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Seit seinem katastrophalen Tinder-Date mit Sehun hatte Luhan die App nicht mehr geöffnet. Nach seiner Arbeitsschicht, im Bus auf dem Weg nachhause, klickte er sie schließlich wieder an. Er hatte ein paar verpasste Nachrichten in seinem Posteingang und sah sich diese als erstes an. Ein paar davon las er sich genauer durch während er andere nur geschwind überflog. Tinder war ein Ort voller Mysterien. Einmal hatte ihn eine Agentur angeschrieben, die ihn als Prostituierten für sie anwerben wollte. Luhan hatte freundlich abgelehnt.

Über einem Namen blieb Luhans Daumen schweben. Er klickte das kleine Profilbild an und zog beide Augenbrauen nach oben als er auf das Profil weitergeleitet wurde.

‚Kris Wu' sah aus wie ein Fotomodell für eine Sportmarke. Er war groß, mit dunklen Haaren und einem Lächeln, das sich gut auf den Titelseiten von Magazinen machen würde. Er hatte außerdem dutzende Bilder von sich auf seinem Profil - offensichtlich war er nicht scheu sich zu zeigen. Im Vergleich zu den optischen Aspekten seiner Person war seine Kurzbeschreibung extrem dürftig. Sie bestand nur aus den Worten: ‚Ich bin anspruchsvoll'. Nichts anderes. Luhan fand dass die Bilder allein schon ziemlich deutlich machten, dass er Ansprüche hatte und bei seinem Aussehen konnte er sich das wohl auch erlauben. Luhan war kein Idiot, wenn Kris Wu und er ein Match hatten und der andere ihm sogar eine Nachricht geschickt hatte, würde er ihn bestimmt nicht länger ignorieren.

Luhan ging zurück zu der Nachricht, die er ihm vor ein paar Tagen geschickt hatte und antwortete.

-

„Wie heißt er?", fragte Minseok, ohne von seinen winzigen Zucchiniwürfeln aufzusehen.

„Wer?"

„Du starrst seit Tagen in jeder freien Minute auf dein Handy Luhan und es ist noch nicht Champions League. Also wie heißt er?"

Minseok war gleichermaßen gruselig wie bewundernswert, wenn es darum ging ihn zu durchschauen. „Kris", antwortete Luhan also, weil es keinen Sinn ergab Minseok anzulügen.

„Mhm. Tinder oder hast du tatsächlich jemanden Angesicht zu Angesicht kennengelernt?"

„Tinder", antwortete Luhan. „Geht schneller."

„Und ist gefährlicher", murmelte Kyungsoo.

Luhan dachte an sein Treffen mit Sehun und verzog das Gesicht. „Ich bin vorsichtig", versprach er.

„Wieso stehst du im Türrahmen Sehun? Komm rein."

Sehun lief rot an als Baekhyun die Tür zur Küche ordentlich aufdrückte. „Ich wollte nur fragen ob es...Erdnüsse gibt."

„Klar. Nervenfutter für unsere zwei Lieblingsstudenten", zwitscherte Baekhyun und verschwand in die Vorratskammer. Sehuns Augen waren auf Luhan gerichtet.

„Du benutzt Tinder?"

Minseok sah flüchtig zu Luhan herüber, bevor er Sehun breit anlächelte und für ihn antwortete: „Luhan ist so beschäftigt dass er sonst kaum Zeit hat Leute kennenzulernen." Sein Lächeln wurde etwas angespannter. „Das bleibt aber zwischen uns, in Ordnung? Es ist Luhan peinlich."

„Ist es das?", fragte Sehun, was Luhan langsam mit einem Kopfnicken bestätigte. Luhan wollte nicht dass Junmyeon wusste, wie er seine Dates beschaffte, aus irgendeinem Grund hatte er das Gefühl dass Junmyeon dann schlechter von ihm denken würde.

Baekhyun kam mit einer Packung Erdnüssen zurück und reichte sie Sehun. „Danke", sagte er und verschwand um zurück zu Jongin zu gehen.

Minseok atmete tief aus. „Denkst du er wird Junmyeon etwas sagen?"

Luhan zuckte die Achseln. Er hoffte er würde es nicht tun aber dann wiederrum hätte Sehun schon viel früher die Möglichkeit dazu gehabt. „Vielleicht rede ich noch einmal mit ihm."

Minseok nickte und schenkte Luhan ein aufmunterndes Lächeln, während Kyungsoo ihn mit gerunzelter Stirn betrachtete. Luhan stellte seinen Teller in die Spülmaschine und versprach später noch einmal vorbei zu schauen.

-

Sehun wartete vor dem Restaurant auf ihn als Luhan ein paar Stunden später mit seiner Schicht fertig war. Seine Hände waren tief in seinen Hosentaschen vergraben und auf seiner Stirn zeichneten sich tiefe Sorgenfalten ab.

„Ich dachte du bist schon längst gegangen?"

„Ich hab gewartet."

„Das hättest du auch drinnen tun können."

Sehun kickte mit der Fußspitze ein paar Kieselsteine über den Boden. „Ich wollte es nicht zu offensichtlich machen, damit du nicht wütend wirst."

Luhan klopfte Sehun auf den Rücken. „Danke dass du so sehr mitdenkst. Es ist erst fünf, willst du noch irgendwohin gehen?"

Sehun zuckte die Achseln. „Ich will nur bei dir sein."

Luhan verkniff sich einen Kommentar. „Gehen wir in ein Café." Die Straße hinunter, neben der Bushaltestelle, gab es eine gemütliche Caféstube, die sich das ‚Blue Panther' nannte und die berühmten Zeichentrickfigur ‚Pink Panther' parodierte. Das gesamte Geschirr bestand aus pastellblauem Porzellan und hinter der Theke war ein blauer Panther an die Wand gemalt. Nur eines von tausenden ausgefallenen Cafés, die überall in Seoul verteilt waren. Minseok ging noch immer jeden Morgen dort vorbei, um sich einen Kaffee zum Mitnehmen zu kaufen, weil das ‚Blue Panther' eine bestimmte Kaffeebohnensorte benutze, die sie im Exordium nicht hatten, und Minseok schwor aus diesen Bohnen konnte man den besten Kaffee aller Zeiten brühen. Luhan trank Kaffee aber es war für ihn keine Religion wie für Minseok. Er mochte seinen Kaffee süß und mit Milch, was Minseok ihm schon immer verübelt hat.

