Chapter 17.
Zunächst eine Autorenanmerkung: Ich glaube das ist das erste Mal in dieser Geschichte, dass ich so lange für ein neues Kapitel gebraucht habe. Mehr als ein halbes fucking Jahr. Dementsprechend möchte ich mich dafür entschuldigen. Ich schreibe diese Story noch weiter, ich habe große Pläne für diese Reihe, aber dieses Kapitel und das letzte halbe Jahr waren für mich eine enorme Herausforderung.
Zunächst hatte ich eine riesen Schreibblockade was den Konflikt und den Beginn des jetzigen Kapitel, noch dazu war RL einfach RL. Ich habe meine Abiturprüfungen geschrieben und war auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz etc. Jetzt wo alles in dieser Richtung erledigt ist, habe ich wieder mehr Ruhe fürs schreiben und hatte auch endlich einen durchbruch mit diesem Kapitel.
Auf dass die nächsten Kapitel nicht so lange auf sich warten lassen.
LG
Laskume
und jetzt viel Spaß beim Lesen
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Bedrohlich schien die Spannung, die sich im angesicht der fremden Tore ausgebreitet hatte. Selbst die Vögel verstummten völlig in diesem Teil des Redwood. Kein Archaeopteryx oder Dimorphodon ließ auch nur ein krächzen verlauten. Der Himmel war dunkel und verhangen, so als würde sich selbst die Sonne fürchten. Die Allosaurier waren unruhig, tänzelten umher oder schüttelten ihre Köpfe. Den Menschen ging es jedoch nicht viel besser.
Niemand wagte es lauter als der Wind zu atmen und jeder sah sich um, nach potenziellen Fallen oder Bedrohungen. Seien sie von ihrem Ziel oder von außerhalb. Noch dazu wusste niemand so genau, wie ihr ganzer Plan nun in die Tat umzusetzen sei. Sollten sie einfach die Tore attackieren? Oder auf Entdeckung warten? Mit ihren Mitteln waren diese Mauern bald unüberwindbar. Was tun?
Die Ungewissheit nagte an ihnen. Doch bevor sich jeglicher Fokus auf den Anführer Orions legen konnte, wurde ihnen die Entscheidung schlussendlich abgenommen.
Ein Krachen ertönte, ein Ruck ging durch die Mauern, die Tore öffneten sich. Langsam und schwerfällig bewegten sie sich, gaben zuerst einen Spalt und schließlich die Sicht auf zwei Gestalten frei. Hinter ihnen eine absolute Bestie an Rex.
Fuck. Jetzt wurde es ernst.
Schock war das erste Gefühl, dass Alucard auf den Gesichtern der beiden Neuankömmlinge identifizieren konnte. Dann Verwirrung. Die Tore krachten erneut in ihren Angeln, kamen allerdings weit geöffnet zum stehen. Ein Kerl mit schmutzig blondbraunen Haaren trat zuerst hinaus, gefolgt von jemandem mit kurz abgeschnittenen roten Haaren. Der T-Rex wollte folgen, wurde allerdings mit einer Handbewegung des Roten zurück gehalten und blieb daher brav stehen.
Dann öffnete der Blonde seinen Mund und sprach einige Worte in einer Sprache, die Alucard nicht verstand oder einordnen konnte. Vom Tonus hätte es eine Frage sein können, aber er war nicht sicher.
Er sah eine Bewegung zu seiner Rechten und blickte dort hin. Anderson hatte sich im Sattel von Vine, dem grünen Alphaweibchen, aufgerichtet und wirkte angespannt. Yumiko und Heinkel auf Chip, dem Männchen, spannten sich ebenso an, schienen dementsprechend eine Ahnung von irgendetwas zu haben. Ein wenig verloren sah er nach hinten zu Nici, die zwar unsicher, aber genauso ahnungslos wie er selbst aussah. Ihre Unsicherheit äußerte sich auch nur in der Art, wie sie ihre Arme enger um seine Taille zog und geduckter über seine Schulter sah. Ihr Allosaurus, Peanut, hingegen blieb bis auf ein Schnauben relativ ruhig.
Der Blonde sagte erneut etwas, diesmal lauter und eindrücklicher, wurde jedoch vom Roten unterbrochen. Dieser starrte zunächst Alucard direkt in die Augen bevor er den Blick zur Seite auf die Person hinter ihm richtete. Dann hob er eine Hand und zeigte in ihre Richtung. Nici stockte und hörte augenblicklich auf zu atmen.
"Alles gut, wir haben das hier schon unter Kontrolle.", zischte der Schwarzhaarige ihr zu, in der Hoffnung sie irgendwie beruhigen zu können oder was auch immer man in so einer Situation tat.
