02. Another World
Niall
Meine Augen starrten wie gebannt auf die leuchtende Zeit- und Datumsanzeige am Piccadilly Circus, während sich eine leichte Gänsehaut über meinen kompletten Körper zog. Dort stand der 12.12.1983 und es war genau sechzehn Uhr sechsundvierzig.
„Das gibt's doch gar nicht", vernahm ich Louis' Schnaufen neben mir.
„Du siehst doch, dass es das gibt", meinte Harry nun, der die Sache wohl akzeptiert zu haben schien.
„Aber..., was sollen wir denn jetzt machen?" fragte Zayn verwirrt.
„Ich würde sagen, wir schauen zuerst in diesen dicken braunen Umschlag", schlug Liam schließlich vor.
Dann öffnete er diesen und holte zunächst für jeden zweihundert Pfund hervor welche er uns mit den Worten: „Passt gut drauf auf", überreichte.
„Pah, wenn es alle ist, laufe ich zum nächsten Geldautomat oder ich bezahle mit meiner Kreditkarte", sprach ich entschlossen.
„Echt, warum sind wir nicht gleich auf diese Idee gekommen, anstatt uns von dieser bekloppten Alten verrückt machen zu lassen! Zweihundert Pfund für eine Woche, die spinnt doch total!", pflichtete Louis mir bei.
Trotzdem steckten wir alle fünf unser Geld ein, denn wir benötigten zumindest für den Anfang ein kleines Startkapital. Vermutlich würde dieses sowieso im nächsten Klamottenladen draufgehen, denn jeder von uns musste sich ganz dringend eine Jacke zulegen. Es war wirklich bitterkalt draußen und in meinem T-Shirt fror ich mir einen ab, dass es nicht mehr feierlich war.
Da ich keine Lust hatte, mir eine Erkältung einzufangen, machte ich einen Vorschlag: „Leute, lasst uns einfach irgendwo reingehen, damit wir hier nicht in der Kälte Wurzeln schlagen müssen. Außerdem möchte ich nicht von allen Passanten angestarrt werden."
„Ich stimme Niall voll und ganz zu! Womöglich kommt gleich eine Horde Teenager angelaufen und will Autogramme von uns haben", bekam ich Unterstützung von Louis.
„Sagt mal, wie behindert seid ihr zwei eigentlich?", herrschte Liam uns an, „wir befinden uns im Jahr 1983, da kennt uns doch kein Schwein! Wenn man es genau nimmt, wurden wir noch nicht einmal geboren!"
Louis und ich warfen uns schockierte Blicke zu, während Zayn murmelte: „Und warum schauen uns alle Leute so komisch an?"
„Ich würde sagen, das liegt an unseren Sonnenbrillen", stellte Harry grinsend fest.
Damit hatte er wohl Recht. Kein normaler Mensch trug im dicksten Winter und noch dazu in der Dunkelheit eine Sonnenbrille. Um nicht weiter aufzufallen, nahmen wir nun alle unsere teuren Accessoires von der Nase.
„Schaut mal, da vorne ist eine Art Coffee Shop." Zayn wies mit dem Finger in eine Richtung.
„Das ist gut, lasst uns dorthin gehen, etwas Warmes trinken und nachschauen, was sich noch so alles in diesem Umschlag befindet", sagte Liam.
Damit waren alle einverstanden und so kam es, dass wir keine fünf Minuten später um einen runden Tisch versammelt in besagtem Coffee Shop saßen. Wir wunderten uns, wie billig die Getränke und auch die Cookies, welche wir uns gegönnt hatten, waren. Zumindest schien die komische Frau, die uns hierher geschickt hatte, nicht gelogen zu haben, was das betraf.
Bedächtig holte Liam nun einen kleinen und einen großen Zettel aus dem Umschlag hervor, worauf meine Augen nun fielen. Der kleinere Zettel offerierte uns eine Adresse, sowie den Namen Peter Bennett. Das war der Typ, bei welchem wir übernachten sollten. Ich konnte nur hoffen, dass es nicht um irgendeinen Spinner handelte, man wusste ja nie. Auf dem größeren Zettel standen mehrere Orte, mit Datumsangaben und Uhrzeiten versehen.