Sie bestellten beide einen Latte Macchiato mit Haselnusssirup, während Sehun, ruhiger als sonst, nur durch die Gegend starrte. „Wie läuft's in der Uni? Das erste Semester muss anstrengend sein."

„Ich lerne jetzt schon deutlich mehr als ich je für die Schule gelernt habe und das obwohl die Klausuren Phase noch eine Weile hin ist." Er sah Luhan in die Augen. „Du hast ein Date?"

Luhan blinzelte zwei Mal über den plötzlichen Themenwechsel, bevor er nickte.

„Ich will nicht dass du ein Date hast", seufzte Sehun. „Kannst du nicht stattdessen einfach mit mir ausgehen?"

„Wie wäre es wenn du dir stattdessen auch einfach ein Date suchst? Irgendeine nette Person in deinen Kursen muss es doch geben."

„Ich will niemand anderen."

Luhan nahm einen Schluck aus seiner Tasse. „Bleibst du dann für den Rest deines Lebens einseitig in mich verliebt?"

„Nein", antwortete Sehun entschieden. „Nicht einseitig."

„Wieso bist du so stur? Ehrlich, ich an deiner Stelle hätte längst aufgegeben."

Sehun hatte in seinem Getränk herumgerührt, hielt nun jedoch inne. „Du hast Hyung auch nicht aufgegeben."

„Das ist etwas anderes."

„Wieso?"

Luhan dachte kurz nach. „Junmyeon hat mich nie abgewiesen", sagte er dann. „Also zählt das nicht."

Sehun kaufte ihm das offensichtlich nicht ab aber er sagte auch nichts Weiteres. Er lehnte sich nach vorne und trank die lauwarme Kaffeemilch durch seinen Strohhalm hindurch.

„Musst du wirklich auf dieses Date gehen?"

„Ich muss nicht Sehunnie", sagte Luhan und versuchte seinen Blick einzufangen. „Aber ich will."

„Du kannst auch mit mir schlafen", murmelte Sehun. „Letztes Mal hat es auch gut geklappt."

Luhan gab sich Mühe nicht zusammen zu zucken. „Du weißt dass das eine einmalige Sache war, nicht wahr?"

„Das ist es bisher aber es muss nicht dabei bleiben."

Luhan seufzte und fuhr sich mit der Hand durch die Haare. Manchmal war Sehun zum Haare rausreißen. „Doch. Das war es."

Sehuns Schultern sanken tief hinunter. Die Shirts, die er mit Luhan gekauft hatte standen ihm wirklich gut. „Aber es war gut oder? Dir hat es auch gefallen."

„Sehun-"

„Ich mochte es. Ich mochte es sehr und ich würde es jederzeit wieder tun." Sehun ergriff über den Tisch hinweg Luhans Hand und drückte sie kurz, bevor er sie wieder zu sich nahm. „Du denkst nicht wirklich dass ich nach dir noch mit jemand anderem...solche Dinge tun könnte oder?"

„Das solltest du nicht zu früh sagen. Ich bin mir ganz sicher dass du jemanden finden wirst Sehun und bis dahin, konzentrier dich doch einfach auf die Uni und dich selbst. Such dir ein Hobby, trete einem Club bei, komm seltener ins Restaurant, hör auf dich ständig mit mir herumzutreiben."

„Aber du hast gesagt du würdest mir helfen!"

„Dir helfen von mir loszukommen", sagte Luhan. „Aber offensichtlich kann ich ein absolutes Arschloch zu dir sein und du zuckst nicht einmal mit der Wimper. Vielleicht sollten wir stattdessen auf Abstand gehen."

„Das geht nicht", sagte Sehun schnell. „Auf keinen Fall!"

„Ich denke ehrlich das würde dir gut tun." Und Luhan wahrscheinlich auch.

„Wenn du mir aus dem Weg gehst dann sage ich es Hyung." Sehun verzog das Gesicht über sich selbst. „Oder so was in die Richtung."

Luhan schüttelte den Kopf. „Ich bezweifle dass du das tun wirst Sehunnie."

„Ich will dir wirklich nicht aus dem Weg gehen müssen", flehte Sehun weinerlich. „Und auch nicht dass du mich ignorierst. Ich verbringe gerne Zeit mit dir und du musst mich auch gar nicht mögen. Es ist okay wenn nur ich dich mag, ehrlich."

„Ist das sowas wie ein Hang zum Masochismus?" Denn das klang ziemlich schmerzhaft – nicht dass Luhan nicht wusste, wie sich das anfühlte.

„Ich weiß nicht, wenn du auf sowas stehst dann definitiv?"

„Ist das mein schlechter Einfluss oder warst du von Anfang an so?"

Sehun tat so als würde er angestrengt darüber nachdenken. „Ich denke du holst immer das Beste aus mir heraus."

„Schlechteste", korrigierte Luhan, woraufhin Sehun die Vorderlippe nach vorne schob und schmollte. Eines Tages würde Luhan ihm diese verdammte Unterlippe tatsächlich ausreißen.

„Du willst immer noch auf dieses Date?"

„Ich habe meine Meinung in den letzten zwei Minuten nicht geändert."

Sehun stöhnte auf und ließ den Kopf auf die Tischplatte sinken. „Ich hasse es. Ich hasse den Gedanken so sehr ich könnte platzen."

„Dann denk nicht darüber nach" sagte Luhan mit gerunzelter Stirn. Sehun sah gepeinigt zu ihm auf.