Ein Ausdruck von Unglaube und vagem Amüsement machte sich auf den Gesichtern ihrer Gegenüber breit. Dann sagte der Rote etwas. Es klang spottend. Alucard verzog das Gesicht und zischte, zog die Zügel des Allosaurier enger. Peanut schüttelte ihr Haupt und fauchte. Andersons linker Arm schoss in seine Richtung, die flache Hand ausgestreckt.
Er hielt ihn zurück?
Ungläubig sah Alucard zu ihm. Ein fragender Blick und Zähnefletschen. Ein Kopfschütteln seitens des Paladins. Hilfesuchend wandte sich der ehemalige Vampir an die Beiden Frauen an Andersons Seite. Auch sie schüttelten ihre Köpfe und deuteten wieder zu ihrem Anführer.
Was zur Hölle wussten die, was er nicht wusste?
Andersons Hand sank wieder, nachdem wohl sicher war, dass der Schwarzhaarige nicht mehr losstürmen würde, und der Blondhaarige richtete seinen Blick wieder auf die beiden anderen. Dann klopfte er Vine auf den Hals, wartete bis sie sich duckte und bewegte sich erst dann wieder.
Mit großen Augen und offenem Mund sah der Schwarzhaarige dabei zu, wie Anderson doch tatsächlich von dem Allosaurier abstieg und ihren Gegnern doch ernsthaft den Rücken zu drehte, nur um Vine über die Schnauze zu streichen. Dann jedoch wandte er sich langsam wieder um und sagte etwas. Etwas was Alucard nicht verstehen konnte. Sein Kiefer klappte ein wenig weiter auf. Nein. Nein! Das konnte doch echt nicht wahr sein. Es klang... es klang wie die selbe verdammte Sprache. Es war die selbe verdammte Sprache. Anderson sprach ihre verdammte Sprache. Das änderte den kompletten geplanten Ablauf von dieser Begegnung. Was zu Hölle?!
"Du sagtest doch, sie sprechen irgendwas altes?!", zischte der Schwarzhaarige zu der Frau hinter ihm während immer mehr Worte gewechelt wurden. "So alt kann es ja nicht sein, wenn unser werter Judaspriest es mal eben beherrscht!"
"Aber es klingt doch so! Vielleicht hat er es ja mal aus Interesse gelernt, kann doch sein?" Alucard schüttelte den Kopf und starrte weiterhin eindringlich zu seinem Anführer.
"Du siehst es nicht, oder? Das kann nicht mal eben so gelernt sein, wenn es keinen regelmäßigen nutzen oder sonst was gibt. Sieh ihn dir doch an! Er ist zu vertraut! Alles was er sagt kommt ihm zu einfach über die Lippen."
Ein amüsiertes kichern ertönte an ihrer Seite und erst jetzt bemerkte Alucard, dass sich Heinkel und Yumiko mit Chip direkt neben sie gestellt hatten.
"Och Alu.", lachte Yumiko. "Es mag zwar nie in irgendeiner Akte gestanden haben, die Hellsing in die Finger kriegen konnte, aber du wirst doch wohl oft genug mit Alexander gesprochen haben um dir einen Reim drauf zu machen woher er eigentlich kommt, oder? Sein Englisch ist schließlich nie ganz akzentfrei."
"Ja, aber-", murmelte der Vampir, stockte aber als Heinkel schmunzelnd eine Augenbraue hob. Seine Augen weiteten sich. "Du meinst-?" Er rieb sich eine Hand übers Gesicht. "Ich bin so verdammt dumm."
"Ich nehme an du hast es verstanden?", lächelte die Blondhaarige. Alucard ließ den Kopf noch weiter in seine Hände fallen und nickte stumm. Wie konnte er das nur übersehen?
"Okay und jetzt nochmal für extra Dumme? Ich hab zwar seinen Akzent bemerkt, aber sonderlich wissen, woher er kommt tue ich jetzt nicht?"
"Schottisch, Nici, er ist Schotte."
"Oh."
"Und was sie da sprechen ist wohl Gälish. Wie es scheint, seine verdammte Muttersprache."
Nici blinzelte. Damit hatte sie nicht gerechnet, sah aber zu dem Blondhaarigen hinüber, der immernoch zu diskutieren schien. Das erklärte einiges.
Langsam hob auch Alucard seinen Kopf und setzte fort Anderson zu beobachten. Was auch immer besprochen wurde, es wurde hitzig. Erneut zeigte der Rothaarige zu Nici und wurde lauter. Anderson hingegen richtete sich noch größer auf als eh schon und trat einen Schritt auf die beiden zu, seine Stimme wurde leiser. Er sagte wohl etwas, das als Provokation gelten könnte, denn kaum später erschien beim Straßenköter-blonden ein Schwert.
