•Normal Him•
Zara's Sicht
„Zara, Zara!" – Jemand rüttelte an mir. Langsam öffnete ich die Augen und sah Charlotte über mir stehen.
„Was willst du denn hier... um diese Zeit?", murmelte ich verschlafen.
„Zara, schau mal auf die Uhr! Wir kommen zu spät – du hast total verschlafen!", sagte Charlotte aufgeregt.
Ich drehte mich zur Uhr – nur noch eine halbe Stunde bis der Unterricht beginnt.
„Scheiße! Das wollte ich echt nicht. Wieso hat mein Wecker nicht geklingelt?!"
„Ganz einfach – die Batterien sind leer. Er ist um 1:20 Uhr stehen geblieben", erklärte Charlotte.
„Na toll... und deswegen kommen wir jetzt zu spät..." stöhnte ich.
„Wir können hier gerne weiterquatschen, aber dann kommen wir noch später. Also beweg dich lieber ein bisschen schneller", sagte sie mit einem Grinsen.
„Stimmt, hast recht." Ich sprang auf und rannte ins Bad – bis mir einfiel, dass ich ja noch Sachen zum Anziehen brauche. Also wieder zurück ins Zimmer, Klamotten rausgeholt, wieder ab ins Bad.

In Rekordzeit war ich fertig – fünf Minuten! So schnell war ich noch nie. Ich war stolz auf mich.
Dann rannten wir die Treppe runter – zum Glück war meine Mum noch da.
„Na endlich, los geht's. Ich fahr euch schnell zur Schule", sagte sie, als sie uns sah.
Wir rannten zum Auto und stiegen ein.
„Mum, kannst du bitte ein bisschen schneller fahren?!", drängelte ich, denn sie fuhr wie eine Schnecke.
„Schatz, hier ist 30 erlaubt. Ich kann nicht schneller", antwortete sie ruhig.
Ich hasse es, wenn wir genau dann in einer 30er-Zone sind, wenn es eilig ist!
Nach gefühlt endlosen Minuten kamen wir endlich an. Wir sprangen aus dem Auto und rannten Richtung Schule.
„Charlotte, beeil dich! Wir sind schon 20 Minuten zu spät!", rief ich im Laufen.
Vor der Tür zum Klassenraum klopfte ich. Dann öffneten wir vorsichtig.
„Warum seid ihr so spät?... Ach, wen interessiert's – macht, was ihr wollt", murmelte unsere Lehrerin genervt.
Ganz ehrlich – ich fand sie schon seit dem ersten Tag irgendwie komisch. Aber man kann sich seine Lehrer ja nicht aussuchen... oder?
Wir setzten uns leise auf unsere Plätze. Henry versuchte, mit mir zu reden, bekam aber jedes Mal eine Ermahnung. Karma, irgendwie.
••••
*Nach dem Unterricht*
Endlich Pause! Ich war echt froh, dass wir nicht nachsitzen mussten. Als Paul Stinkwitzki mal nur fünf Minuten zu spät kam, musste er einen ganzen Monat lang Kaugummis unter den Tischen entfernen!
Charlotte und ich standen an unseren Schließfächern, als Henry und Jasper zu uns kamen.
„Warum wart ihr heute so spät?", fragte Jasper neugierig.
„Ich hab verschlafen, mein Wecker hatte keine Batterien mehr. Charlotte hat mich zum Glück geweckt, und dann sind wir hergerast", erzählte ich.
„Da bin ich aber froh! Für einen Moment dachte ich schon, du kommst extra nicht, weil wir heute unser Date haben", sagte Henry grinsend.
„Quatsch, ich freu mich doch... wirklich", sagte ich. Okay, war vielleicht eine kleine Lüge.
„Denn auch wenn du nicht gekommen wärst, hätte ich dich am Abend abgeholt", sagte er überzeugt.
„Henry, alles gut. Ich bin hier, wir gehen auf das Date. Du musst es nicht ständig wiederholen", sagte ich leicht genervt.
„Hey, sei nicht so zickig. Ich sag das nur, weil ich es gern sage", meinte er lachend.
„Ich find das aber nicht witzig. Es nervt langsam", sagte ich ehrlich.
„Zara, Baby... das war nicht böse gemeint", sagte er.
„Nenn mich nicht Baby."
„Wie denn dann? Cupcake?" Er grinste breit.
„Haha", sagte ich nur sarkastisch – und ging einfach. Ich konnte ihn in dem Moment wirklich nicht mehr ertragen.
Ende des Schultags
Henry hörte nicht auf, sich zu entschuldigen. Irgendwie war es süß... aber dann nannte er mich schon wieder Cupcake. Ganz ehrlich – ich mag Cupcakes, aber ich will nicht so genannt werden!
Ich war gerade zu Hause und machte mich fertig. Nicht lange, dann würde Henry mich abholen. Zwei Stunden später wollte ich ihn in die Man Höhle locken.
Ich war nervös. Wie würde das alles ablaufen? Während ich mich fertig machte, lief ein Song auf Spotify, den ich nicht kannte – aber ich mochte ihn.
Ich suchte mir Kleidung aus dem Schrank – ich mochte, was ich sah. Trotzdem... ich wollte das Ganze eigentlich gar nicht richtig durchziehen. Ich wurde ja quasi zu dem Date gezwungen. Klar wollte ich Henry mal auf ein Date – aber so?

Dann klingelte es.
Ich schnappte mir meine Tasche, ging runter und öffnete die Tür – da stand er.
