5.

Seit nun etwa einer Woche gehe ich wieder zur Schule und seit einer Woche versuche ich verzweifelt dem aktuellen Stoff zu folgen. Jeden Tag muss ich jedoch feststellen, dass mein Gehirn garkeine Kapzitäten mehr dafür übrig hat, etwas neues zu lernen, sodass ich besonders in Mathe und Chemie völlig hinterher hänge. Das bereitet mir ziemliche Sorgen, denn wie man es sich denken kann, wird man sowohl von den Lehrern, als auch von den Eltern völlig unter Druck gesetzt. Meine Mutter scheint wirklich zu denken, dass ich einen 1,3-Schnitt schaffe, so wie ich es in der 6. Klasse hatte. Dass diese Zeiten längst vorbei sind, scheint sie noch nicht realisiert zu haben.

„Ich verstehe es nicht. Er schaut mich nicht mal an", grunzt Faith und ich erwache aus meinen Gedanken. Das Gebrüll meiner Mitschüler, die sich verzweifelt um den letzten Pudding zum Mittagessen prügeln, lässt mich mit den Augen rollen.

Ich blicke zu Faith, die aggressiv an ihrem Handy tippt, und schließlich zu Riley, der völlig geistesabwesend an seinem Tisch sitzt, an dem er immer isst, und die Wand anstarrt. Faith wirft genervt ihr Handy auf den Tisch und in diesem Moment blickt Riley auf seins, welches vor ihm liegt. Er runzelt die Stirn und wirft uns einen verstohlenen Blick zu.

„So ein mieser Idiot", zischt Faith und beißt wütend in ihr Sandwich. Seit nun etwa einer Woche versucht Faith auch, Kontakt zu Riley Carter aufzubauen. Sie schreibt ihm Nachrichten, versucht ihn dazu zu motivieren in der Mensa nicht alleine zu sitzen und fragt ihn, ob er denn Hilfe beim Schulstoff braucht, den sie gemeinsam üben könnten. Jedes Mal antwortet Riley in kurzen Sätzen oder garnicht, was für Faith nicht verständlich ist.

„Wie kann man so unfreundlich sein", beschwert sie sich und ich packe lachend meine Tasche und stehe auf. „Faith, er hat einfach kein Interesse. Hör auf damit, bevor du noch irgendeine Art Bindung zu ihm entwickelst und es dann bereust. Dieser Junge verdient keine Freundlichkeit", sage ich lachend. „Ich muss los. Sport in der linken Turnhalle, da muss man immer so weit laufen", meine ich seufzend und verabschiede mich von ihr. Ich lasse meine Freundin allein mit ihrer Wut und ihrem Käsesandwich.

Gedankenverloren laufe ich durch die Gänge der Schule und überlege, wie ich meinen Schnitt retten könnte. Nachhilfe bringt in meinen Augen nichts, da ich auch alleine lernen kann. Zusätzliche Stunden in der Schulbibliothek erscheinen mir auch als nutzlos. Ich seufze und möchte gerade die Tür öffnen, als mich jemand fest am Arm packt und zurückzieht. Ich werde regelrecht an die Wand geschleudert und blicke fassungslos in das Gesicht meines Angreifers. Wütend versuche ich, meine Hand freizubekommen. Das wird einen blauen Fleck geben.

„Sag mal, bist du eigentlich vollkommen bescheuert? Du tust mir weh!", zische ich wütend und kurz sehe ich sowas wie einen Funken Mitleid in Rileys Augen, bis er mich wieder mit festem Blick und gelockerten Griff ansieht.

„Bist du mit dieser Faith befreundet? Ich sehe euch immer zusammen in der Cafeteria", fragt er und ich sehe ihn verwirrt an. „Wenn du uns immer zusammen siehst, wieso fragst du dann noch?"

Er rollt genervt mit den Augen. „Sag ihr bitte einfach, dass sie mich endlich in Ruhe lassen soll. Wenn ich es ihr vermitteln möchte, will sie es scheinbar nicht verstehen und ich habe langsam keine Lust mehr darauf", sagt er und ich sehe ihn fassungslos an.

„Sag es ihr doch selbst oder blockiere sie", meine ich wütend und entreiße meinen Arm.

„Du spinnst doch", zische ich und laufe an ihm vorbei. Energisch stoße ich die Tür auf und laufe weiter bis zur Turnhalle.

Ich frage mich, was das sollte und wieso er es Faith nicht selbst sagt. Anderseits verstehe ich ihn, wenn er sagt, Faith lässt nicht von selbst locker. Immerhin habe ich bereits oft mitgekriegt, wie sie ihm einen Haufen von Nachrichten schickt, ohne jemals eine Antwort zu erhalten.

Wie ich bereits von Anfang an gedacht habe, hat Riley wohl nicht besonders viel Interesse an den Leuten in unserem Jahrgang. Dabei habe ich immer angenommen, Fuckboys nehmen alles, was sie kriegen können. Die Abneigung gegen uns scheint jedoch so groß zu sein, dass er trotz einer Woche Eingewöhnung immer noch in den meisten Fächern alleine sitzt und in den Pausen rausstürmt, um rauchen gehen zu können. Irgendwie kann ich ihn verstehen. Wenn alle Freunde die Schule verlassen haben und man selbst ein weiteres Jahr hier verbringen muss, fällt es einem wahrscheinlich ziemlich schwer, damit klarzukommen.

Jedoch schüttele ich schnell den Kopf und verwerfe den Gedanken. Riley Carter ist ein absoluter Idiot und der wachsende blaue Fleck an meinem Arm bestätigt mir das.

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