Chapter 15.
"Ist es mir erlaubt mich darüber zu beschweren, wie sehr ich es hasse. Jedes mal?", murrte Yumiko, erhielt aber einstimmiges Nicken. Schon lange hatten sie Position bezogen, im Schutz einiger Felsen am Fuße des Redpeak. Der Köder für die Allosaurier schon lang platziert. Nun mussten sie nur noch auf des Erwachen des kleinen Rudels von drei Tieren warten. Denn in der aktuellen Situation hatten die, von Nici indenifizierten, beiden Weibchen und das eine Männchen, sich in ein einziges Knäuel zusammen gerollt um friedlich zu schlafen. Schon seit Stunden wohl gemerkt.
Ganz zum Verdruss der Gruppe hatte sich während der langen Wartezeit der Himmel zunehmendst verdunkelt, nur um hinterher auf zu brechen und viele Liter Wasser über sie zu ergießen. Unerbitterlich prasselte der Regen nieder und wand seinen Weg durch jede Kleidung und jede Rüstung. Nicht einmal die Felsen boten ein wenig Schutz vor der Witterung. Schnell war das Prasseln in ein monotones Rauschen übergegangen, welches jedes weitere Geräusch zu ersticken schien. Selbst die wilden Argentaven waren aus dem Himmel verschwunden und hatten irgendwo Schutz vor dem Regen aufgesucht. Nicht mal ihre Rufe waren zu hören. Nur monotones Rauschen.
"Wundert mich echt, dass diese Viecher noch nichts mitbekommen haben. Vom Regen meine ich...", schloss sich Heinkel der Beschwerde an und nickte in die Richtung der Saurier. Nici schauderte und schüttelte den Kopf. Auch sie war völlig durchnässt, die Haare klebten ihr förmlich an Kopfhaut und Stirn, und doch hielt sie die Stellung mit Würde.
"Diese Sturzregenfälle sind hier nichts ungewöhliches im Redwood. Was ihr eigentlich wissen müsstet, wenn ihr hier versucht habt zu leben, aber gut. Dementsprechend können es die Allos aber ignorieren."
Heinkel brummte nur noch lauter. "Nur weil man etwas weiß oder gewohnt ist, heißt es nicht, dass man es mögen muss..."
Ein amüsiertes Schnauben ertöne und die Frauen sahen in die Richtung des blondhaarigen Paladins. "Ich glaube wir sind nur ein wenig verweichlicht durch unsere angenehme südliche Position und gemütliche Basis. Wird Zeit mal wieder, wie in alten Zeiten, ordentlich im Dreck zu kriechen, auf der Jagt nach ein paar würdigen Monstern."
Irritiert sahen sich Yumiko und Heinkel an. Diese Aussage ausgerechnet von ihm? Der eigentlich so ziemlich alles, was mit den 'alten Zeiten' zutun hat, zurück lassen wollte?
"Außerdem..", führte Anderson fort. "So ganz ungemütlich kann der Regen ja nicht sein.."
Zeitgleich sahen sie alle in die Richtung in der sich der Vampir befand. Mit dem Rücken an die Felsen gelehnt hatte er die Arme vor der Brust verstränkt und die Beine ausgestreckt. Völlig ignorierend, dass sich schon eine Pfütze unter ihm bildete und seine Rüstung sowie Tarnkleidung mindestens genauso durchnässt sein musste. Seine Haare klebte matt an seiner Haut und flossen wie Ranken aus reinster Tinte an seinen Schultern hinab. Dennoch war seine Mimik völlig entspannt und die Augen fest verschlossen. Ein friedlicher Schlaf.
