03. Conclusions

Zehn Minuten später betraten wir gemeinsam mit Liz und ihrer Freundin Crissy einen Second Hand Shop auf der Oxford Street, um endlich die dringend benötigten Jacken, sowie für jeden eine enge Jeans zu kaufen; mit Ausnahme von Harry, der durfte seine anbehalten.

Als ich mich in der kleinen Umkleidekabine in die enge Hose quetschte, hatte ich das Gefühl, dass mein bestes Stück mir das sehr übel nahm. Wie hatten die Typen früher nur in solchen Hosen herumlaufen können? Da wurde alles eingeklemmt, was nur ging. Mit Sicherheit war das total ungesund und unbequem noch dazu. Aber uns blieb keine andere Wahl. Glücklicherweise hatten wir alle die gleichen Probleme und konnten uns darüber austauschen.

„Die Jeans quetscht mir die Eier ein! Wenn ich deswegen unfruchtbar werden sollte, wird El sich bedanken", flüsterte Louis mir zu.

Er erntete ein verständnisvolles Nicken von mir.

„Ich glaube, mein Schwanz ist jetzt schon taub", jammerte Zayn leise, damit die Mädchen es nicht hören konnten.

„Frag mich mal", kam es seufzend von Liam.

„Ich weiß gar nicht, was ihr für ein Problem habt! Enge Hosen sind doch toll", meinte Harry grinsend.

Wir starrten ihn völlig entgeistert an und Louis sagte: „Da stehst du wohl mit deiner Meinung ziemlich alleine da!"

„Das glaube ich kaum. Jedenfalls nicht im Jahr 1983. Schaut euch doch mal um."

Als ich mich umdrehte, erspähte ich zwei Jungs, die wohl gerade in den Laden hereingekommen waren. Diese trugen knallenge Jeans, bei deren Anblick mir schon alles unterhalb der Gürtellinie wehtat. Unsere neuen Hosen nannte ich fortan „Eierquetscher", worüber die anderen herzlich lachten.

Als nächstes machten wir uns daran, Jacken auszusuchen. Wenigstens gab es Lederjacken, welche uns einigermaßen zusagten. Ich fand diese sogar ziemlich cool, zumal sie uns allen recht gut standen.

Mit seinem Rolling Stones T-Shirt, der engen Jeans und der Lederjacke wirkte Harry fast wie die beiden Jungs, die vor relativ kurzer Zeit den Laden betreten hatten. Das stellte Crissy, die blonde Freundin von Liz, jedenfalls sofort fest.

„Welcher Szene gehört ihr eigentlich an?", fragten uns die Mädels, nachdem wir an der Kasse bezahlt hatten. Natürlich mit Bargeld, denn dieser Laden nahm weder Debit- noch Kreditkarten. Abgesehen davon funktionierten diese ja sowieso nicht.

„Wie? Welche Szene? Was meint ihr den damit?", erkundigte sich Louis neugierig.

„Na ja, bei Niall und Zayn dachten wir zuerst, dass sie Teds wären, wegen ihrer Frisuren, die haben nämlich alle so hochstehende Tollen. Aber irgendwie sehen sie bei euch doch anders aus."

„Bitte was?" Zayn und ich kapierten rein gar nichts.

„Ach kommt schon, Jungs. Ihr werdet doch die Unterschiede zwischen Punker, Popper, Teds und Rockern kennen", kam es verwundert von Crissy.

„Ähm, ich glaube, da wo die Jungs herkommen, gibt es so was vielleicht nicht", ließ Liz sich vernehmen.

Dabei lächelte sie, was schon wieder total süß auf mich wirkte. Ich musste zum Glück nicht fragen, welcher Szene sie angehörte, denn das AC/DC T-Shirt bewies, dass sei eine kleine Rockerin war.

„Was machen wir denn jetzt?", fragte Harry, als wir den Second Hand Shop endgültig verließen.