„Immer noch?"

„Ja."

Er drückte das Gesicht zurück ins Holz und grummelte unverständliche Dinge vor sich hin. Luhan war unsicher ob er sich schlecht fühlen sollte oder ob Belustigung auch angemessen wäre.

„Und-"

„Ja", unterbrach Luhan.

„Schön", er setzte sich ruckartig wieder auf. „Geh eben. Hab Spaß."

„Werde ich haben." Er nahm einen Schluck aus seinem Glas während Sehun ihn angestrengt anfunkelte. „Komm nicht mehr so oft ins Restaurant. Lern in der Uni. Such dir einen Liebhaber in deinem Alter."

Sehun fiel in seinem Stuhl zusammen und blickte zur Decke hinauf. „Wenn das so einfach wäre wenn ich die ganze Zeit nur an dich denke."

Luhan tat so als hätte er ihn nicht gehört.

„Luhan an der Theke wartet jemand auf dich", sagte Chanyeol als er in die Küche kam. „Ein Freund?"

„Ah richtig", sagte Luhan und konnte nicht verhindern rot anzulaufen.

„Ein Freund?", fragte Junmyeon lächelnd. „Du solltest ihn uns vorstellen." Minseok ging ans Fenster herüber, wo sie das Essen normalerweise weiterreichten damit es schneller in den Gastbereich kam. Er nickte ihm mit etwas wie Anerkennung zu. Vielleicht war Kris Wu also eventuell genauso gutaussehend wie auf den Bildern, die er auf Tinder stellte.

„Vielleicht ein anderes Mal", sagte er zu Junmyeon und wünschte sich er könnte seinen Hemdkragen für ihn richten, der an der Seite ein wenig schief stand.

„In Ordnung. Viel Spaß heute Abend Luhan."

„Danke euch auch. Lasst nichts anbrennen."

„Du auch nicht", rief Zitao ihm hinterher, weil er es sich nicht verkneifen konnte. Junmyeon folgte ihm in den Gastbereich wo Kris Wu lässig an der Bar lehnte. Und nein er sah nicht so aus wie auf seinen Tinder Bildern – er sah deutlich besser aus im wahren Leben.

Luhan ließ Junmyeon an der Tür stehen und ging zu Kris Wu herüber, der ihn breit angrinste als er ihm gegenüber stand. „Doch kein fünfzig Jähriger, der sich ein Bild seines Sohns ausgeliehen hat?"

Luhan blinzelte ihn an. „Das ist widerlich."

„Ist schon vorgekommen." Er grinste auf ihn hinunter mit perlweißen Zähnen und dunklen Augen und Luhan fragte sich ob der Himmel es womöglich, nach der Sache mit Sehun, nun endlich gut mit ihm gemeint hatte. Er legte den Kopf ein wenig schief und erwiderte sein Lächeln.

„Du siehst auch fast so aus wie auf deinen Bildern."

„Nur fast?"

„Besser", erläuterte Luhan und sah zu wie sich das Lächeln auf Kris Wus Lippen noch weiter ausbreitete. „Verschwinden wir von hier. Du hättest draußen auf mich warten sollen."

„Es ist ein schönes Restaurant, wir könnten bleiben?"

Luhan sah zur Seite, wo Minseok und Zitao aus dem Fenster zu ihnen starrten und dann zu Junmyeon, der noch immer an der Tür stand und ebenfalls zu ihnen herübersah. Unmöglich das Luhan hier mit Kris flirten könnte, unmöglich dass er wollte das Junmyeon ihm dabei zusah. „Nein. Du hättest wirklich nicht reinkommen sollen."

Kris lachte leise. „In Ordnung, tut mir leid. Ich kenne eine gute Bar in der Nähe, wie wäre es mit dorthin?"

„Klingt gut."

Kris Wu brachte ihn zwei Straßen weiter in eine Bar, an der Luhan ein paar Mal vorbeigelaufen war, jedoch noch nie hineingegangen waren. Er war mit dem Auto da, schlug jedoch einen Spaziergang vor, was Luhan für eine gute Idee hielt. Eigentlich wäre es nicht nötig gewesen Smalltalk zu führen, weil klar war, dass beide nur aus einem Grund hier waren aber Kris erzählte von seiner Arbeit – er arbeitete für eine Bank, was Luhan niemals gedacht hätte – und irgendwie ging das Gespräch zu seiner Familie und Luhan entdeckte dass sie beide noch Verwandte in Beijing hatten also unterhielten sie sich über Beijing und die Sommer oder Winter, die sie als Kinder dort verbracht hatten. Es war so einfach ein Gespräch mit Kris Wu zu halten, dass Luhan das Gefühl hatte er wäre mehr ein alter Freund als ein One-Night-Stand, den er gerade erst kennengelernt hatte. Luhan sprach offener über seine Arbeit und seine Freunde, als er es normalerweise tat und Kris öffnete sich ihm gleichermaßen. Es war so einfach, auf eigenartige Art und Weise war es sogar ein klein wenig perfekt.

Sie unterhielten sich, bei Cocktails und Bier, in der Bar weiter, ohne dass der Gesprächsfaden je abbrach. Kris Wu – so lernte Luhan war ein Mann mit einer harten Schale und einem verdammt weichen Kern. Er machte Witze über die Luhan mehr den Kopf schüttelte als lachte aber er selbst lachte so herzhaft über sie das Luhan ebenfalls Freude an ihnen fand. Er hatte außerdem drei Katzen Zuhause und hatte jeder von ihnen ihren Namen aus einem seiner Lieblings Konsolenspiele ‚Mario Kart' gegeben.

„Erzähl mir wieso du nicht wolltest dass ich ins Restaurant gehe?", fragte Kris, bevor er den Flaschenhals seines Biers an die Lippen setzte. „Bist du nicht Out?"