Nur dass er nicht schlief. Geübt durch Jahrhunderte an Training hatte sich der Urvampir in einem meditativen Zustand in die Tiefen seines Bewusstseins zurückgezogen um jegliche Zeitspanne zu überdauern. Seien es Stunden, Tage, Wochen, Jahre, Jahrzehnte. Zeit war ein relatives Medium. Abgeschottet und nur verbunden mit dem Fluss der Energien, machte es keinen Unterschied. Taub und Tod für die Welt und dennoch so wach und aufmerksam wie eh und je. So manches Mal hatte diese Fähigkeit das zerbrechen seiner Psyche verhindert. So wie bei der zwanzig jährigen Versiegelung durch Arthur Hellsing. Sein Körper war gefangen und verdammt zu verrotten, seine Seele jedoch blieb heile und soweit unversehrt. Eine Fähigkeit völlig unabhängig vom Vampirismus, die ihn dennoch wie so oft schützte. Tief in seinem Bewusstsein war er praktisch taub und blind, spürte weder seinen eigenen Körper noch sonstige Reize wie Wärme, Kälte oder gar Hunger. Dennoch wusste er stehts was um ihn herum passierte, wenn auch vage. Er spürte der Erde unter sich pulsieren, der Energiefluss der umliegenden Pflanzen. Ja, sogar der Stein schien lebendig. Selbst die Luft um sie herum war ein einziger riesiger Strom von Energie, stetig im Austausch mit anderen Flüssen und allumgreifend in Bewegung. Er spürte die strahlenden Zentren neben sich, welche von seinen jeweiligen Kameraden ausgingen, erfühlte ihre Stärke und Aura. Nach wie vor war Anderson die Imposanteste Persönlichkeit, was die Stärke seiner Energie und Aura anging. Dennoch war sein Energiefluss und der Austausch mit jedem anderen Strom ruhig und ausgeglichen. Ein starker Kontrast zu seiner feurigen Kämpferseele und dennoch passend zu seinem aktuellen friedfertigen Gemüt. Die Zentren, welche nur die Energien von Heinkel und Yumiko sein konnten, waren faszinierend zu beobachten. Denn sie flossen fast schon als Einheit und in absoluter Harmonie. Heinkels Zentrum war kleiner, weniger raumumgreifend, dennoch brodelte ihre Energie wie ein feuriger Vulkan kurz vor einer Eruption. Doch wurde sie stetig ausgeglichen von Yumiko, mit ihrer größeren Fläche und dem tiefgründig ruhigen Fluss. Ihre Aura konnte Alucard nur mit einem stillen aber erschreckend tiefen See vergleichen. Der Fluss welcher nur zu Nici gehören konnte war....interessant, um es dezent auszudrücken. Die Präsenz war in sich zusammengezogen um kaum Interaktion mit anderen Flüssen zu zulassen, wobei es eine tiefe Verbindung zu den Erdenergien gab. Immerwieder schossen dazu kleinere Energiestöße, wie Sonnenwinde, empor um einen weiteren Strang zu ergreifen, sich zu verbinden, diese wieder zu kappen und zu verfliegen. Ein Spiegelbild ihrer scheinbar ambivertierten Natur.
Mit geschlossenen Augen war Alucard eigentlich blind und die Energien konnte er auch nur erfühlen. Doch je länger er tastete und erfühlte, desto deutlicher formten sich Bilder in seinem Kopf, gemalt von Unterbewusstsein und den verschiedensten Assoziationen. Es gab keine Gestalten, keine spezifischen Formen oder Körper. Nur Farben und abstrakte Wellen. Farben welche er nicht ganz benennen und dessen Töne er nur vage vergleichen konnte. Erdernergien wie Stein oder Pflanzen schienen Gelb oder Ocker. Luft war irgendwie grün. Lebewesen hatten etwas vergleichbares wie rot. Aber alles war stetig in Bewegung. Es gab keinen Stillstand, keine Ruhe. Nur Bewegung, stetig pulsierend und fließend. Es war verwirrend und doch so wunderschön und unglaublich beruhigend. Jede Veränderung veränderte die Farbe oder die Fließrichtung, die Stärke des Pulses oder die stetigen Verbindungspunkte.