In einer fließenden Bewegung wandte sich der Paladin herum, packte ihn am Arm und drehte das Handgelenk so weit, bis das Schwert nicht mehr zu halten war. Zeitgleich zog er ihm mit einem gezielten Schlag seines Fußes die Beine unterm Körper weg. Mit einem von beiden am Boden eignete Anderson sich schleunigst das Schwert an und hielt die Spitze dem anderen gen Kehle. Dieser stoppte jede Bewegung und hob die Hände.
Alucard lächelte und ein warmes Gefühl machte sich breit. Das war der Kämpfer den er kannte. Innerhalb von wenigen Sekunden unschädlich gemacht. Diese zwei Menschen hatten, gegen so jemanden wie ihn, keine Chance.
Wortlos drehte Anderson das Schwert in seinen Händen und warf es so zu Boden, dass es zwischen den beiden stecken blieb. "Wagt es nicht nocheinmal mich angreifen zu wollen, verstanden? Das wird für euch nicht gut ausgehen und ihr könnt euch ebenso sicher sein, ..." Er deutete hinter sich. "...dass jeder in meinem Tribe auf so einem Niveau kämpfen kann, verstanden?" Er wartete keinerlei Antwort ab, bevor er fort fuhr. "Und dieses Mädchen, wie ihr sie nanntet, Nici, steht unter unserem Schutz. Ab sofort werdet ihr sie in Ruhe lassen und euch euren Scheiß selber besorgen, ansonsten werden wir unseren friedfertigen Status fallen lassen und ihr kriegt es mit uns zutun. Und ich glaube, dass wir euch ordentlich das Leben zur Hölle machen können, klar?" Anderson verstummte und verschränkte die Arme, starrte beide eindringlich an. Eine Antwort ließ nicht lang auf sich warten.
"Klar! Klar. Wir..uh..lassen sie in Ruhe. Es war ja auch nie etwas persönliches. Wir brauchen nur die Ressourcen, um so schnell es geht von hier zu verschwinden."
Es waren die Worte Gustavs, des Blonden, die Anderson zum ersten Mal in dieser ganzen Konversation zum stocken brachten. "Von hier...verschwinden? Aber hier kommt man nicht weg."
Gustav und Stevenson sahen sich an. "Du weißt es nicht?" Anderson zog nur eine Augenbraue hoch. War das nicht offensichtlich? Warum sonst sollte er fragen?
"Wenn wir es dir erklären, wird dein Tribe uns ebenso in Ruhe lassen?"
"Das habe ich doch bereits gesagt. Solange es weder Nici schadet noch irgendwie uns in die quere kommt, werden wir euch in Ruhe lassen. Als Anführer dieses Haufens gebe ich mein Wort." Er streckte seine Hand aus und nach einem Moment Stille wurde schließlich eingeschlagen. "Und nun? Spuckts aus."
"Dann solltest du uns vielleicht lieber mal folgen, allein damit wir beweisen können, was wir erzählen werden."
Irritiert beobachtete Alucard wie Anderson beiden die Hand schüttelte und sich umwandte um zu ihm und den drei Frauen zurück zu kehren. "Leute, es scheint, dass die zwei Dinge erzählen wollen, die auch für uns interessant werden könnten. Dementsprechend werde ich ihnen in ihre Basis folgen. Ihr passt währenddessen auf euch selbst und auf Vine auf. Ich hoffe, dass es nicht so lange dauern wird."
"Also brauchen wir uns nicht mehr um einen Kampf zu sorgen?", warf Nici in die Runde und Heinkel schmunzelte. "Ich denke, dass war schon vom Tisch als wir realisierten, dass Alexander mit ihnen sprechen kann. Aber mal ehrlich. Wolltest du wirklich einen Kampf zwischen Tribes? Klingt ein bisschen primitiv, oder?"
Nici schüttelte den Kopf. "Nein, nun wirklich nicht. Ich bin froh drum, wenn auch ein wenig überrascht."
"Soll irgendwer von uns nicht mitkommen, als Backup, wenn du da reingehen willst? Ich meine, sie könnten dich in einen Hinterhalt locken?", richtete nun Yumiko das Wort an Anderson. Dieser schüttelte den Kopf.
"Nein, nicht von nöten. Nichts was die beiden versuchen könnten, wäre etwas, mit dem ich nicht schon mal Kontakt hatte. Macht euch keine Sorgen, ich beeil mich. Und dich, Nici, werden sie ab sofort in Ruhe lassen."
"Wie hast du das denn hinbekommen?"
Der Blondhaarige lächelte leicht. "Ich habe ihnen nur den Unterschied zwischen harmlos und friedlich verdeutlicht." Damit wandte er sich ab und kehrte zu dem Schottischen duo zurück. Momente später verschwanden die drei in der Basis.