„Nicht vor allen", bestätigte Luhan. Namentlich meinte er Junmyeon, wobei Luhan glaubte dass selbst Junmyeon es irgendwie herausgefunden haben musste. Sie hatten jedoch noch nie über solche Dinge gesprochen, weil Junmyeon nicht die Person war nach sensiblen Sachen zu fragen und Luhan nicht die Person dafür, von sich aus offen über sie zu sprechen. „Es ist kompliziert."

„Ich hoffe ich habe dir dein Leben damit nicht erschwert? Das wollte ich nicht."

„Hast du nicht", versicherte Luhan und sah durch seine Wimpern zu ihm hinauf, weil er wusste was solche Blicke normalerweise mit seinen Dates machten. „Aber das Restaurant ist Tabu."

„In Ordnung." Kris trank sein Bier auf einen Zug leer und stellte es auf dem Tisch ab. „Ich gehe schnell ins Badezimmer und dann", er lehnte sich ein kleines Stück näher zu ihm heran. „Lass uns von hier verschwinden. Wie klingt das?"

„Gut", grinste Luhan. „Sehr gut."

Luhan spürte wie es in seinem Magen vor Aufregung prickelte. Kris Wu war das beste Tinder-Date dass er je gehabt hatte und sie waren noch nicht einmal zum besseren Teil des Abends gekommen. Luhan wartete bis Kris zurückkehrte und leerte in der Zwischenzeit sein eigenes Glas.

Er fragte sich bereits ob auf dem Männerklo eine Schlange war weil er so lange brauchte – was unwahrscheinlich war – als Kris zurückkehrte. Luhan strahlte ihn an, was sein Date mit einem nachdenklichen Stirnrunzeln beantwortete.

„Was ist?", fragte Luhan.

„Das klingt eigenartig", setzte Kris langsam an. „Aber jemand hat mir gerade Geld dafür geboten dich hier stehen zu lassen und zu gehen."

Luhan starrte ihn an, bis die Worte vollends von seinem Gehirn registriert wurden. „Was?"

„Da ist Jemand, der überhaupt nicht begeistert darüber ist, dass ich mit dir ausgehe." Kris legte die Arme auf dem Tisch ab. „Ein ehemaliger Lover, der dir hinterher rennt oder bist du vergeben und nur auf einen Seitensprung aus?"

Luhan schloss kurz die Augen und presste die Lippen, für einen Moment, fest aufeinander. „Keins von beidem. Wo ist er?"

„Er hat mich auf der Toilette abgefangen. Hast du wirklich eine Geschlechtskrankheit?"

„Ich bringe ihn um."

„Nur so ich hab die zehntausend Won (*ca.8€) nicht angenommen."

„Er hat nur zehntausend geboten?"

„Sah aus als wäre er in Eile."

Luhan schüttelte den Kopf, darum ging es hier nicht. „Entschuldige mich bitte für einen Moment." Luhan stürmte an Kris vorbei und bahnte sich seinen Weg durch die Bar, er fand Sehun am Türeingang herumlungern und sah Erleichterung über sein Gesicht huschen als er Luhan sah, was schnell von Grauen ersetzt wurde, als er Luhans Gesichtsausdruck bemerkte. Luhan packte Sehun unsanft am Arm und schleifte ihn zum Ausgang und auf die Straße hinaus.

„Du weißt dass das kein Ort für minderjährige ist?", fragte er um nicht sofort zu explodieren.

„Niemand hat mich aufgehalten."

„Dann hättest du dich selbst aufhalten sollen." Sehun zuckte zusammen und Luhan ließ von seinem Arm ab, den er unbewusst immer fester gedrückt hat. „Was zum Teufel suchst du hier Sehun?"

Sehun sah zu Boden. Er trug eine Baseball-Mütze auf dem Kopf mit der er wahrscheinlich sein Gesicht verbergen wollte. „Ich konnte nicht...ich konnte wirklich nicht einfach Nichts tun während du dich mit diesem Typen triffst."

Luhan warf die Hände in die Luft. „Wir sind nicht zusammen Sehun und wir sind es auch niemals gewesen! Hör auf dich in meine verfickten Angelegenheiten einzumischen."

Er sah noch immer stur zu Boden. „Ich weiß! Das weiß ich doch! Ich weiß das ich kein Recht dazu hatte und ein Idiot bin und du nichts für mich empfindest!" Seine Schultern bebten, was Luhan wie ein Schlag ins Gesicht traf. „Aber ich konnte eben nicht anders!" Er schniefte und zitterte und vielleicht hatte Luhan immer nur über Sehuns Alter gesprochen aber nie richtig realisiert wie jung er tatsächlich war. „Ich...Ich m-mag dich okay? E-es tut mir ja leid."

Luhan fühlte sich schrecklich dass er ihn angeschrien hatte und er fühlte sich noch schlimmer darüber, dass Sehun seinetwegen weinte. Er drängte seine Wut von sich und trat einen Schritt nach vorne um sanft die Arme um Sehun zu legen, bis er sein Gesicht in seine Halsbeuge presste. „E-es tut mir leid, ich w-wollte doch gar nicht, a-aber dann hat immer und i-ich war wütend und dann habe i-ich nachgesehen und dann – dann warst da du und –"

Luhan strich ihm sanft über den Rücken, ein wenig unbeholfen weil sie mitten auf der Straße standen und Sehun zu groß war um sein Gesicht bequem in seine Halsbeuge drücken zu können aber das war alles ziemlich egal, während Sehun schluchzte und Luhan versuchte sich irgendwelche beruhigenden Worte auszudenken.

„Geht es ihm gut?"

Luhan sah über Sehuns Schulter hinweg, wo Kris gerade aus der Bar gekommen war, ein besorgter Ausdruck auf dem Gesicht.

„Er ist nur ein riesen-Baby", beschwichtigte Luhan. „Er wird schon wieder."

Sehun schluchzte noch einmal laut auf.

„Da hast du jemandem aber ziemlich das Herz gebrochen Luhan." Kris lächelte mit Sympathie in den Augen. „Wie wäre es wenn ich euch nachhause fahre?"