„Du siehst gut aus, Cupcake", sagte er.
„Danke", antwortete ich kurz.
„Ey, ich darf dich Cupcake nennen – das ist cool!"
„Nicht lange. Such dir lieber schnell einen anderen Namen aus", sagte ich warnend.
•••
*2 Stunden später*
Ihr wollt wissen, was passiert ist? Wir haben einen Film geschaut – aber nicht im Kino. Nein, wir waren in einem leeren Garten. Da stand eine Leinwand, davor eine Picknickdecke. Lichterketten hingen an den Bäumen. Es war schon dunkel – perfekt also. Und Henry war... ein echter Gentleman.
Man merkte: Der alte Henry war noch da. Zwar versteckt, aber bei mir kam er öfter durch.
Jetzt wollte er mich nach Hause bringen – aber ich hatte anderes vor. Ich musste ihn ja in die Man Höhle bringen!
„Henry, können wir kurz zu Ray? Ich hab dort gestern was vergessen."
„Klar, wenn's wichtig ist."
Wir gingen zu Junk N' Stuff – und runter in die Man Höhle. Es war dunkel, Henry machte das Licht an – ZACK! Ein Laserstrahl traf ihn und er kippte um. Ich konnte ihn gerade noch auffangen.
„Spinnst du?!", rief ich Schwotz zu.
„Aber ich sollte doch sofort loslegen, sobald ich ihn sehe!", rechtfertigte er sich.
„Das war aber meine Aufgabe! Ich hätte ihn nicht gleich so abgeknallt!", schrie Ray.
„Beruhigt euch! Wichtig ist jetzt, herauszufinden, was Henry hat und wie wir das rückgängig machen", sagte Charlotte ruhig.
„Stimmt", sagte Ray.
„Was jetzt?", fragte ich.
„Wir schließen ihn an die Maschine an – die checkt ihn durch."
„Wie ein Virenscan beim Laptop?", fragte Charlotte.
„Genau."
„Wie lange dauert das?", fragte Ray.
„Etwa drei Stunden – je nach Schwere des Problems", antwortete Schwotz.
Wir setzten uns. Charlotte setzte sich neben mich.
„Und... wie war das Date?", fragte sie leise.
„So schlimm war's gar nicht", sagte ich ehrlich.
„Was habt ihr gemacht?"
„Einen Film geschaut. Im Garten, mit Leinwand und Lichterketten... sehr romantisch."
„Klingt, als hätte sich Henry doch nicht so verändert", sagte sie.
„Bei mir ist er süß – aber bei anderen spielt er immer noch den Boss. Das nervt."
„Nicht mehr lange, dann ist er wieder ganz der Alte", sagte Charlotte hoffnungsvoll.
„Ich hoffe es wirklich..."
•••
*3 Stunden später – Mitternacht*
„Leute, kommt! Es ist fertig!", rief Schwotz.
Wir rannten zu ihm.
„Was hat Henry?", fragte Ray.
„Als er damals an der Böse-Maschine angeschlossen war, wurde der Prozess nur zur Hälfte abgeschlossen."
„Also ist er jetzt... halb böse?", fragte Ray.
„So in etwa. Er wird schneller sauer und kriegt öfter Ärger."
„Aber warum ist er so besitzergreifend? Er sagt ständig, dass ich ihm gehöre...", sagte ich.
„Er war schon immer beschützend gegenüber denen, die er liebt. Durch die halbe Verwandlung ist das eben extremer."
„Aber das ist mehr als beschützen – sie darf ja nicht mal mit anderen Jungs sprechen", sagte Charlotte.
„Dann heißt das nur eins", meinte Schwotz.
„Und das wäre?", fragte Ray.
„...Keine Ahnung", antwortete er. Ich stöhnte.
„Warum sagst du dann sowas?!", meckerte Ray.
„Zwei Fragen: Wie finden wir's raus? Und wie kriegen wir Henry zurück?", fragte Charlotte.
„1. Wir fragen Doktor Love. 2. Die Maschine kann das auch, aber erst morgen – sonst merkt Henry was."
„Doktor Love?! Schwotz, ehrlich? Und wie willst du es vertuschen?", fragte ich.
„Sag einfach, er ist ohnmächtig geworden und wir haben ihn heimgebracht."
Also kontaktierten wir Doktor Love. Nach viel Erklärerei verstand er es endlich.
Seine Antwort war... überraschend.
„Ganz einfach: Der Junge ist verliebt in dich. Und jetzt entschuldigt mich – mein Quietscheentchen wartet in der Badewanne." Klick.
„Henry... ist verliebt in dich", flüsterte Charlotte.
„Er hat sich sicher vertan..."
„Doktor Love irrt sich nie!", meinte Schwotz überzeugt.
„Ich weiß nicht, was ich tun soll..."
„Na, zusammenkommen natürlich!", grinste Charlotte.
„Hab ich mir schon am ersten Tag gedacht", warf Ray ein.
„Lasst uns erstmal Henry heimbringen."
Wir brachten ihn zu seinen Eltern. Sie waren besorgt – wir sagten, er sei nur müde. Schwotz gab ihm etwas, das die Erinnerung verschwinden ließ.
Ich hoffe nur... morgen ist er wieder der Alte.
Und ich? Was soll ich jetzt bloß mit der Info machen, dass Henry in mich verliebt ist?
•••
Lied: Bazzi ft. Camila Cabello - Beautiful ab jetzt in der Spotify Playlist
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