Auch wenn Nici augenblicklich mit seiner Aussage nicht viel anfangen konnte, musste sie ein wenig lachen. Wenn ihr jemand am Morgen noch gesagt hätte, dass es keine Konfrontation geben würde, hätte sie denjenigen für verrückt erklärt. Es gäbe doch keine Möglichkeit das zu umgehen. Und doch ist es passiert. Wow.
"Seid ihr euch sicher, dass es Anderson da drinne gut gehen wird?", fragte sie schließlich, als der erste Unglaube verarbeitet war.
"Absolut.", antwortete Alucard vor ihr, kaum dass sie zuende gesprochen hatte. "Als wir die Allianz bekundet haben, erwähnten wir, was wir waren. Ich ein Monster, er ein Monsterjäger. Ich bin Jahrhunderte alt und in meinem Leben gab es nur zwei große Instanzen in denen ich besiegt wurde. Meine Hinrichtung als Mensch und meine Niederlage gegen Abraham van Helsing. Bei der ersten blieb ich nicht tot und bei der zweiten wurde ich nur versklavt. Anderson hatte die mentale als auch körperliche Stärke um das zu beenden was diese beiden anderen Instanzen nicht konnten. Er hätte mich bis zuletzt töten können." Ein wenig überrascht von der plötzlichen Geschichte, blinzelte Nici und schluckte. Nie hätte sie gerechnet von ihm eine Geschichte zuhören, welche man nicht mit Spott und Humor übertünchen konnte. Schon gar nicht ohne zuvoriges herumbohren.
"Und....warum tat er es nicht, wenn ihr doch verfeindet wart?", bohrte sie schließlich doch nach.
"Oh nein, das ist-" "Ich glaube nicht, dass-", begannen die beiden anderen Frauen. Alucard hingegen unterbrach sie mit einem verächtlichen Schnauben.
"Er begang einen Fehler. Den selben Fehler den ich auch einst begang und das setzte uns schlussendlich auf eine Stufe. Auch da hätte er mich töten können, aber das konnte ich nicht zulassen, wenn es heißen sollte, dass er mit seinem Fehler weiterlebt. Also musste ich es beenden."
Bei dieser nicht ganz so versteckten Implikation lief es Nici kalt den Rücken runter. Wenn der eine den anderen umgebracht hat, warum zur Hölle kamen sie so gut miteinander klar?! Dennoch war sie sich bewusst, dass sie nicht alle Fakten besaß, weshalb sie sich auch nicht erlaubte Schlussfolgerungen zu ziehen.
"Und der Fehler? Was war das für einer?"
Alucard schnaubte leise. "Das ist etwas, was ich dir nicht sagen kann. Es ist nicht meine Geschichte zu erzählen und ich weiß nicht ob er es je tun wird. Aber ich weiß, dass er ihn bereut und es ihn schmerzt. Mehr kann und werde ich nicht sagen."
Damit ließ auch Nici es beruhen. Sie würde so oder so nichts mehr aus dem ehemaligen Vampir herausbekommen und sie bemerkte wie still die beiden Frauen geworden waren. Fast so als hätte es auch sie betroffen. Als würde auch sie die Erinnerung an diesen Fehler schmerzen. Es war schlicht und ergreifend besser das Thema zu wechseln. Zum Beispiel zu diesen Neuigkeiten, die sie wohl noch nicht wussten und die Anderson nur im inneren einer Basis weitergegeben werden konnten.
Niemand wusste so genau wie viel Zeit verging, bis Anderson wieder zurück kehrte. Es fühlte sich an wie Stunden, hätten aber auch nur Minuten sein können. Jedenfalls wirkte Anderson ein wenig erschüttert und erschlagen. Kaum näherte er sich der Gruppe, sprangen Yumiko und Heinkel aus ihrer ruhelosen Position auf und liefen ihrem Mentor entgegen.
"Alexander!", rief erstere. "Alles in Ordnung?", rief nun die zweite. Mit einem sanften Lächeln kam Angesprochener zum stehen. Bevor er jedoch antwortete hob er beide Hände und wuschelte jedem einmal durch die Haare und ließ sie anschließend auf ihren Schultern ruhen. "Ja, ihr beiden. Alles in Ordnung. Die Dinge die ich nur gerade erfahren habe sind ein wenig... überraschend. Um es milde auszudrücken."
Neugierig sahen auch Nici und Alucard zu ihm.
"Und? Spucks aus! Was ist denn so überraschend um dich von den Socken zu hauen?", spornte der Schwarzhaarige an. Anderson seufzte und ließ zunächst ein paar bedeutungsvolle Sekunden verstreichen.
"So wie es aussieht gibt es Möglichkeiten diesen Ark hier zu verlassen."
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