In Anbetracht der Tatsache, dass mein Magen heftig zu knurren begann, schlug ich vor, etwas essen zu gehen. Meine Bandkollegen stimmten mir zum Glück zu und so sagte ich: „Also ich würde am liebsten zu Nandos gehen."

„Wohin?", fragte Liz stirnrunzelnd.

Ich starrte genau zwei Sekunden in ihre blauen Augen und sagte ungläubig: „Du lebst in London und kennst Nandos nicht? Das gibt es doch an jeder Ecke!"

Sie begann schallend zu lachen.

„Du bist ein Witzbold, Niall! Kennst dich in London nicht aus und willst mir was von irgendwelchen komischen Burger Ketten erzählen."

„Das ist keine Burger Kette", kam Louis mir zu Hilfe, „die sind auf Hühnchen spezialisiert."

Nun dachte Liz einen Augenblick nach. „Und woher wisst ihr, dass es so was angeblich in London geben soll?"

Mittlerweile dämmerte es mir. Ich wusste zwar nicht, wann das erste Nandos in London eröffnet wurde, aber es musste auf jeden Fall nach 1983 gewesen sein. So lenkte ich plötzlich ein, damit es nicht auffiel: „Wir können auch ins McDonalds gehen oder Burger King, mir egal."

Jetzt konnte ich nur hoffen, dass diese beiden Institutionen wenigstens existierten. Glücklicherweise nickten Liz und Crissy, was mich erleichtert aufatmen ließ. Aber eine Woche kein Nandos war schon echt hart. Wie sollte ich das nur überleben?

„Ein McDonalds ist nicht weit von hier, wir haben nämlich auch ein bisschen Hunger", meinte Liz grinsend.

Sie ging voran, was mir die Gelegenheit gab, erneut auf ihren kleinen, knackigen Hintern zu schauen. Zayn, der meinen Blick zu bemerken schien, grinste sich einen ab, worauf ich ihm während dem Laufen einen Stoß in die Rippen versetzte.

„Schauen wird doch wohl noch erlaubt sein", flüsterte ich ihm leise zu und er nickte.

Wir brauchten ungefähr fünf Minuten zu laufen und schon standen wir vor eine relativ großen McDonalds.

Als wir dieses betraten, schaute ich mich zunächst ein wenig um. Die Inneneinrichtung war natürlich nicht mehr mit den heutigen McDonalds Filialen zu vergleichen, doch irgendwie gefiel sie mir. Genauso wie die Preise. Es war alles spottbillig im Gegensatz zum Jahr 2013.

Da ich mächtig Hunger hatte, bestellte ich mir gleich zwei Big Macs und inklusive Pommes mit Ketchup und einer Cola Light. Diese wurde gleich auf mehreren Plakaten mit dem Slogan „Neu und ohne Zucker" angepriesen. Aha, Cola Light gab es wohl erst seit 1983, da hatten wir nochmal Glück gehabt!

Mit unseren vollbeladenen Tabletts belagerten wir nun zwei Tische. Liz und Crissy saßen bei Harry und mir, während Zayn, Liam und Louis sich den Nachbartisch teilten. Nun war ich vor allem sehr gespannt, wie die Burger schmeckten. Vielleicht gab es ja Unterschiede zum Jahr 2013.

Zu meinem Erstaunen konnte ich jedoch nichts feststellen und wenn, dann wirklich nur minimal. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich mein Essen verputzt und schaute Liz zu, wie sie Mühe hatte, ihren Big Mac komplett zu vertilgen.

„Die sind einfach zu groß", stöhnte sie und legte den Rest auf ihrem Tablett ab.

„Warum hast du dir dann keinen Cheeseburger bestellt?", fragte Crissy.

„Die sind dann wieder zu klein", erwiderte Liz.

Mein Gott, sie war so unglaublich süß! In ihren wahrscheinlich winzigen Magen passte nicht mal ein ganzer Big Mac! Jetzt im Licht konnte ich genauer sehen, wie zierlich sie eigentlich war, nicht mager, nur einfach klein und zierlich. Aber ihr Busen und der Hintern waren genau richtig und passten zu ihren Proportionen.

