2.
*William*
Eine sanfte Bewegung neben mir weckte mich, ich öffnete meine Augen und fragte mich erst wo ich war. Dann erinnerte ich mich an letzte Nacht und mir wurde klar dass ich schnell verschwinden sollte. Ich stand also langsam auf und sammelte meine Klamotten vom Boden auf, dann betrachtete ich sie. Sie hatte, wie erwartet, einige blaue Flecken an Hüfte und Bauch, die durch meine Wolfskräfte entstanden sind. Nachdem ich mich angezogen hatte, verließ ich schnell die Wohnung meines One-Night-Stands. Ich lief nach Hause und legte mich in mein Bett da ich die ganze Nacht nicht schlafen konnte, ich bin erst kurz vor Sonnenaufgang eingeschlafen da ich an Harry dachte. Vielleicht klingt es ein wenig schräg, doch die junge Dame, Sara, von gestern Nacht, hatte sich an mich gekuschelt wie Harry es immer getan hatte. Ich hatte die ganze Nacht an Harry gedacht, an unsere erste Nacht zusammen und daran wie er mir vorher das Leben gerettet hatte und ich daraufhin seines. Ich habe auch daran gedacht wie es sich angefühlt hat als ich ihn das erste Mal geküsst habe und wie wir gekuschelt haben, den ganzen Morgen. Und meine kleinen Küsse auf seinen Nacken die er so genossen hat und all das was danach kam, weitere Nächte, weitere Küsse und noch so viel mehr. Ich habe alles was ich mit ihm gefühlt habe wieder gefühlt, als wäre es erst wenige Sekunden her. Ich wurde vom Klingeln meines Handy's aus meinen Gedanken geholt, ich sah auf den Display 'Ethan Blake' ich nahm den Anruf an. „Hey Will, bist du schon wieder zuhause?" „Hey, ja bin ich, du?" „Nein bin ich noch nicht, Isaac wollte dass ich noch ein wenig bei ihm bleibe, seine Brüder sind nicht da und seine Eltern auf der Arbeit." erklärte er und ich konnte die Freude in seiner Stimme hören, dann realisierte ich etwas. „Warte mal! Moment! Isaac!?" „Ja!? Kennst du ihn?" „Ist er 25?" „Ja!?" „Hat er zwei jüngere Brüder die Zwillinge sind?" „Auch ja!?" „War er bei der Bundeswehr, im Ausland, im Krieg?" „Ja!? Woher kennst du ihn?" „Er ist der große Bruder von Kyle und Keylef! Die beiden gehören auch zu Jack's Rudel! Sie haben ihren Bruder seit Jahren nicht gesehen!" „Kennt er dich auch?" „Jap, sollte er eigentlich." „Ich kann ihn ja mal fragen ob er sich erinnert, er kommt grade wieder." „Nein, passt schon, macht euch noch einen schönen Morgen!" „Okay, ciao." „Bye." plötzlich viel es mir wieder ein. Sein Geruch kam mir gestern schon ziemlich vertraut vor. Gerade als ich den Zwillingen eine Nachricht schreiben wollte, rief mich jemand an. Der Name, den ich sah, ließ mich erstarren, ich hätte nicht erwartet von dieser Nummer nochmal ein Anruf kam. Es war Harry, ich nahm den Anruf nicht an und unterdrückte die Tränen, nachdem mein Handy aufgehört hatte zu vibrieren schüttelte ich den Kopf und schreib den Zwillingen ob sie etwas von ihrem Bruder gehört hatten. Danach kam eine Nachricht von Jack: Rudeltreffen bei mir und Amy, es ist wichtig dass auch du kommst Will! Wir haben ein Problem das unser komplettes Revier betrifft! 16 Uhr! ich antwortete mit einem "Okay" und legte mein Handy wieder weg. Mit einem frustrierten, brüllenden Knurren drückte ich meinen Kopf in ein Kissen. Meine Wolfskrallen hatten sich ins Bettlaken gekrallt, ich löste sie und schlug mit meiner Faust gegen ein Kissen. Der Wolf übernahm die Kontrolle und ich verwandelte mich, in meinem Schlafzimmer. Ich atmete schnell, zerfetzte Kissen und Decken auf denen auch Harry gelegen hatte, ich sprang vom Bett, stellte mich vor den Spiegel. Ich war ein Monster wenn ich hier so als Wolf stand, er machte mich unglaublich verrückt. Ich konnte mich wieder einfach nicht selbst ansehen, weshalb ich den Spiegel zerkratzte. Es klopfte laut an der Tür „William! Kontrollier dich verdammt! Und mach die Tür auf!" es war Isaac, Ethan musste ihm von mir erzählt haben. „William!" ich konnte meinen Puls nicht kontrollieren „Okay, hör mir zu, ja!?" ich schnaubte als Bestätigung. „Tamara, denk an sie." ich tat was er sagte „Sie ist für dich