3.
Mit seinem Rucksack lässig über die Schulter geworfen, kommt er auf meinen Tisch zu und zieht den Stuhl neben mir raus. Ich seufze und sehe ihn genervt an.
Zu meinem Erstaunen wirft er mir ein kleines Lächeln zu und streicht sich die dunkelblonden Haare aus dem Gesicht. „Hi", sagt er und lässt sich neben mir nieder. Seine Stimme ist rau, irgendwie kratzig, vermutlich vom Rauchen auf den zig Partys, die er bisher in seinem Leben besucht hat. Ich frage mich, wie er es schafft, selbst eine einfach Begrüßung so widerlich klingen zu lassen.
Ich beschließe zu schweigen. Offensichtliche Desinteresse schreckt Fuckboys ab, habe ich gelesen. Und um ihm meine Desinteresse mehr als deutlich zu machen, drehe ich mich ohne ein Wort zu sagen ein Stückchen von ihm weg und studiere meinen Stundenplan, während der Lehrer vorne die Anzahl der Schüler nachzählt.
„Du bist aber ziemlich unhöflich", meint er in einem etwas leiseren Ton und ich sehe ihn verwirrt an. Sein Gesicht hat einen etwas harten, leicht wütenden Ausdruck angenommen.
„Ich möchte nicht reden", antworte ich daraufhin schulterzuckend und mit dieser Antwort gibt er sich wohl zufrieden. Er packt sein Mäppchen und einen Block aus und macht kurz den Eindruck, als wolle er aufpassen. Mit einem interessierten Blick hört er unserem Lehrer zu, der gerade dabei war zu erklären, wie man die Fächer für unsere Prüfungen kurzfristig noch ändern kann.
Jedoch lässt sein Interesse an dem Geschehen schnell nach und er packt kurzerhand sein Handy aus. Ich runzele die Stirn und schaue ihn an, bis er meinen Blick bemerkt. „Was?", fragt er lustlos und ich räuspere mich. „Handys im Unterricht sind uncool. Pass lieber auf", meine ich und er lacht kurz verächtlich auf.
„Was stimmt denn mit dir nicht", flüstert er, ohne seinen Blick von seinem Handybildschirm zu nehmen.
„Wenn du schon das Jahr wiederholst, dann gib dir doch zumindest dieses Jahr Mühe."
Sein wütender Blick lässt mich kurz zusammenzucken. „Wenn du keine Ahnung hast, solltest du lieber die Klappe halten", sagt er nun etwas lauter und bestimmter und alle Köpfe drehen sich zu uns um. Er bemerkt es und wirft einen Blick in die Runde.
„Was gibt es denn da zu gucken?", fragt er verächtlich.
„Mister Carter, das Schuljahr hat seit gerade mal einer halben Stunde begonnen und schon führen Sie es so weiter wie letztes Jahr. Was soll das werden?", meint nun der Lehrer, der sich vor ihm aufgebaut hat.
Er runzelt die Stirn und schaut ihn verächtlich an. Er schweigt. Es kommt mir so vor, als würde er den Lehrer spüren lassen wollen, dass er das Gesagte überhaupt nicht wahrgenommen hat.
Ich lehne mich ein wenig zurück und kurz empfinde ich sogar etwas wie Mitleid, denn er war tatsächlich nicht Schuld daran, dass wir eine Konversation starteten. Ich hätte einfach wegschauen und sein Handy akzeptieren sollen.
„Das war ganz schön mies von dir", flüstert er und ich schaue ihn entgeistert an. „Wie kannst du immer noch die Nerven dazu haben, deine Klappe aufzumachen, wenn du gerade eben ermahnt wurdest?", frage ich verwirrt und er lacht leise.
„Kann es sein, dass du ziemlich spießig bist? Bist du so eine Art Streber? Wenn ja, dann werde ich mich wohl umsetzen müssen", meint er und sieht sich im Klassenzimmer um. Tatsächlich kommt mir der Gedanke, dass es wohl besser wäre, den Platz zu wechseln, da ich bereits jetzt kurz nach dem Beginn der Stunde den gerade eben angefangenen Stoff nicht folgen konnte.
„Ich meine ja nur. Immerhin wiederholst du die Klasse und es wäre sicherlich besser für dich, aufzupassen", sage ich achselzuckend und Rileys Blick verfinstert sich. Er zieht die Augenbrauen zusammen und steckt sein Handy in seine Hosentasche.
„Hör mal, ich würde dir empfehlen, einfach mal die Klappe zu halten. Wenn du keine Ahnung hast, solltest du dir nicht das Recht herausnehmen, zu reden. Du hast keine Ahnung davon, wieso ich hier sitze und wie es um meine Leistungen steht und was eventuell besser für mich wäre wirst du als dahergelaufene Göre wohl kaum beurteilen können", zischt er. Ich zucke zusammen und sehe ihn schockiert an. Ich überlege, was ich darauf antworten soll, jedoch scheint er überhaupt keine Antwort zu verlangen, denn er hebt seinen Arm und zieht somit die verwunderten Blicke auf sich.
„Sir, wäre es möglich, meinen Platz zu wechseln?", unterbricht er den Lehrer in seinem Redefluss. Dieser blickt ihn erstaunt an und sieht sich im Klassenzimmer um.
„Nun ja, Riley. Wie du siehst, sind keine Plätze mehr übrig. Wieso möchtest du denn deinen Platz wechseln?", fragt dieser ihn erstaunt. Riley zuckt mit den Schultern. „Mir würde es auch reichen, wenn ich meinen Tisch etwas näher an das Fenster schieben könnte", sagt er und der Lehrer wirft nun auch mir einen Blick zu. Er kommentiert Rileys Vorschlag mit einem Schulterzucken, woraufhin dieser seinen Tisch packt und ihn möglichst weit weg von meinen schiebt.
Fassungslos starre ich ihn an. Riley fucking Carter hatte sich mit seinen 19 oder 20 Jahren dazu entschlossen, wie ein kleines Kind von mir wegzusetzen. Sowas ist mir noch nie passiert und ich muss zugeben, mein Ego ist leicht verletzt.
Meinen fassungslosen Blick kommentiert er mit einem letzten, falschen Lächeln, ehe er sein Handy erneut aus der Hosentasche kramt und sich seinem Display widmet.
Verächtlich schnaube ich und packe energisch meinen Kulli aus, um die Aufzeichnungen an der Tafel zu notieren.
Ich wusste, dass wir nicht miteinander auskommen werden.
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ich bin ein unmensch weil ich 3 monate für ein upload brauche sry
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