Genau dies geschah. Etwas veränderte sich. Und zwar hinter ihm. Nicht im Gestein, an dem er lehnte, sondern weiter dahinter. Die Energieflüsse der Luft verwoben sich anders. Schnell zog sich Alucard aus den Tiefen seines Bewusstseins heraus und zurück in die materielle Welt empor. Augenblicklich erschlagen von dem Gefühl der absoluten Kälte und Nässe zog er die Beine an und rollte sich fast schon zusammen. Auch die Helligkeit des selbst verdunkelten Himmels brauchte ihm einen Moment der Gewöhnung. Wie hatte er nicht mitbekommen, dass es so stark geregnet hatte? Er war komplett durchnässt!
"Na? Gut geschlafen?", ertönte eine dunkle und samtige Stimme, relativ unweit von ihm entfernt. Ein wenig desorientiert sah der Schwarzhaarige auf und brauchte auch hier einen Moment um den Paladin vollständig zu erkennen, noch zu gewöhnt an die einzigalleinige Wahrnehmung seiner energetischen Signatur. Auch ließ er seinen Blick über die Frauen schweifen, bis er sich an den Grund erinnerte, warum er überhaupt zurück gekehrt war.
"Die Allosaurier erwachen....oder zumindest werden sie aktiver!" Doch anstatt dass jemand aufstand, wurde er nur irritiert und mit gehobenen Augenbrauen von den anderen Mitgliedern seiner Gruppe gemustert. Dann ertönte ein knatterndes Zischen von den Sauriern, unweit hinter den Felsen. Überrasscht sprang Nici auf und sah durch einen Spalt im Fels, durch welchen sie auch zuvor schon die Tiere beobachten konnten.
"Er macht keine Witze! Sie wachen wirklich auf!" Genau in diesem Moment hob das schwarzbraun gefärbte Männchen den Kopf und gähnte, präsentierte jeden seiner 72 Zähne voller Stolz.
"Wie zur Hölle?", fragte Heinkel und zog ihre Augenbrauen zusammen. Auch Yumiko sah überrascht aus. Alucard zuckte jedoch nur mit den Schultern. Anderson sah den Schwarzhaarigen kurzzeitig noch kritisch an, bevor Nici ihn wieder ablenkte.
"Alle drei stehen und der Köder wurde gefressen. Das Weibchen mit dem grünen Rücken war zuerst dran, damit ist sie höchstwahrscheinlich auch die Alpha! Karamell und Schoko sind beide Betatiere."
"Sehr Kreative Namen...", seufzte Heinkel. Yumiko schmunzelte jedoch nur.
"Ach, wir können die guten ja noch umbenennen. Fürs erste wird es reichen für die Unterscheidung."
"Eben!", warf Nici erneut ein. "Und wenn, dann würde ich das Männchen auch Brownie nennen. Schoko ist dann doch zu einfallslos bei seiner Farbe..."
"Dein 'Brownie' ist auch Braun.....Machts nicht viel besser. Und Karamell? Für einen Saurier mit Karamellfarbenden Schuppen? Wow..." Da dachte Alucard er sei unkreativ mit Namen. Tatsächlich wurde er noch getoppt. Ein Wunder.
"Genug geplaudert! Mit dem verschlingen des Köders müssen wir uns an die Arbeit machen. Alucard? Heinkel? Ihr übernehmt die erste Schicht.", funkte Anderson schließlich dazwischen und reichte jedem von beiden einen Bogen, bevor er zu einem Haufen, mit Fleisch bespikten, Pfeilen zeigte.
Alucard neigte seinen Kopf, sah kurz auf den Bogen und zwang sich schließlich auf die Beine. Es lag noch immer eine gewisse Schwere in seinen Muskeln, welche in Menschlicher Form hartnäckiger zu sein schien. Selbst als Vampir war er immer müde aber dieser schwächere Körper machte die Erholung sehr langwierig. Dennoch testete er den Bogen und spannte die Sehne. All dies funktionierte ohne große Probleme oder Einschränkungen. Wenigstens etwas. Dann schließlich ergriff er einen Köderpfeil und ging auf Position.
