21.

Als ich am Abend in meinem Bett liege und die Decke anstarre, kann ich nicht aufhören daran zu denken, dass Riley gerade mit Faith irgendwo schick essen geht und sie danach ins Kino ausführt. Ich bin genervt von mir, dass ich selbst bei dieser Tatsache einen kleinen Stich in der Herzgegend verspüre, obwohl ich es Faith wirklich gönne.

Ein für alle mal könnte alles vorbei sein - das Geheule über Riley, das Riley-Stalken, die Riley-Tagträume. Manchmal habe ich mittlerweile das Gefühl, Riley ist der letzte überlebende Mensch auf diesen Planeten. Überall schwirren kleine Rileys um mich herum, die mich verfolgen.

Verstehen tue ich ihn trotzdem nicht. Wieso redet er schlecht über sie und warnt mich sogar vor ihr, nur um dann mit ihr auszugehen?

Ich seufze und versuche meine Gedanken zu ordnen. Irgendwie hätte es mich gefreut, wenn er wirklich lieber mit mir hätte befreundet sein wollen, als mit Faith. Männliche Kontakte mieden mich grundsätzlich, woran ich zwar schon gewohnt bin, jedoch sollte es Zeit werden, das zu ändern - ich möchte nicht mehr die Ava sein, die in Faiths Schatten steht. Jedoch ist mir auch bewusst, dass ich Faith niemals das Wasser reichen kann. Weder optisch, noch innerlich.

Ich setze mich auf und starre frustriert auf meine Uhr, die mir kurz nach neun anzeigt. Es ist unüblich von Teenagern, Freitags um diese Uhrzeit zuhause zu sein.

Als mein Handy klingelt, zucke ich erschrocken zusammen und mein Magen zieht sich zusammen, als ich Faiths Namen lese.

„Hallo?", frage ich vorsichtig und ich höre eine laute Menschenmenge.

„Ava? Das ist ein Notfall. Ich stelle dich jetzt auf laut und du fängst an zu heulen", völlig verständnislos schüttele ich den Kopf.

„Was ist los? Ist alles okay mit dir?", frage ich besorgt und lausche der Hintergrundkulisse.

„Es ist katastrophal. Dieser Typ ist so fies", sagt sie und seufzt traurig. „Kannst du mich bitte abholen? Cassie hat heute leider keine Zeit."

Und wieder dieser Stich in meiner Herzgegend. Wieso ruft sie zuerst Cassie an und nicht mich? Immerhin haben wir den Beste-Freundinnen-Notfall-Plan vor zwölf Jahren zusammen ausgetüftelt. Wir und nicht Cassie und sie.

„Ich weiß nicht, ob meine Eltern mir ihr Auto geben", sage ich zähneknirschend und sie fordert mich dazu auf, sie fragen zu gehen. Seufzend laufe ich die Treppen hinunter und entdecke meine Eltern Arm in Arm vor dem Sofa. Im Fernseher läuft eine Kriminalsendung und ich verkneife mir automatisch ein Lächeln.

„Mum? Dad? Kann ich mir eines der beiden Autos ausleihen?", frage ich und meine Mum nickt kaum merklich, während mein Dad sichtlich zusammenzuckt.

Seitdem ich meinen Führerschein vor einem halben Jahr gemacht habe, hat mein Vater Angst, wenn ich auf den Straßen unterwegs bin. In seinen Augen bin ich eine Gefahr für die Allgemeinheit, weshalb er mich selten bis garnicht mit seinem Wagen fahren lässt. Der war viel zu teurer dafür, dass du ihn an die nächste Wand fährst, sagt er immer und schaut dabei besorgt auf seine Autoschlüssel. Aus diesem Grund habe ich mir auch kein eigenes Auto gewünscht, wie all die anderen Jugendlichen und aus diesem Grund fahre ich meistens noch mit dem Bus: Meine Eltern sehen den fahrenden Tod in mir und meine Mutter benutzt ihr Auto so häufig, dass wir uns es meistens nicht teilen können.

„Meine Schlüssel liegen auf dem Esstisch", antwortet meine Mutter, während sie gebannt auf den Bildschirm starrt. Ich erkenne die Erleichterung im Gesicht meines Vaters. Höchstwahrscheinlich ist im gerade die Pumpe gegangen, aus Angst, meine Mutter würde mir sein Auto vorschlagen. Ich bedanke mich und eile zurück in mein Zimmer, in dem ich mir kurz was Anständiges anziehe und Faith schließlich schreibe, dass ich gleich losfahre. Keine Minute später schickt sie mir die Adresse eines Diners in der Nähe vom städtischen See.

„Bin dann mal weg!", rufe ich durch das Haus, nachdem ich meine Chucks angezogen habe.

„Fahr bloß vorsichtig", meint mein Vater laut und ich verkneife mir ein Lachen.

Als ich im Wagen sitze, verstelle ich zunächst alle möglichen verstellbaren Tools, denn meine Mutter ist mit ihren 1.59 Metern so klein, dass sie den Sitz auf Anschlag hochstellt und der Rückspiegel dabei so tief hängt, dass ich höchstens die Rückbank erkenne. Ich seufze, als ich den Wagen starte und die Kupplung so langsam kommen lasse, dass das Auto zunächst abstirbt. Wenn es etwas gibt, was ich hasse, dann ist es Auto fahren. Und dadurch, dass ich es die meiste Zeit auch meide, bin ich unsagbar schlecht darin. Ich kann durch die Wände spüren, wie mein Vater sich gerade in der Hosen gemacht hat beim Klang des absterbenden Motors.

Letztendlich schaffe ich es aus der Garage und mache mich auf den Weg zum Diner. Die Straßen sind voll und an jeder Ecke sieht man ausgelassene Jugendliche, die ihr Leben genießen.

Als ich am Diner ankomme, halte ich Ausschau nach Faith, jedoch erblicke ich draußen zwischen all den wartenden und rauchenden Personen nur Riley. Ich parke meinen Wagen und laufe auf ihn zu. Er zieht lässig an seiner Zigarette und unterhält sich mit jemanden, den ich nicht kenne. Als er mich entdeckt, fängt er schamlos an zu grinsen. „Sag bloß, sie hat dich angerufen", meint er lachend und ich nicke. „Die Retterin in der Not."

„Was hast du gemacht?", frage ich ihn mit erhobener Augenbraue und er zuckt mit der Schulter, während er seinem Gesprächspartner kurz ein Zeichen gibt und sich etwas von ihm entfernt, sodass er uns nicht zuhören kann.

„Nichts. Eigentlich habe ich ihr nur freundlich erklärt, dass wir absolut nicht zusammenpassen und es niemals was mit uns wird", antwortet er und ich blicke ihn wütend an. „Das ist gemein. Sie hat das nicht verdient", zische ich und er zuckt mit den Schultern. „Meiner Meinung nach hat sie es sehr wohl verdient."

Ich rolle verächtlich mit den Augen. „Wo ist sie?"

„Drinnen. Sie sitzt noch am Platz und wartet höchstwahrscheinlich auf dich."

Ich nicke kurz und möchte mich an ihn vorbeidrängen, als er mich am Handgelenk packt. „Finger weg", zische ich und reiße mich los.

„Jetzt, wo ich deiner Freundin erklärt habe, dass sie und ich niemals, nicht mal in eine Millionen Jahren, was miteinander haben werden und sie hoffentlich endgültig mit mir abschließt, hintergehst du sie nicht, wenn du mit mir ausgehst", meint er und ich sehe ihn verwirrt an. „Was redest du da?"

„Kann ich jetzt endlich mit dir ausgehen, Ava?"

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