» Prolog «
[Fabian]
Der große Tag stand an.
Ein letztes Mal schaute ich mich selbst im Spiegel an, atmete tief durch und warf mir selbst ein schwaches, unehrliches Lächeln zu, bevor ich mich zu meinem besten Freund umdrehte, der ebenfalls lächelnd im Türrahmen stand. Lucas wartete wohl sehnsüchtiger auf diesen Tag, als ich es tat, da er diese ganze Tortur bereits hinter sich hatte. Meiner Meinung nach war es ein reiner Nervenaufwand all die Dinge zu planen, damit auch jeder der eingeladenen Gäste sich wohlfühlen würde, gleichzeitig aber auch dafür zu sorgen, dass fünfzig andere Dinge ebenfalls funktionierten. Während er also nur so die Sekunden abzählte, bis es so weit wäre, war ich schon längst am Ende meiner Kraft angekommen.
Vielleicht hatte dies aber auch einen vollkommen anderen Grund.
Eigentlich wollte ich mich selbst anlügen und ein Leben lang mit dieser Lüge weiterleben, doch je näher ich dem einen Moment kam, der auf jeden Fall alles verändern würde, desto unsicherer wurde ich. War es überhaupt die richtige Entscheidung? Nun ja, eine Entscheidung konnte ich es nicht wirklich nennen, da ich nicht viel Mitspracherecht hatte, um dort zu beginnen. Dennoch war es irgendwo meine eigene Absicht, an dem heutigen Tag hier zu stehen. Also war es doch meine eigene Schuld. Wobei ich mir nicht sicher war, ob es überhaupt eine andere Option gab. Ja, eine andere Option. DIE andere Option...
...Alexio.
Nein. Dieser Name sollte mir heute nicht im Sinn schweben. An jedem anderen Tag wäre es nur halb so schlimm, aber heute...- nein. Ich wusste selbst, dass ich, sobald ich nur an diesen Namen dachte, in ein endloses, dunkles Loch aus Gedanken fallen würde, immer weiter nach unten, bis mich die Dunkelheit komplett einnahm und ich nicht mehr an etwas Anderes denken konnte. Und gerade heute durfte das nicht geschehen. Heute, an dem Tag, an dem ein strahlender Mann auf mich wartete, dort draußen und vor einer Menge aus sicherlich hundertfünfzig der wohl wichtigsten Menschen des Landes. Genau. Er war der Einzige, an den ich jetzt denken durfte. Nur er. Aber...-
,,Kommst du?", fragte Lucas. Seine Stimme ertönte in der Ruhe des Raumes. Diese gähnende Leere, die mich mein eigenes Blut in den Ohren rauschen hören ließ. ,,Du willst doch wohl nicht an deinem großen Tag zu spät kommen, oder?"
Ich schüttelte nur den Kopf.
Um ehrlich zu sein, wollte ich gar nicht gehen, denn Alexio...-
,,Fabian."
Ich seufzte. Lucas wusste genau, was in meinem Kopf vorging und woran ich dachte. Er sah es mir wahrscheinlich an. All die letzten Wochen und Monate, die zu diesem Tag führten, hatte Lucas an meiner Seite gestanden, bei jeder einzelnen, noch so schlechten Entscheidung, die ich getroffen hatte. Er war immer da. Immerhin war er ja auch mein bester Freund. Aber genauso gut wusste er daher auch, wie impulsiv ich lebte und wie schnell ich von der einen auf die nächste Sekunde die Seiten wechseln konnte. Niemand kannte mich besser, als er es tat. Wobei das auch nicht unbedingt der Wahrheit entsprach, denn da gab es doch jemanden, der mich ein kleines bisschen besser kannte.
Jemand, der genau wusste, wie ich drauf war. Dieser Jemand, er wusste einfach alles. Jedes Geheimnis, jeden Gedanken und all die Dinge, die in meinem Kopf vorgingen. Niemand las mich besser, als er es tat. Ich musste nicht einmal etwas ansprechen, denn es genügte schon ein Blick, ein einzelnes Seufzen und er wusste direkt in welchem Gemütszustand ich mich befand. Auch wenn er, anders als Lucas, nicht immer so da war, wie ich es mir gewünscht hatte, trug ich ihn mit mir mit. In Gedanken und im Herzen. So war es. Er war das Beste, was mir jemals passieren konnte. Alles, was man sich wünschen konnte, aber gleichzeitig hatte er eine Seite an sich, auf die auch er selbst nicht stolz war. Eine Seite so finster, so verstrickt und schwierig zu verstehen, egal wie sehr man es versuchte. Doch genau das war es, was ihn ausmachte. Oh Alexio, nur ich habe dich verstanden...
