7.
Ich atme tief ein, als mir mein Lehrer das weiße Blatt auf den Tisch knallt und mich enttäuscht ansieht.
0 Punkte. 0 Punkte in einem prüfungsrelevanten Fach und das obwohl ich seit Beginn der Klausurenphase letzte Woche ununterbrochen gelernt habe. Zum zweiten Mal. Wütend und enttäuscht von mir selbst lehne ich mich in meinem Stuhl zurück und starre auf meine falschen Antworten, die für mich so logisch geklungen haben. „Das darf doch nicht wahr sein", murmele ich.
„Wow, Ava. Zum zweiten Mal. Ich dachte, du bist ein Streber", meint Riley lachend neben mir. Seitdem er seinen Tisch von anderthalb Wochen wieder zu meinem geschoben hat, sitzt er da und hat seitdem sogar meinen Namen herausgefunden.
Ich werfe ihm einen mahnenden Blick zu und versuche, meine Wut auf ihn zu projizieren. „Halt die Klappe! Seitdem du neben mir sitzt, geht es mit meinen Noten bergab", zische ich und er schüttelt grinsend den Kopf.
„Mit mir kann es nichts zu tun haben." Frech hebt er mir seine Arbeit unter die Nase und zeigt mir seine 15 Punkte. Verdammt, wie kann das sein?
„Ich hätte auch 15 Punkte, wenn ich das Jahr zum zweiten Mal machen würde", gebe ich zickig zurück und stopfe mein Blatt wütend in meine Tasche. Da mein Lehrer den Unterricht nach Herausgabe der Arbeit beendet hat, dürfen wir nun gehen.
„Nein, das hättest du nicht", antwortet Riley lachend und steht auf. Seitdem er neben mir sitzt, reden wir ab und zu. Er kann ganz okay sein und manchmal ist es sogar witzig mit ihm. Meine Anspielungen auf das Wiederholen des Schuljahres akzeptiert er mittlerweile und ab und zu verarschen wir zusammen die Lehrer.
Dies hat aber noch nichts an der Tatsache geändert, dass ich diesen Jungen verabscheue, was zumal daran liegt, dass er immer noch Faiths Lieblingsthema ist und ich den ganzen Tag nichts anderes höre als Schwärmereien und Lästereien über Riley fucking Carter.
„Halt die Klappe" murmele ich genervt und stehe ebenfalls auf. Bevor ich das Klassenzimmer hektisch verlasse, werfe ich meinem Lehrer noch einen wütenden Blick zu. Das ist bestimmt seine Schuld.
„48 Stunden lernen für nichts und dann schaffe ich nicht mal die kleinste Prüfung. Das gibt's doch nicht", murmele ich vor mich hin und haste energisch den Gang entlang.
„Ava, sprichst du da mit dir selbst?", fragt Riley lachend, der mich in einem gemütlichen Tempo einholt und neben mir her läuft. „Verfolgst du mich?", stelle ich die bissige Gegenfrage und spüre, wie ich hochrot anlaufe.
„Nein, aber ich finde, du brauchst etwas Gesellschaft. In so einem Gemütszustand sollte man dich deinem Ausdruck nach zu urteilen nicht alleine lassen", stellt er lachend fest. Ich seufze und meine Wut scheint wie verflogen. „Ich habe so viel gelernt, ehrlich. Die ganze Woche saß ich an verschiedenen Fächern und habe mir wirklich Mühe gegeben. Trotzdem habe ich in den beiden ersten Klausuren direkt abgrundtief verkackt. Wie kann das sein? 0 Punkte, dafür hätte ich nichts tun müssen. Ich hätte nicht mal anwesend sein müssen", beschwere ich mich. Kurz sehe ich einen Funken Mitleid in Rileys Augen.
„Hast du es denn verstanden, als du es gelernt hast?", fragt er ratlos und ich werfe ihm einen bösen Blick zu. „Denkst du, ich bin bescheuert?"
Er hebt abwehrend die Hände vor seine Brust. „Nicht so zickig. Es hätte ja sein können, dass du das Thema nicht verinnerlicht hast. Vielleicht solltest du auf eine andere Art lernen."
„Erzähl du mir nichts vom Lernen. Du wiederholst das Jahr", gebe ich bissig zurück. Riley zieht die Augenbrauen zusammen. „Ava, halt einfach die Klappe. Es fuckt mich ab." Und damit dreht er sich um und verzieht sich. Er ist und bleibt einfach ein Arschloch.
Genervt mache ich mich auf den Weg zur Cafeteria, stoße die Tür auf und sehe mich in dem leeren Raum um. Noch 10 Minuten würden mir bleiben, bis Faith ebenfalls kommen würde, weshalb ich beschließe, meine Arbeit nochmals gründlich durchzugehen.