„Nein", schluchzte Sehun. „Nicht er."

Kris lachte, nun lauter. „Kein Sorge, du hast gewonnen und kannst dein Geld sogar behalten Kumpel."

„Danke", sagte Luhan und seufzte leise. „Sei nett Sehun, hörst du?"

Während sie zurück zu Kris' Auto gingen ließ Sehun ihn nicht los, als befürchte er Luhan könnte mit Kris verschwinden, sobald er von ihm abließ. Er hatte seine Baseballmütze noch weiter in sein Gesicht gezogen, um seine Augen zu verbergen, und langsam schien er sich auch zu beruhigen.

Kris fuhr ein dunkles, ausländisches Auto dass er per Fernsteuerung aufblinken ließ als sie auf dem Parkplatz hinter dem ‚Exordium' ankamen. Sehun und Luhan stiegen auf die Rücksitze, während Kris sich anschnallte und den Wagen startete.

„Wo fahre ich hin?"

Luhan war dabei ihm Junmyeons Adresse zu geben, was Sehun schnell verhinderte. „Ich will nicht das Hyung mich so sieht."

„Junmyeon arbeitet."

„Aber er kommt bald nachhause."

„Sehun-"

„Bitte", sagte Sehun und vielleicht lag es an den Tränen aber Luhan war schwach und gab Kris schließlich seine eigene Adresse.

„Also", setzte er wieder an, sobald der Wagen in Bewegung war. „Ich habe gerade ein ziemlich heißes Date aufgegeben, ich denke ich verdiene es eingeweiht zu werden."

„Du findest mich heiß?", fragte Luhan grinsend.

Kris warf ihm einen Blick durch den Innenspiegel zu. „Verdammt heiß."

Sehun stöhnte auf. „Könntet ihr das lassen?"

„Sorry", lachte Kris. „Also was ist das zwischen euch? Dein kleiner Bruder, der die Familienehre nicht gefährden will?"

„Nein", sagte Sehun mit Ekel in der Stimme. „Er ist bestimmt nicht mein Bruder. Wir hatten Sex."

„Wir hatten keinen Sex", korrigierte Luhan irritiert.

„Wir waren nah dran" murmelte Sehun.

„Keine Geschwister also", ging Kris dazwischen. „Was dann?"

Sehun seufzte tief. „Die Liebe meines Lebens." - „Der kleine Bruder der Liebe meines Lebens", sagte Luhan im gleichen Moment.

Dieses Mal warf Kris ihnen beiden einen ziemlich eigenartigen Blick zu. „Was?"

Und aus irgendeinem Grund platzten die Worte aus Sehun heraus, als wäre er ein Luftballon dem mit einer Nadel alle Luft ausgestochen wurde. Er erzählte Kris ihre gesamte Geschichte, von dem Moment an in dem sie über Tinder ein Match hatten, bis über ihr erstes Treffen, ihr Wiedersehen im Restaurant, Luhans Geständnis dass er in Sehuns älteren Bruder verliebt war und all die anderen Dinge, bis zum jetzigen Moment. Er wiederholte etliche Male wie verliebt er in Luhan war und wie fies Luhan sich ihm gegenüber die ganze Zeit verhalten hatte.

Sie standen längst auf dem Parkplatz vor Luhans Wohnung als Sehun endlich fertig war. Kris hatte sich irgendwann zu ihnen herumgedreht und starrte jetzt zwischen Sehun und Luhan hin und her, bevor er plötzlich in Gelächter ausbrach. „Ehrlich? Das ist urkomisch! Ihr zwei solltet in einer Sitcom mitspielen oder so!"

Luhan lehnte den Kopf an die kühle Fensterscheibe und nahm ein paar tiefe Atemzüge. „Dieser Abend ist eine Katastrophe."

„Das war es, sobald dein Freund hier erwähnt hat das du eine Geschlechtskrankheit hast."

„Ich habe keine- oh wen kümmert's schon."

„Du bist also wirklich in ihn verliebt?", fragte Kris an Sehun gewandt, was Sehun mit mehrfachem Nicken bestätigte. „Dann bin ich froh, dass du heute so gehandelt hast." Luhans Kopf schnellte nach oben um Kris anzustarren.

„Was?!"

Er zuckte die Achseln. „Er ist eben verliebt, er konnte nicht anders. Ich finde es mutig, dass er sich dazu entschieden hat zu handeln und nicht nur zuzusehen."

„Oh Gott bestärke ihn nicht auch noch! Er ist minderjährig."

„Für – was hast du gesagt? Fünf Monate noch?"

„Drei", warf Sehun ein. „Es sind nur noch drei."

„Na also. Und das Herz will eben was das Herz will." Kris nickte entschieden. „Ich finde dich wirklich bewundernswert."

„Großartig", murmelte Luhan und öffnete die Fahrzeugtür. „Ich bin der einzige Mensch auf diesem Planeten mit einem Funken Vernunft." Und nicht einmal das war wahr.

Sehun und Kris stiegen ebenfalls aus und irgendwie war es dazu gekommen, dass die beiden sich nun angeregt miteinander unterhielten und Kris Sehun Ratschläge erteilte. Luhan war so verdammt fertig mit diesem Abend aber wenn sie schon einmal soweit waren...

„Kommt mit hoch, ich kann uns Tee machen und Lieferservice bestellen oder so."

Kris grinste ihn an. „Klingt gut." Sehun nickte ebenfalls bestätigend.

Letztlich aßen sie also frittierte Hähnchenkeulen vom Lieferservice und tranken mit öligen Fingern Bier aus Dosenkannen und weil der Abend ohnehin schon verkorkst genug war, erhielt auch Sehun ein Bier. Kris und Sehun schienen sich blendend zu verstehen und unterhielten sich über die gesamte Zeit hinweg über die unterschiedlichsten Dinge und auch Luhan musste irgendwann zugeben, dass er eine gute Zeit und Spaß hatte.