"Der Plan ist folgender..", hatte Anderson gesagt, kaum als sie den Felsen erreicht hatten. "Wir werden warten bis sie erwachen. Mit einem zuvor plazierten Köder bekommen wir die erste Aufmerksamkeit. Das wird Yumiko machen, da du einfach die schnellste von uns allen bist, Dann werden wir Pfeile mit Fleisch bestücken, diese Pfeile werden nach uns riechen und das ist der ganze Sinn an der Sache. Damit füttern wir sie und sie merken sich unseren Geruch! Unser Geruch und damit unsere Präsenz wird mit etwas positivem Verbunden. Und da wir das Futter darbringen, statt selber gefressen zu werden, fallen wir Stück für Stück aus dem Beuteschema, bis wir uns nähern können. Mit dem schießen wechseln wir uns ab und wir verwenden normale Bögen. Sie haben nicht so viel Spannkraft und damit die wenigste Verletzungsgefahr von allen Schusswaffen. Wir wollen locken, nicht töten. Plan soweit klar?"
Der Plan war simpel. Nur dass er sich zog. Schlimmer als jede Sehne ihrer Bögen. Schnell war der Nachmittag dem frühen Abend gewichen und das Licht begann zu schwinden. Die Abendsonne tauchte den Himmel in ein feuriges Farbenspiel, als würde Gott brennen und die Engel ihr Blut vergießen.
Ihre Pfeile schwanden und bald würden sie die Saurier nicht mehr auf Abstand halten können. Denn dumm waren die Kreaturen keinesfalls. Schnell hatten sie verstanden, dass sie an der Stelle, bei der sie geschlafen hatten, bleiben sollten, da immer wieder kleine Happen angeflogen kamen. Natürlich war es nicht genug um einen Allosaurier, geschweige denn drei, ausgiebig zu ernähren, aber es war leichte Beute und hielt das Interesse der Tiere lang genug. Nicis Theorie vom Alpha des Rudels hatte sich mehr und mehr bestätigt. Es war immer das grüne Weibchen, welches sich zuerst den Pfeilen näherte und sie den Rudelmitgliedern regelrecht zuteilte. Auf ihr lag alle Aufmerksamkeit. Doch auch wenn sie circa bei der selben Stelle blieben, wussten die Tiere aus welcher Richtung die Pfeile kamen und waren über die Zeit recht nah gekommen. Noch gab es Deckung hinter den Felsen. War nur noch die Frage bis wann.
Keuchend tauchte Yumiko wieder auf und ließ sich am Felsen auf den Boden sinken. Der letzte Pfeil war verschossen. Das Schokobraune Männchen hatte den Snack erhascht. Irgendwann wurde Bogenschießen anstrengend. Vor allem wenn man kein Fernkämpfer war.
"Was jetzt?", fragte die schwarzhaarige Nonne und sah zu Anderson, der aber augenblicklich genauso ratlos schien. Er hatte zwar gesagt, dass nach einer bestimmten Zeit Näherungsversuche möglich wären allerdings hatte er nicht gedacht, dass es so schnell gehen würde. Die Tiere waren klug, das war nicht das Problem. Sie waren sogar viel klüger als es wahrscheinlich für jegliches gewöhnliche Wildtier möglich gewesen wäre. Denn es war eine direkte Auseinandersetzung mit den Dinosauriern, nach kleiner Bestechung, schneller möglich als mit anderen Tieren. Es barg aber noch immer ein gewisses Risiko. Fragend sah Anderson nun zu Nici. Alle anderen folgten seinem Blick. Eben jene sah auf, bemerkte die plötzliche Aufmerksamkeit und blinzelte einen Moment, bevor sie allerdings abwank.
"Schaut nicht mich so an! Ich bin auch nicht allwissend. Ihr müsst wissen wann es für euch okay ist, euch zu nähern. Ist ja auch für jedes Tier individuell! Lasst mich da raus!"