„Wo wohnt ihr eigentlich?", wollte Liz plötzlich wissen.

„In Knights Bridge", gab Liam zur Antwort, was Liz sofort die Augenbrauen hochziehen ließ.

„Seid ihr sicher? Ich meine Knights Bridge ist eine ziemlich teure Gegend und ihr geht in einem Second Hand Shop einkaufen, weil ihr kein Geld habt", meinte sie erstaunt.

„Na ja, „ versuchte Liam sich herauszureden, „ das Haus wo wir hin müssen, gehört einem ganz entfernten Verwandten von mir. Er hat uns angeboten, dass wir bei ihm bleiben können, so lange wir uns in London aufhalten Aber das er ein Haus dort hat, muss ja nicht bedeuten, dass wir im Geld schwimmen."

„Gut gelogen, Liam", dachte ich mir, und bekam komischerweise ein schlechtes Gewissen. Ich wollte Liz nicht anlügen, jedenfalls nicht, wenn es nicht nötig sein würde.

„Wo wohnst du denn?", fragte ich, um das schnell das Thema zu wechseln.

„Im Bezirk West End, weißt du wo das ist?", antwortete sie.

Nickend erwiderte ich: „Das ist gleich neben Soho, richtig?"

„Warum nur wusste ich, dass ihr Jungs so genau wisst, wo Soho liegt?", meinte sie lachend.

Wir fünf schauten uns alle entgeistert an. Was gab es denn so Besonderes in Soho, außer den Touristenmengen, die ständig dorthin strömten, um die Cafés, Bars und Boutiquen zu besuchen.

„Ach, wollt ihr euch keine Peep Show reinziehen?", kam es spöttisch von Crizzy.

Peep Shows in Soho, hatten wir irgendwas verpasst? Aber vielleicht war das ja in den 80iger Jahren der Fall gewesen.

Ich musste feststellen, wir kannten London und doch kannten wir es nicht, zumindest nicht im Jahr 1983. Nun konnte ich nur hoffen, dass die Tube bereits in Richtung Knights Bridge fuhr und Liz uns sagen konnte, wo wir ein- und aussteigen mussten. Meine Bedenken, dass wir nachts völlig verloren durch die Stadt irren mussten, zerstreuten sich vollständig, als ich Liz sagen hörte: „Sagt mir einfach die Adresse, wo ihr hin müsst , Crissy und ich bringen euch hin."

Wenn das kein Angebot war! Wir nahmen dieses auch dankbar an und verließen ziemlich schnell die McDonalds Filiale, nachdem wir aufgegessen hatten. Liz ging zielstrebig auf einen Laden zu, der Zeitschriften, Bücher und Ähnliches verkaufte. Dort holte sie einen Stadtplan für uns, aber als wir ihr das Geld geben wollten, lehnte sie dankend ab.

„Das ist schon ok, Jungs."

Von dort aus ging es zur Tube, wo wir natürlich Tickets kaufen mussten, was unser Budget etwas schmälerte. Aber irgendwie kamen mir die Tickets sehr billig vor, wie alles im Jahr 1983. Wir mussten insgesamt drei Stationen fahren und einmal umsteigen, das konnte ich mir merken, denn ich wollte auf jeden Fall nochmal den Plattenladen in der Oxford Street aufsuchen, bevor wir nach 2013 zurückkehren mussten.

Als wir in Knights Bridge ausstiegen, kam uns eine Horde Jugendlicher entgegen, die merkwürdige Stoffhosen mit Bundfalten und Poloshirts mit hochgeklappten Kragen trugen. Der Hit waren jedoch die Frisuren dieser Jungs. Sie besaßen alle einen Seitenscheitel und der üppige Pony der glatten Haare, fiel halb über das eine Auge. Krampfhaft versuchten wir uns das Lachen zu verbeißen, als sie an uns vorbeigingen, um in die Tube einzusteigen.