Das dachte ich jedenfalls.
,,Fabian wirklich, komm jetzt. Wenn du dir noch weiter Zeit lässt, dann wird Marcus schon ahnen, was hier vor sich geht. Willst du das wirklich riskieren? Du weißt genau, wie er drauf ist", wandte Lucas ein. Ich musste nicht einmal etwas sagen, er wusste es einfach. Und genauso wusste er auch, wie schwer mir das alles hier fiel.
Wieder atmete ich tief ein und aus.
,,Ja, alles gut, ich komme gleich. Tue mir einen Gefallen und geh schon mal zum Auto. Ich brauch noch einen Moment für mich allein. Du weißt schon, auf andere Gedanken kommen, oder so", murmelte ich vor mich hin und schaute auf den Boden. Ohne viel Einwand, verließ mein bester Freund daraufhin auch das Zimmer, sodass ich vollkommen alleine hier stand. Ich hatte nicht gelogen, ich wollte wirklich auf andere Gedanken kommen. Jedenfalls wollte ich es versuchen, jedoch waren die Erinnerungen, die ich mit Alexio geteilt hatte, so verlockend wie das laszive Grinsen, welches er immer auf seinen Lippen trug, wenn er sicher war, ich würde ihm meinen Körper geben. So selbstsicher wie er es war, konnte niemand sein. Nicht einmal Marcus, der letztendlich derjenige geworden war, der heute am Altar stand und auf mich wartete.
Und genauso verlockend wie es war, über die erloschene Flamme der Liebe nachzudenken, die einst zwischen einem Mann, wie keinem Anderen, und mir brannte, war es auch sehr einladend, einfach zu meinem Handy zu greifen, meine Kontakte durchzugehen und nach ganz unten zu wischen, wo ich seinen Namen wieder fand. Zwar an letzter Stelle, aber dennoch eingespeichert mit einem schwarzen Herzen. Nicht etwa, weil ich ihn hasste, sondern weil diese schwarze Farbe eine Eleganz spiegelte, die ich nur an ihm sah.
,,Alexio", flüsterte ich leise vor mich hin, während ich seinen Namen sah. Mein Herz raste. Es schlug mir bis hin in den Hals und fühlte sich an wie ein Kloß, den ich in aller Schwierigkeit hinunterschlucken musste. Ob er abheben würde? Hatte es überhaupt einen Sinn, ihn jetzt noch anzurufen? Nein. Sicherlich nicht. Er würde sowieso nicht rangehen. Nicht mehr. Nicht nach all den Malen, die ich ihn anrief, nach ihm flehte und er mir entgegenkam, nur damit ich ihn wieder fallen ließ. Niemals würde er jetzt noch rangehen. Er wusste es. Er wusste, welcher Tag heute war. Aber vielleicht, ganz vielleicht bestünde ja doch die Chance. In tiefster Hoffnung, nur dieses eine Mal, nur ganz vielleicht...-
Und das Klingeln ging los.
Ein letzter tiefer Atemzug, zur Versuchung mich zu beruhigen. Ohne Erfolg natürlich. Ich zitterte am ganzen Leib. Meine Beine wurden langsam aber sicher taub. Jedes Mal wenn es klingelte in meinem Hörer, schlug mein Herz ein wenig schneller, bis es kurz vor einer Explosion stand. Mit jeder Sekunde, die verging, in der er nicht abnahm, schwand auch diese Hoffnung noch. Das letzte Lichtlein, welches am Ende eines kilometerlangen Tunnels brannte. Flackernd und schwach, kaum zu erkennen, doch stets da.
Und dann doch, so kurz bevor ich die letzte Hoffnung wirklich aufgeben wollte, den Hörer bereits von meinem Ohr wegnahm und auflegen wollte, erklang ein Ton. Er hatte es wirklich getan. Alexio war tatsächlich rangegangen.
,,Alexio", sagte ich leise. Er antwortete nicht. ,,Alex-", fing ich wieder an, doch stoppte mich selber, als ich ein Atmen wahrnahm, welches mir klarmachte, dass er auf jeden Fall dran war. Ich konnte verstehen, dass er nicht mit mir reden wollte, aber nicht einmal eine Begrüßung? Vielleicht aber-... nein. Dafür war jetzt keine Zeit.
,,Alexio, ich weiß, dass ich viele Dinge getan habe, die nicht gut waren. Ich weiß, dass ich einen Weg eingeschlagen habe, den du nicht mit mir gehen konntest, der mich letztendlich bis an den heutigen Tag geführt hat. Tue mir also den einen letzten Gefallen und höre mir einfach zu, ja?", meinte ich und schluckte einmal laut.
