Patrick

Unsicher fragte ich: "Welche?" "Das du morgen Früh nicht einfach lautlos verschwindest." Shit, eigentlich war das mein Plan... Sollte ich einwilligen aber dann drauf scheißen? Das konnte ich nicht machen. Ich willigte ein: "Geht klar." "Ganz sicher? Ich will wirklich nicht dass du weg bist wenn ich morgen aufwache. Wir finden eine Lösung, okay?" "Ja, ich verspreche es." "Okay, sehr gut. Brauchst du was zu essen?" "Nein, hab vorher gegessen." "Lüg mich doch nicht an..." "Vielleicht hab ich n bisschen hunger" "Was willst du? Ich kann dir was machen." "Nein nein, ich will keine Umstände machen." "Harley, was willst du essen? Ich will einfach nur dass du was isst, okay?" "Was habt ihr denn?" "Ich kann dir n Sandwich machen, ich kann dir Reis mir Gemüse und Hühnchen machen, ich kann dir machen was du willst. Ich kann dir auch wo was holen." "Reis mit Gemüse und Hühnchen klingt gut." Patrick lächelte: "Cool, darauf hab ich grad auch Lust. Ich mach es uns, schalt dir doch derweil den Fernseher ein." "Ne ne, ich helfe, was kann ich tun?" "Du musst wirklich nichts tun." "Doch. Ich will auch ein bisschen was machen." "Okay, in Ordnung. Dann füll mal Wasser in den Topf hier, danach kannst du das Hühnchen schneiden und anbraten, ich mach uns das Gemüse." Ich tat das Gesagte und erfüllte meine Aufgaben sehr gewissenhaft. Ich wollte mich von meiner absolut besten Seite zeigen. Als wir fertig gekocht hatten, setzten wir uns mit dem Essen auf die Couch und Patrick schaltete uns einen Film her, den wir sahen während wir aßen. Wir hatten echt gut gekocht und obwohl ich eine riesen Portion hatte, aß ich komplett auf. Als wir beide fertig waren, nahm ich unsere Teller um sie abzuspülen, doch Patrick meinte: "Harley, entspann dich. Ich mach das schon, das musst du echt nicht machen. Bleib sitzen und schau weiter, ich komm gleich wieder dazu." Patrick wusch das Geschirr und kam dann zurück. Gemeinsam sahen wir den Film zu Ende, dann sagte Patrick: "Okay, du kannst hier auf der Couch schlafen. Ich bring dir ne Decke und ein Kissen." Er holte das gesagte, gab es mir und sagte: "Wenn was ist, ganz egal was, dann ruf bitte einfach." Ich nickte und meinte: "Danke, echt." "Schon gut, gerne Harley. Jetzt schlaf, der Tag war sehr anstrengend. Gute Nacht." "Gute Nacht." Ich legte mich hin und merkte erst jetzt, wie müde ich war. Ich schlief sofort ein.

Schweißgebadet schreckte ich in der Nacht aus einem Traum hoch und schrie. Ich rollte mich zusammen und hielt die Hände über meinen Kopf. Kurze Zeit später kam Patrick angerannt: "Harley, hey, schau mich an. Es war ein Traum, Es war nur ein Traum. Es ist alles in Ordnung. Du bist in Sicherheit." Ich zitterte am ganzen Körper und setzte mich langsam hin. "Alles okay?" fragte Patrick und nahm mich in den Arm. Ich zuckte zusammen und wehrte mich kurz, aber Patrick beruhigte mich schnell: "Alles gut. Schhh. Ganz ruhig, ich bin da." Er drückte mich fest an sich und wog mich sanft hin und her. Nach einer Weile ging es bei mir wieder und Patrick meinte: "Schlaf weiter, ja?" Ich schüttelte den Kopf: "Ich kann nicht mehr schlafen." "Vom nicht-schlafen wird es nicht besser. Ich bleib hier, okay? Leg dich hin und schlaf. Ich bin da und pass auf, ich hol mir nur schnell Luftmatratze und Bettzeug. Bin sofort wieder da." Ich legte mich wieder hin und wartete auf Patrick. Als er sich wirklich eine Luftmatratze holte und sich ein paar Meter neben mich legte, schloss ich die Augen und schlief wieder ein.