„Uh, Lizzy, die kleinen Popper sind wieder unterwegs", raunte Crissy ihrer Freundin zu.

Crissy nannte Liz also Lizzy, wie süß war das denn?

„Die meinen doch, sie wären was Besseres", schnaufte Liz kopfschüttelnd.

Mir gefielen diese Affen auch nicht besonders und ich konnte die Reaktion von Liz irgendwie nachvollziehen. So sahen also die besagten Popper aus. Gott sei Dank wusste ich, wie Punks herumliefen, davon gab es immer noch welche in London, nur von den Teds hatte ich keinen blassen Schimmer. Aber im Grunde genommen war mir das auch egal. So lange sie uns in Ruhe ließen und wir unserer Mission nachgehen konnten, sollte es wohl keinen Stress geben.

Gott sei Dank wohnte dieser Peter Bennett nicht allzu weit von der U-Bahn Station entfernt. Liz hatte im Stadtplan nachgeschaut, bevor wir ausgestiegen waren, damit wir gleich in die richtige Richtung marschierten. Als wir nach ungefähr fünf Minuten vor einem Haus stehenblieben, meinte sie: „Das muss es sein. Hier ist das Haus mit der Nummer neunundsechzig."

Wir starrten auf ein eindrucksvolles Gebäude, umgeben von einem kleinen Vorgarten. So etwas grenzte in London schon an Luxus, aber hier wohnten wohl schon immer die feinen Leute. Nun hieß es wohl Abschied nehmen von Liz und Crissy, was ich eigentlich gar nicht wollte.

Nachdem meine Bandkollegen den Mädchen artig die Hand gegeben hatten, sagte ich zu ihnen: „Geht ihr schon mal vor, ich komme gleich nach. Ihr könnt ja vor der Haustür warten".

Grinsend zogen sie von dannen, damit ich mit Liz alleine reden konnte. Sie warf Crissy einen schnellen Blick zu, worauf diese sich eine Zigarette anzündete und sich einige Schritte von uns entfernte. Nun waren Liz und ich für alle außer Hörweite.

Wann hatte ich das letzte Mal ein Mädchen um ihre Telefonnummer gebeten? Das musste so lange her sein, dass ich mich nicht mehr daran erinnern konnte. Doch in diesem Fall konnte ich einfach nicht anders. Ich wollte Liz unbedingt wieder sehen und so fragte ich beinahe schon schüchtern: „Würdest du mir bitte deine Handynummer geben?".

Ihre blauen Augen schauten nun zu mir, als hätte ich etwas total Blödes gesagt.

„Meine was?", fragte sie dann vorsichtig nach.

„Deine Handynummer", wiederholte ich lächelnd.

„Was ist denn eine Handynummer?", wollte sie leicht irritiert wissen.

Ich schluckte kurz. Scheiße, das war die falsche Frage, es gab ja im Jahr 1983 noch gar keine Handys.

„Also, ich meinte deine Telefonnummer, unter der ich dich erreichen kann", stotterte ich unbeholfen.

Gott war mir das peinlich! Niall Horan, der sich im Jahr 2013 kaum vor Frauen retten konnte, stand da wie ein blöder Schuljunge, der nicht wusste, was Sache war. Doch Liz schien das nicht zu stören. Jedenfalls kramte sie plötzlich aus ihrer Lederjacke einen kleinen Zettel und einen Kugelschreiber hervor und begann zu schreiben.

„Warum hast du das denn nicht gleich gesagt".

Mit diesen Worten überreichte sie mir lächelnd den Zettel mit einer Telefonnummer und sogar einer Adresse drauf. In jenem Augenblick war ich der glücklichste Mensch der Welt.

„Also, es könnte sein, dass sich entweder Crissy meldet oder auch zwei Typen, aber das sollte dich nicht abschrecken. Ich wohne nämlich in einer WG", erkläre sie.

„In einer WG?", fragte ich, wobei mir der Gedanke, dass sie mit zwei Typen und Crissy zusammenlebte nicht sonderlich behagte.

