.19.
Seokjin
Ich denke, wenn man einmal unfreiwillig am Ende war, versteht man viel mehr, was man verlieren würde. Und man fängt an, das Leben zu genießen. Dankbar dafür zu sein, dass man leben darf.
Ich dachte ich würde sterben.
Ich dachte ich würde alles verlieren.
Ich dachte es wäre einfach vorbei.
Ohne das ich die Chance gehabt hätte, etwas zu verändern.
Aber dann kam die Spende aus Argentinien. Es musste sehr schnell gehandelt werden, denn ich hatte nicht mehr viel Zeit. Aber die Ärzte haben es geschafft.
Es hatte Monate gedauert, bis ich nach den aufwendigen Behandlungen wirklich wieder anfangen konnte zu leben. Und auch jetzt, zwei Jahre später, lasse ich mich Kontrolluntersuchen, aus Angst, dass der Krebs wieder zurückkommt.
Aber fürs Erste habe ich ihn besiegt.
Zwar nicht alleine, aber letztlich bin ich der Gewinner dieser Schlacht. Ich habe mein Leben nicht verloren.
Leise seufzend starre ich aus dem Fenster und sehe die Landschaft an mir vorbeiziehen. Oh liebe Zugfahren. Namjoon neben mir schaut von seinem Sudoku auf und blickt mich fragend an.
„Alles okay, Schatz?"
Ich nicke und lächele, ohne mich zu ihm umzudrehen.
„Ja, mir geht es gut. Meinst du, dass Wetter ist gut genug zum Schwimmen?"
Namjoon zuckt mit den Schultern. „Bestimmt. Aber bitte überanstren-"
„Mir passiert nichts, Joonie. Ich bin gesund und stark."
Jetzt drehe ich mich doch zu meinem festen Freund um, der schon wieder diesen besorgten und traurigen Gesichtsausdruck hat. Ich nehme seine Hand und verschränke sie mit meiner, während er den Griff fest erwidert.
Es hat lange gedauert, bis Namjoon aufgehört hat mich wie eine teure Porzellanvase zu behandeln, aber auch er muss einsehen, dass ich wieder der alte Jin bin und das die Krankheit aus meinem Leben gestrichen ist.
Trotzdem ist er immer noch überbesorgt und hat Angst, dass mir etwas geschieht. Am liebsten würde er mich wohl in einen bombensicheren Bunker packen, eingewickelt in Schutzfolie und noch einmal hinter Panzerglas versteckt.
„Namjoon, du kannst mich nicht mehr verlieren. Ich bleibe bei dir."
Mein Freund beginnt zu Lächeln.
„Jin, ich liebe dich. Auch über den Tod hinaus. Und irgendwann frage ich dich, ob du mich heiraten willst. Aber erst irgendwann, denn wir haben die ganze Zeit unseres gemeinsamen Lebens."
Er führt meine Hand an seine Lippen und drückt mir einen kleinen Kuss auf die Hand. Ich kichere und werde rot, während ich aus dem Augenwinkel in Richtung der kleinen Schachtel schaue, die ich eben schon in Namjoons Jackentasche gefunden habe.
So ein süßer Idiot.
„Wehe der Antrag wird nicht romantisch."
✿Ende ✿
[wie alle Bedenken wegen eines Hakens hatten XD das ist immer noch eine Shortstory, da reicht das Drama haha und als ob ich soooo fies wäre^^']
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