9.

„Kannst du stehen?", fragt er mich skeptisch und hält mich sicherheitshalber an beiden Oberarmen fest, doch ich winde mich aus seinem Griff und stolpere ein Schritt nach hinten.

„Ich bin kein Kind, lass mich los", brumme ich und er sieht mich amüsiert an. Seine hellen Augen funkeln regelrecht im Schein der kleinen Laternen.

„Das sehe ich. Bist du alleine hier?", fragt er und ich seufze bei dem Gedanken an meine beste Freundin. Nein, mit Faith, aber die hat mich, wie sonst auch immer, für einen Jungen verkauft und sitzt nun mit ihm drinnen an der Bar, während sie wahrscheinlich nicht mal bemerkt hat, dass ich weg bin.

„Nein. Mit Faith", sage ich und lächele leicht.

„Und wo ist Faith?"

Langsam nervt er mich.

„Drinnen. Mit einem super tollen Jungen. Weißt du, das ist immer so. Auf jeder Party stehe ich allein da", ich fuchtele wild mit den Armen und falle beinahe in meine eigene Kotze. „Immer findet sie jemanden und ich bin allein. Aber das ist doch toll, ich freue mich. Aber wieso gehe ich dann mit? Ich verstehe es nicht. Wieso gehe ich mit? Ich wollte doch garnicht. Und dann ist da auch noch Cassie, die ich absolut hasse. Sie ist so ätzend, ugh. Weißt du, schlimm genug, dass sie so tut, als würde sie mich nicht kennen obwohl sie weiß, dass sie mir damals mein Leben zerstört hat, aber dann spielt sie auch noch die freundliche Gastgeberin. Ekelig. Diese Party ist scheiße. Ich..", Riley unterbricht mich mit einem Fingerschnipsen direkt vor meinem Gesicht.

„Jetzt halt mal die Luft an. Dann geh doch nach Hause", schlägt er vor und ich schließe die Augen. Nach Hause, das wäre jetzt schön.

„Ich kann Faith nicht alleine lassen", murmele ich. Ich wünschte, ich könnte sie auch immer irgendwo stehen lassen so wie sie mich. „Und wieso bist du hier?", frage ich Riley mit einem aufgesetzten Lächeln.

„Ich wurde von meinen Eltern beauftragt, auf meine Cousine aufzupassen. Aber das diese Feier so schlimm wird, hätte ich selbst nicht erwartet", meint er und kratzt sich am Kopf.

„Wer ist denn deine Cousine?", frage ich verwirrt. Noch nie hat man von jemandem aus meinem Jahrgang gehört, dass die Person mit Riley Carter verwandt wäre.

„Cassie Brooke."

Ich zucke zusammen und schlagartig wird mir wieder schwindelig. „Oh scheiße...", murmele ich und nehme ein leises Lachen war.

„Keine Sorge. Ich finde sie genauso schrecklich wie du. Das mit dem Leben zerstören musst du mir aber noch erläutern. Davor solltest du aber wirklich nach Hause gehen. Du siehst nicht gut aus."

Erleichtert atme ich aus und nicke. Jedoch scheitere ich bei dem Versuch, einen Schritt zu machen.

„Ich wusste garnicht, dass Streber Alkohol trinken", meint Riley und zieht an seiner Zigarette. Der stinkende Qualm bereitet mir noch stärkere Übelkeit und ich drehe mich angewidert weg.

„Du müsstest doch am besten wissen, dass ich keine Streberin bin", zische ich beleidigt.

„Das wird schon, Ava. Bist du etwa immer noch sauer wegen den null Punkten? Das passiert doch jedem Mal", lacht er und drückt seine Zigarette am dicken Baumstamm aus. Ich will aber nicht, dass es mir passiert. Er möchte gerade etwas sagen, als er unterbrochen wird.

„Ava? Was tust du?", höre ich eine zweite Stimme und schließe die Augen. Seit wann pocht der Kopf nach ein wenig Malibu so stark?

„Das siehst du doch. Sie steht hier", antwortet Riley an meiner Stelle und ich bemerke Faiths wütenden Blick, den sie ihm zuwirft. „Das sehe ich", sagt sie und presst ihre Lippen zusammen. Sie kommt auf uns zu und stellt sich neben mich.

„Cassie hat mir gesagt, dass du hier bist. Ist alles in Ordnung?", fragt sie mich besorgt und ich nicke leicht.

„Sie ist sturzbetrunken und musste kotzen. Wärst du eine gute Freundin, hättest du das mitbekommen", meint Riley trocken und Faith verharrt in ihren Bewegungen. Sie dreht sich zu ihm um und kneift die Augen wütend zusammen.

„Hör mal, willst du mir eins auswischen? Du hättest mir in der ganzen Zeit normal sagen können, dass du keine Interesse an mir hast. Und jetzt führst du dich so auf und veranstaltest so einen Kindergarten. Ich habe dich doch in Ruhe gelassen, seitdem du mich geblockt hast. Ziehst du jetzt Ava mit rein, um mir eins auszuwischen? Nutzt du sie dazu, um mir reinzudrücken, dass du keine Lust auf mich hast?", fragt sie sauer und Riley sieht sie kurz verwirrt an. Ich beobachte das Geschehene stumm.

„Wovon redest du? Die Welt dreht sich wirklich nicht um dich, Faith. Es ging gerade um Ava und wenn du die Zeit mit ihr verbracht hättest, hättest du sie davon abhalten können, sich so volllaufen zu lassen. Das war das einzige, was ich dir damit gerade sagen wollte", antwortet dieser ruhig und sieht mich mitleidig an.

„Bis dann, Ava. Kotz dich aus, das wird mir hier zu blöd." Und damit macht er sich auf den Weg Richtung Vorgarten und verschwindet.

„Er ist so ein Arschloch. Du hattest von Anfang an Recht. Ich fasse es nicht, wie er versucht, mit dir ein Gespräch anzufangen, um mir eins reinzudrücken", sagt Faith angepisst und mit verschränkten Armen.

„Ich will einfach nur nach Hause", murmele ich und blende alle Geräusche aus, um das Pochen in meinem Kopf irgendwie unter Kontrolle zu kriegen.

„Du darfst nie wieder mit ihm reden, okay? Er möchte dich nur dazu benutzen, mir zu zeigen, dass er keine Interesse an mir hat", sagt sie resigniert und ich nicke müde. Dabei lasse ich es mir nicht anmerken, dass es mich verletzt, dass auch sie der Meinung ist, dass sämtliche Jungs nur deshalb mit mir kommunizieren, um an sie ran zu kommen.

„Hör mal, ich gehe jetzt. Ich habe wirklich zu viel getrunken", sage ich und stolpere einen Schritt nach vorne. Sie nickt mitleidig und streicht mir über den Arm. „Gib mir bitte Bescheid, wenn du zuhause bist. Ich werde auf deine Nachricht warten", sagt sie lächelnd und umarmt mich zum Abschied.

Ich nicke und setze mich daraufhin in Bewegung. Jeder Schritt kostet mich viel Anstrengung, denn ich starre regelrecht auf den Boden, um zu vermeiden, über etwas zu stolpern. Und so mache ich mich auf den Weg nach Hause. Ohne Faith. Und betrunken.

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