Am Ende des Abends hatte Luhan keinen weiteren One-Night-Stand gehabt, sondern einen neuen Freund gefunden. Und Sehun, so schien es, ebenfalls.

Luhan spürte wie viel kälter es wurde, je höher sie stiegen. Die Sommer in Seoul konnten schrecklich heiß sein aber viel schlimmer fand Luhan den plötzlichen Wandel von sengender Hitze zu eiskaltem Herbstwind, der für Luhan immer zu überraschend einsetzte. Er bereute keinen Schal mitgenommen zu haben, jetzt da er seine Jacke bereits bis zum Kragen geschlossen hatte und die Kälte noch immer kleine Schlupflöcher fand um ihm kalte Schauer über den Rücken zu jagen.

Minseok schien völlig unberührt von der Kälte zu sein. Seine Wangen, die schon immer ein wenig runder waren als die von Luhan, waren gerötet vor Wärme und seine Finger waren nicht in den Jackenärmeln versteckt, wie bei Luhan.

„Du lässt nach", sagte Minseok ein paar Schritte vor ihm. „Wir haben es fast geschafft."

„Es ist verflucht kalt", sagte Luhan und verschränkte zur Betonung die Arme vor der Brust.

„Das wäre es nicht, wenn du mehr Kraft in deine Beine steckst und ordentlich läufst."

Luhan schloss zu Minseok auf und griff nach seiner Hand um zu kontrollieren, ob er wirklich so warm war – was er war. Er seufzte. „Ich bin müde von gestern." Luhan hatte gestern Spätschicht und das Restaurant war randvoll, weil eine Firma ein Geschäftsessen bei ihnen veranstaltet hatte. Luhan musste gestern Abend mindestens die Strecke eines Marathons gelaufen sein.

„Halt durch, wir sind fast ganz oben."

Und Minseoks breites Grinsen war Luhan schon immer ein guter Ansporn gewesen. „Gut. Wer zuerst oben ist lässt sich heute zum Mittagessen einladen?"

Minseok lachte. „Du hast keine Chance!" Und er spurtete die letzten Meter los, während Luhan notdürftig versuchte mitzuhalten.

Minseok nahm ihn regelmäßig zu solchen kleinen Wanderausflügen mit, er behauptete er bekomme von der frischen Wald- oder Bergluft den Kopf frei und auch wenn Luhan es niemals zugab, fühlte er sich nach ihren Wanderbesuchen auch immer deutlich besser.

Minseok erreichte die Bergspitze vor Luhan, dafür war Luhan nun ordentlich aus der Puste und warm und verschwitzt unter seiner roten Regenjacke. Minseok kaufte ihnen heißen Tee von einem Stand auf der Aussichtsplattform und reichte einen Styroporbecher an Luhan weiter, als er sich wieder aufrichtete. Der warme Wasserdampf kitzelte sein Gesicht als er vorsichtig einen Schluck nahm.

„Wie lief es mit deinem Tinder-Date am Samstag? Du hast noch gar nichts darüber erzählt."

Luhan ging zur Balustrade herüber und legte die Arme auf ihrer Stange ab. Neben und unter ihm waren dutzende Liebeschlösser von Paaren angebracht. Vor ihm zeichnete sich Seoul in seiner nebligen Morgenpracht ab.

Luhan atmete tief ein. „Na ja", antwortete er.

„Na ja? Der Typ war doch nach deinem Geschmack oder?"

„Schon."

„Aber?"

Luhan hasste es Geheimnisse vor Minseok zu haben aber die Sache mit Sehun war etwas, dass er selbst seinem besten Freund nicht anvertrauen wollte. „Die Chemie hat nicht gestimmt. Na ja zumindest nicht auf diese Art und Weise."

Minseok lehnte sich an das Gerüst und sah ihn mit hochgezogenen Brauen an. „Seit wann schärst du dich um die Chemie zwischen dir und deinen Tinder-Dates?"

Er zuckte die Achseln. „Vielleicht werde ich zu alt für sowas."

„Hmm, bist du bereit sesshaft zu werden?" Sein Grinsen wurde breiter. „Sind wir wirklich schon so alt?"

„Vielleicht" Er dachte flüchtig an Junmyeon und schüttelte belustigt den Kopf. „Wie geht's Dasom?"

Minseok seufzte. „Sie arbeitet zu viel und macht ständig Überstunden für ihre Firma."

„Klingt ganz nach dir", erwiderte Luhan. „Du arbeitest auch zu viel."

„Ich mag meinen Job aber." Er zuckte die Achseln. „Dasom hat es nicht leicht, ich denke sie hat aufgehört aus Leidenschaft zu arbeiten und das macht mir Sorgen. Ich wünschte sie würde aufhören, wenn sie unglücklich ist aber sie ist zu stur um jetzt aufzugeben."

„Sie war schon immer ein Sturkopf."

Minseok brummte in Einverständnis. Er und Dasom waren ein Paar seit der Schulzeit und Luhan hatte Minseok auch nur im Zweierpack mit ihr kennengelernt. Luhan hatte Minseok immer ein wenig darum beneidet in einer festen und langfristigen Beziehung zu sein aber Minseok war auch die Person dafür, während Luhan schon immer sprunghafter gelebt hat.

„Bereit für den Abstieg Luhanie?" Er zerdrückte seinen leeren Teebecher in der Hand und warf ihn in den Mülleimer. „Ich bin hungrig und du schuldest mir Mittagessen."

„Wie wäre es mit einer neuen Wette? Wer zuerst unten ankommt muss Mittagessen und Kaffee kaufen."

„Du setzt heute viel aufs Spiel", grinste Minseok. „Aber du setzt ja bekanntlich immer auf die falsche Mannschaft." Er zwinkerte ihm zu, was eine gemeine Anspielung darauf war das Luhans Lieblings Fußballmannschaft ihre letzten Spiele nicht gewonnen hatte.

„Sag das noch einmal wann Atlético ManU das nächste Mal so richtig in den Hintern tritt."

