2.Ⓑⓘⓝ ⓘⓒⓗ ⓖⓤⓣ ⓖⓔⓝⓤⓖ?

Wer Glücklich ist, fühlt. Wer unglücklich ist, denkt.                                                                                                 - Unbekannt

"Ich muss dringend auf meine Figur achten!" meinte eine meiner drei Freundinnen mit denen ich meine Pause verbrachte. "Ach du spinnst doch! Sieh dich an! Du bist perfekt so wie du bist! Lass dir ja von niemandem irgend einen anderen Scheiß einreden!"redete ich sofort auf sie ein.  " Danke...aber ich kratze an die 50 ! Das ist viel zu viel!"  ihre Worte trafen mich härter als sie sollten. Ein fetter Kloß bildete sich in meinem Hals. Sie wusste nicht welchen enormen Schaden ihre Worte eben angerichtet hatten. Bevor ich etwas erwidern konnte, dröhnte die Schulklingel um die nächste Stunde einzuleiten.

Als ich an dem Tag endlich auch die letzten Unterrichtsstunden hinter mich brachte, konnte ich endlich nach Hause gehen. Immer wieder spukten mir ihre Worte durch den Kopf "50 ist viel zu viel.." wie von selbst ging ich auf den Kühlschrank zu. "50 ist viel zu viel!" Ohne darüber nachzudenken stopfte ich mich voll. Egal was, einfach rein damit. Wie in einem Tunnel gefangen häuften sich die leeren Lebensmittelverpackungen auf dem Boden und das bekannte Gefühl wiedereinmal versagt zu haben. Endlich war ich aus meiner Trance aufgewacht und hatte realisiert das ich es schon wider getan habe. " 50 IST VIEL ZU VIEL!" schrie ich das meine Lungen brannten. Das war nicht das erste Mal, das mir das passiert war. Laut schluchzend schleppte ich mich zur Toilette. Alles musste wieder raus!  "50 ist zu viel" Ich grub meine Fingernägel in meinem Arm um so das brennende Gefühl in meinem Hals auszublenden. Das war das letzte Mal schwor ich mir wie schon so oft. Jetzt nur noch alle Spuren beseitigen und niemand würde jemals etwas davon erfahren.
Runter mit der Schuluniform und rein in die Sportklamotten. Ich musste Schwitzen. Ich musste Kalorien verbrennen!  Ich musste den Fehler, den ich gerade begangen hatte so gut es ging wieder auszubügeln. Bis ich vollständig ermüdet war und selbst die kleinste Bewegung schmerzte machte ich Sport. Um endgültig zu vergessen stellte ich mich unter die eiskalte Dusche. Tränen mischten sich mit dem eiskalten Wasser, das auf mich hinab rieselte. Habe ich ein Problem ? Nein!  Das kann nicht sein! Ich will es nicht wahrhaben das ich wie die Leute in Filmen oder Büchern sein soll, vor denen man immer versucht hat Teenager wie ich es einer bin vernzuhalten. Es gibt Leute denen es verdammt nochmal um einiges schlechter geht als mir. Blind vor Wut auf mich selbst hämmerte ich mit beiden Fäusten gegen die Badezimmerfließen. Ich sollte mich nicht so fühlen! Was soll man mehr wollen? Eine Familie die mich liebt, ein Dach über dem Kopf und genügend Essen auf dem Tisch. Es darf mir gar nicht schlecht gehen! Aber wie immer muss ich alles versauen!  In ein Handtuch eingewickelt ging ich in mein Zimmer. "Ach scheiß drauf! "dachte ich. Für mich war es bereits zu spät! Nur in Unterwäsche bekleidet ich stellte mich auf die Waage: 

64,5....6.....7!       64,7!  "50 ist viel zu viel!"

Schluchzend betrachtete ich mich aus allen nur erdenklichen Winkeln. Ich hasste das Mädchen das ich dort im Spiegel sah! Ihre Oberschenkel wären nicht dünn genug, wenn sie sprang bewegte sich ihr Bauch, ihre Arme waren nicht straff genug. Ich schlug mir die Hände vor die Augen. Nur noch 10 Kilo dann würde ich aufhören! versprach ich mir selbst.

"Spoiler! Dieses Versprechen habe 6 nicht gehalten!" meinte ich mit einem traurigen Lächeln auf den Lippen. "Und jetzt sitz ich hier! Das Mädchen von dem man es nie erwartet hätte. Das Mädchen das allen immer erzählt hat, das sie sich keine Sorgen um ihren Körper machen muss. Das Mädchen, das endlich einsieht hat das es ein Problem hat"

Applaus.

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