Milo

"Danke! Danke!" Patrick meinte: "Würdest du in der Zeit auf Milo aufpassen?" Ich nickte. "Cool, dann komm mal mit." Wir gingen in die Küche zu Teresa und Milo. Patrick gab mir Milo vorsichtig in den Arm. Ich war etwas überfordert. Ich hatte noch nie so ein kleines Kind im Arm. "Mach ich das richtig? Ich weiß nicht ob ich das kann..." zweifelte ich , aber Patrick lachte: "Du machst das super. Geh mit ihm ins Wohnzimmer, da kannst du mit ihm spielen." Ich ging mit Milo, setzte mich mit ihm im Wohnzimmer auf den Boden und setzte ihn so auf meinen Schoß, das er mich anschauen konnte. Ich meinte: "Ich hab echt keinen Plan, was ich mit dir spielen soll. Du bist ja noch so klein." Milo lachte einfach nur. Ich redete weiter: "Du kannst echt froh sein dass du hier groß wirst. Du hast echt tolle Eltern, wirklich. Manche haben das nicht. Mir gings bei meinen Eltern nicht so toll, aber das erzähle ich dir noch nicht. Du solltest sowas nicht wissen." Ich grinste Milo an. Er war einfach zu süß wie er da saß und mich anlachte. "Was mach ich denn jetzt mit dir?" überlegte ich laut. Dann fiel mir ein was ich bei einer Pflegefamilie gesehen habe. Ich legte mich auf den Rücken, hielt ihn hoch und bewegte ihn wie ein Flugzeug und machte dazu Geräusche. Milo lachte sich total kaputt und deswegen musste ich auch lachen. Danach legte ich ihn auf den Teppich und spielte mit im "Kuck, kuck, dadada". Das fand er auch super. Während wir spielten kam Patrick rein. "Das machst du echt klasse! Oder Milo, der Harley kann das guuuut!" meinte er und nahm Milo hoch. Er brachte ihn zu Teresa und Patrick meinte: "Gehen wir raus zum reden?" Verunsichert nickte ich. Ich zog mir meine Schuhe an und bekam eine Jacke von Patrick. Wir verließen das Haus und gingen ein bisschen durch die Straßen. "Ich hab Teresa gefragt..." begann er und fuhr dann fort: "Ich hab ihr ein bisschen über dich erzählt, vor allem wie du warst bevor du bei uns aufgekreuzt bist. Ich finde es wirklich toll, dass du dich hier so sicher fühlst und so aufblühst. Milo mag dich auch total gerne. Wir haben entschlossen, dir eine Chance zu geben." Ich blieb stehen und sah Patrick an. Ich war mir nicht sicher, ob ich ihn richtig verstanden habe. "Wir nehmen dich vorerst bei uns auf, Harley." meinte Patrick und ich brauchte kurz um dies zu realisieren. Dann umarmte ich ihn stürmisch: "Danke! Danke!" Ich fing an zu heulen und Patrick hielt mich fest im Arm. "Schon gut." lachte Patrick. Dann gingen wir langsam zurück. Patrick sagte: "Falls das aber nicht klappen sollte, also falls du wieder abdrehst, dann muss ich auch handeln, okay? Und es gibt ein paar Bedingungen..." Fragend wartete ich darauf, dass er fortfuhr. "Du gehst zu nem Psychologen. Du redest auch mit mir, dass ich weiß wie es dir geht. Ich will dass du ehrlich bist, sowohl zu mir als auch zu Teresa. Du baust keinen scheiß wo die Polizei dann vor der Tür steht und du gehst nicht einfach, ich weiß immer wo du bist, okay?" "Ich hoffe ich schaffe das..." "Das schaffst du ganz sicher. Das sind keine harten Regeln. Ich bin mir sicher, dass mit der Zeit noch Regeln dazukommen, aber du musst keine anderen Regeln befolgen, wie Milo wenn er größer ist. Alles ganz easy. In ner Familie braucht man Regeln, und wenn du jetzt bei uns bleibst, dann gehörst du auch zur Familie, ja?" Ich nickte, meinte aber: "Ich werde es nicht schaffen, keine Fehler zu machen." "Bleib mal bisschen positiv! Außerdem darfst du Fehler machen. Das ist menschlich! Ich will nur nicht dass du mutwillig irgendwas machst, okay? Aber du darfst Fehler machen!" Etwas beruhigt nickte ich.

Als wir wieder bei Patrick Zuhause waren, ging ich zu Teresa und meinte: "Danke dass ihr mich aufnehmt. Das bedeutet mir sehr viel." Sie lächelte: "Sehr gerne Harley." "Wenn ich Ihnen was helfen kann, dann sagen Sie mir einfach bescheid, ich werde alles tun." "Erstmal duzt du mich, wir sind doch jetzt eine Familie." "Geht klar." "Und danke für dein Angebot. Du würdest sehr helfen wenn du ab und zu ein bisschen auf Milo aufpasst, der ist manchmal seeehr anstrengend." Ich nickte und meinte: "Ich kann ja später mit ihm rausgehen wenn das in Ordnung ist." "Natürlich, damit wärst du eine riesen Hilfe, danke." Ich nickte. Dann kam Patrick dazu und meinte: "Ich hab mit dem Jugendamt geredet. Das passt alles. Ich muss die Tage mal hin und paar Papiere unterschreiben, aber das geht alles glatt." "War kein Wunder, die sind froh wenn sie mich los sind." meinte ich und Patrick grinste: "Da ist wohl was dran. Ich werde heute noch mit der Polizei zu deiner alten Pflegefamilie fahren und deine Sachen abholen." "Ich will mit." "Ich denke das ist keine gute Idee." "Bitte." Patrick sah total unzufrieden aus, willigte aber schließlich ein. Dann fing Milo oben plötzlich an zu weinen. "Uff, er ist wieder wach." meinte Patrick und ich meinte: "Dann geh ich mit ihm raus." "Komm mal mit, dann zeig ich dir wie man ihn anzieht und so." Wir gingen nach oben und Patrick holte Milo aus seinem Gitterbett. Ich half ihm ihn anzuziehen und machte mich dann selbst fertig. Dann zeigte Patrick wie man ihn richtig in den Kinderwagen legte und wieder herausnahm. Dann ging ich mit Milo los. Ich schob ihn ca. eine Stunde in seinem Kinderwagen durch Köln und erzählte ihm die ganze Zeit irgendwelche Sachen.

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