Minseok schnaubte. „Das wünscht du dir."

„Gilt die Wette?"

„Gut. Einverstanden."

Eine Weile später zahlte Luhan für ihr Mittagessen und den Kaffee, den sie anschließend bestellten. Er hätte es besser wissen müssen.

Luhan hatte trägen Kontakt mit Kris Wu gehalten und erhielt ab und an ‚Büro-Selfies' und Bilder auf denen er so tat als würde er in einen Goldbarren beißen, die sie in der Bank aufbewahrten. Kris Wu war ein lächerlich niedlicher Kerl mit dem Gesicht eines Vorstadt Gangsters. Sie hatten nicht mehr versucht einen Termin für ein ‚Date' auszumachen, das hatte Sehun ihm erfolgreich vereitelt, aber so sehr störte er sich gar nicht daran, wenn Kris ihm wieder ein Bild seines Mittagessens schickte und traurige Smileys wenn Luhan im Gegenzug ein Stück Torte abfotografierte, die Minseok gebacken hatte.

Luhan hatte jedoch nicht gewusst, dass nicht nur er den Kontakt zu Kris gehalten hatte.

Es war während Luhans Mittwochabend Schicht mit Junmyeon als Junmyeon ihm leicht mit dem Ellbogen in die Seite stieß, während Luhan die Bestellungen auf seinem Gerät kontrollierte. Luhan sah zu ihm auf und folgte dann Junmyeons Blick. Kris kam gerade zur Tür hinein und richtete seinen Jackenkragen, bevor er in Richtung Bar ging.

„Das ist doch dein Freund vom letzten Mal", sagte Junmyeon und lächelte leicht. „Hast du ihn eingeladen?"

„Nein", antwortete Luhan und runzelte verwirrt die Stirn. „Ich wusste nicht dass er kommt." Luhan ging Kris entgegen, der eine Hand zum Gruß anhob. Er trug Anzughosen, darüber aber einfach nur ein lockeres Shirt und eine schwarze Blazer Jacke.

„Hey, mit dir habe ich nicht gerechnet. Was machst du hier?" Er sah an ihm vorbei, ob vielleicht eine weitere Person hinter seinem Rücken auftauchen würde aber das war nicht der Fall. „Kommst du um unsere Speisekarte abzuchecken?"

„Nach all den Bildern, die du mir geschickt hast sollte ich das auf jeden Fall bald tun", grinste er. „Aber nein, ich treffe mich mit Sehun."

Luhan verschränkte die Arme vor der Brust. „Du weißt dass das keine gute Idee ist."

„Nicht aus diesem Grund", sagte Kris mit betont verzogenem Gesicht. „Wir wollten uns nur unterhalten."

„Worüber?"

Kris zwinkerte ihm zu. „Wieso sollte ich dir das verraten?"

„Weil du ihn nicht auf schlechte Ideen bringen sollst." Er runzelte die Stirn. „Bist du nicht beschäftigt?"

„Nicht für einen guten Freund", erwiderte Kris und fuhr sich mit einer Hand durch die Haare – er hatte noch Rückstände von Gel und Haarspray in ihnen, weshalb sie nicht gehorchten und in die Position zurückfielen in die sie Kris heute Morgen gebracht hatte.

„Freunde also? Wann ist das geschehen?"

„Ich mag ihn, er hat den richtigen Spirit."

„Spirit?" Luhan schüttelte den Kopf. „Ich denke ich will gar nicht wissen, was du damit meinst."

Kris lachte leise. „Also? Ist er hier?"

Luhan gab sich geschlagen und nickte nach einem Moment. „Such dir einen Tisch aus, ich sage ihm dass du hier bist."

„Danke Luhan und", seine Augen fuhren ihn einmal ab. „Sehun hatte Recht, du siehst verdammt gut aus in einer Schürze."

Luhan wandte sich kopfschüttelnd ab. Junmyeon kam gerade von einem Tisch zurück an dem die Gäste gezahlt hatten und sah ihn mit neugieriger Miene an. „Er bleibt?"

„Ja er ist wegen Sehun hier." Luhan spannte sich an, sobald er die Worte ausgesprochen hatte. Verdammter Mist auch.

„Sehunnie?" Junmyeons Augen weiteten sich. „Wieso Sehunnie?"

„Weil..." Luhan dachte angestrengt nach einem logischen Grund nach aber sein Gehirn ließ ihn kläglich im Stich. „Weil, mh, weil..."

„Ich bin Luhan und Kris-hyung letztens begegnet als ich auf dem Weg ins Restaurant war", sagte Sehun plötzlich neben Luhan. Luhan wäre vor Schreck beinahe drei Meter hoch in die Luft gesprungen. „Nicht wahr?"

Luhan nickte schnell. „Genau, wir sind Sehun ganz zufällig begegnet."

„Und dann bist du einfach so mit den beiden mitgegangen?", fragte Junmyeon irritiert.

„Luhan hat mich eingeladen mit ihnen zu gehen", erläuterte Sehun. „Ich hab mich nicht einfach selbst eingeladen."

Junmyeon nickte langsam. „Kein Wunder, dass ich dich nicht im Restaurant gesehen habe. Wieso hast du mir nichts davon erzählt?"

Sehun zuckte die Achseln. „Hätte ich? Ich habe es vergessen."

„Und du warst...die ganze Zeit bei ihnen?", fragte Junmyeon. Seine Wangen färbten sich leicht rot, was Luhan nicht verstand.

„Kris-hyung hat mich nachhause gefahren", sagte Sehun mit Blick auf Luhan. „Er ist wirklich nett."

„Dann sollte ich mich dafür bedanken, dass er sich so gut um meinen kleinen Bruder kümmert." Junmyeon zerzauste Sehun die Haare, was Sehun mit Händen und Gemecker verhindern wollte.

„Hyung Stopp!"

„Stell ihn mir vor Sehunnie, wenn ihr so gut miteinander befreundet seid."

