10.

Es kommt mir wie eine halbe Ewigkeit vor, als ich endlich an meiner Haustüre ankomme und ungeschickt versuche, meine Schlüssel aus meiner Hosentasche zu kramen. Zum Glück habe ich sie nicht verloren.

Der gefühlt doppelt so lange Heimweg hat meinen Kopf etwas klarer gemacht, sodass mir nicht mehr so übel ist, jedoch werden die Kopfschmerzen immer stärker und ich kann es kaum abwarten, mich in mein Bett zu legen.

Ich sperre leise auf, in der Hoffnung, dass meine Eltern mich nicht hören. Ich habe keine Ahnung, wie spät es ist oder ob es schon zu spät ist. Ich tapse, für meine Verhältnisse, leise in den Flur und ziehe meine Schuhe aus. Vorsichtig laufe ich die Treppen rauf und beeile mich in mein Zimmer, um jeglichen Kontakt mit meinen Eltern zu meiden.

Erleichtert atme ich aus, als ich in meinem Zimmer hinter geschlossener Zimmertüre stehe. Das war die schlimmste Party seit langem und ich fühle mich so unfassbar widerlich. Am liebsten würde ich duschen, jedoch verrät mir ein Blick auf meinen Wecker, dass es viel zu spät dafür ist und ich lediglich meine Eltern wecken würde, die mir höchstwahrscheinlich eine Standpauke halten würden, wieso ich so spät und vor allem betrunken nach Hause komme. Sie können bei dem Thema sehr konservativ sein.

Ich stoße mich von meiner Zimmertüre ab und taste mich in der Dunkelheit zu meinem Bett, um mich umziehen zu können. Ich hoffe, dass sich auf meinen Klamotten keine Kotzflecken befinden. Während dem Umziehen denke ich an Faiths Worte und die Tatsache, dass sie mich nicht mal nach Hause begleitet hat. Mein Leben lang wurde mir gepredigt, dass ich nachts nie alleine unterwegs sein soll und auch niemals jemanden allein gehen lassen soll. Doch leider ist das dennoch immer wieder der Fall. Ich frage mich, ob sie sich wenigstens amüsiert und was sie mir wohl am Montag über ihren ehemaligen Tanzpartner erzählen wird.

Ich seufze, schmeiße meine Klamotten auf einen Haufen neben die Zimmertüre und klettere in mein Bett. Vorsichtig greife ich nach meinem Handy und blicke auf das Display, welches grell leuchtet und 02:36 Uhr anzeigt. Mir kommt es fast nicht so spät vor, denn mein Abend war ja dennoch ziemlich kurz. Seufzend schlafe ich ein, während sich in meinem Kopf alles dreht.

Am nächsten Morgen werde ich von dem energischen Klopfen an meiner Tür geweckt und der schrillen Stimme meiner Mutter, die mich zum Aufstehen auffordert.

„Ich möchte nicht!", grummele ich schließlich etwas lauter und vergrabe mein Gesicht in meinem Kissen. Das Sonnenlicht in meinem Zimmer ist viel zu grell und mein Kopf dröhnt. Ich spüre, dass ich mein Handy immer noch in der Hand halte, was bedeutet, dass ich tatsächlich in meiner letzten Position eingeschlafen bin. Langsam öffne ich die Augen und blicke auf meinen Startbildschirm. Keine Nachricht von Faith. Keine SMS, ob ich zuhause angekommen bin oder keine Memo, in der gefragt wird, ob es mir gut geht. Ich seufze und erkenne dafür eine Mitteilung von einer mir nicht eingespeicherten Nummer

Na, bist du gut nach Hause gekommen?

Verwirrt öffne ich Whatsapp und starre auf das Profilbild von Riley Carter. Riley fucking  Carter hat mir geschrieben. Naja, irgendwie auch süß, aber echt gruslig.

Woher hast du meine Nummer, schreibe ich zurück.

Ich klicke auf das Profilbild und betrachte es genauer. Es zeigt Riley in einem Sportoutfit grinsend mit einem Fußball in der Hand. Ich wusste, dass er Fußball spielt und dabei auch relativ gut ist, jedoch hat man seit letztem Jahr nichts mehr von ihm und seiner Mannschaft gehört, obwohl sie immer weit oben zwischen den Besten waren und es oftmals Turniere auf dem örtlichen Fußballplatz gab.

Nachdem ich das „schreibt.." unter seiner Nummer bemerke, verlasse ich schnell den Chat. Er soll bloß nicht denken, dass ich auf seine Nachricht warte.

Die Gruppe unseres Jahrganges. Du hast meine Frage nicht beantwortet.

„Diese blöde Gruppe", murmele ich und mir fällt auf, wie leicht zugänglich meine Nummer dadurch ist.

Ja. Hat nur ein wenig länger gedauert, tippe ich schnell und verlasse seufzend den Chat.

Was will er von mir? Ich denke an Faiths Worte von gestern und frage mich, ob da doch etwas Wahres dran ist. Was ist, wenn er über mich an Faith rankommen möchte? Es wäre ja schließlich nicht das erste Mal. Aber dafür hätte er die Chance am Anfang des Schuljahres gehabt.

Trink viel und ruh dich aus. Wieso?

Ich lächle leicht. Danke, Mr. Carter. Das ist eine wirklich nette Geste von Ihnen.

Was wieso? Mein Heimweg ist lang, gebe ich zurück und er tippt sofort eine Antwort.

Wurdest du nicht gefahren oder so?

Ich lache leise auf. Wo lebt er denn?

Nein, ich bin nach Hause gelaufen.

Ich betrachte den kleinen Kreis, in dem sein Foto zu erkennen ist. Faith hat recht, er ist wirklich eine 10 von 10. Man sieht nicht jeden Tag jemandem mit solch einer Ausstrahlung wie Riley Carter. Diese strahlenden Augen könnten einem alles verkaufen. Ehrlich, würde er mir einen NicerDicer vorstellen, ich würde ihn kaufen.

Wieso schreibst du mir?, hänge ich noch schnell hinterher und warte ungeduldig auf seine Antwort.

Sorry, ich hätte dich nach Hause begleiten sollen. Ich wollte sicher gehen, dass es dir gut geht.

-
heute ist euer glückstag, kinnas
so aktiv war ich seit 2014 nicht mehr

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