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Wie schon erwartet, hatte mein kleines Ausrasten dafür gesorgt, dass die Firma, bei der ich das Bewerbungsgespräch hatte, mich auf eine inoffizielle Blacklist setzte, wodurch ich nicht einmal mehr Antworten auf Bewerbungen bekam. Meine Mails wurden ignorierte, Anrufe nicht abgehoben und mein Profil auf jeglichen Portalen gesperrt. Da hatte ich mich selbst mit einem kleinen Bisschen zu viel Ehrlichkeit auch einfach selbst total in den Schlamassel geritten. Damit musste ich nun leben. Es war definitiv meine Schuld.
Aber ein Glück hatte ich einen besten Freund, der genau wusste, was ich in einem solchen Moment brauchte. Nichts anderes als: Essen!
Ich löste in mir selbst ein lautes Lachen aus, als ich in das knallrote Gesicht meines Gegenübers blickte. „Verdammt, Lucas!", rief ich durch das kleine Restaurant, als ich sah, wie der Ketchup langsam von seinem Gesicht hinunter tropfte. Wie auch immer ich das hinbekommen hatte, war die Ketchup-Tube in meiner Hand geplatzt, doch anstatt mich selbst damit zu beschmieren, war es irgendwie alles auf seinem Gesicht gelandet.
„Weißt du, ich nehme dir das heute ausnahmsweise mal nicht übel. Aber nur, weil ich weiß, wie schlecht es dir seit Wochen geht und es mich daher sehr freut, dich wieder lachen zu sehen", sagte er nur in aller Gelassenheit, auch wenn er sehr offensichtlich innerlich kochte. „Lachen ist gesund, das solltest du öfter tun", meinte er noch.
„Hier, nimm die Tücher", lachte ich und hielt ihm einen kleinen Stapel von Servietten hin. Er lehnte ab und ging stattdessen lieber zur Toilette, um sich dort abzuwaschen. Vielleicht die schlauere Idee.
So saß ich hier alleine, beruhigte mich langsam auch von meinem unkontrollierten Lachanfall. Ein Glück war nicht viel los, nur wenige Andere, die hier saßen und selbst wahrscheinlich schon genug getrunken hatten, um gar nicht erst auf uns zu schauen. Ein sehr schöner Abend, eigentlich. Daher blieben Lucas und ich auch noch lange in dem kleinen Restaurant, sprachen über die Vergangenheit - mehr als über die Zukunft. Für mich schien es ja keine zu geben.
,,Lass uns langsam los, hab morgen die frühe Schicht erwischt", meinte mein bester Freund dann nach einiger Zeit, sodass wir noch die offene Rechnung bezahlten und dann gingen.
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Im langsamen Schritt gingen wir die Straße entlang, Sekunde für Sekunde zogen dabei Autos an uns vorbei, dessen Reifen ein unangenehmes Rauschen auf dem Asphalt erklingen ließen. Ohrenbetäubender Lärm, fast schon stickige Luft, aber ein so freies Gefühl, wenn man durch das Herz einer Großstadt lief. Ich liebte es einfach.
,,Und du bist dir auch ganz sicher, dass ich dich nicht noch fahren soll? Es wäre wirklich nicht schlimm", fragte Lucas, als wir vor seinem Auto stehenblieben. Ich lächelte schwach und schüttelte den Kopf lediglich.
,,Obwohl ich es sehr liebe, die volle Kontrolle über die Musik und dessen Lautstärke bei dir im Auto zu haben, will ich dir nicht noch unnötig Umstände machen. Ich kann mit dem Bus fahren oder auch einfach zu Fuß gehen, es ist ja nicht weit", entgegnete ich. Lucas wusste genau, dass ich heute nicht unbedingt ich selbst war und nach all den erfolglosen Versuchen endlich an einen Job zu kommen, auch einfach mal einen Moment alleine an der Luft brauchte. Daher wandte er nicht mehr ein und umarmte mich ein letztes Mal zur Verabschiedung, bevor ich ihm dann zusah, wie er wegfuhr. Er hatte ein gutes Leben.
Seine Eltern waren sowieso geladen wie eine Schrotflinte - voll und bereit zu schießen. In diesem Fall wohl eher mit Geld zu werfen. Er hatte es gar nicht erst nötig zu arbeiten, tat es aber dennoch und das schätzte ich so sehr an ihm. Denn obwohl er all das Geld der Welt hatte, um jahrelang noch einfach die zwanziger zu genießen, blieb er bodenständig und hatte nach dem Studium sofort einen Job in einem Büro angefangen, ohne dabei seinen Vater dafür zu benutzen, um direkt in eine Führungsposition zu gelangen. Manchen Leuten, unabhängig ihrer Umstände, lag die Welt einfach zu Füßen. Und manche mussten eben von Tag zu Tag kämpfen - so wie ich.
So schlenderte ich hier durch die Straßen, im Dunkeln, bei Nacht und Kälte, machte mir Gedanken um mein Leben. Ach, irgendwie schon mein Alltag.
,,Entschuldigung", murmelte ich leise vor mich hin, als ich aus dem nichts gegen einen Mann in einem schwarzen Mantel lief. Auch wenn ich wusste, dass ich nicht unbedingt Schuld daran war, diesen Mann angerempelt zu haben, entschuldigte ich mich dennoch. Lächerlich, oder nicht? Aber genauso lächerlich fand ich es, dass besagter Mann kein Wort von sich gab, obwohl er derjenige zu sein schien, der es eilig genug hatte, um nicht mal darauf zu achten, was vor sich abging. Und dann blitzte es vor meinen Augen. Es war wie eine Erleuchtung, die ich erhielt. Mein Problem, welches ich seit Jahren schon hatte, welches mich so viel kostete.
