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Shelby

Verwirrt drehte ich mein Gesicht zu Tyran und kniff misstrauisch die Augen zusammen. "Wie meinst du das denn jetzt?"

"Ich meine, dass du mehr  gerannt als gegangen bist. Und dass dich dein lieber Freund Reece ganz  schön im Stich gelassen hat - und dass du nun zahlreiche andere Sachen  weißt, die mich miteinschließen. Aber vorallem, Shelby, zählt es,  dass...", er lehnte sich weit zu mir herüber, sodass unsere Gesichter  nur Millimeter voneinander entfernt waren. "... du nun hier sitzt, weil  du Angst vor dem allen hast. Und ich kann es dir nichtmal verübeln."

Und ich kann es dir nichtmal verübeln.

Worte aus seinem Mund, die mal wieder gekonnt nachhallten.

Verübeln könnte ich es mir aber gerade so ziemlich, dass ich jetzt wieder hier bei ihm, neben ihm, auf seiner Couch saß, Kakao trank und mit ihm schweigend eine Dokumentation über Afrika anschaute.

Ohne irgendwie in irgendeiner Weise zu bereuen, dass ich ja eigentlich lieber Zuhause sein sollte.

Ob Reece wohl noch immer auf dem Parkplatz stand?

Meine Augen wanderten zu der kleinen digitalen Uhr, die aus unerklärlichen Gründen auf Tyrans kleinem Couchtisch abgeparkt wurde.

23:04.

Bestimmt hatte es ihn mittlerweile auch nach Hause verschlagen. Was ist das heute nur für ein Tag gewesen... und erst diese komische Sache mit ihm von eben. Jetzt wusste ich ja gar nicht mehr, wie mir der Kopf stehen und wie ich mich bei ihm verhalten sollte.

Langsam drehte ich mein Gesicht nach rechts.

Auch bei ihm wusste ich nicht so recht, wie mir der Kopf dort stand. Aber das war ja auch nichts neues mehr. Standard, könnte man schon behaupten.

Als hätte er meinen intensiven Blick gespürt, wandten sich die goldenen Augen von den schillernden Farben einer besonders selten Blume im Regenwald ab und blickten von unten herab zu mir hoch, weil er im Moment gar nicht auf meiner Augenhöhe war.

Er hatte es sich ein Stück gemütlicher gemacht als ich und nicht die ganze Zeit fast kerzengerade zwischen den ganzen Kissen gehockt, eine Hand an der Kakaotasse, die andere auf dem Oberschenkel abgelegt.

Nein. Wie eine vor sich hindösende Raubkatze lag er seitlich mit dem Kopf auf einem großen Kissen. Tiefenentspannt, aber trotzdem immer noch wachsam. Und mit einem kleinen Sicherheitsabstand zwischen uns, den er bis jetzt nicht verkleinern wollte.

Bis jetzt.

Denn nun richtete er sich langsam auf, sodass er auch wieder saß und stützte sich mit dem linken Ellenbogen auf dem Kissen hinter mir ab. "Ist was?", fragte er so sanft, doch diese Sanftheit war einfach nur tückisch. In Wahrheit lag noch viel mehr etwas anderes, schlummerndes in seinem Unterton.

Der Gedanke daran trieb mir einen heißen Schauer über den Rücken und das, obwohl er mich noch nichtmal im Entferntesten angefasst hatte.

"Nichts... was soll schon sein?", antwortete ich, zuckte betont lässig mit den Schultern und lächelte ihn an, dann wandte ich mich von ihm ab und stellte meine fast leere Tasse leise klackernd auf den Tisch vor mir ab.

Es wirkte für einen langen Moment so, als würde er das von gerade eben einfach übergehen und etwas dichter an mich herangerückt als vorher das Interesse vom Film wieder für sich gewinnen.

Doch da hatte ich sein Interesse wohl etwas falsch eingeschätzt.

Fingerspitzen berührten mich plötzlich am Rücken und ließen mich sichtbar zusammenzucken. Allerdings sah ich ihn noch immer nicht an, sondern richtete meinen Blick weiterhin starrsinnig auf den Bildschirm vor mir.

Diese gewissen Fingerspitzen hielten es jedoch nicht lange auf dem Stoff aus, sondern rutschten wie ein Versehen unter ihm, nur um nun demonstrativ langsam nach oben über meine nackte Haut zu meinen Schultern zu fahren.

Dieser sachte und zarte Hautkontakt ließ mich ungewollt leise aufseufzen und mich mehr in die Berührung hineinlehnen - nur um mich dann im selben Augenblick zu warnen, nach seiner Hand zu greifen und sie wieder neben mir kommentarlos abzulegen.