„Also, dann fasse ich mal zusammen", begann Liam. „Dieser Peter Bennett wohnt im Bezirk Knightsbridge und..."
„Das ist gegenüber vom Hyde Park", unterbrach Zayn ihn.
„Danke Zayn aber das wusste ich bereits. Würdest du mich jetzt weiter reden lassen?" Liams Stimme klang ein klein wenig pikiert, doch er fuhr anschließend mit seiner Rede fort.
„Wir müssen an sieben verschiedenen Orten nach dieser dämlichen grünen Kugel suchen."
Harry, der mitgelesen hatte, sagte plötzlich völlig entgeistert: „Ja, und da stehen sogar Zeiträume, innerhalb welcher sie dort auftauchen könnte. Gott sei Dank müssen wir erst morgen mit der Suche beginnen."
Es wurde immer verrückter und ich bezweifelte stark, dass wir mit unserer Mission erfolgreich sein würden. Doch uns blieb keine Wahl, außer, alles Menschenmögliche zu versuchen. Ansonsten war Zayn nämlich verloren und das wollten wir auf gar keinen Fall, auch wenn er uns die ganze Suppe eingebrockt hatte.
„Und was machen wir jetzt als erstes?", wollte Louis wissen.
„Jacken kaufen!", kam es von mir.
„Ok, wo ist der nächste geeignete Laden? Sollen wir im Internet nachschauen?", fragte Louis.
Daraufhin holten wir unsere Handys hervor, um erneut festzustellen, dass wir keinen Empfang und natürlich auch keine Internetverbindung hatten.
„Ja wie? Die haben nicht mal einen Hot Spot hier!", wunderte ich mich.
„Verdammt, das gibt es doch gar nicht", murmelte Harry leise. „Wieso funktioniert der Scheiß nicht?"
„Ich würde sagen in 1983 gab es weder ein Handynetz, noch Internet. Jedenfalls nicht für die breite Öffentlichkeit", stellte Liam fest.
„Das kann echt nicht wahr sein! Wie bitte haben die Leute sich zurechtgefunden?", maulte ich.
Irgendwie kam ich mir total hilflos vor. Den anderen erging es wohl ebenso, denn Zayn sagte plötzlich: „Ich komme mir vor wie ein Idiot, der nicht weiß, was er jetzt tun soll."
Er sprach uns damit allen aus der Seele. Tatsächlich hatten wir keine Ahnung, wie es jetzt weitergehen sollte. Wir wussten nicht einmal, wo der nächste Klamottenladen zu finden war, geschweige denn, wo sich der nächste Geldautomat befand. Aber zur Not konnten wir ja mit unseren Kreditkarten bezahlen.
Deshalb trafen wir die Entscheidung, zum Harrods Kaufhaus zu fahren, selbstverständlich mit einem Taxi, wie wir es gewöhnt waren. Dort konnten wir dann einkaufen und Geld abheben, da sich eine Filiale der Barclays Bank direkt um die Ecke befand. Zumindest dachten wir das, doch die nächste Überraschung ließ nicht lange auf sich warten.
Nachdem wir aus dem Taxi ausgestiegen waren (Liam hatte die lächerliche Summe von drei Pfund bezahlt), suchten wir schleunigst die Bank, oder besser gesagt, den einzigen Geldautomaten auf, vor welchem eine lange Schlange stand.
Genervt reihten wir uns ein und warteten brav, bis wir an die Reihe kamen. Louis steckte als Erster vorwitzig seine Bankkarte in den Schlitz des Automaten. Kurz darauf erschien eine Schrift auf dem Display: „ERROR, please contact your account manager."
Natürlich lachten wir restlichen vier ihn aus, in der Annahme, dass eine Karte defekt sei, doch das Lachen verging uns gründlich, als bei jedem genau der gleiche Satz auftauchte, welchen Louis schon zu lesen bekommen hatte.
„Mist, was machen wir denn nun?", fragte Harry verzweifelt, während er in die Runde schaute.