Beim Lesen fällt mir auf, wie viele unnötige Fehler ich gemacht habe, was mich erneut auf die Palme bringt. Seit wann arbeite ich so ungenau?
„Hey Herzchen", flötet jemand neben mir und ich zucke zusammen. Ich blicke auf und schaue direkt in zwei hellblaue Augen. „Ich habe diese Woche Geburtstag und würde dies gerne am Wochenende feiern. Wenn du möchtest, kannst du gerne kommen", sagt Demi Morris lächelnd und ich runzele die Stirn. Demi Morris, jahrelang beste Freundin von Cassie Brooke, steht in voller Montur vor mir. Sie ist einfach perfekt. Makelloses Haar, eine makellose Haut, makellos geputzt Schuhe – ja, auf sowas sollte man achten. Denn selbst ihre weißen Schuhe glänzen nach mehreren Wochen Tragezeit wie neu gekauft. Alles in einem ist sie einfach super süß und alle lieben sie – außer ich. Denn meine Abneigung gegenüber Cassie Brooke ist zu groß, um ihre Freunde mögen zu können.
„Ich?", frage ich verdattert. „Ja, du und Faith. Könntest du ihr das bitte ausrichten? Ich habe sie heute noch nicht gesehen. Am Samstag um 21 Uhr bei mir. Ich freue mich", sagt sie und bevor ich etwas antworten kann läuft sie auch schon auf den nächsten Tisch zu. Mein Jahrgang liebt Parties – sie nehmen alles, was sie kriegen können, weshalb ich mir vorstellen kann, dass viele kommen werden.
Ich starre auf den Tisch und denke darüber nach, ob ich dahin gehen möchte. Mir ist klar, dass ich nur eingeladen werde wegen Faith. Faith ist super beliebt – nicht nur bei Jungs. Man unterhält sich einfach gerne mit ihr. Ich kann verstehen wieso mich die meisten nicht einladen, ich spreche kaum mit jemandem und meide den Kontakt. Jedoch finde ich es nervig, immer nur aufgrund von Faith eingeladen zu werden.
„Na, was ziehst du denn für ein Gesicht", sagt diese plötzlich vor mir und setzt sich auf den Platz mir gegenüber.
„Ich habe null Punkte in Mathe", beklage ich mich und erinnere mich dabei wieder an meine niederschmetternde Prüfung. Faith verzieht mitleidig das Gesicht. „Ohje, obwohl du so viel dafür gelernt hast? Schade." Sie packt ihre Brotzeitdose aus und mustert das Essen. „Heute morgen sah das aber besser aus. Erinnere mich dann, nie wieder gefüllte Pfannkuchen einzupacken, das ist ja eine riesige Sauerei. Hast du übrigens gehört, dass Demi am Samstag ihren Geburtstag feiert?"
„Ja. Du bist eingeladen", sage ich zähneknirschend und starre zur Ausgabetheke. Faith schaut mich verwundert an. „Du nicht?"
Ich zucke mit den Schultern. „Doch. Aber ich werde nicht gehen. Ich muss lernen."
Entgeistert schaut mich meine beste Freundin an. „Schwachsinn. Du kommst mit, ich werde da doch nicht alleine hingehen. Du kannst auch am Sonntag lernen. Außerdem müssen wir uns den Preis des Geschenkes teilen. Ich bin gerade wirklich knapp bei Kasse", meint sie. Ich seufze.
„Ich werde es mir überlegen."
Sie nickt zufrieden und blickt dann nach draußen. „Sieh mal, da ist er. Echt widerlich, sein Rauchen. Aber er sieht dabei so heiß aus", schwärmt sie und ich muss nicht mal hinsehen, um zu wissen, dass sie über Riley spricht.
„Denkst du, er wird sich jemals wieder melden?", fragt sie von Hoffnung erfüllt und ich schaue zu dem Jungen, der vor dem Fenster etwas weiter weg an einem Gelände lehnt und an seiner Kippe zieht. „Faith, vergiss ihn. Er ist ein Arsch." Sie seufzt theatralisch. „Ich würde gerne, ehrlich. Aber ich bekomme ihn einfach nicht aus dem Kopf."
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Ich weiß, dass ich ein Unmensch bin. Es tut mir leid! Und ich weiß auch, dass es noch langweilig ist, aber Action incoming.
Da ich noch nicht genug Werbung gemacht habe: Mein Buch „Tablettenkinder" wurde veröffentlicht! Wenn ihr Bock hab, könnt ihr es euch jetzt als Taschenbuch bestellen oder in eurem Buchladen vor Ort kaufen – falls die mal wieder offen haben. Shoutout an Corona.
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