11.
Ich fühle mich komisch, als ich am Montag nach diesem Wochenende das Schulgelände betrete. Dies liegt zum einen daran, dass eine Geschichtsklausur in der dritten Stunde geschrieben wird und ich nicht wirklich die Kraft dazu hatte, etwas zu lernen und zum anderen, dass sich Faith das gesamte Wochenende kein einziges Mal gemeldet hatte. Dafür hat es aber Riley, was mich umso mehr verwirrte und die Worte von Faith schwirrten das gesamte Wochenende in meinem Kopf herum.
Schlussendlich bin ich zu dem Fazit gekommen, dass sie Recht hat: Was auch immer zwischen den beiden geschehen war, ich möchte damit nichts zu tun haben und schon garnicht darin verwickelt werden. Riley geht mir gehörig auf die Nerven, denn seit Beginn des Schuljahres muss ich mich beinahe täglich mit ihm herumschlagen und wenn ich für jeden Moment, in dem sein Name erwähnt wird, Geld bekommen hätte, wäre ich jetzt sicherlich bereits bestens für die Rente ausgerüstet. Und die Tatsache, dass er nun den Kontakt zu mir sucht, um Faith eins auszuwischen, macht meine Abneigung ihm gegenüber nicht besser.
So kam es, dass ich mich dazu entschlossen hatte, ihm nicht mehr auf seine Nachrichten zu antworten.
Ich überquere schnell den Flur und laufe zu meinen Spind, um mir meine Bücher für die erste Stunde zu holen. Während ich dabei bin, mir meine Zahlenkombination ins Gedächtnis zu rufen, legt sich ein Arm auf meine Schulter.
„Hey Süße, wie geht es dir?", fragt mich Faith und lächelt mich dabei an. Ich zucke zusammen und erwidere dann gezwungenermaßen ihr Lächeln.
Ich muss zugeben, dass ich wirklich enttäuscht von ihr bin. Es verletzt mich, dass sie sich auf der Geburtstagsparty so gut mit Demi und Cassie verstanden hat. Außerdem hat sie mich den gesamten Abend mir selbst überlassen, um mit einem Jungen zu reden, was ich nicht besonders nett finde, angesichts der Tatsachen, dass sie mich unbedingt dabei haben wollte und wir zusammen dort hingegangen sind. Kurz fiel mir der Spruch Sister before Mister ein und ich rümpfe die Nase.
„Mir geht es gut", antworte ich schließlich und nehme mir mein Buch aus dem Spind.
„Du hast dich das ganze Wochenende nicht gemeldet", sage ich schließlich und Faith blickt mich entschuldigend an.
„Tut mir leid, Ava. Ich habe es irgendwie total verpasst. Auf der Party war noch so viel los, nachdem du gegangen bist, ich muss dir so viel erzählen", sagt sie aufgeregt und ich lächele. Dass es mich verletzt, dass sie an dem Abend noch nicht einmal gefragt hatte, ob ich gut zuhause angekommen bin, ignoriere ich.
„Erzähl", fordere ich sie auf und schließe meinen Spind.
„Ich habe mich total gut mit Joey unterhalten", schwärmt sie und ich nicke. Das habe ich mitbekommen, Faith. „Um ehrlich zu sein ist mir damals während des Tanzkurses garnicht aufgefallen, wie süß er ist. Er ist so zuvorkommend und höflich. Wir haben über so vielen banale Dinge gesprochen, das hat wirklich Spaß gemacht. Am Ende der Party hat er mich sogar nach Hause begleitet, super süß, nicht?", meint sie. „Und mit Demi und Cassie habe ich auch kurz gesprochen. Die beiden sind auch total nett. Irgendwie hatte ich ein völlig falsches Bild von ihnen, aber das hat sich jetzt verändert. Besonders Cassie ist ganz anders, als ich sie in Erinnerung hatte", sie macht eine Pause und sieht mich dann nachdenklich an. „Du solltest ihr eine Chance geben. Ich denke kaum, dass sie noch irgendwas mit dem Mädchen an sich hat, dass dich damals so runtergemacht hat."
Ich zwinge mir ein Lächeln auf und versuche zu ignorieren, dass meine beste Freundin wohl auf Loyalität keinen Wert legt. „Klar, kann ich machen."
Faith lächelt zufrieden. „Wir waren gestern noch zu Dritt etwas essen und haben für Donnerstag wieder etwas ausgemacht. Wenn du möchtest, kannst du ja mit", schlägt sie vor und versetzt mir damit einen weiteren Stich ins Herz. Es verletzt mich wirklich, dass sie sich mit Cassie verabredet und mich dabei völlig vergisst.
„Ich muss jetzt in den Unterricht. Wir sehen uns", unterbreche ich schließlich ihren begeisterten Redefluss und winke ihr noch kurz zu, bevor ich Richtung Klassenzimmer laufe.
Ich laufe schnurstracks zu meinem Platz und lasse mich nieder. Sorgfältig packe ich meine Unterlagen aus und lege mir dazu noch meine Karteikarten für die Geschichteklausur auf den Tisch, um sie nebenbei nochmals durchgehen zu können. Ich fühle mich unwohl bei dem Gedanken, in Anschluss an die folgende Doppelstunde etwas zu schreiben. Meine letzten Noten haben mich gehörig verunsichert und ich muss zugeben, dass ich es langsam mit der Angst zu tun kriege. Was, wenn ich das Schuljahr nicht schaffe? Was, wenn alle meine Klassenkameraden am Ende des Jahres im dunkelblauen Kostüm ihre Hüte in die Luft schmeißen werden und ich nicht?
„Wieso antwortest du nicht auf meine Nachrichten?", unterbricht eine Stimme meine Gedanken und ich zucke zusammen. Auf diese Konversation habe ich mich nicht vorbereitet.
„Ich möchte jetzt nicht reden", sage ich fest und sehe ihn dabei nicht an. Jedoch spüre ich, wie er mich mustert, bevor er sich neben mich an den Tisch setzt. Es ist mir unangenehm, jedoch möchte ich seinen Blick nicht erwidern. Ich möchte ihm gerne zeigen, dass ich nicht seine Marionette im Faith-Riley Spielchen bin.
Glücklicherweise stellt er keine weiteren Fragen und der Lehrer beginnt seinen Unterricht. Ich versuche, gleichzeitig zuzuhören und meine Notizen für den anstehenden Test durchzulesen. Für besonders effektiv halte ich es nicht, aber ich kann nicht in Ruhe in der Klasse sitzen und meine Gedanken auf etwas anderes als die Klausur lenken.
„Hör auf, dich so verrückt zu machen, Streber-Ava. Du kannst das", zischt mir Riley in einer vom Lehrer unbeobachteten Minute zu und deutet dabei auf meine Notizen. Ich zucke mit den Schultern.
„Möchtest du mir jetzt sagen, wieso du mir nicht antwortest?", hackt er nochmal nach und ich seufze leise und tue so, als hätte ich die Frage nicht gehört.
„Ava, du verhältst dich ein bisschen kindisch", sagt er nur grinsend und ich sehe ihr direkt an.
„Weißt du, du musst dich nicht mit mir unterhalten und mich die ganze Zeit nerven, nur weil du Faith eins auswischen willst. Ich kann nichts dafür, was zwischen euch passiert ist und ich möchte da auch nicht mit reingezogen werden. Ich weiß nicht, was deine Mission ist, aber lass mich bitte in Ruhe."
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