»»--Chapter Twenty Four--««

╔═.✵.═════════╗
Your existence
changes my world
like magic
╚═════════.✵.═╝
Yeonjun
Ich checkte mein Handy.
Ich hatte das angefangen regelmäßig zu machen, nicht weil ich auf meine Mutter hoffte, sondern eher, weil ich davon ausging, dass mein Bruder - clever wie er war, einen Weg finden würde, mich zu kontaktieren. Wenn das nicht passieren sollte, dann musste er noch ein wenig durchhalten, bis ich genug Geld gesprart hatte, um ihm immerhin ein Prepaid Handy zu kaufen, auf das ich ihn anrufen konnte. Das würde jedoch noch eine Weile dauern.
Noch immer hatte mich sonst keiner angerufen, doch ich gewöhnte mich daran. Es war viel eher ein Schock, als mein Handy plötzlich vibierte, weil mich eine unbekannte Nummer anrief. Beinahe hätte ich das Telefon fallen lassen, doch ich fing es noch mal ab und ging schnell ran. "Ja?", fragte ich in den Hörer und konnte erst mal ein erleichtertes Schluchzen vernehmen.
"Yeonjun, na endlich. Du hast mich angelogen, du Arsch." Ich lächelte leicht. "Es tut mir leid", wisperte ich versöhnlich. Seine Stimme zu hören war mehr als nur schön. "Jaejun, es tut mir so leid. Ich musste gehen, aber ich konnte dich nicht mitnehmen. Verzeih mir, dass ich gelogen habe." Er schneifte. "Okay." Das war mein kleiner Bruder. Nachtragend kam in seinem Wortschatz nicht vor. "Geht es dir gut?", fragte er vorsichtig und ich nickte. "Ja, sehr, ich habe einen Freund gefunden, der sehr nett zu mir ist. Sein Name ist Soobin, du musst ihn unbedingt mal kennen lernen. Du wirst ihn so cool finden." Das schniefen war verstummt. Stattdessen ließ er ein kleines Lachen hören.
"Okay!", jubelte er und ich lächelte.
Wir redeten und es fühlte sich fantastisch an. Er erzählte mir von der Schule, er ließ mich wissen, was zuhause abgelaufen war, nachdem ich gegangen war. So wie es aussah, war wenigstens der gewünschte Effekt eingetreten, denn meine Mutter schein glücklicher zu sein, welch Überraschung. Nicht. Doch Jaejun bemerkte schnell, dass das Thema kein gutes war, also begann er mir wieder nur von sich zu erzählen, versicherte mir, wie sehr er mich vermisste und wie froh er war, dass es mir gut ging und es tat gut.
Ich hingegen erzählte ihm von Soobin, von der Hütte, dass meine Hörner nicht mehr weh taten und dass ich ihn irgendwann man herholen würde, damit er meinen Freund kennen lernen konnte und einfach um uns zu besuchen. Wir redeten entspannt noch ein wenig weiter und ich erkundete mich nach unseren Schwestern, denen es wohl ganz gut ging und er erzählte mir, dass er Kekse gebacken und verkauft hatte, unter dem Deckmantel ein Pfadfinder zu sein, auch wenn er keiner war und sich dann das billigste Handy gekauft hatte. Clever. Moralisch verwerflich, aber clever.
"Deine Nummer habe ich aus Mamas Handy geklaut, wie ein Ninja", schloss er seine Erzählung und ich war unheimlich stolz auf ihn und ich war mal wieder dankbar, dass er der Einzige in meiner Famlilie war, der mich nicht verabscheute. Ich hörte ihm noch eine Weile zu, wie er gedämpft weitererzählte und dann legten wir auf. Gerade, als ich mich verabschiedete, kam Soonbin zurück. Er hatte drauf bestanden, dass er dieses mal einkaufen geht und ich hatte ihn gelassen und dafür die Hütte geputzt, damit er es schön hatte, wenn er wieder zurück war.
Ich nahm ihm schnell die Tüten ab und er sah mich fragend an, dann mein Telefon, was noch auf der Theke lag und dann wieder mich. "Deine Mutter?", fragte er erstaunt und ich schüttelte den Kopf, als ich begann die Einkäufe zu verstauen. "Mein Bruder. Meine Mutter ist sehr happy, zumindest sagt er das. Meine Schwestern vermissen mich jetzt auch nicht wirklich. Jaejun hatte ein regelrecht schlechtes Gewissen, als er das sagte und hat sich auch gleich für die ganze Bande entschuldigt."