Da sich hinter uns bereits eine beträchtliche Menschenmenge angesammelt hatte, stellten wir uns zunächst auf die Seite, um den Leuten Platz zu machen.
„Na, kein Geld auf dem Konto?", meinte ein Anzugträger, der vermutlich Dauerwellen trug.
Das sah so oberschwul aus, dass ich mir nur mit größter Mühe das Lachen verbeißen konnte. Meinen Freunden ging es ähnlich, nur Louis ließ sich zu einer Bemerkung herab: „Wissen Sie, wir haben genügend Kohle auf unseren Konten, auch wenn wir vielleicht nicht so aussehen", erwiderte er leicht angepisst.
Der Anzugträger grinste und meinte prompt: „Dann kauft euch mal ein paar anständige Klamotten."
Was bitte meinte er denn damit? Ok, wir trugen keine Jacken aber der Rest unserer Kleidung wirkte weder vergammelt noch verschmutzt.
„Was für ein intoleranter Bastard!", schnaufte Zayn, als der Anzugträger wieder unseren Blicken entschwand.
„Aber echt, dem hätte ich gerne mal die Meinung gesagt", regte Liam sich nun auf.
Seufzend drehte ich mich nun zu Zayn. „Los, wir gehen jetzt ins Harrods und kaufen uns jeder eine Jacke. Wir bezahlen einfach mit den Kreditkarten."
„Nialler hat Recht", bemerkte Louis.
Daraufhin liefen wir das kurze Stück bis zum Harrods Kaufhaus. Irgendwie war es komisch. Viele Leute starrten uns an, doch niemand sprach mit uns. Wir wurden auch nicht von Paparazzi ins Visier genommen, geschweige denn nach Autogrammen gefragt. Es war ungewohnt und gleichzeitig schön. Wir bewegten uns viel ungezwungener als sonst.
Das Harrods sah etwas anders aus, als wir es in Erinnerung hatten und wir mussten eine Weile suchen, bis wir das fanden, wonach wir suchten: Warme Winterjacken. Die Preise waren auch nicht so hoch wie gewöhnlich, aber bei unserem Einkommen spielte das sowieso keine allzu große Rolle. Nur die Mode schreckte uns ein wenig ab.
Zayn fand schließlich einen klassischen Wintermantel in schwarz, welchen er zu kaufen gedachte. Wir anderen konnten uns noch nicht so recht entscheiden, folgten ihm jedoch zur Kasse, als er bezahlen wollte. Mit einem triumphierenden Grinsen im Gesicht legte er seine Kreditkarte auf den Tresen, welche der Angestellte mit misstrauischem Gesichtsausdruck entgegennahm.
„Ich hoffe, die ist echt, Mister", hörten wir ihn sagen.
Harry und ich grinsten uns an. Es war wirklich verdammt cool, dass uns niemand kannte.
Nachdem der Angestellte Zayns Karte in ein altmodisch wirkendes Gerät gesteckt hatte, mussten wir eine Weile warten. Das, was dann allerdings passierte, ließ uns das Ausmaß dieser Katastrophe endlich begreifen.
„Tut mir leid, Sir, Ihre Karte funktioniert nicht", bekam Zayn gesagt.
„Was? Das kann gar nicht sein!"
„Es ist aber so. An Ihrer Stelle würde ich mit American Express direkt sprechen, um die Sache zu klären", riet er ihm dann.
„Vielleicht liegt das auch an ihrem altmodischen Gerät", warf Zayn ein.
„Sie sind ein Witzbold! Das ist funkelnagelneu, wurde gestern erst geliefert!", teilte uns der Angestellte voller Stolz mit.
Da standen wir nun, jeder mit knapp zweihundert Pfund in der Tasche. Davon mussten wir Essen und Getränke kaufen sowie die dringend benötigten Winterjacken. Das Harrods kam nun als Ausstatter nicht mehr in Frage, da es viel zu teuer war. Zum ersten Mal nach langer Zeit spürten wir, wie es sich anfühlte, nur ein bestimmtes Budget zur Verfügung zu haben.
„Was machen wir denn nun?", wisperte ich Liam zu, der mit den Schultern zuckte.
„Ich hab echt keine Ahnung", antwortete er leicht gestresst.
