklich stark sein konnte, wenn er wirklich wollte. So sah er eigentlich garnicht aus. Zumindest beschwerte sich ihre Wirbelsäule entsprechend. Besorgt sah Yumiko zu ihrer Freundin.
"Was sollte das überhaupt?", brummte der Vampir. Sofort hatte er Yumikos Blick wieder auf sich liegen. "Ich hab dich nicht wach gekriegt!", Verteidigte sie sich und verschränkte die Arme vor der Brust. Alucard seufzte und rieb sich übers Gesicht.
"Da hat man einmal einen tiefen Schlaf und dann sowas..... Ich glaube ihr habt jetzt gelernt mich nicht mehr auf so eine Weise zu wecken, oder?"
Die beiden Frauen sahen sich an.
"Uhhh....kann man so sagen....denke ich..."
"Gut"

Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen zerrte Anderson den erlegten Megaloceros neben die Feuerstelle. Die hungrigen Blicke der Allosaurier ignorierend, machte er sich an die Arbeit das Tier zu häuten und einen Teil für das Frühstück vorzubereiten. Dazu kamen dann ein wenig wildes Gemüse und Beeren zum Nachtisch. Wortlos kamen die beiden Mädchen dazu und begannen ihm einige kleinere Dinge abzunehmen, wie das entzünden eines Feuers und das zurrechtmachen der Sitzgelegenheiten.
"Morgen...", murmelte Nici, als sich diese ebenso zu den drein gesellte. Da sie eh nicht mehr sonderlich helfen konnte, ließ sie sich auf einen der Bänke fallen.
Lächelnd sah Anderson auf. "Morgen, Nici! Gut geschlafen?" Langsam nickte die Angesprochene.
"Joah, es geht. Könnte besser sein, aber es geht schlimmer." "Klingt solide.."
Ruckartig drehte sich Nici um, nur um Alucard schräg hinter sich stehen zu sehen.
"Morgen überigens", fügte dieser noch hinzu bevor er gähnte und sich im Nacken kratzte.
"Ah. He hath risen", kommentierte Yumiko, erhielt jedoch nur einen angenervten Blick. Anderson hob eine Augenbraue, sagte aber nichts und legte lieber das Fleisch ans Feuer. Lieber beobachte er noch ein wenig.
Nicis Gesicht hingegen hellte sichtlich auf. . "Alu! Also konntest du noch ein bisschen schlafen?"
"mhmh." Angesprochener ließ sich neben ihr nieder. "Nur zu kurz für meinen Geschmack."
"Naja immerhin! Hat dann also doch was gebracht, gell?" Triumphierend grinste sie und lehnte sich betont an des Schwarzhaarigen Schulter. Dieser verdrehte schmunzelnd die Augen und schob die Braunhaarige wieder von sich. "Jaja. Jetzt Abstand!"
"Ey! Hier gibt es kein Corona!", maulte sie und zog eine Schnute, erhielt jedoch nur einen irritierten Blick.
"Ein was?" "Vergiss es-"

Die beiden anderen Frauen sahen sich schmunzelnd an, während Anderson die Stirn runzelte. Hatte er irgendwas verpasst? Er schüttelte den Kopf und stand vom Feuer auf um sich ebenso hinzusetzen. "Also Bier haben wir genug, wenn es darum ging?"
Nici prustete. "Die selben Witze haben wir auch immer gemacht. So originell bist du jetzt auch nicht."
Der Paladin blinzelte. "Was?"
Nun fingen Heinkel und Yumiko an zu lachen. Irgendwie bekam der Blondhaarige das Gefühl, dass er irgendwas gehörig verpasst hatte. Hilfesuchend blickte er zu dem ehemaligen Vampir, doch der schien genauso irritiert. Wenigstens ein Mitstreiter in der Verwirrung, so schien es.
Er wusste, dass Heinkel länger gelebt hat als sie alle. Doch hatte sie ihm nie viel erzählt. War auch garnicht nötig, da sie nun sowieso in einer komplett anderen Welt waren, wo die Zeitrechnung eine komplett andere zu sein schien. Das Yumiko vielleicht einige Details mehr wusste als Anderson war ebenso verständlich. Schließlich war Yumiko Heinkels Partnerin und Partnern erzählte man mehr als den Eltern. Naja, Zieheltern in Andersons fall. Dennoch fühlte er sich dezent wie das dritte Rad am Wagen.
Nici hatte auch länger als er gelebt. Wenn auch nur um die Zwanzig Jahre. Aber scheinbar schien in diesem Zeitpunkt etwas passiert zu sein was irgendwie etwas mit dem Begriff 'Corona' zutun hatte. Hm.
Mit einem Räuspern überspielte er den, für ihn, dezent unangenehmen Moment und kümmerte sich um das Essen.

Das Frühstück verlief eigentlich wie immer. Größtenteils blieb man still, hin und wieder wurden ein paar Witze gerissen und im allgemeinen blieb die Stimmung entspannt.
Spannung kam erst am Ende ins Spiel, als es hieß die Tiere zu satteln und sich bereit zu machen. Laut Nici war eine Konfrontation unumgehbar. Ganz zu Andersons missfallen. Gut, sie hatten Nici ihre Unterstützung zugesprochen, also wurden Opfer gebracht.
Hoffentlich wurden die Opfer nicht zu groß, aber das würde man erst sehen.

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