Auch Soobin fing nun an die Sachen zu verräumen, doch er sah dabei nicht so fröhlich aus wie sonst. "Ich verstehe sie nicht", meinte er unglücklich, "ich verstehe sie alle nicht." Ich zuckte mit den Schultern und versuchte nicht allzu angefressen auszusehen. "Keine Ahnung", wiegelte ich ab und setzte ein versöhnliches Lächeln auf. "Sie stehen alle unter Stress und das geht schon seit Jahren so. Mein Vater... hat sie allein gelassen. Mit vier Kindern und seit dem ist sie rund um die Uhr am arbeiten, um uns vier großzukriegen. Sie ist ganz allein und hat niemanden, mit dem sie darüber sprechen könnte. Dann bin ich auch nicht einfach, wenn ich wütend bin. Ich werde launisch und passiv aggressiv und bin dann auch keine große Hilfe mehr."
Ich seufzte tief. "Ich bin schon früh aus der Schule raus, weil ich es da nicht mehr ausgehalten habe. Ich habe versucht mir stattdessen einen Job zu suchen, doch keiner stellt einen wie mich ein und wenn doch, dann nicht besonders lange. Es gibt immer wieder jemanden dort, der Stress macht und schlussendlich geh ich auch da nicht mehr hin. Ich habe angefangen ihr zu verschweigen, wenn ich einen Job hatte, damit ich ihr nicht sagen musste, wenn ich ihn wieder verlor. Ich hab einfach das Geld direkt auf ihr Konto überweisen lassen, doch sie hat nie was gesagt, wenn da plötzlich kleine Finanzspritzen kamen. Vielleicht hat sie es einfach nicht verstanden."
An meine Mutter zu denken schmerzte. Ich hatte so viel ihrer negativen Gedanken einfach aufgenommen, mich nicht gegen ihre Anschuldigungen gewehrt, sie gelassen, wenn sie mich als Ventil benutzt hatte. Wahrscheinlich hatte sie selbst nicht mal wirklich auf dem Radar, wie gemein sie wirklich war. Für sie war es dann vorbei, wenn sie ihren Zorn losgeworden war und wenn sie es bereute oder es ihr gar leid tat, hatte sie es mich nie wissen lassen, denn eine Entschuldigung hatte ich nie gehört. Wenn sie wieder cool war, dann hatte ich es auch zu sein. Manchmal fragte ich mich, ob sie merkte, wie viel sie zerstörte.
"Das... ist ganz schön missbräuchlich", meinte Soobin und ich blickte auf. Das war ein harsches Wort aber auf der anderen Seite hatte er irgendwie Recht. Ich sagte nichts dazu, denn es machte mich nur wieder traurig, dass ich scheinbar nichts mehr weiter für sie gewesen war, als ein Blitzableiter. Ich verstand sie auf der einen Seite, aber Soobin hatte Recht... das an jemand anderen auszulassen war schon sehr grenzwertig. Manchmal hatte ich mich regelrecht gemobbt gefühlt.
"Es ist gut, dass du jetzt hier bist", meinte Soobin leise und kam zu mir, um mich in den Arm zu nehmen. Ich schloss die Augen und genoss einen Moment die heilende Wirkung, die seine Wärme auf mich hatte. "Für uns alle", urteilte ich, "meine kleinen Geschwister haben auch unter mir gelitten. Sie haben es auch abbekommen, in der Schule. Damit sind sie dann wieder zu meiner Mutter gerannt, denn wo geht man auch sonst hin, wenn man Trost sucht?" Es sei denn man war ich? "Irgendwann war ich natürlich die Wurzel allen Übels, ja?"
Es war nicht nur ihre Schuld, denn sie sah eben auch nur, was die Oberfläche hergab. Sie hatte mich aus dem Blick verloren, mich und mein Leid, um ihres erträglicher zu machen. Menschen waren wie sie nun mal waren und am Ende dachte eh jeder nur an sich selbst, es sei denn er war so ein Sondertypus wie Soobin. Jeez, jeder sollte einen Emphaten in seiner Gegend haben und diesen hegen, denn wenn es einem wirklich schlecht sind, waren sie gute Adressen, um Schmerz zu teilen.
"Ich hab es mir irgendwann nicht mehr stumm gefallen lassen. Wir haben viel gestritten. Sie hat so böse Sachen gesagt, ich aber auch..." Auch wenn sie darin deutlich besser war, keine Ahnung ob das eine Fähigkeit war, die man haben wollte. "Dann kam der Tag an dem ich ging."