Ich wusste, dass ich nicht das Recht dazu hatte, zu tun, was ich jetzt tun wollte. Es war ohnehin zu spät dafür, aber irgendwas in mir sagte, dass ich es noch mehr bereuen würde, wenn ich es nicht täte. Also nahm ich wirklich all meinen Mut zusammen, raffte mich zusammen und tat es einfach.
,,Es gibt viele Dinge, die wir nie ausgesprochen haben. Viele Dinge, die über all die Monate passiert waren, auf die ich selbst nicht stolz bin und ich bin mir auch sicher, dass es viele Dinge gibt, auf die du selbst auch nicht stolz bist. Aber vergessen wir das Alles für einen Moment und denken nur daran, was zählt. Die guten Dinge. Die Zeit, die wir miteinander hatten, in der nur wir da waren. Nur du und ich. Niemand anderes, nicht einmal Lucas und erst recht nicht Marcus. Ach ja, Marcus, den ich gerade wahrscheinlich sehr wütend damit mache, ihn am Altar stehen zu lassen", sagte ich und ließ ein sarkastisches Lachen entkommen. ,,Ich weiß gar nicht, wie es so weit kommen konnte, wie ich es habe so weit treiben lassen. Alexio, ich habe so viele Fragen an mich selbst, aber mir scheint die Antwort zu jeder einzelnen zu fehlen. Dachte ich jedenfalls. Ich kenne die Antwort. Ich kannte sie schon immer und sie war in meiner Hand, nur war ich zu dumm und habe sie fallen lassen. Alexio, weißt du, was die Antwort war?"
Ich pausierte meinen Monolog für einen Augenblick, dachte, dass er vielleicht antworten würde, jedoch kam nichts. Aber das sollte nicht schlimm sein. Schließlich hatte ich meine Antwort ja.
,,Meine Antwort ist eine Sache, mehr oder weniger nur ein Satz, den ich dir noch nie zuvor gesagt habe. Es ist aber nicht wirklich nur ein Satz, mehr sogar eine Tatsache. Ein Fakt, bei dem es mir schwerfiel, ihn einzusehen, ihn wahrzuhaben und zu akzeptieren. Aus so vielen Gründen, doch gleichzeitig total unbegründet. Und Alexio, ich habe das Gefühl, dass heute die letzte Chance ist, die ich habe, dir das zu sagen, was ich nie sagen konnte. Ein einziges Mal. Zum ersten und wohl auch zum letzten Mal."
Ein tiefer Atemzug am Hörer. Er hörte definitiv zu. Er war da. Er hörte mich.
,,Alexio, ich weiß nicht, wieso ich es jetzt erst sage und genauso wenig weiß ich, was es dir bringen wird, wenn ich es tue, aber das soll gerade nicht wichtig sein. Was auch immer du mit dieser Information anfangen wirst, ist vollkommen dir überlassen. Heute will ich es lediglich aussprechen und es dir sagen, vom tiefsten Herzen und mit all meiner Seele."
Ich schluckte einmal laut, denn auch wenn ich mir sicher war, fiel es mir dennoch extrem schwierig.
,,Alexio, ich-...", fing ich an und kämpfte im Inneren total mit mir selbst, diese eigentlich so einfachen Worte auszusprechen. ,,Ich liebe dich."
Und damit legte ich letztendlich auf. Mein Schicksal und meine Zukunft waren bereits geschrieben. Und es gab nichts, was ich daran noch ändern konnte.
Dachte ich jedenfalls...
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Und damit ist es endlich soweit! Nach fast vier Jahren komme ich endlich zu Wattpad zurück! Ich bin euch ehrlich, ich habe es total vermisst zu schreiben und bin sicherlich auch sehr eingerostet, aber dennoch voller Motivation.
Daher hoffe ich natürlich sehr, dass euch der Prolog zu meinem neuen Buch gefallen hat und er genügend Neugier in euch aufkommen lässt, um weiterlesen zu wollen. Wann genau? Nächste Woche Freitag, der 23. Januar um genau 18:00 Uhr geht es dann endlich los mit dem ersten Kapitel. Und wie viele es sicherlich von früher noch von mir kennen, gibt es darauffolgend jeden Tag mindestens ein Kapitel.
Bis dahin erst einmal.
(Wenn es euch gefallen hat, gerne einen Kommentar da lassen oder ein Vote. Würde mich sehr freuen ♥)
xo bxbybxy
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