Meine Frage musste jedenfalls so komisch auf sie gewirkt haben, dass sie prompt zu lachen anfing, bevor sie antwortete.

„Ja, wir teilen uns die Zimmer und die Miete, das ist viel billiger."

Das leuchtete mir ein, denn London war echt ein teures Pflaster, was die Mieten anging. Und Liz verdiente bestimmt nicht so gut wie ich in der Zukunft. Ich hatte nicht mal eine Ahnung, ob sie arbeitete oder studierte. Aber das konnte ich ja demnächst fragen, wenn wir uns wieder treffen würden.

„Niall, jetzt komm schon!", hörte ich meine Bandkollegen meutern, „es ist kalt hier draußen!"

Liz und ich schauten uns nur kurz in die Augen, doch das reichte aus, um mich wissen zu lassen, dass sie mich auch unbedingt wieder sehen wollte.

„Komm gut nach Hause", flüsterte ich ihr zu, nachdem wir uns ganz flüchtig umarmt hatten.

„Wenn du mich morgen anrufen willst, ich bin gegen drei Uhr zu erreichen", wisperte sie nun zurück.

Ich nickte, drehte mich dann um und eilte mit schnellen Schritten zu meinen Bandkollegen, die mich natürlich aufzogen. Aber ich war das gewöhnt und so scherte ich mich einen Dreck drum, sondern betätigte einfach die Klingel. Daraufhin ertönte eine tiefe, männliche Stimme aus einer Sprechanlage.

„Hallo, wer ist da?"

„Ähm, hier sind Niall, Liam, Louis, Harry und Zayn", meldete ich mich.

„Wer?"

Entgeistert schauten wir uns an. Hatte die Alte uns etwa hereingelegt?

„Wir kommen aus der Zukunft, aus dem Jahr 2013", versuchte es Liam nun.

„Ach so, seid ihr diese komische Gruppe? One Direction?"

Wow, dieser Jemand kannte unseren Namen! Wenn das kein gutes Zeichen war!

Plötzlich ertönte ein lautes Summen an der Tür und als ich dagegen drückte, öffnete sich diese. Langsam betraten wir einen großen Flur und schauten uns neugierig um. Der komplette Eingangsbereich war gefliest und an der rechten Seite führte eine breite Treppe ins obere Stockwerk.

Als wir Schritte hörten, drehten wir uns automatisch um und blickten in das bärtige Gesicht eines Mannes, der ungefähr Mitte fünfzig war. Er besaß braune Augen, braunes Haar, welches an den Schläfen bereits ergraut war und auf seiner Nase saß eine altmodisch wirkende Brille mit runden Gläsern. Das sah irgendwie lustig aus.

„Ihr seid spät dran, Jungs! Ich dachte schon, ihr wärt in London verloren gegangen", begrüßte er uns freundlich.

Das hatten wir nun wirklich nicht erwartet, zumal die alte Hexe uns sehr unfreundlich behandelt hatte, nachdem Zayn die Kugel aus der Hand geglitten war. Doch dieser Peter Bennett wirkte nett und höflich.

„Dann will ich euch mal eure Zimmer zeigen", meinte er grinsend, bevor er den Weg ins obere Stockwerk antrat.

„Regel Nummer eins", plapperte er währenddessen, „Damenbesuch ist nicht erlaubt."

Louis sah mich an und grinste unverschämt drein. Er dachte doch nicht wirklich, dass ich Lizzy hierher bringen wollte? In Gedanken nannte ich sie schon Lizzy, weil mir das so gut gefiel und es auch zu ihrem süßen Wesen passte.

„Regel Nummer zwei: Rauchen auf den Zimmern ist nicht erlaubt."

Wir schauten alle zu Zayn, der nur mit den Schultern zuckte und fragte: „Und wie sieht's mit dem Balkon aus? Darf ich dort wenigstens meinem Zigarettenkonsum frönen?"