„Wie wäre es, wenn wir diesen komischen Laden ausfindig machen und der Alten, die uns hierher geschickt hat, eine aufs Maul hauen?", schlug Harry schließlich wutentbrannt vor.
Da ich ebenfalls die Schnauze gestrichen voll von dem ganzen Zirkus hatte, stimmte ich sofort zu. Louis, Liam und Zayn schienen ebenfalls nichts dagegen zu haben und so stürmten wir aus dem Kaufhaus, in die Kälte hinaus.
Bibbernd warteten wir auf ein Taxi, denn das war billiger, als fünf Tickets für die Tube. Außerdem hätten wir uns erst mal schlau machen müssen, welche Linie zur Oxford Street fuhr, denn wir waren es nicht gewöhnt, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Das taten wir wirklich nur in Ausnahmefällen. Außerdem war das U-Bahn Netz mit Sicherheit nicht so gut ausgebaut wie im Jahr 2013.
Das Taxi schien also im Moment als Fortbewegungsmittel die beste Alternative zu sein, zumal die Taxifahrer sich auch auskannten. Wir brauchten nur zu sagen, dass wir auf der Oxford Street shoppen gehen wollten und schon wurden wir im richtigen Bezirk abgesetzt.
Als ich aus dem Taxi stieg, erblickten meine Augen jedoch etwas, was den Jackenkauf total hinten anstehen ließ: Einen Laden, in welchem es Vinyl Schallplatten zu kaufen gab. Auch wenn ich ansonsten von den 80iger Jahren keine große Ahnung hatte, war mir jedoch geläufig, dass diese in jener Zeit das Medium überhaupt waren, um Musik unter die Leute zu bringen.
Mein Herz klopfte wie verrückt, als ich wie in Trance auf das Geschäft zuschritt. Ein innerer Zwang befahl mir, dort hineinzuschauen. Ich bekam überhaupt nicht mit, dass meine Bandkollegen mir folgten, erst als ich Harrys Stimme sagen hörte: „Das ist ja mal super cool hier drinnen!", nahm ich die Anwesenheit der restlichen Jungs wahr.
Aufgeregt wühlten wir in den großen Tischen, welche die Schallplatten zuerst in Kategorien und dann nach dem Alphabet unterteilten.
„Culture Club, igitt!", hörte ich Louis sagen, „da ist dieser Boy George der Sänger gewesen."
„Das ist der Fettsack, der uns bei den Brit Awards im Backstage Bereich verwechselt hat, Niall", meinte Liam grinsend, als ich aufschaute.
„Ach der, na ja, irgendwann muss er ja mal Erfolg gehabt haben, wenn sich einige Leute in unserer Zeit noch an ihn erinnern", meinte ich.
Eigentlich war mir dieser Boy George ziemlich gleichgültig, denn es gab haufenweise Schallplatten, die meine Aufmerksamkeit um ein Vielfaches mehr erregten.
Rockmusik! Die 80iger Jahre hatten in dieser Richtung einiges zu bieten und ich entdeckte Bandnamen, die es zum Teil auch heute noch gab.
Als erstes fiel mir ein Album der Rolling Stones in die Hände. Es trug den Namen „Undercover" und musste wohl das aktuelle aus 1983 sein. Dann geriet „Flick oft he Switch" von AC/DC in mein Blickfeld und als nächstes starrte ich auf ein Live Album der Eagles. Ich liebte diese Band, sie gehörten zu meinen absoluten Favoriten und ich hätte mir gewünscht jetzt und hier ein Konzert von ihnen besuchen zu können.
Wie ein kleines Kind durchwühlte ich erneut die Schallplatten und dann sah ich es: das Album von U2, einer irischen Rockband. Natürlich kannte ich U2, als echter Ire musste man das auch und ich überlegte, ob ich mir dieses vielleicht als Andenken mitnehmen sollte.
Als ich wie gebannt auf das Cover starrte, fühlte ich mich plötzlich beobachtet. Blitzschnell hob ich meinen Kopf, schaute geradeaus und blickte in ein blaues Augenpaar. Dieses gehörte einem Mädchen, das jedoch sofort wegschaute, als sie meinen Blick bemerkte. Sie stand mit einer Freundin zusammen, die jetzt mit ihr tuschelte und anschließend zu Harry herüberschaute.