"Naja, wenn wir uns nicht nähern, dann nähern sie sich und das kann…. unschön enden", warf nun Heinkel ein.
"Dazu kommt unser kleiner Wettlauf gegen die Zeit. Schließlich wollen wir nicht dass der Tribe Wind davon bekommt, dass wir gegen sie vorgehen wollen.", fügte Yumiko hinzu. "Apropos….Nici, hast du wirklich keine Bezeichnung für die? 'Der Tribe' klingt viel zu ominös."
Die Braunhaarige zuckte bloß mit den Schultern. "Kannst sie auch Arschgeigen nennen, mir egal. Aber nein…. ich habe keinen offiziellen Namen. Wie denn auch wenn ich die nicht verstehe?"
"Okay, hast 'n Punkt-"
"Meine Damen… bitte-", unterbrach Anderson, wurde aber prompt wieder von Nici unterbrochen.
"Da stellt sich mir die Frage...habt ihr eigentlich einen Tribenamen? Ich hab nie gefragt--"
"Muss man immer einen Gruppennamen haben?" "Tatsächlich schon….", ließen sowohl Anderson als auch Alucard zeitgleich verlauten. Überrascht sah der Schwarzhaarige auf. Also das war ihm jetzt neu. Es gab einen Gruppennamen und niemand hat ihm etwas gesagt? Hallo?? Schon irgendwie dreist. Anderson schmunzelte, gefolgt von den beiden Frauen, als er sich an ihre damalige Diskussion am Lagerfeuer erinnerte. Es war keine wirklich ernsthafte Diskussion gewesen und doch war der Name in seinem Kopf hängen geblieben. "Wir haben uns nach Orion benannt…"
"WIE DER SEXSHOP??" Nici war geschockt, Alucard prustete, die Frauen waren irritiert und Anderson legte sich nur eine Hand auf die Stirn.
"Nein... wie die Sterne! Aber können wir bitte zu unserem eigentlichen Thema zurück? Was wir jetzt tun??"
Doch bevor Anderson noch etwas weiteres sagen konnte und eine noch längere Diskussion entbrennen konnte, stand Alucard kichernd auf. Mit einem kurzen, amüsierten Blick ins Inventar wandte er sich um und ging zum Rande des Felsens. Dann wurde er zurück gehalten.
"Was hast du vor, du Idiot?!", zischte Heinkel und schien genauso verständnislos wie der Rest der Gruppe.
"So wie es mir scheint, stecken wir hier in einer 'entweder, oder' Situation. Entweder es funktioniert oder eben nicht und weitere Bestechung ist nötig. Mehr als sterben tue ich nicht.." Ohne auf weiteren Protest zu warten verschwand er schließlich hinter dem Felsen auf der Seite der Saurier. Blitzartig versammelte sich der Tribe vor dem Sichtspalt im Gestein um bloß zu beobachten was passierte.
Noch blieb Alucard verdeckt und beobachtete die Situation. Die Allosaurier wussten sehr genau woher die Pfeile gekommen waren und standen in einer gewissen Erwartungshaltung auf eben jener Stelle. Je länger sich nichts tat desto mehr Unsicherheit machte sich bei den Tieren breit. Sie schienen nicht ganz ausmachen zu können, ob sie warten oder weiter ziehen sollten um selbst zu jagen. Irritiert hielten sie ihre Nasen in den Wind, kosteten die Witterung und drehten sich auf der Stelle.
Seine Chance ergreifend schälte sich der Vampir aus seiner Deckung, trat leise aber selbstbewusst in die Mitte der Saurier und ließ sich schnell in einen Schneidersitz nieder. Sollte er draufgehen wäre es eh egal. Also konnte er sein Glück ein wenig herausfordern. Noch wurde er nicht bemerkt, zu sehr lag der Fokus auf der Luft.