Ich konnte mich nicht dagegen wehren, dass mir wieder die Tränen in die Augen stiegen, doch inzwischen war es mir halbwegs egal. Es war nur Soobin und er hatte mich schon genug weinen sehen. "Stauballergie", sagte ich trotzdem und er grinste leicht. Er gab mir einen Kuss auf den Haaransatz und brachte mein Herz damit zum trudeln, das sollte er lieber erst mal lassen. "Was ist passiert?", fragte er sanft und schlang die Arme fester um mich. Auch ich hatte meine locker um seine Taille gelegt, irgendwann, ohne es überhaupt zu merken. Wann waren wir so geworden? Wir waren wohl einfach beide Freunde von Umarmungen.
"Ich hab mit Jaejun gekämpft", begann ich zu erzählen, "keine große Sache, wir raufen ständig. Imitiere niemals ein Knurren, wenn er dabei ist, sonst fängt er auch damit an. Ich knurrte leise. Auch keine große Sache, denn Jaejun kann mein Knurren interpretieren, so wie ich die Bewegungen deiner Flügel..." "Warte was?", fragte Soobin zwischen und schon zuckten seine Flügel wieder nervös und er schüttelte sie leicht aus. "Das", locker deutete ich auf seinen Rücken und er sah mich mit großen Augen an. "Oh." "Du bist so süß", urteilte ich. "Bin ich", stimmte er in einem gespielt sassy Tonfall zu und lachte dann so herzallerliebst, dass ich ihn gern geküsst hätte, warte was. Schnell konzentrierte ich mich wieder auf meine Erzählung.
"Ich knurrte also leise und plötzlich war meine Mutter da und schrie rum und ...", wieder seufzte ich. Ich versuchte wirklich nicht zu weinen. "Jaejun wollte mich verteidigen, aber machte es nur schlimmer. Sie sagte Sachen wie, das ich nicht Knurren sollte, denn das machen Hunde. Sie sagte, dass sie es leid ist mich durchzufüttern, wenn ich doch auf eigenen Beinen stehen sollte. Jemand sollte sie doch 'davon befreien' ... Ich wusste was ich zu tun hatte, was sie eigentlich meinte." Ich schüttelte den Kopf. "Doch das schlimmste war, dass sie mir vorwarf, dass ich hatte Jarjun verletzen wollen. Dass ich jeden Tag aggressiver werden würde." Ich schloss meine Augen einen Moment, um mich zu sammeln, aber es war halbwegs sinnlos, denn die Tränen kamen ja doch.
"Sie hat mir das Gefühl gegeben, dass man Angst vor mir haben musste. Dass meine eigene Mutter nicht mehr daran glaubte, dass ich ein guter Mensch war. Dachte sie wirklich, ich würde meinem kleinen Bruder etwas antun? Wir haben doch nur gespielt? Ich war mir mit einem mal nicht mehr sicher, ob sie vielleicht Recht hatte und ich es vielleicht nur nicht merkte. Was, wenn ich doch wen verletzte? Nicht mal mehr meine Mutter schloss das aus. Im Gegenteil. Sie war wie alle anderen. Sie war auf der Seite derer, die seit Jahren auf meinen ersten Mord warteten. Sie hat mir damit wieder so weh getan und ich hab aufgehört an mich zu glauben."
Doch dann kam er. Er hatte mich wieder auf die Beine gestellt und meine Hand gehalten, damit ich stehen blieb.
"Du hast jetzt mich", murmelte Soobin und ich nickte. Ich hoffte wirklich, ihm irgendwann was zurückgeben zu können. Er war wie das Gegenstück zu meiner Mutter. Während sie sich nicht im Klaren darüber schein, wie sehr sie mich verletzte, wusste er nicht, wie sehr er für meine Heilung verantwortlich war. Er tat viele Dinge einfach instinktiv und weil sie eben in seiner Natur lagen. Er hatte einen so sonnigen, ausgeglichenen Charakter. Er war freundlich und verlangte nichts dafür. Ich liebte ihn wirklich.
"Ja, ich habe dich", bestätigte ich leise, "und ich danke dir dafür."
Er wurde leicht verlegen. "Ich tu doch gar nichts", antwortete er und ich verdrehte die Augen über den Widerspruch, vor allem, weil es meine Worte waren.
"Du tust eine Menge, Soobin, du gibst mir Frieden."
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top