Erneut wandte ich mich kurz dem Album von U2 zu und während ich überlegte, ob ich es nun kaufen sollte oder nicht, spürte ich erneut ihre Augen auf mir, was mich wiederum veranlasste, zu ihr zu schauen.
Dieses Mal schaute sie nicht wieder weg aber wenn ich es richtig gesehen hatte, errötete sie ein wenig. So was fand ich absolut süß, wie ihr ganzes Erscheinungsbild auch.
Sie war auf jeden Fall kleiner als ich, soweit ich das aus der Entfernung beurteilen konnte und ich schätzte sie auf ungefähr achtzehn Jahre. Ihre ausdrucksvollen blauen Augen standen in Kontrast zu ihrem langen, dunkelbraunen Haar, welches bis über die Schultern reichte und ihr hübsches Gesicht umrahmte. Sie trug enge, schwarze Jeans, die ihr knackiges Hinterteil hervorragend zur Geltung brachten, sowie eine schwarze Lederjacke. Unter dieser lugte ein schwarzes Shirt mit einem weißen Aufdruck hervor, den ich jedoch nicht genau erkennen konnte, da sie sich plötzlich wieder umdrehte.
Doch das, was ich zu sehen bekommen hatte, reichte aus, um meine Neugierde zu erwecken. Laut der alten Hexe, die uns nach 1983 transferiert hatte, durften wir mit allen Personen reden, die uns begegneten. Davon wollte ich nun Gebrauch machen. Vielleicht waren die Mädchen in den 80iger Jahren ja anders, doch um das herauszufinden musste ich erst eines kennenlernen.
Entschlossen ging ich mit dem U2 Album in der Hand langsam auf sie zu. Als ich mich näherte, konnte ich genau erkennen, dass sie wirklich errötete. Gott, wie süß war das denn?
Zwei Schritte vor ihr blieb ich schließlich stehen und während meine Augen ihre gute Figur scannten, bemerkte ich, dass sie nun auf das U2 Album blickte.
„Du hast einen guten Musikgeschmack", brachte sie schließlich hervor.
Ich hatte erstens nicht erwartet, dass sie einfach so mit mir reden würde und zweitens, dass sie eine Stimme besaß, die wie Musik in meinen Ohren erklang. Diese traf irgendetwas in mir und ich musste zunächst schlucken, bevor ich redete.
„Magst du U2 auch?", wollte ich wissen.
Sie trug ein AC/DC T-Shirt, wie ich nun sehen konnte, und deswegen fragte ich sicherheitshalber nach.
„Ja, klar", erwiderte sie mit einem Lächeln im Gesicht, das in mir das Gefühl einer leichten Sommerbrise auslöste, obwohl es draußen kalt war.
„Wie heißt du eigentlich?", fragte sie plötzlich.
„Niall", erwiderte ich grinsend, „und du?"
„Liz, also eigentlich Elizabeth."
„Hübscher Name". Horan, du Idiot, dir könnte ja auch was Besseres einfallen!
Doch sie schien mir das nicht übel zu nehmen.
„Niall ist aber kein britischer Name, oder?", wollte sie wissen.
„Nein, es ist ein irischer Name", klärte ich sie schmunzelnd auf.
Liz nickte verständnisvoll, bevor sie antwortete: „Ihr Jungs kommt wohl alle nicht aus London, oder?"
Wow, sie hatte mit einem Blick erfasst, dass wir alle fünf zusammengehörten, obwohl niemand in dieser Zeit One Direction kannte.
„Nein, wir kommen alle nicht aus London", beantwortete ich ihre Frage.
„Das erklärt einiges."
„Wie meinst du denn das?", fragte ich nun leicht verunsichert.
„Na, eure Frisuren und die komischen Klamotten. Tragen alle Jungs in Irland solche Hosen wie du?"
Man durfte ja alles beleidigen aber meine Hosen nicht. „Was ist denn mit meinen Hosen?" wollte ich nun wissen.