„Es gibt keinen Balkon aber eine Terrasse im Erdgeschoß. Die darfst du selbstverständlich benutzen."

„Und was ist Regel Nummer drei?", ließ Louis sich vorwitzig vernehmen.

Peter Bennett drehte sich nun direkt zu ihm. „Es gibt nur diese zwei Regeln, mein Junge."

Inzwischen waren wir im oberen Stockwerk angekommen. Dort schauten wir auf vier Türen, die alle dunkel lackiert waren.

„Ihr bekommt zwei Zimmer zugeteilt, mehr Übernachtungsmöglichkeiten gibt es leider nicht, denn die Zimmer unten sind schon besetzt", erklärte er uns mit ruhiger Stimme.

„Also drei und zwei müssen sich ein Zimmer teilen."

Soweit waren wir auch schon gekommen. Ich blickte zu Harry, der mir zunickte. Wir wollten in einem Zimmer schlafen, da konnten die anderen machen, was sie wollten. Seltsamerweise gab es keine Beschwerden von Zayn, Louis und Liam, denn das Dreibettzimmer war natürlich um einiges größer als unser Zweibettzimmer. Wobei der Begriff „Bett" nicht unbedingt zutraf. Wir mussten alle fünf auf Matratzen schlafen, was uns jedoch nicht unbedingt störte. Es war auf jeden Fall um einiges besser, als auf der Straße nächtigen zu müssen.

Nachdem wir unsere Zimmer betreten hatten, damit jeder seine Matratze aussuchen konnte, forderte Mr Bennett uns auf, ihn nach unten zu begleiten. Dort führte er uns in eine Art Bibliothek, jedenfalls standen an der linken Wand große Regale, welche mit Büchern gefüllt waren. Wir durften uns auf das große Sofa und die beiden Sessel setzen, bevor er zu reden begann.

„Ich wette, ihr habt jede Menge Fragen", sagte er grinsend.

„Oh ja! Wenn wir die Kugel morgen schon finden, dürfen wir dann gleich nach Hause reisen?", fragte Liam sofort.

Doch Mr Bennett schüttelte seinen Kopf. „Ihr könnt erst in einer Woche wieder durch die Zeit reisen, das geht leider nicht anders."

„Aber wieso?", wollte Louis wissen.

„Weil die Zeitmaschine im Einklang mit den Toren arbeitet, welche die Zeitreisen zulassen."

Es gab also Tore, durch die man durch die Zeit reisen konnte, interessant! Eigentlich wunderte uns gar nichts mehr, nachdem was wir in den letzten Stunden erlebt hatten. Trotzdem wollten wir das alles gerne näher erklärt bekommen.

„Wie viele Tore gibt es denn?", erkundigte ich mich.

Lächelnd erwiderte Mr Bennett: „Wie viele es genau gibt, wissen wir leider nicht, denn sie befinden sich nicht nur hier in London, sondern überall auf der Welt. Wir wissen, dass es in New York eines dieser Tore gibt und es ist außerdem bekannt, dass in Paris, Moskau, Tokyo und Dubai weitere existieren. Die exakten Positionen dieser Tore sind aber nur denjenigen Menschen bekannt, die sie benutzen können, den sogenannten Torwächtern."

„Dann sind sie also ein Torwächter?", fragte Zayn nach.

„Ja, das bin ich und Isabel, die ihr ja bereits kennengelernt habt, ist auch eine Torwächterin."

„Meinen Sie etwa die Hexe, die uns hierher geschickt hat?", kam es von Harry, worauf wir ihn alle erschrocken anstarrten.

Vielleicht war es gar nicht gut, unsere Gedanken auszusprechen, denn wir wussten absolut nichts über diesen Peter Bennett. Wer wusste schon, was er mit uns anstellen würde, wenn ihm unser Benehmen missfiel! Doch meine Sorgen dahingehend schienen völlig unbegründet zu sein, denn er grinste nur freundlich drein.

