4.
Nachdem der zweite Gong des Tages ertönt und das Ende der Stunde verkündet, springt Riley auf, packt sich seine Tasche und rennt regelrecht aus dem Raum. Ich schüttele leicht den Kopf und räume auch meine Sachen zusammen, um mich auf den Weg in die Mensa zu machen. Erfreulicherweise erwartet mich nun eine entspannte Freistunde und zu meinem Glück trifft das auch auf Faith zu, da wir beide Physik letztes Jahr abwählen durften.
Ich drängele mich durch die Menschenmasse und bin erstaunt darüber, dass ich überhaupt niemanden kenne. Der letzte Jahrgang, der mir bekannt ist, ist meiner.
Ich entdecke Faith an einem Tisch am Fenster und laufe strahlend auf sie zu. Sie runzelt jedoch die Stirn und blickt auf ihren Pudding. Schlagartig fällt mir die kleine Diskussion von vorhin ein und ich beschließe so zu tun, als wäre es nicht passiert.
„Na, wie geht es meiner allerliebsten und besten Freundin?", frage ich zuckersüß und sie rollt lachend mit den Augen. „Dir kann man wirklich nicht böse sein", meint sie seufzend und ich packe lachend mein Essen aus.
„Du wirst nicht glauben, was passiert ist", beginne ich meine Erzählung über den Vorfall mit Riley.
„Und dann ist er innerhalb von Sekunden aus dem Raum gestürmt, als es gongte. So ein komischer Kerl, ich sage es dir."
Faith leckt nachdenklich ihren Löffel ab. „Weißt du, ehrlich gesagt kommt er doch sehr intelligent rüber. Als ich mit ihm geschrieben habe, hat er teilweise Begriffe verwendet, die ich googeln musste. Mamamia, habe ich mich doof gefühlt! Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass seine Noten wirklich so grottig sind, dass er durchgefallen ist. Ich denke, es lag eher an seinen etlichen Fehltagen", meint Faith und ich sehe sie verwirrt an. „Woher weißt du, dass er viele Fehltage hatte?"
Sie lächelt verschwörerisch. „Eventuell habe ich mich mit Cathrin Wall unterhalten, die letztes Jahr ihren Abschluss gemacht hat und somit in seinem Jahrgang war. Ich habe Geschichten erfahren, das glaubst du nicht!", meint sie.
In dem Moment betritt Riley die Mensa. Er sieht sich um und steuert auf den nächstbesten, leeren Platz zu. Gedankenverloren und mit Kopfhörern in den Ohren lässt er sich auf dem Stuhl sinken und legt seinen Kopf auf den Tisch. Offensichtlich hatte auch er Physik abgelehnt.
„Wo kommt der denn her?", frage ich augenrollend. Irgendwie habe ich gehofft, dass sein Sprint nach Hause führen würde.
„Woher wohl. Vom Rauchen", meint Faith, als wäre es selbstverständlich, das zu wissen. Angewidert verziehe ich das Gesicht. „Ekelig."
„Wie dem auch sei, Cathrin hat mir so einiges erzählt. Wusstest du, dass er Simon auf der Abschlussparty verprügelt hat? Cathrin meinte, dass sogar der Krankenwagen kommen musste, weil Simon so am Ende war. Außerdem hat er sich letztes Jahr mit den Mikaelsons angelegt. Wer legt sich denn freiwillig mit Noah und Owen an? Nie und nimmer würde ich mich trauen, mich gegen zwei Boxer aufzuführen. Ach, und das wichtigste: Er soll auf einer privaten Abschlussparty mit Olivia rumgemacht haben. Das ekelt mich irgendwie am meisten an. Sie war ja nicht wirklich hygienisch. Ich dachte, er hätte da etwas höhere Ansprüche, aber so habe ich vielleicht doch noch eine Chance bei ihm." Faith blickt verträumt zu Riley, der mittlerweile zu schlafen scheint.
„Du bist krank. Hör doch auf, es kommt mir so vor, als würdest du ihn regelrecht stalken. Außerdem ist Olivia wahrscheinlich nur eine seiner vielen Jungfrauen-Trophäen gewesen. Wenn man dem Leitsatz folgt, dass man jede haben kann, muss man ja auch jede nehmen", lache ich und erinnere mich an Olivia zurück. Sie tut mir ein wenig leid, denn trotz ihres Aussehen ist sie immer sehr lieb und zuvorkommend gewesen. Kaum zu glauben, dass Riley sich an solch ein Mauerblümchen rangemacht hat.
„Ich finde ihn einfach unsympathisch. Er ist komisch und unfreundlich. Die ganzen Dinge, die er getan hat, machen es nur schlimmer. Ich hasse Menschen, die sich prügeln. Ich meine, in welchem Jahrhundert leben wir? Man kann sich auch verbal duellieren und nicht wie im Mittelalter mit Fackel und Mistgabel", meine ich abfällig und Faith rollt mit den Augen.
„Das wichtigste ist doch, dass er gut aussieht. Er ist einfach ein Sahneschnittchen", schwärmt Faith und schaut ihn dabei an. Auch ich starre Riley, der immer noch mit dem Kopf auf dem Tisch liegt, an. Ich schüttele den Kopf und packe meine Unterlagen aus, um meinen Stundenplan in mein Notizbuch zu übertragen.
„Ich kann es kaum glauben, aber ich bin ausnahmsweise zufrieden. Ich habe vier Freistunden die Woche", erzähle ich stolz und wir versinken in eine Unterhaltung über unsere Lehrer und die Stunden.
Die 45 Minuten vergehen viel zu schnell und die Masse an jungen Schülern, die sich in die Mensa drängelt, zeigt, dass die große Pause beginnt.
Von Tumult fühlt sich wohl auch der Prinz höchstpersönlich gestört, denn aus dem Augenwinkel erkenne ich, wie Riley seinen Kopf anhebt. Ich blicke ihn an. Er scheint tatsächlich geschlafen zu haben, denn seine Augen sind müde und seine Haut fahl.
Er bemerkt wohl meinen Blick, denn er dreht sich um und blickt mich eiskalt an. Er hebt die Hand und deutet mir, dass ich woanders hinschauen soll und sofort fühle ich mich ertappt.
Genervt zeige ich ihm den Vogel und er packt erneut seine Sachen und stürmt aus dem Raum.
„Ich werde mich heute bei ihm melden", meint Faith fest entschlossen und ich sehe sie fragend an.
„Na, bei Riley. Er hat mir auf meine letzte Nachricht in den Ferien nicht mehr geantwortet. Ich werde ihm einfach schreiben und fragen, wie es ihm geht und ob er sich denn wohl fühlt. Mir tut es leid, dass er so einsam sitzen muss."
Ich verdrehe genervt die Augen. Ich denke kaum, dass jemand was für seine Einsamkeit kann, wenn er von jedem mit seinem Tisch wegrückt.
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wow. zwei kapitel an zwei hintereinanderfolgenden tagen! seid bitte stolz auf mich
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