da! Sie wird immer da sein, sie wird dich nicht verlassen, Jack wird dich nicht verlassen, genau so wenig wie Cara, Layla oder ich und auch die Zwillinge kommen wieder! Niemand wird dich alleine lassen, selbst Ethan nicht, er hatte gesagt dass du ihm schon jetzt was bedeutest. Du bist nicht alleine, wir unterstützen dich! Keiner von uns wird dich verlassen, egal was du tust! Du bist nicht daran schuld, nur sein Bruder, also bitte! Kontrolliere dich!" ich konnte förmlich spüren dass er recht hatte und beruhigte mich augenblicklich. Als Mensch saß ich nun vor dem zerkratzten Spiegel und atmete nochmal tief durch, bevor ich aufstand und zur Tür ging Isaac umarmte mich direkt. „Du musst ihn vergessen!" „Ich weiß..." wir lösten uns von einander „Woher weißt du von ihm?" „Keylef hat Briefe geschrieben, die er aber nicht abgeschickt hat, sondern auf meinen Schreibtisch in meinem alten Zimmer gelegt. Er war sich sicher dass ich nach Hause kommen werde. Nur schade dass die beiden nicht Zuhause waren... eigentlich war keiner Zuhause, aber Naja, ich war ja nur ziemlich lange im Krieg..." er lachte und auch ich musste lachen. „Wenigstens war ich die erste Nacht zuhause nicht alleine." grinste er was mich noch mehr lachen ließ „Ach ja... Ethan... wusste nich dass du auch Kerle... gut findest!?" „Er war, naja, eine Ausnahme, ich wollte nicht alleine sein, er war ganz okay, kein Mensch und so, du weißt schon..." stammelte er „Das mit Harry sollte eigentlich auch eine Ausnahme sein... und jetzt macht mich jeder Gedanke verrückt..." „Warum hast du dich hier verwandelt? Wegen ihm?" fragte er und ließ sich auf meine Couch fallen, ich nickte. „Er hat mich angerufen..." „Und was hat er gesagt?" „Keine Ahnung, bin nich ran gegangen, er hat aber scheinbar auf die Mailbox gesprochen... Hör ich mir an wenn ich mich unter Kontrolle habe." erklärte ich, er nickte verständnisvoll. „Wann ist das nächste Rudeltreffen? Ich würde die anderen gerne wieder sehen und wissen was so los ist." ich schaute auf die Uhr „In einer halben Stunde bei Jack und Amelie." „Na dann, los geht's!" er stand wieder auf und kam zu mir. Er sah mich verwirrt an und sammelte etwas aus meinen Haaren, es war eine Feder, eine von vielen die in meinem Schlafzimmer verteilt waren. „Was hast du nur angestellt?" seufzte er und dann gingen wir.
„Also gut, ich komm gleich zum Punkt! Felix Vater hat mich angerufen und vielleicht ist es euch auch schon mal aufgefallen, diese Gerüche, man hat Leichen gefunden. Immer wieder einzelne, er hat mich gebeten mir das mal anzuschauen und das habe ich. Es waren alles Gestaltenwandler von denen ich nicht wusste dass sie hier sind. Irgendwas scheint sie herzulocken und dann umzubringen, sie sterben nicht durch Kratzer, Gifte oder andere Waffen von unserer Art. Es ist mindestens ein Jäger, der verdammt gut ist oder mehrere. Sie locken übernatürliche Wesen an und jagen sie dann so schnell das wir es nicht mitbekommen. Daher dass das unser Revier ist müssen wir sie aufhalten, wir müssen sie entdecken. Und sobald ihr jemanden wie uns entdeckt dann warnt sie!" erklärte Jack uns ausführlich nachdem wir alle bei ihm waren und jeder Isaac begrüßt hatte. „Deswegen sind die Blake Söhne hier... und du Isaac..." überlegte ich laut und die anderen sahen mich fragend an. „Blake?" fragte Tamara „Die sind Wölfe?" „Ja Cara, sind sie. Ich habe Ethan kennengelernt, seinen Bruder aber noch nicht." „Ich weiß wie sein Bruder heißt hab ihn aber auch noch nicht kennengelernt." jetzt sahen alle fragend zu Isaac, selbst ich, er musste mit Ethan geredet haben. „Und wie heißt er?" fragte Layla in die Stille, Isaac war leicht überfordert da die Aufmerksamkeit komplett auf ihm lag, weshalb er erst seinen Kopf schüttelte. „Jacob Blake." murmelte er „Okay, woher auch immer du ihn kennst, du musst ihn warnen! Auch den Rest seiner Familie!" befahl Jack, bevor die Damen der Gruppe ihn ausfragen konnten rettete ich ihn „Ich kann das machen! Ich bin mit Ethan befreundet!" „Okay, dann