Am nächsten Morgen wachte ich auf. Patrick, seine Frau und Kind waren schon wach. Ich rappelte mich langsam auf. Ich hatte noch ziemlich Schmerzen und stöhnte. So bekam Patrick mit, dass ich wach war. "Guten Morgen. Frühstück?" fragte er gut gelaunt und ich brummte: "Morgen. Ja, gerne." Patrick hatte mit meiner Antwort nicht ganz gerechnet und grinste deswegen umso mehr. "Müsli, Brot, Semmeln, Breze, Obst, was willst du?" "Habt ihr Obst, Haferflocken und n Joghurt da?" "Jep." Er stellte die Sachen auf den Tisch und ich stand langsam auf und setzte mich hin. Patricks Frau saß mit Kind gegenüber von mir und sah mich an. Ich lächelte: "Ich bin übrigens Harley." Auch sie lächelte und meinte freundlich: "Ich bin Teresa. Freut mich dich kennenzulernen, hab schon einiges von dir gehört." "Oh je..." grinste ich und sie meinte: "Das ist übrigens Milo." Und zeigte auf das Baby. "Er ist total süß. Wie alt ist er?" "Er ist jetzt vier Monate alt." Ich sah ihn an. Er war echt total knuffig. Ich lächelte ihn an und er lächelte zurück. "Da mag dich wer." stellte Patrick fest. "Eigentlich heult er immer wenn er fremde Leute sieht." Ich lachte. Dann setzte sich Patrick auch an den Tisch und wir begannen zu essen. Nach dem Essen meinte Patrick: "Gehen wir reden?" Ich nickte und ging mit ihm mit. Wir setzten uns auf die Couch und Patrick meinte: "Wie sieht dein Plan aus?" "Ich hab keinen." "Ich will nicht dass du auf der Straße lebst, echt nicht. Und du hast mir ja gestern deutlich klar gemacht, dass das der Fall wäre, wenn ich dich wieder ins Heim bringe, richtig?" Ich nickte. Patrick seufzte: "Ich weiß auch nicht was ich tun soll... Hast du keinen, zu dem du könntest?" Ich schüttelte den Kopf: "Keiner will mich..." "Lass den Quatsch, das ist Bullshit." "Ist es nicht. Cem nimmt mich auch nicht." "Cem ist damit komplett überfordert. Er hat keine Ahnung wie man mit Jungs mit dir umgeht." "Aber du!" Ich sah ihn hoffnungsvoll an, doch er blockte total ab: "Nein, Nein Harley. Echt nicht. Ich kann nicht jeden Patienten bei mir aufnehmen, bei dems grad nicht so läuft und der meine Hilfe braucht." "Bitte!" "Nein!" Ich fing an zu heulen. "Hör auf Harley. Das geht einfach nicht. Ich rufe jetzt beim Jugendamt an und frag was ich machen soll." Er stand auf, doch ich meinte: "Bitte, Patrick!" Patrick erstarrte für einen Moment, drehte sich dann um und sah mich an. Ich hatte ihn zum ersten Mal beim Namen genannt. "Bitte Patrick, bitte!" Er kam zurück und setzte sich: "Ich bin also nicht mehr der Psychodoc?" "Doch, aber ich will dich nichtmehr so nennen." Patrick lächelte, wurde dann aber wieder ernst: "Du lässt echt nicht locker, oder? Hör mal, selbst wenn ich dich bei mir aufnehmen würde, ich habe das noch nicht mit Teresa besprochen. Und selbst wenn sie einverstanden wäre, dann weiß ich nicht ob das Jugendamt das erlaubt. Und ich weiß auch nicht ob das hier auf Dauer so gut geht... Wir haben dann plötzlich zwei Kinder im Haus, auf die man die ganze Zeit aufpassen muss..." "Bitte. Ich schwöre, ich gebe mein bestes, dass ich euch keine Arbeit mache! Bitte!" "Ich weiß Harley. Meinst du nicht, dass ich das gemerkt habe? Du bist seit gestern ein neuer Mensch. Das macht mich sehr stolz. Du isst normal, du wirkst fröhlicher... Ich merke wie sehr du dir ein stabiles Umfeld wünscht." Ich sah ihn an und wartete. Er überlegte und meinte: "Ich spreche erstmal mit Teresa drüber."

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