„Ich weiß, dass Isabel manchmal ganz schön biestig sein kann, vor allem, wenn es um ihre Kugeln geht", meinte er augenzwinkernd.

Nun wollte ich unbedingt wissen, was es mit diesen komischen, angeblich so wertvollen Kugeln auf sich hatte und fragte: „Welchen Zweck haben denn diese Kugeln? Sie hat nur gesagt, dass sie sehr wertvoll seien."

Aus den Gesichtern meiner Bandkollegen konnte ich herauslesen, dass das eine Frage ganz nach ihrem Geschmack war. Umso enttäuschter reagierten alle, als Peter Bennett antwortete: „Das tut nichts zur Sache, denn es ist Isabels Angelegenheit. Ihr sollt die grüne Kugel lediglich finden und zu ihr zurückbringen."

„Und warum holt sie sie nicht selbst?", wollte Louis wissen.

Er klang ein klein wenig angepisst, was ich durchaus nachvollziehen konnte.

„Weil man als Torwächter seinen Platz nicht verlassen darf. Sie kann nicht durch die Zeit reisen, sie muss das Tor bewachen, genau wie ich auch."

„Aber Sie sind im Jahr 1983! Wie können Sie denn Kontakt mit ihr aufnehmen?"

Dass er das konnte, wurde uns im jenen Augenblick bewusst, als er den Namen One Direction ausgesprochen hatte. Niemand in 1983 wusste von unserer Existenz.

Schmunzelnd erwiderte Mr Bennett: „Also erst mal möchte ich euch bitten, Peter zu mir zu sagen, denn wir werden schließlich eine ganze Woche unter einem Dach leben und zweitens, es gibt sogenannte Changing Ports, worüber Isabel und ich miteinander kommunizieren können. Das funktioniert ähnlich wie ein Telefonanruf."

Bevor einer von uns etwas darauf erwidern könnte, vernahmen wir ein kurzes Piepen.

„Mist, das war mein Handy, mein Akku geht gleich leer", fluchte Zayn leise.

Mir fiel plötzlich ein, dass ich kein Ladekabel einstecken hatte, somit würde auch mein Handy irgendwann den Geist aufgeben.

„Ach ja, das Problem mit diesen neumodischen Dingern", lachte Peter nun. „Da kann ich aber ein wenig Abhilfe schaffen. Isabel hat einem, den sie durch die Zeit geschickt hat, mehrere Ladekabel mitgegeben, die ich für solche Fälle aufbewahren soll. Die Dinger heißen doch Ladekabel, oder? Vielleicht passt ja eins!"

Nach diesem Satz erhob er sich umständlich, um zu einer Kommode zu gehen, die an der rechten Wand stand. Dort öffnete er eine der oberen Schubladen und holte ein weißes Ladekabel hervor. Gott sei Dank war das für ein iPhone gedacht, das erkannte ich sofort.

Strahlend übereichte er Zayn das Kabel mit dem dazugehörigen Stecker, der dieses auch sofort dankend in Empfang nahm. Wir besaßen nun ein Ladekabel für fünf Handys, das würde mächtig Stress geben, davon war ich überzeugt.

„Hast du nur eins von dieser Sorte?", fragte Louis sofort und Peter nickte.

„Die anderen sehen anders aus und wenn ihr sagt, dass dieses passt, dann könnt ihr die anderen nicht benutzen."

Verständlich. Ein Samsung Ladegerät passte nicht für das iPhone. Dafür, dass Peter im Jahr 1983 lebte, war er ganz schön schlau, was diese Dinge anging. Doch ich konnte mir vorstellen, dass Isabel ihm dahingehend Unterricht gegeben hatte. Meine Vermutung schien zuzutreffen, denn er redete bereits weiter.

„Ich weiß, dass diese Geräte im Jahr 2013 eine große Bedeutung haben aber ihr könnt sie hier sowieso nicht nutzen. Sie sind beinahe wertlos, wenn man von der Zeitanzeige, dem Musikhören und dem Fotografieren absieht."

