20.

Die Woche verging langsam und schleppend. Meine anfängliche Motivation war vollkommen verschwunden, sodass ich mich am Freitag wie ein Geist in die Schule quäle und mich auch so fühle. Für mehr als eine Jogginghose hat es heute nicht gereicht und auch auf das Schminken habe ich verzichtet. Ich bin müde und hätte am liebsten den ganzen Tag im Bett verbracht. Ich seufze beim Gedanken an meine flauschige warme Decke und meinem weichen Kissen. Ich fühle mich einfach nicht bereit für die Schule.

Auch das Lernen diese Woche fiel mir schwer, obwohl ich es bitter nötig habe, denn der Chemie Stoff für die Klausur am Montag ist extrem viel und sehr unverständlich.

Genervt dränge ich mich an den Leuten im Flur vorbei und laufe auf meinen Spind zu. Mein Herz macht einen Hüpfer, als ich Faith vor ihm stehen sehe. Lächelnd laufe ich auf sie zu, jedoch mit bitteren Gefühlen im Hinterkopf - die gesamte Woche war sie bei Demi während den Pausen am Tisch gesessen und geschrieben hatte sie mir auch nicht. Das verletzt mich zugegebenermaßen mehr, als ich es gerne hätte.

„Hey", begrüße ich sie und sie lächelt leicht, während sie ihre blonde Haarsträhne hinter ihr Ohr streicht. „Du wirst nicht glauben, was passiert ist", flüstert sie geheimnisvoll und mit glänzenden Augen. Ich hebe meine Augenbraue an und öffne meinen Spind, während dich sie erwartungsvoll anblicke.

„Nun sag schon. Brad Pitt hat eine neue Frau? Zack Efron hat ein neues Instagram-Profilbild", scherze ich und sie schüttelt wild den Kopf. „Nein. Viel besser", hastig blickt sie sich um und beugt sich zu mir. „Riley Carter hat mich nach einem Date gefragt."

Ich erstarre und fühle mich plötzlich wie versteinert. Die Wahrheit schlägt mir wie eine Faust frontal ins Gesicht. Es stimmt also und es hat die ganze Zeit gestimmt - Riley Carter hat nur Kontakt zu mir aufgenommen, um an Faith ranzukommen. Und diese Tatsache tut weh. Ein weiteres Mal wird mir bestätigt, dass ich immer nur in Faiths Schatten sein werde und man mich ohne sie nicht wahrnimmt.

„Wow. Das ist ja super", meine ich und zwinge mir ein Lächeln auf. „Wieso denn so plötzlich?"

Sie lächelt verträumt. „Er hat gesagt, er hat darüber nachgedacht und gemerkt, wie blöd das von ihm war. Ich sagte doch, dass ich spüre, dass da mehr sein sollte. Wir gehen heute was essen und danach ins Kino", schwärmt sie und ich schlucke.

„Das ist schön für dich. Ich freue mich", meine ich und schließe meinen Spind. In gewisser Weise freue ich mich wirklich für sie. Zum einen bin ich dieses Geheule über Riley Carter los und zum anderen kann Faith nun glücklich sein. Aber irgendwas in meinem Hinterkopf sagt mir, dass das falsch ist. Es ist falsch, mich für sie zu freuen und dieser Gedanke erschreckt mich. Ich schüttele schnell den Kopf über mich selbst und schäme mich fast für meine Gedanken.

„Das ist wirklich schön, Faith. Du musst mir dann alles erzählen. Ich habe jetzt aber Sport und muss los", meine ich und laufe schnurstracks an ihr vorbei. Nachdenklich laufe ich in Richting Sporthalle und frage mich, wieso mich das plötzlich so nervt, in Faiths Schatten zu stehen. Sie hat mich von Anfang an gewarnt, doch ich habe nicht auf sie gehört und habe sogar einen Streit mit ihr riskiert, weil ich es nicht einsehen wollte.

In meinen Gedanken versunken eile ich im Regen, der langsam anfängt vom Himmel zu tropfen, über den Pausenhof in Richtung Turnhalle. Ich komme erneut zu spät, was mich unfassbar nervt, denn in den letzten Tagen ist das oft vorgekommen und ich möchte keinen schlechten Eindruck bei meinen Lehrern hinterlassen.

Ich zucke zusammen, als sich jemand vor mich drängt und mir dann die Tür öffnet und blicke verwirrt in die strahlenden Augen von Riley, der mir stumm den Vortritt deutet.

„Wieso hast du das getan?", frage ich ihn stumpf und er zuckt mit den Schultern, ohne dass ich erläutern muss, was ich meine. „Ich habe nachgedacht."

„Du hast mies über sie geredet", erinnere ich ihn und er nickt langsam. „Ich möchte ihr gerne zeigen, dass wir nicht so gut zusammenpassen wie sie es gerne hätte. Vielleicht lässt sie mich dann in Ruhe", gibt er zu und ich starre ihn perplex an. „Das ist total gemein!", sage ich schließlich und passiere die Eingangstür, die er mir immer noch aufhält.

„Nein, ist es nicht. Die Chance auf ein Date kann man jedem geben, wie es danach weitergeht ist immer unterschiedlich", sagt er und schlendert lässig mit seinen Händen in den Hosentaschen neben mir her.

„Du bist wirklich ein Arsch, Riley. Sie freut sich so sehr darauf", zische ich und er zuckt mit den Schultern. „Kann sie doch. Ich freue mich auch", meint er und ich ziehe skeptisch die Augenbraue hoch. Ich glaube ihm kein Wort. Ich hoffe für ihn, dass er Faith nicht verletzen wird.

„Und für ein jämmerliches Date, um das du sie von Anfang an hättest bitten können, hast du dich so sehr bemüht Kontakt mit mir aufzunehmen, um an sie heranzukommen?", frage ich und er bleibt vor der Jungsumkleide stehen.

„Ich habe das Date jetzt. Und trotzdem stehe ich hier und rede mit dir", antwortet er schließlich nach kurzer Stille und wendet sich ab, um die Umkleide zu betreten. Und auf einmal fühle ich mich so unfassbar dämlich mit dem, was ich gesagt habe.
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ava, du bist so D U M M

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