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„Ich heiße Fabian. Es gibt nichts unbedingt allzu besonderes über mich zu erzählen. Ich komme aus einer ganz normalen Familie, wobei nur noch mein Vater an meiner Seite ist, der mich bei allem unterstützt, das ich mir vornehme. Wenn ich mal keinen Erfolg oder einen schlechten Tag habe, ist er immer für mich da und steht mir beiseite, wenn ich ihn brauche. Er ist einfach der beste Vater, den man sich nur vors-", sagte ich und wurde inmitten meines Satzes von dem Mann unterbrochen, der gerade vor mir saß. Zwischen uns ein langer, grauer Tisch in einem sehr schlicht gehaltenem Raum. Leuchtröhren über uns, die ein grelles, beinahe schon unnatürliches Licht von sich abgaben. Ein typisches Büro eben.

„Bevor Sie weiterreden, muss ich sie an dieser Stelle schon unterbrechen, Herr-",entgegnete der ältere Mann und schaute kurz auf den Zettel, der vor ihm lag. „Herr Taylor", beendete er seinen vorherigen Satz noch. „Es ist ja schön und gut, dass Sie einen Vater haben, der sich um Sie sorgt, aber wir wissen beide, dass das nicht das ist, wofür Sie hier sind. Sie wollen bei uns im Büro anfangen, besser gesagt einsteigen als der neue Assistent unseres Abteilungsleiters. Nennen Sie mir jetzt aus dem Stand drei wirklich gute Gründe, warum genau Sie die richtige Person wären für diesen Job."

Und gerade als es von mir gefragt war, wirklich etwas wichtiges zu sagen, blieb ich still. Ich weiß gar nicht, dass wievielte Bewerbungsgespräch das jetzt schon war und wie es schien, sollte ich auch dieses Mal wohl kein Glück haben, denn immer wenn es dazu kam meine Stärken zu vermitteln, vermummte ich. Mir waren meine tatsächlichen Stärken zwar bewusst, jedoch hatte ich große Schwierigkeiten damit, diese auch wirklich zu zeigen. Vielleicht war es irgendwas aus meiner Vergangenheit oder irgendein Komplex, von dem ich selbst noch nichts wusste. Was auch immer es sein mochte, brachte es mich wirklich an meine Grenzen.

Nun schon seit einigen Monaten suchte ich verzweifelt nach einem neuen Job, da ich meinen letzten leider verloren hatte. Mein Studium gerade abgeschlossen und die versprochene Festanstellung die meine Chefin mir gegeben hatte, sobald ich fertig mit der Universität wäre, hatte sich in Luft aufgelöst. Ein Glück hatte ich immer wieder etwas zurückgelegt in all den Jahren, die ich dort geschuftet hatte - mehr als ich gemusst hätte. Ohne diese Ersparnisse, würde ich die Miete meiner kleinen Wohnung nicht finanzieren können und wäre sicherlich auf der Straße gelandet. Hilfe hätte ich keine bekommen, meine Freunde waren selbst alle knapp bei Kasse und mein Vater lebte nun mal weit weg. Sehr weit weg.

„Ja. Meine Stärken, genau! Meine Stärken sind-... also, ja!", fing ich in immer höher aufkommender Nervosität noch irgendwie über die Lippen rüberzubringen, aber kein gescheites Wort verließ meinen Mund. Höchstwahrscheinlich war ich mittlerweile auch schon rot angelaufen wie eine Tomate und man konnte mir meine Angst bestimmt auch förmlich ansehen. So sehr ich im Inneren dagegen anzukämpfen versuchte, es funktionierte einfach nicht. Es wollte nicht. Aber konnte man es mir überhaupt übel nehmen?

Ich war direkt nach der Schule damals ins Studium gegangen. Ein Studium, welches mir ein sicheres Ticket für mein restliches Leben sein sollte, damit ich einen Job habe, der mich wirklich weit bringen könne. Zusätzlich hatte ich in einem kleinen Büro gearbeitet, erst nur mit wenigen Stunden, aber weil ich eben besser in der Praxis war als in der Theorie, dann irgendwann Teilzeit und wenn mein Stundenplan in der Uni es zuließ, habe ich an einigen Monaten auch Vollzeit gearbeitet. Auch wenn es keinen Ausblick für die Zukunft hatte, liebte ich diesen Job. Obwohl es auch Zeiten gab, in denen ich meinen Kollegen hätte den Hals umdrehen könnten und auch wenn es Momente gab, in denen die komplette Last auf mich fiel, wochenlang am Stück, hielt ich durch und genoss die Zeit dennoch. Wieso? Weil ich einfach gut in dem war, was ich machte, egal was es war.

Nun, durch unzählige Auf und Ab's, war ich endlich fertig mit dem Studium. Ich hatte mich gefreut, dachte ich wäre sicher angestellt und meine Chefin würde ihr Versprechen einhalten, vor allem nach all dem, was ich für sie in den Jahren getan habe. Stattdessen aber, hatte sie jemanden Neues eingestellt, den ich auch noch eingearbeitet hatte, nur damit genau diese Person dann zu meinem Ersatz werde konnte. Also habe ich mir mein Grab gewissermaßen selbst gegraben.

