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Tyran
Meine Augen blieben an den Menschen hängen. Manche blieben interessiert an den Schaufenstern von einigen Läden stehen. Es gab welche, die eilten ohne Regenschirm von Vordach zu Vordach. Wieder andere spazierten gemütlich mit ihrem Regenschirm Arm in Arm mit einem anderen Menschen, während sie sich lachend unterhielten.
Ich sah dieses Bild nicht zum ersten Mal vor meiner Haustür.
Und es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, ich fühlte dabei nichts. Denn da war ganz deutlich etwas.
Einsamkeit.
Leere.
Doch diesmal stellte ich mir die Frage, ob ich vielleicht bald einer von diesen Menschen sein konnte, der Hand in Hand die Straßen hinabschlenderte und so unglaublich glücklich in diesem Moment war, wie sie zu sein schienen.
Allerdings wusste ich insgeheim, dass es nie so werden würde.
Ich hielt lieber an diesem Wunsch fest, doch nicht mit allzu großer Hoffnung. Shelby hatte mir wieder ein Fünkchen verliehen, den ich versuchte in ein Glas einzufangen und ihn in den sichersten Safe wegzusperren.
Beschützt vor meiner anderen Seite, die ihn nur zerstören würde - und das mit einer boshaften Leichtigkeit, die mir selber Angst machte.
Und diese zerstörerische Seite hatte am Ende gesiegt - so wie sie es immer tat. Niemals würde ich normal ein können.
Niemals könnte ich mich nur für sie ändern.
Es gab kein wir - es gab niemals ein wir. Nur ein ich und ein sie. Das war es.
Es gab keine Welt für uns beide. Es gab keine Welt, in der wir zusammen sein würden und sie mich auf Schritt und Tritt begleiten könnte. Dafür war ich nicht gemacht und ich betrachtete es nicht als fair, ihr etwas vorzuspielen.
Ja, vielleicht war sie etwas Besonderes für mich.
Trotzdem könnte ich mein Leben nicht für sie ändern.
Es ging einfach nicht und ich hoffte inständig, dass sie es erkannte.
Wir hatten eine Abmachung und an die haben wir uns gehalten. Nicht mehr und nicht weniger, genau wie ich es gewollt hatte.
Schweigend blieb ich stehen und betrachtete eine der verzierten Bänke, die in regelmäßigen Abständen im Park abgestellt wurden.
Hier hatte das begonnen.
Genau hier hatten wir unsere Abmachung getroffen - und genau hier würde ich von unserer gemeinsamen Zeit im Stillen Abschied nehmen. Ich hatte sie gemocht und ich war mir sehr sicher, dass ich nicht nochmal auf einen Menschen treffen würde, der ihr nur ansatzweise ähneln könnte.
Das war meine Strafe an der Sache.
Ich hatte eine Chance auf ein anderes Leben, ein Leben mit ihr, vergeben. Schlicht und einfach und ohne mit der Wimper zu zucken.
Eine selbstzerstörerische Verschwendung.
Wie es meine Art nunmal so wollte.
So wie ich nunmal bin.
Ich wusste, ich war unbarmherzig.
Ein Monster.
Ein Tyrann.
Einer, der einfach nicht lieben konnte.
Mein Blick heftete sich auf das mühevoll angefertigte Bild, das ich in den Händen hielt und schon bestimmt wieder seit mehreren Minuten anstarrte.
Immerhin werde ich diese Sache niemals zerstören.
Da war ich mir sicher - denn diese Erinnerung werde ich in den sichersten Safe der Welt einsperren.
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