Erneut kam Bewegung in die Saurier bevor ein geschocktes Fauchen ertönte und die drei Allos zurück wichen. Mit Amüsement nahm Alucard zur Kenntnis, dass er entdeckt wurde. Natürlich war der Schreck ein wenig suboptimal und doch schienen sie auf einem guten Weg zu sein, da die Tiere nur knurrten, nicht angriffen. Ein Knurren war eine Warnung, kein Todesurteil.
Den Aufgaben eines Alpha frönend trat das grüne Weibchen als erstes vor und näherte sich knurrend mit ihrem Kopf. Alucard, weiterhin unbeeindruckt, wartete ruhig. Er sah sie nicht direkt an, nur in ihre grobe Richtung und aus dem Augenwinkel. Er war keine Gefahr und war auch nicht auf Aggression aus. Das sollte deutlich werden. Des Weibchens Schnauze lag nun direkt an seiner Schulter, ihr Knurren verstummte ein wenig als sie an ihm roch. Ihr kräftiger Atem brachte seine Haare ein wenig durcheinander. Dann stockte der Saurier. Alucard war sich nicht sicher aber es schien möglich, dass sie seinen Geruch von den Pfeilen wieder erkannte. Sie trat noch einen Schritt vor und drehte ihren Kopf so, dass sie ihre Schnauze schon fast in sein Gesicht schob. Alucard hatte Mühe nicht instinktiv zurück zu weichen. Immerhin waren gerade 72 Zähne in unmittelbarer Nähe zu seinem Kopf. Das Weibchen senkte ihr Haupt ein wenig tiefer und roch an seinen Händen. Natürlich. Diese hatten schließlich mit dem Futter hantiert. Vorsichtig drehte er eben jene und ließ unter ihren prüfenden Augen ein Stück Fleisch aus seinem Inventar erscheinen. Überrascht zuckte sie weg, kehrte allerdings sofort mit neugierigem schnuppern zurück. Langsam hob er das Stück auf der flachen Hand näher zu ihrer Schnauze. Die Alpha nahm die Einladung sofort an und verschlang es innerhalb weniger Sekunden. Überrascht nahm der Schwarzhaarige die Vorsicht zu Notiz, die das Tier ihm entgegen brachte. Zwar spürte er beim verschlingen die Lippen über seine Hände gleiten, allerdings keinerlei Zähne, wie eigentlich erwartet. Der Saurier sah ihn mit großen Augen an, als ein weiteres Stück Fleisch in seiner Hand erschien. Mit einem dezenten Lächeln hielt er auch dieses entgegen und ebenso schnell wurde es angenommen. Kurz überlegte der Schwarzhaarige ob er nicht versuchen sollte den anderen beiden auch noch etwas zukommen zu lassen. Dann erinnerte er sich an Nicis Worte, sich voll und ganz auf das Alphatier zu konzentrieren. Alle anderen Rudelmitglieder würde ihm bedingungslos folgen. Also fokussierte er sich darauf das Weibchen nah bei sich zu behalten und es weiterhin zu füttern.
Irgendwann hob er die rechte Hand und legte sie, mit äußerster Vorsicht, auf die Schnauze des Allosaurierweibchens. Diese zuckte nur kurz, ließ den Kontakt aber zu. Nach einer verstrichenen Minute des weiteren fütterns, bewegte Alucard seine Hand und begann sie vorsichtig zu streicheln. Sie zischte, aber duldete es dennoch.
Dann ließ Alucard das Füttern sein und begann auch mit der zweiten Hand das Weibchen zu streicheln. Seine Hände fuhren unter ihren Kiefer, jeder Zeit hätte sie schnappen und ihm seine Arme abreißen können. Doch tat sie es nicht, sah ihn lediglich an. Vorsichtig begab sich der Schwarzhaarige aus dem Schneidersitz auf die Knie. Dann wiederum stellte er sich, in einer flüssigen Bewegung aber so langsam es ging, wieder auf die Beine. Die Alpha folgte mit ihrem Kopf, blieb auf seiner Höhe und die Augen stehts auf ihn gerichtet. Sein Blick wanderte zu den zwei anderen Allosauriern, die das ganze Schauspiel von der Seite aus beobachtet hatten. Ihnen schien es nicht ganz geheuer, aber offensichtlich vertrauten sie ihrer Alpha. Die rechte Hand blieb am Kopf eben jener, während die Linke wieder Fleisch aus dem Inventar holte und den beiden hinhielt. Schließlich sollten sie auch etwas haben.