machst du das. Dann kann ich Isaac mit zu Felix' Vater nehmen, wir fragen ihn ob wir sie nochmal sehen können, damit wir wissen welche Wesen es sind. „Will, nachdem du Ethan und seine Familie gewarnt hast, schnappst du dir Tamy und ihr durchsucht den Wald nach Spuren, Cara und Layla ihr werden mal durch die Stadt streichen und sehen ob ihr was findet. Und falls irgendjemand was findet, merkt euch wo damit wir es auf einer Karte markieren können um den Jagd-Radius zu bestimmen." erklärte er uns unsere Aufgaben und dann drehte er sich zu seiner Frau um. „Und meine Liebste Amelie... ich wäre gerne informiert wenn du im Krankenhaus was verdächtiges bemerkst und am besten keine Blutproben weitergeben wenn du was bemerkst." „Du weißt dass ich das gerne mache, weil es vielen Wesen hilft, Schatz." sie küssten sich kurz, in meinen Gedanken erschien ein Bild von Harry, ich schüttelte es wieder ab. „Okay, wenn's das war, dann gehen wir, komm Tamy, ich schreib Ethan unterwegs." ich wollte hier gerade einfach verschwinden und mich von diesen Erinnerungen befreien. Jack hielt mich jedoch auf „Ist alles okay bei dir? Wenn du noch nich soweit bist dann ist das-„ ich unterbrach in „Es ist okay! Ich komm klar, danke Jack." dann ging ich und Tamara rannte mir hinterher. „Du fährst." ich warf ihr den Schlüssel meines Autos zu und stieg auf der Beifahrer Seite ein, dann holte ich mein Handy raus. Es sind Jäger in der Stadt, kein Gestaltenwandler darf alleine sein! Sag es Allen die du kennst! schrieb ich Ethan, steckte mein Handy wieder weg und lehnte mich an die kalte Fensterscheibe, ich sah nach draußen und dachte mal wieder an ihn.
„Komm schon William! Du weißt doch selbst dass sie das wollen würde! Sie würde nicht wollen dass du vergisst was passiert ist und dass du sie besuchst, auch auf dem Friedhof! Sie würde sich über eine Blume freuen. Was waren ihre Lieblingsblumen?" „Weiße Rosen und jetzt hör auf zu nerven Mensch, ich werde nicht zu Talia fahren" „Ich komm auch mit, dann bist du nicht alleine dort, oder du gehst mit Jack!" „Harry! Versteh es! Ich bin nicht bereit dazu!" „Ich versteh es, nur: wenn du es jetzt nicht tust, wirst du es nicht tun, außerdem weißt du dass die Bestie zurück ist und sie könnte dich holen, du könntest nie in Frieden ruhen wenn du weißt dass du sie nicht einmal besucht hast, aber naja liegt ganz bei dir..." er seufzte und lehnte seinen Kopf wieder an die Scheibe, als ich umdrehte um zu dem Blumenladen zu fahren fing er an zu grinsen. „Ich hasse dich!" murmelte ich und stieg dann aus um eine weiße Rose für Talia's Grab zu kaufen...
„Will? Wirklich alles in Ordnung?" riss mich eine weibliche Stimme aus den Gedanken, ich drehte mich zu Tamara und nickte. „Gut..." man konnte raus hören dass sie mir nicht glaubt „Wir sind da, weiter können wir nicht fahren, los geht's, achte auf alles Unmenschliche oder Feindselige!" dann stieg sie aus, nachdem auch ich mein Auto verlassen hatte gab sie mir meine Schlüssel zurück und wir verwandelten uns als wir sicher waren dass niemand uns sehen konnte. Ziemlich schnell nahm ich den Geruch eines Halblöwen auf und während ich diesem folgte witterte Tamara einen anderen Werwolf. Trotz Jack's Warnung trennten wir uns, ich ging nördlich, sie westlich. Ich war schon ziemlich weint gelaufen, oder eher gerannt, ich war schon ein kleines Stück außerhalb unseres Reviers und es war kalt und dämmerte. Da ich schon zu weit weg war konnte ich Tamy weder rufen noch sie hören wenn sie mich rufen sollte. Ich wollte gerade umdrehen als ich einen bekannten Geruch wahrnahm, einen Geruch den ich sowohl mit warmer Geborgenheit und Sicherheit verband, als auch mit unendlichem Schmerz und Leiden. Aber was ich jetzt fühlte war Liebe, mein ganzer Körper spannte sich an, meine Ohren gespitzt. Ich streckte meine Schnauze in die Luft um herauszufinden woher der Geruch kam, doch ich fand nichts und dann war dieser Geruch auch wieder weg.
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