Ich war zu schwach.
Nicht etwa körperlich. Nun ja, das dann doch, aber eher mental schwach, als körperlich schwach. Ich war nicht standfest. Ich kämpfte nicht für mich selbst, setzte mich selbst nicht ein für die Dinge, die ich durchsetzen wollte. Natürlich würde ich dann irgendwann bei einem Bewerbungsgespräch ausflippen, es war nur eine Frage der Zeit. Und das sollte eigentlich mein Beweis sein, dass ich es doch in mir hatte, dass ich mich für mich selbst einsetzen konnte. Ich hatte es drauf. Ich konnte es.
,,Jetzt hör mal zu", sagte ich also, drehte mich um und wollte dem Mann, der mich angerempelt hatte, gerade eine Predigt halten, nur um festzustellen, dass er bereits weiter weg war, sodass ich nur noch seinen breit Gebauten Rücken in dem langen Mantel sah. Wie ein grimmiger Senior, hatte ich instinktiv auch schon meinen Finger gehoben, irgendwie peinlich. Ich seufzte.
Irgendwas an ihm war komisch. Allein an der Art wie er lief, konnte man sehen, dass er es nicht nur eilig hatte. Es wirkte fast so, als suche er einen sicheren Ort oder ein Versteck. Ein Mann in solcher Statur sollte eigentlich keine Angst haben, aber vielleicht war er auch einfach nur ein Junkie, der gerade einen schlechten Trip durchlebte. Sollte mir egal sein.
Dann war wohl heute einfach nicht der Tag, an dem ich mich endlich selbst finden würde. Möglicherweise genügte aber wenigstens die Einsicht, dass nicht die Leute um mich herum das Problem waren, sondern ich. Ich war es, der sie auf mir rumtanzen ließ. Alleinig ich hatte die Kontrolle darüber, niemand anderes. Und genau deswegen konnte auch nur ich etwas dagegen-
,,Aus dem weg!", ertönte eine tiefe Stimme plötzlich, wie ein wütender Kampfschrei und noch über den Lärm des Verkehrs zu hören. Aber genauso schnell, wie ich diese Worte wahrnahm, wurde ich schon von einer Truppe aus Männer wortwörtlich überrannt, sodass ich zu Boden fiel, mitsamt allem, was ich in meiner Hand hielt. Mein Schlüssel, mein Handy und das letzte bisschen Würde, welches ich noch hatte.
Am liebsten würde ich jetzt im Erdboden versinken, jedoch war das keine Option. So sammelte ich meine Dinge zusammen und rappelte mich langsam auf. Ich schaute mich um, merkte schnell, dass es niemanden interessierte, dass ich hier gefallen war. Scheinbar einfacher Alltag in solch einer Stadt. Ein letztes Mal blickte ich auch in die Richtung, in die diese Gruppe an Männern gelaufen war, nur um dann festzustellen, dass sie in die gleiche Straße eingebogen waren, in der ich auch den Mann mit dem schwarzen Mantel hatte einbiegen sehen. So verstand ich nun auch, wieso er es so eilig hatte und wieso jemand wie er, schien, als hätte er Angst. Würde mir eine solche Truppe hinterherlaufen, da hätte ich genügend Angst, um einfach loszulassen und mir in die Hose zu machen.
Wieder seufzte ich nur.
Eigentlich wollte ich nach Hause, ich war auch nicht weit weg. Aber irgendwas in mir wollte nicht lockerlassen. Nun hatte ich nicht die größte Ahnung, was teure Kleidung anging und genauso wenig wusste ich wirklich viel über irgendwelche Gangs oder die Mafia bescheid, aber dieser Mantel, den der Mann trug, sah unbeschreiblich teuer aus und so konnte ich es mir einerseits nicht erschließen, was er in einer Gegend wie dieser machte und andererseits, wieso solche Verbrecher, die auch bei den kalten Temperaturen lieber nur in einem Top rumliefen, um ihre doch so brutalen Tätowierungen zu zeigen, ihn jagten. Und so überließ ich meiner Neugier, aber auch einfach meiner Sorge mal wieder freien Lauf und ging in dieselbe Richtung, anstatt in Richtung meiner Wohnung zu gehen.
Ich bog in dieselbe Straße und folgte den schreienden Beleidigungen, dem lauten Knall, der zu leise für eine Pistole und zu laut für einen Schlag war. Danach noch das klimpern von Metall auf Asphalt, gefolgt von immer leiser werdenden Schritten, bis man sie gar nicht länger wahrnehmen konnte. Und je weiter ich in diese Richtung ging, desto finsterer Schien es um mich herum zu werden. Die Gebäude herabgekommen, die Straße uneben und verdreckt. Kein Ort, an dem man sich freiwillig aufhalten würde.
Und inmitten dessen, entgegen einer grellen Straßenlaterne, die in der Ferne ihr kühles Licht warf, sah ich eine zusammengesackte, sich kaum regende, männliche Silhouette am Boden liegen. Verkrümmt, beinahe schon leblos.
War er Tod?
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Dachte mir mal ich probiere etwas Neues aus und generiere ein Bild... ich weiß noch nicht, wie ich es finden soll, aber ich dachte maybe das ist ganz nice. Wie findet ihr es? (Nicht das Bild, sondern die Idee allgemein)
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