Seitdem hatte ich mich auf unzähligen Portalen angemeldet, überall rumgefragt und war bis an meine Grenzen gegangen, um endlich eine Firma zu finden, die mich einstellen würde. Man sagte ja immer, dass Lücken im Lebenslauf nicht gut wären, nur Bestand meiner leider nur aus drei Zeilen. Meine schulische Ausbildung, mein Studium und die Arbeit im Büro. Danach folgte eine gähnende Leere auf einer Dreiviertel-Seite. Das sollte nicht schlimm sein, sagte meine Chefin mir, da sie mir auch Unterlagen mitgab, die aussagten wie zufrieden sie mit mir gewesen wäre und welch eine gute Arbeit ich leistete, mit denen ich ganz sicher überall anders auch angenommen werden würde. Ja klar.

„Herr Taylor, ich glaube wir sollten das Gespräch an dieser Stelle unterbrechen. Wie es für mich scheint, sind Sie entweder nicht vorbereitet oder einfach nicht die richtige Person für den Job als Assistent. Es tut mir leid", sagte der Mann vor mir und seufzte einmal laut in einem enttäuschten Ton. Ich atmete einmal tief ein und aus, bevor ich meinen Blick senkte und meine Augen für einen kurzen Moment schloss. Wieder einmal war ich mir selbst zum Verhängnis geworden und hatte meine Chance verspielt, weil ich unerfahren war, unsicher und verloren, sobald es darum ging, mich selbst gut zu verkaufen. Ich hasste mich dafür.

Aber das hier war meine letzte Chance und die wollte ich mir nicht so schnell nehmen lassen.

„Ich weiß, dass ich nicht gerade eine gute Seite von mir gezeigt habe. Natürlich bin ich mir auch bewusst darüber, dass ich mich sehr schwierig damit tue, mich gut zu vermitteln, wenn ich mich in solchen Situationen befinde. Aber seien wir mal ehrlich: Das ist eine Ausnahme! Wann in einem Beruf als Assistent, werde ich mich jemals in eine Position befinden, in der ich einer Person gegenüber sitze und von mir selbst erzählen muss? Ich assistiere ja nur! Ich bin da, um einer Person, die wirklich Ahnung von ihrem Beruf hat, unter die Arme zu greifen und zu unterstützen, wo es eben verlangt wird. Da bringt mir Selbstsicherheit oder ein gutes Fassungsvermögen nichts. Ich brauche keine Kenntnisse in Mathematik oder das totale Know-How über irgendwelche wirtschaftlichen Prozesse. Ich gehe auch stark davon aus, dass ich in der Position hier bei Ihnen, irgendeinem hohen Tier hinterlassen muss wie ein Laufhund, mal hier einen Kaffee bringen, dort eine Reservierung für ein Abendessen oder jegliches machen muss. Warum sind die Anforderungen in diese Stelle denn scheinbar so hoch, dass ich mich hier beweisen muss, als stünde ich vor Gericht? Ergibt das Sinn für Sie?"

Nachdem ich ohne Punkt und Komma meinen Frieden runtergerollt hatte, griff ich eifrig nach meinem Glas und nahm einen großen Schluck daraus. Es war nur Wasser, denn für Bewerber wie mich, für eine Position wie diese, war der billigste Kaffee wahrscheinlich sogar schon zu viel Wert.

„Ich habe keine Lust mich länger unter meinem Wert verkaufen zu müssen an irgendwelche Menschen, die denken sie seien etwas Besseres, nur weil sie auf der anderen Seite sitzen. Ich weiß was ich kann und ich weiß auch, was ich nicht kann. Und ich weiß verdammt gut, dass wem auch immer ich assistieren müsste, ich einen unglaublich guten Job darin machen würde. Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass ich nicht gut darin bin, von mir als Person zu erzählen. Wenn das aber Grund genug für Menschen wie Sie ist, mich nicht einmal in Erwägung für einen Probetag zu ziehen, dann tut es mir herzlichst und ehrlich gesagt absolut gar nicht leid, Ihre Zeit verschwendet zu haben", sagte ich noch und stand von dem unbequemen Stuhl auf.

Ich hatte die Schnauze voll, keine Lust mehr auf dieses ganze hin und her. Sie forderten hier nicht den nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten und dennoch wurde ich unter die Lupe genommen als täten sie es. Und das wollte ich nicht länger mitmachen, also entschied ich mich einfach zu gehen, da der Mann vor mir ohnehin nur empört und irgendwie auch schockiert zu mir schaute, als wüsste er sich nicht selbst zu helfen. So fühlte es sich eben an, wenn das Gegenüber einen gezielt sprachlos machen wollte. Geschah ihm recht.

Beim Verlassen des Raumes, griff ich noch schnell nach meinem Mantel und meiner Tasche, nahm mir nicht mal mehr die Zeit dafür, mich anzuziehen, und zischte schon aufgeregt und emotionsgeladen durch den Flur. Einerseits war ich stolz auf mich selbst, dass ich endlich mal den Mund aufbekommen hatte, nur wusste ich andererseits auch, dass ich damit ganz sicher keine Position in dieser Firma bekommen würde. Wahrscheinlich nicht einmal im Traum.

Nun konnte ich nur länger hoffen, dass diese Firma mich nicht auf eine Blacklist setzen würde, durch die andere Unternehmen auch sähen, was ich verbrochen hatte.

Aber leider war es genau dazu gekommen.

Es geht endlich los!!! Ab heute kommt jeden Tag um 18:00 Uhr ein neues Kapitel <3

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