Der Nächste Mord
Nach einer gefühlten Ewigkeit -und einem schmerzendem Knie und durchnässten Klamotten- kamen wir endlich unten bei der Bushaltestelle an. Dort stand meine Mutter Rosi. Sie schien aufgewühlt zu sein, und in ihren Augen konnte ich Tränen erkennen. Als sie mich sah umarmte sie mich und fing an zu zittern. Ich sah sie erschrocken an.
»Mum... Was ist passiert?«, fragte ich, doch ich erhielt erstmal keine Antwort. Als sie mich dann endlich anblickte -ich war größer als sie-, schweifte ihr Blick nach kurzer Zeit zu Jace, der mit hochgezogener Augenbraue und verschränkten Armen hinter mir stand.
»Ist das... Ist das dein Freund?«, fragte meine Mutter und schaute mich skeptisch an. Augenblicklich lief ich rot an, und ich konnte Jace husten hören.
»Mama!«, rief ich aus. »Was denkst du dir denn? Und was ist jetzt eigentlich passiert?«, fragte ich. »Also... ich weiß nicht, wie ich es dir erklären soll und-«, ihre Stimme brach und sie räusperte sich. Ich legte ihr die Hand auf die Schulter und meinte: »Vielleicht sollten erstmal nach Hause.« Sie stimmte mir zu. Dann drehte sie sich um und wollte zu dem Auto gehen, aber dann fiel ihr etwas ein.
»Ähm... wo wohnt denn dein Begleiter? Wir könnten ihn mitnehmen, wenn seine Eltern nichts dagegen haben und es auf dem Weg liegt.«, meinte sie und ich schaute Jace an. Dieser zuckte mit den Schultern und erklärte: »Ich wohne nicht weit entfernt, aber ich kann auch mit dem Bus fahren.«
Letztendlich nahm meine Mutter ihn mit und fragte mich über unsere Begegnung aus, was ihr einen bösen Blick von mir einbrachte, den sie allerdings gekonnt ignorierte. Sie schien ihre Sorgen für einen kurzen Moment vergessen zu haben, aber so war meine Mutter schon immer. Wenn sie mit jemanden redete konnte sie alles vergessen.
Als sie Jace dann endlich vor seinem Haus ablud, -welches, wie ich feststellte, echt schön war- verabschiedeten wir uns und meine Mutter fuhr nach Hause. Ihre Knöchel traten weiß hervor, so fest hielt sie das Lenkrad in der Hand. Als wir ausstiegen und ins Haus gingen zitterte sie und ich musste sie stützen, damit sie nicht einknickte. Im Wohnzimmer drückte ich sie in den Sessel und holte eine Decke. Mit dieser deckte ich sie zu und brachte ihr anschließend noch eine Kanne Tee und eine Tasse.
»Und was ist jetzt passiert?«, fragte ich nach einer Weile des Schweigens. Erst dachte ich, sie würde nicht antworten, aber dann tat sie es doch.
»Nun... es geht um meine Sch-schwester.«, schluchzte sie.
»Was ist mit ihr«, fragte ich vorsichtig nach.
»Sie... Sie wurde ni-nieder g-g-gestochen! H-herr Kroan fand sie im Morgenrauen in der Stadtmitte, wo-«, sagte sie zitternd und schluchzend.
»In der Stadtmitte?«, unterbrach ich sie. Meine Mutter nickte. »Okay, warte kurz, ich bin gleich wieder da.«, sagte ich und ging kurz zum Briefkasten um die Zeitung rauszuholen. Als ich zurück ins Haus ging, fühlte ich mich ausgelaugt und ignorierte das pochende Knie. Bevor ich meiner Mutter die Zeitung gab holte ich noch ein großes Pflaster aus dem Bad -wir hatten immer so große da, weil ich öfters mal nicht aufpasste- und klebte es auf mein Knie.
»Hier, lies.«, sagte ich und gab meiner Mutter die Zeitung und zeigte ihr den Artikel. Missmutig las sie den Artikel, welcher von dem Morde am vergangenem Tag berichtete.
»Das...das ist erschreckend!«, war das Einzige, was sie dazu sagte. Ich sagte kein Wort, sondern umarmte sie einfach. Sie keuchte überrascht auf.
Wieder bemerkte ich, wie sehr ich mich doch eigentlich in zwei Tagen verändert hatte. Alles war komisch seit Jace da war. Ich glaube aber, ihm geht es genauso.
»Ich bin oben, okay?«, fragte ich sie nach einer Weile. Sie nickte daraufhin nur und ich lies sie los und ging leise in mein Zimmer. Dort machte ich erstmal meine Hausaufgaben, was zwei Stunden in Anspruch nahm.
Danach rief meine Mutter mich zum Abendessen. Obwohl sie den Verlust ihrer Schwester beklagen zu hatte, zauberte sie ein leckeres Essen. Ich musste wirklich zugeben, diese Frau überraschte mich immer wieder aufs Neue.
Plötzlich klingelte es an der Tür und ich rannte schnell zur Tür, damit ich meinem Vater aufmachen konnte. Ich wusste dass er es war, denn ich sah sein Auto draußen stehen. Kaum hatte ich aufgemacht, stürmte mein Vater Will rein und eilte in das Esszimmer. Ich ging ihm hinterher, und sah, wie er Mum umarmte.
Ich räusperte mich kurz, und sagte ihnen, dass ich nun schlafen gehen würde. Die beiden nickten und ich ging schnell nach oben. Dort putzte ich Zähne und legte mich in mein Bett, doch ich konnte nicht einschlafen.
Ich überlegte, ob die Morde irgendwie miteinander zusammenhingen, verwarf die Idee nach einer Weile.
Es war drei Uhr nachts, bis ich endlich einschlief.
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