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"Burst down those closet doors once and for all, and stand up and start to fight."
― Harvey Milk

"Du schaffst das!", immer wieder wiederholte ich diese drei Wörter in meinem Kopf. Wie schlimm kann es denn schon werden, nicht das sich irgendwer von ihnen mal für mich interessiert hätte. Acht Uhr, nicht mehr lange bis sie hier wären. Während meine Gedanken und Sorgen mich fast umbrachten, hatte sich mein Blick nicht von meiner so blanke,lehr und langweilig anfühlenden weißen Decke abgewandt. Dieses änderte sich aber als ich das Geräusch von Schlüsseln, die die Haustüre aufsperrten, hörte. Sofort richtete ich mich auf und atmete tief durch. "Alles wird gut, es gibt nichts worüber du dir Sorgen machen musst", redete ich mir ein. Naja, das war nicht ganz war. Sie könnten mich rauswerfen oder mich enterben aber Zweiteres  wäre noch das kleinere Übel im Vergleich zu den anderen Optionen. Ich stand von meinem Bett aufstand und ging den des oberen Stockes entlang. Bei der Treppe konnte ich schon runter schauen wo nicht nur wie erwartet meine Mutter stand sondern auch noch mein Vater. "Hilfe!", war mein erster Gedanke. Ich dachte ich hätte noch mehr Zeit, aber spontan ist doch sehr viel besser ab und zu. Meine Hoffnung war das die Beiden oder wenigsten eine meine von meinen zwei Elternfiguren gute Laune hat. 

Ich sah auf meine Hände runter und sah wie diese wie wild zitterten. "Jule, tief ein und aus amten nicht vergessen",  erinnerte mich die Therapeutin und schaute mir in tief in die Augen, was meiner Meinung nach, im Gegensatz zu den Atemübungen, nicht half. Aber bevor ich einen schnippischen Kommentar machen konnte biss ich mir lieber auf die Zunge um das zu verhindern. Perfekt, nicht mal in emotionalen Situationen kann ich mich gerade so zurück halten. "Alles in Ordnung?", fragte mich Robin, mit einem mitleidigen Blick. War es wirklich so auffällig das ich nervös und unbequem im Moment bin? "Bereit weiter zu erzählen?", sagte jemand und ich nickte nur. Robin hatte noch immer den gleichen Blick auf seinem Gesicht, man merkte sicher wie unsicher ich eigentlich war.

"Mama! Papa! Können wir kurz reden?", fragte ich. "Natürlich, es ist doch alles  in Ordnung oder?", kam es mit einem fast besorgten Ton von meiner Mutter. Nicht das sie sonst irgendwie sich kümmern würde wie ich mich fühle. "Es ist vielleicht am besten wenn wir uns hinsetzen", meinte ich zu ihnen. Damit  habe ich natürlich nicht ihre Frage beantwortet und  um ehrlich zu sein weiß ich es selber nicht. Als sich meine Eltern im Wohnzimmer niedergesetzt hatten, sah ich wie mein Vater mir einen skeptischen Blick zuwirft, was mich nur mehr nervös macht und mir jetzt schon den Schweiß über den Rücken laufen lässt. "Ich muss euch etwas wirklich wichtiges sagen. Ich ähm ... wie soll ich euch das sagen? ", stotterte ich und versuchte ihnen zu erzählen was mich seit Monaten plagte. Meine Mutter war fast besorgt, dachte ich auf jeden Fall. " Ich bin bi !", schrie ich fast. "Also ich mag Frauen und Männer", sagte ich um einiges ruhiger aber im inneren schlug mein Herz so schnell wie die Flügel eines Kolibris. "Nein, meine Tochter ist normal! Sie ist nicht eine von diesen Homos!", brüllte mein Vater in den Raum. Gekränkt schaute ich auf den Boden. Natürlich habe ich keine super positive Reaktion erwartet aber ich bin normal und  Beleidigung oder so gemeinte sind nicht nötig. Meine ganze Hoffnung lag nun in meiner Mutter das sie etwas sagen würde, doch diese schaute mich nur mit weit aufgerissen Augen an. In ihre Augen war wenigsten kein Hass zusehen. "Ach, lasst mich doch in Ruhe! Ihr interessiert euch doch eh nicht für mich!", schrie ich mit Tränen in Augen.

Ich rutsche von meinem Stuhl runter und fing an zu weinen, alles kam raus was ich über die Zeit aufgestaut hatte. "Ich kann nicht mehr", kam es im Flüsterton aus meinem Mund heraus. "Gut dann sind wir für heute fertig würde ich sagen", verkündetet unsere Therapeutin. Kurz bevor alle gegangen waren spürte ich zwei Arme sich um mich wickeln und mir eine Umarmung geben. "Ich hoffe ich komme dir nicht zu nahe oder in deinen persönlichen Bereich wenn du nicht willst", sagte Robin mit so viel Verständnis in seiner Stimme das es mich fast umhaute. Ich gab ihm nur ein schwaches Lächeln was er sofort richtig als danke verstand.

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