17.
Nachdenklich blicke ich auf mein Eis, welches ich mir geholt habe, nachdem Riley fucking Carter sich dazu entschlossen hat, mit mir zu schwänzen und sich davon auch nicht abbringen lassen wollte, diese Zeit mit mir zu verbringen.
„Ich dachte immer, Jungs wie du mögen Mädchen wie Faith", meine ich schließlich und fange mir dafür einen komischen Blick von Riley ein, während er neben mir herläuft und wir in der Stadt herumirren, um uns die Zeit zu vertreiben.
Nach Hause kann ich auf garkeinen Fall, denn dann müsste ich meinen Eltern erklären, was ich zuhause suche und sowohl mein Vater als auch meine Mutter sind viel zu konventionell um zu verstehen, dass Jugendliche manchmal keine Lust auf Mathe oder englische Literatur haben. Sie würden mich eigenhändig auf meinen Stuhl in das Klassenzimmer tragen und mal abgesehen von der Demut müsste ich meinem Lehrer dann erläutern, wo ich bisher war und wieso meine Eltern mich auf meinen Platz tragen.
„Was meinst du denn mit Jungs wie ich?", fragt er und ich zucke mit den Schultern. „Das habe ich dir schon mal erklärt", gebe ich zurück und er seufzt und packt schließlich seine Zigarettenschachtel aus. „Und ich habe dir schon mal erklärt, dass du nicht alles glauben sollst, was du erzählt kriegst", gibt er zurück und nimmt einen tiefen Zug. Angewidert blicke ich ihn an, doch er ignoriert mich und lässt sich auf einer Bank nieder.
Die Stadt ist leer, zu der Uhrzeit arbeiten die meisten Menschen und die kleinen Geschäfte warten auf Kundschaft. Es ist frustrierend, denn man hat das Gefühl, als wäre diese Stadt wie ausgestorben. Kein Ort, an dem Teenager sich wohlfühlen.
„Außerdem verstehe ich nicht, wieso alle Jungs in eine Schublade gesteckt werden. Nicht jeder Junge ist sofort ein Arschloch", sagt Riley und unterbricht damit meine Gedanken über meinen Heimatort.
„Wie soll ich dir das erklären? Du warst halt immer DER Riley Carter. Jeder in der Cafeteria hatte Respekt vor dir und deiner Gruppe. Ihr saht immer so gut, glücklich und ausgelassen aus. Jeder von uns Juniors hat euch Seniors behimmelt und vergöttert. Und der Großteil deiner Freunde war auch ziemlich fies. Wenn ich daran zurückdenke, wie viele Mädchen wegen euch heulend in die Toiletten gerannt sind, weil ihr ihnen das Herz gebrochen habt", meine ich und denke an die Jahre zuvor zurück, in denen Riley immer am Tisch der Coolen gesessen ist und Faith dafür getötet hätte, mit dabei sein zu können.
„Und wo sind diese Leute jetzt? Sie sind alle weg, Ava. Das sind nicht meine Freunde und das waren sie auch nie. Nur weil du sie jeden Tag in der Schule siehst und mit ihnen in der Pause isst, heißt es nicht, dass sie deine Freunde sind. Erst, wenn der Schulgong ertönt, merkst du, wer deine wahren Freunde sind. Und vorallem dann, wenn sich Wege zwangsweise trennen", antwortet er und blickt mich dann an. „Aber danke, dass du mich als gutaussehend empfindest", fügt er grinsend hinzu und ich ziehe wütend die Augenbrauen zusammen.
„Ist das alles, was du dir davon merkst?", frage ich zickig und er schüttelt lachend den Kopf.
„Ich habe dir doch gerade geantwortet. Nur weil jemand am Cafeteriatisch glücklich und ausgelassen aussieht, heißt es nicht, dass es in der Person auch innen drin so aussieht. Und für die Taten der Jungs kann ich nichts. Mach mich nicht dafür verantwortlich, was sie gemacht haben", meint er und steht dann auf.
„Aber du hast das doch genauso getan", gebe ich zurück und tue es ihm nach. Ich blicke auf die Uhr am Kirchturm und bemerke, dass auch bald die Mathestunde vorbei sein wird und ich zumindest zur darauffolgenden Unterrichtsstunde anwesend sein sollte.
„Du glaubst auch wirklich alles was mit dir erzählt, oder?", fragt er und ich runzele die Stirn.
„Willst du damit sagen, alle Geschichten sind erfunden?", gebe ich zurück und er zuckt mit den Schultern. „Zumindest ein Großteil."
„Also ehrlich Riley, verarschen kannst du dich selbst. Woher sollen denn die ganzen Gerüchte bitte entstanden sein?", frage ich verächtlich. An jedem Gerücht gibt es schließlich immer einen kleinen Funken Wahrheit.
„Das passiert nunmal, wenn du mit den falschen Leuten befreundet bist. Und davor möchte ich dich ebenfalls bewahren", meint er und vergräbt seine Hände tief in seinen Hosentaschen.
„Wieso ausgerechnet mich? Gibt es nicht hundert andere Mädchen, die du vermeintlich retten kannst? Mir bringst du bis jetzt nämlich nur Probleme", sage ich und ziehe dabei eine Grimasse, damit die Aussage nicht ganz so ernst rüberkommt. Unwillkürlich denke ich wieder an Faith und an unseren kleinen Streit und überlege, wie ich den schlichten könnte. Immerhin kann ich mich nicht wirklich daran erinnern, wann wir das letzte Mal gestritten und wie wir das gelöst haben.
Riley mustert mich von der Seite und ich spüre seinen brennenden Blick auf mir.
„Du bist einfach anders, Ava. In diesem absolut langweiligen Leben voller gleicher, falscher Menschen ist das irgendwie cool."
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