Liz kicherte plötzlich, während sie auf meinen Hintern starrte. „Sie sind viel zu weit. Die laufen unter dem Motto habe Hose, suche Hintern und das geht gar nicht", kam es prompt von ihr.
„Wie bitte?" Völlig entgeistert schaute ich sie an und wusste nicht, was ich sagen sollte.
Ein Mädchen brachte es zustande, dass Niall Horan sprachlos wurde, einfach ungeheuerlich. Doch nun legte Liz erst richtig los.
„Weißt du, die Jeans von deinem Kumpel, der sich gerade mit meiner Freundin Crissy unterhält, sind ganz ok, aber der Rest von euch braucht echt andere Hosen. Es sei denn, ihr wollt unbedingt auffallen und ausgelacht werden."
Die Worte der merkwürdigen Frau, welche uns durch die Zeit reisen ließ, fielen mir plötzlich wieder ein. „Ihr solltet so wenig wie möglich auffallen."
Das taten wir garantiert mit unserer Kleidung, wie Liz mir gerade bewiesen hatte.
Vorsichtig schielte ich zu Harry, der einzige von uns, der wirklich enge Jeans trug. Liz hatte absolut Recht, aber wir benötigten nicht nur neue Hosen, sondern auch Jacken, der eigentliche Grund für unser Auftauchen in der Oxford Street.
„Kennst du einen Laden, wo man billige Klamotten kaufen kann? Wir haben nämlich nicht so viel Kohle, weißt du."
Toll, auf meinem Konto in der Zukunft stapelten sich die Millionen aber in 1983 musste ich mich mit zweihundert Pfund begnügen, die zudem noch für eine ganze Woche reichen sollten. Ich bezweifelte immer mehr, dass mir das gelingen würde, zumal sich mein Magen jetzt bemerkbar machte. Kein Wunder, denn ich hatte seit heute Mittag nichts Richtiges mehr gegessen. Der Cookie im Coffee Shop zählte nicht, das beschloss ich soeben.
„Du stellst vielleicht Fragen! Ich lebe hier in London, also werde ich auch wissen, wo man billige Klamotten kaufen kann", antwortete Liz lachend.
Ihr Lachen hörte sich genauso süß an wie ihre Stimme.
„Würdest du mir und meinen Kumpels den Laden zeigen?", fragte ich grinsend.
„Klar, der ist hier gleich um die Ecke. Einer der besten Second Hand Läden Londons."
Second Hand? Ich konnte nur hoffen, dass die Klamotten ordentlich gereinigt wurden, bevor sie den Besitzer wechselten. Als ich Liz meine Bedenken mitteilte, beruhigte sie mich jedoch sofort.
„Keine Angst, das kann der sich nicht erlauben. Da ist echt alles super was du kaufst, versprochen."
Warum nur hatte ich das Gefühl, dass wir ohne Liz ziemlich aufgeschmissen sein würden?
„Jungs, kommt mal her", forderte ich meiner Freunde auf. „Liz kennt einen Laden, wo wir billig shoppen können."
Sofort umrundeten uns meine Bandkollegen, die sich Liz und auch ihrer Freundin Crissy nun vorstellten. Fast jedes Mädchen im Jahr 2013 wäre bei der Erwähnung unserer Namen hysterisch schreiend durch den Laden gesprungen, doch Liz und Crissy standen einfach nur ganz gechillt da und grinsten uns freundlich an.
Eines wusste ich jetzt schon: Ich liebte es, im Jahr 1983 zu sein, auch, wenn ich mir ohne Handy und Internet wie ein Volltrottel vorkam.
Doch ich war gespanntauf die folgenden Tage und vor allem darauf, wie wir diese Herausforderungenwohl meistern würden.
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Seid ihr auch gepannt darauf, wie die Jungs mit den Herausforderungen fertig werden? Ob es ihnen wohl gelingen wird, die Kugel zu fangen? Und wie mag es wohl zwischen Niall und Liz weitergehen?
Vielen Dank für euren Support bei dieser Geschichte! Ich freue mich riesig, dass sie so gut ankommt.
LG, Ambi
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