Es standen, im Vergleich zu vorhin, einfach zu viele ungeklärte Sachen im Raum. Da konnte ich mich doch nicht schon wieder von ihm verführen lassen...

Wer sagt denn, dass du das nicht kannst?

Ich klebte meiner inneren Stimme gereizt ein riesiges Pflaster auf den Mund. Die indirekte Aufforderung für sie, einfach mal die Klappe zu halten.

"Du hast ja anscheinend jetzt echt Angst vor mir."

Mein Kopf flog zu ihm, viel zu schnell und viel zu ruckartig, als dass es lässig wirken konnte. "Nein. Nein, wie kommst du bloß darauf?"

Jetzt zuckte er mit den Schultern. "Ich weiß nicht, sag du es mir doch." Er zog einen Mundwinkel hoch, seine Augen nahmen aufeinmal diesen gerissenen Glanz an, der mir nur allzu bekannt vorkam.

Weitere heiße Schauer kletterten meinen Rücken herunter und hielten besonders lange an den Stellen inne, an denen sich seine Fingerspitzen vorgetastet hatten.

"Es ist nicht so", murmelte ich eine Spur zu trotzig und wollte mich wieder von ihm abwenden, als seine Hand hervorschnellte und sich seine Finger unter mein Kinn legten.

Flachatmend schaute ich zu ihm. Zu seinem Gesicht, das meinem nun wieder viel zu dicht kam, und zu seinen einladenden Lippen, die er einen Spalt geöffnet hatte. "Gut, dann anders gefragt..." Er legte eine kurze Pause ein, als auch er ausführlich meine Lippen ins Visier nahm und seine dabei kurz befeuchtete, bevor er wieder in meine Augen guckte. "Was möchtest du denn genau von mir wissen? Dich beschäftigt ja so einiges."

Wieder lächelte ich ihn nur gespielt unbekümmert an und griff nach seiner Hand, um sie von meinem Kinn wegzuziehen. "Im Moment weiß ich gar nicht, was ich als erstes wissen möchte. Oder was ich machen möchte." Um ihm das zu beweisen, hielt ich seine große Hand einfach nur wie so ein klammerndes Kleinkind fest, während sich meine Augen erneut einen Weg zum Bildschirm suchten, um sich den Erläuterungen und Bildern von den wildlebenden Schimpansen zu widmen.

Ein leises Lachen neben mir. "Tut mir leid, aber du bist echt einfach nur zu süß."

Etwas perplex - vielleicht, weil ich auch dachte, ich hatte mich verhört - linste ich zu ihm herüber, nur um in seine schönen strahlenden Augen zu schauen und mich von diesem verflixten verführerischen Grinsen gefangen nehmen zu lassen.

"Wieso?", fragte ich stirnrunzelnd, konnte aber nicht verhindern, dass meine Wangen vor Verlegenheit ziemlich heiß wurden.

Verdammt, wie lächerlich und das nur bei so einem simplen Satz. Wann ist mir denn sowas mal passiert?

Er lächelte nur still in sich hinein und blickte mich in Gedanken versunken an. Dieser Blick war so, als würde er mich zum ersten Mal sehen und veränderte die Stimmung zwischen uns mit einem Mal völlig.

Von dieser trägen und etwas komischen Atmosphäre schlug es wie eine riesige Welle zu einer Spannung zwischen uns um, mit der ich jedes Mal auf das Neue nicht zurecht kam. Auch jetzt nicht, als seine Augen langsam zu meinen Lippen wanderten.

"Ich dachte, es hatte ein Ende, dass ich mich bei dir zurückhalten muss", gestand er mir, dabei hörte ich genau wie sehr es ihn anstrengte zu reden.

Eine Gänsehaut breitete sich bei seinen Worten auf meinem Körper aus.

"Allerdings", er lehnte sich zu mir vor, seine Finger suchten sich sanft einen Weg zu meiner Wange. "Kannst du mir ja sagen, ob es nicht vielleicht doch ein Ende hat."

Hallihallo. Ich weiß, ein paar haben sich gewünscht, dass ich schon letzten Sonntag mindestens zwei Kapitel hochlade. Aber ich habe das mit dem Schreiben einfach nicht besser geschafft. Ich habe es nichtmal geschafft, euch zu antworten. Das muss ich jetzt nachholen.

Ich hoffe, euch hat es wieder gefallen.

Wie würdet ihr euch an Shelbys Stelle entscheiden? Einfach fallen lassen und nur für die Momente leben oder erstmal auf Abstand gehen und Tyran weiter die Grenzen zeigen?

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