Die Alpha blieb ruhig, das Männchen näherte sich. Dann huschte es vor, schnappte sich das Fleisch und wich sofort wieder zurück. Das gleiche Spiel mit dem verbliebenen Weibchen. Dennoch immitierten die beiden die Sanftheit ihrer Alpha und taten ihr bestes Alucard nicht zu verletzen. Davon angespornt flüsterte der Vampir den Tieren immer wieder sanfte Worte zu, dessen Bedeutung nicht einmal von belang waren. Sie sollten sich nur an seine Stimme gewöhnen, seine ganze Präsenz. Mit Faszination konnte er beobachten, wie schnell er von den neugierigen Schnauzen umrundet war, wie das zuvorige Misstrauen des Rudels mehr und mehr zerfloss.
Irgendwann stand er kichernd in ihrer Mitte, während die Saurier ihn praktisch von allen Seiten betracheteten und untersuchten. Obwohl es Menschen gab, welche in ihrer Umgebung lebten, schienen sie ihnen dennoch komplett fremd zu sein. Dementsprechend interessant war Alucard für sie. Ein kurzer Blick zu den Felsen genügte und der Vampir nahm Kontakt zu seiner Gruppe auf. Mit einer vorsichtigen Handbewegung winkte er sie rüber. Vielleicht sollten er der Saurier Interesse auch auf die anderen Mitglieder seines Tribe lenken.
"Wie zur Hölle hast du das bloß geschafft??" Anderson war ernsthaft fasziniert, als sich des braunen Männchens Nase an seine Brust schob.
Der Schwarzhaarige schmunzelte, zuckte jedoch mit den Schultern.
"Ich hatte schon immer eine bessere Verbindung zu Tieren als zu Menschen…." Der Blondhaarige blinzelte.
"Das ist ein Grund….aber keine direkte Antwort…" Doch wieder nur ein Schulterzucken. "Nimm es oder lass es. Genaueres kann ich selbst nicht sagen…" Gedankenverloren strich er dem Betaweibchen über die Schnauze. Die Alpha hatte sich zu den beiden Frauen gesellt und Nici schien zufrieden.
"Ist schon ein guter Anfang! Sie haben erstes Vertrauen! Jetzt müssen wir ihnen nur noch den Sattel zeigen und ihnen einen Crashkurs fürs reiten geben!"
In dem Moment sah Anderson ein wenig erschöpft aus. Das konnte ja Ewigkeiten dauern. Doch Nici winkte prompt ab.
"Das wird mit der entsprechenden Konfrontation so schnell wie der Zähmprozess gehen! Ihr gehört wahrscheinlich noch zu den Personen, die diese Tiere mit Samthandschuhen anfassen, aufgrund der Prägung noch auf die alte Welt richtig?" Konnte diese Frau irgendwie Gedanken lesen?? Schon irgendwie unheimlich, wenn man bedachte, dass der Blondhaarige sich so ziemlich genau diese Fragen gestellt hatte.
"Das nennt sich Intuition, mein Bester. Intuition und Körpersprache. Ich weiß nicht was bei dir oben abgeht aber ich kann es mir lebhaft vorstellen. Naja, wir sollten die drei Hübschen aber mal zurück zu meiner Basis und eurer kleinen Bruchbude bringen. Es dämmert und ich möchte nur ungern in absoluter Dunkelheit zu Fuß durch das Redwood gehen. Da kann ich mich gleich vor nen wilden T-Rex schmeißen."
Also JETZT wurde es richtig unheimlich. Da dachte er der Vampir wäre damit schon schlimm gewesen. Geschissen---
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