Sehun schlug noch einmal nach Junmyeons Hand, protestierte aber nicht als Junmyeon ihm daraufhin zu dem Tisch folgte, an den Kris sich gesetzt hatte.

„Ihr habt Sehun also ganz zufällig getroffen und einfach mitgenommen?" Dieses Mal sprang Luhan tatsächlich vor Überraschung in die Luft. Kyungsoo stand neben ihm und betrachtete ihn neugierig.

„Kyungsoo bitte, schleich dich nicht so an! Ich hätte einen Herzinfarkt bekommen können."

„Entschuldige." Er machte eine Pause. „Also?"

„Also was?"

„Also du hast Sehun mit zu deinem Tinder-Date genommen?"

„Es war kein Date mehr, sobald wir Sehun getroffen haben."

Kyungsoo betrachtete ihn noch immer aufmerksam und es kam Luhan so vor, als hätte er seit geraumer Zeit nicht mehr geblinzelt. „Wieso hast du ihn nicht einfach weggeschickt?"

„Was?"

„Wieso hast du Sehun nicht weggeschickt, als ihr ihn getroffen habt? Wieso hast du ihn eingeladen mit euch zu kommen?"

Luhan wurde nervös unter Kyungsoos kritischem Blick. „Weil das unhöflich gewesen wäre."

„Verstehe." Er zuckte die Achseln. „Wenn du das sagst."

Kyungsoo drückte ihm die Sauciere in die Hände, die Luhan bis dahin gar nicht bemerkt hatte. „Für Tisch neun. Sie haben extra Sauce bestellt."

„Danke", sagte Luhan und nahm die Saucenschale entgegen. Er sah Kyungsoo hinterher, als er zurück in die Küche ging und seufzte dann leise.

Junmyeon stand immer noch an Kris' Tisch und schien mit ihm über irgendetwas zu lachen, dass Sehun rotanlaufen ließ.

„Die Sauce Luhan!", rief Kyungsoo ihm durch das Fenster zur Küche zu, Luhan setzte sich schnell wieder in Bewegung zu Tisch neun.

Die nächsten Tage und Wochen wurden endlich ein wenig ruhiger. Sehun und Jongin kamen noch immer beinahe täglich ins Restaurant und waren längst von allen als Teil der Familie anerkannt worden. Sehun erschien auch weiterhin an Luhans freien Tagen vor seiner Haustür aber nie mehr ohne sich davor mit Luhan abgesprochen zu haben, also war auch das nicht mehr allzu schlimm.

Es war als hätte Sehun sich nun vollends in Luhans Leben etabliert und ganz so schlimm, wie am Anfang, fand Luhan auch das nicht mehr. Alles hatte zu einer eigenartigen Normalität gefunden. Luhan war sogar dabei zu vergessen, dass Sehun noch immer behauptete unsterblich in ihn verliebt zu sein und wurde nur flüchtig daran erinnert, wenn Sehun ihn wieder einmal ‚schön' nannte oder seine Augen zu lange auf seinen Lippen oder Händen verweilten.

Sehun so häufig zu sehen war wahrscheinlich auch der Grund, weshalb er nicht sofort bemerkte, dass er sich verändert hatte.

„Hast du zugenommen?", fragte Luhan an einem Nachmittag. Sie waren bei Luhan und schauten ‚Running Man' im Fernseher, wobei Luhan die ganze Zeit auf Sehuns Arme starren musste. Es war kühler geworden aber er trug noch immer T-Shirts unter seinen Jacken, worauf Luhan ein wenig neidisch war, weil er immer sofort fror.

„Was?"

„Irgendwie sehen deine Arme breiter aus."

„Ach das", ein Grinsen schlich sich auf seine Lippen. „Ich habe vor ein paar Monaten angefangen mit Hyung ins Fitnessstudio zu gehen. Sieht man es jetzt?"

Luhan betrachtete ihn durch zusammengekniffene Augen. Seine Arme waren wirklich etwas breiter als im Sommer und seine Schultern weniger schmächtig und eingefallen. Luhan rutschte ein Stück näher und legte die Hände auf seine Schultern um ihn wegzudrehen, damit er seinen Rücken betrachten konnte. Er sah durch den Stoff seines Shirts deutlich eine Linie zwischen seinen Schulterblättern und Muskeln, die sich unter seinem Shirt bewegten. Er war noch immer schmächtig aber würde es wahrscheinlich nicht länger bleiben wenn er so weitermachte.

„Du siehst nicht mehr aus wie eine weichgekochte Nudel Sehun, erstaunlich."

„Nudel?" Sehun schob beleidigt die Unterlippe nach vorne. „Mein Gesicht ist also eine Kartoffel und mein Körper eine Nudel?"

Luhan grinste unweigerlich über das Bild. „Eine Spagetti Nudel", bestätigte er. „Ich arbeite in einem Restaurant, ich kann nicht anders als dich mit Essen zu vergleichen."

Sehun schnaubte und grummelte wieder. „Nudel pft."

Luhan zerzauste ihm die Haare. „Sei nicht beleidigt, wir alle waren einmal Nudeln", er dachte nach. „Wobei Minseok...Minseok sah früher aus wie Teigtaschen."

Sehun warf Luhan einen sehr eigenartigen Blick zu. „Du bist komisch Luhan."

„Nicht wahr?" Luhan lachte leise und kniff Sehun in die Seite, bevor er einen Arm um seine Schultern warf und sich wieder dem Fernseher zuwandte.

Normalität – oder die Ruhe vor dem Sturm.

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Spätes Update und ich hätte es auch beinahe vergessen (die nette Variante von: Ich war fast zu faul zum Updaten) aber ich wollte dieser Donnerstags-Tradition treu bleiben :)

Ich bin zu ausgelaugt für ein längeres Nachwort also wenn ihr möchtet schreibt ihr mir doch was auch immer ihr von dem Kapitel haltet :)

Liebe Grüße
Cherry

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