Wow, er wusste ja echt viel, was mich schwer beeindruckte. Wenn wir nicht telefonieren und das Internet nicht nutzen konnten, weil es ja noch nicht für die breite Öffentlichkeit angeboten wurde, würden die Akkus natürlich ewig halten und wir brauchten die Handys wahrscheinlich nur jeden zweiten Tag zu laden; vorausgesetzt man hörte nicht die ganze Nacht Musik.

„Dürfen wir denn fotografieren?", hörte ich Liam jetzt interessiert fragen.

„Aber natürlich! Ihr solltet das auch nutzen, denn so wie ihr London in dieser einen Woche sehen werdet, wird es für euch nie wieder aussehen! Ich rate jedem, den es nach 1983 verschlägt, so viele Bilder wie nur möglich zu machen!"

Irgendwie fand ich Peter sehr nett. Er behandelte uns wie gern gesehene Gäste, die einen kurzen Urlaubstripp machten. Liam zerstörte meine Illusionen was den Urlaub betraf jedoch schlagartig, indem er den großen Zettel aus dem Umschlag hervorholte und uns um Gehör bat.

„Wir sollten jetzt langsam ins Bett gehen, denn wir müssen morgen früh in der Zeit zwischen sieben Uhr morgens und elf Uhr vormittags im Hyde Park nach der grünen Kugel suchen."

„Was? So früh! Da ist es noch total dunkel draußen! Wie sollen wir denn da etwas finden!", maulte Zayn sofort los.

„Das musst du gerade sagen! Wegen dir sind wir jetzt alle hier!", herrschte Harry ihn an.

„Jungs, beruhigt euch! Ich habe für jeden eine Taschenlampe und außerdem leuchtet die Kugel ja", versuchte Peter den Streit zu schlichten.

Er schien damit Erfolg zu haben, denn sowohl Harry, als auch Zayn hielten die Klappe.

Langsam erhoben wir uns nun, um unsere Zimmer aufzusuchen, nachdem wir Peter eine gute Nacht gewünscht hatten. Er rief uns noch hinterher, dass sich unser Badezimmer hinter der zweiten Tür links, im oberen Stockwerk befinden würde. Toll, wir besaßen nicht mal eine Zahnbürste!

Morgen würde wir nach unserer Suche erst mal einen Großeinkauf starten müssen. Hoffentlich befand sich ein Supermarkt in der Nähe, damit wir nicht alles kilometerweit durch die Stadt tragen mussten.

Harry und ich verabschiedeten uns von den andern drei und suchten unser Zimmer auf, wo wir uns sofort hinlegten. Überraschenderweise waren die Matratzen bequemer als so manches Hotelbett, in welchem wir schon geschlafen hatten. Wenigstens etwas Gutes, wenn wir schon mit all den anderen Unannehmlichkeiten fertig werden mussten: Kein Handynetz, kein Internetempfang und nicht funktionierende Kreditkarten. Doch dafür hatte ich das wohl süßeste Mädchen der Welt getroffen: Lizzy.

Mein letzter Gedanke, bevor ich einschlief galt ihr. Würde ich sie morgen wieder sehen?

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Oh Gott, ihr müsst euch ja zu Tode langweilen, weil es bisher noch gar keinen Cliffhanger gab. :)

Dafür habe ich einige Faken zu bieten: Cola Light wurde 1983 auf dem europäischen Markt eingeführt. Das erste Nandos eröffnete im Jahr 1992 in London seine Pforten. In den frühen 80iger Jahren bestand der Stadteil Soho aus Peep Shows usw. und Second Hand Shops gab es in London in den 80iger wie Sand am Meer.

Das Bild, dass ihr oben seht, ist eine von horansuniverse wundervollen Collagen, die sie für mich erstellt hat. Vielen lieben Dank dafür - ich bin wirklich sprachlos, wie du es immer schaffst, meinen Geschmack haargenau zu treffen und solche wunderschönen Collagen anzufertigen.

LG, Ambi xxx

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