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Zara's Sicht

Ich konnte die ganze Nacht kein Auge zudrücken – nicht, weil ich nicht müde war, sondern weil sich ein einziger Gedanke wie ein kaputter Plattenspieler in meinem Kopf drehte:

Was, wenn Henry wirklich auf mich steht?

So sehr ich es mir manchmal wünsche... ich glaube nicht dran. Wirklich nicht. Ich meine – ich halte das für genauso wahrscheinlich wie fliegende Schweine.

Und trotzdem... war da noch etwas anderes. Ein seltsames Gefühl. Eine Stimme in meinem Kopf, die mich nicht losließ:

Was, wenn er sich gar nicht verändert hat? Was, wenn das alles nur gespielt ist?

Ich hatte keine Antworten. Und ich wusste auch, dass ich nichts daran ändern konnte. Also stand ich irgendwann auf, warf mir irgendwas Bequemes über und ging nach unten ins Wohnzimmer.


Viel zu früh, wie sich herausstellte.

Ich lief ein paar Minuten nervös im Raum herum. Sollte ich zu Henry gehen? War er überhaupt schon wach? Und was, wenn er sich plötzlich wieder wie ein Arsch verhielt?

Am Ende entschied ich mich einfach spontan: Ich würde hingehen. Vielleicht war ja eh schon jeder wach.

Ich schnappte mir meine Schulsachen und machte mich auf den Weg zu ihm. Fünf Minuten später stand ich auch schon vor seiner Haustür und klingelte. Keine Minute später öffnete jemand.

Es war – natürlich – Piper.

„Hi, ich wollte zu Henry", sagte ich etwas unsicher.

„HENRY! Deine hübsche Freundin ist da!", brüllte sie in gewohnter Lautstärke durchs Haus. Mein Trommelfell vibrierte mit.

Kurz darauf hörte ich hastige Schritte auf der Treppe, dann rutschte Henry auf den letzten drei Stufen aus und landete mit einem Rumps unten.

„Henry!" Ich lief sofort zu ihm. „Geht's dir gut?"

Er grinste leicht und verzog dann das Gesicht. „Alles okay, glaub ich. Mein Hintern tut ein bisschen weh, aber hey – kann passieren."

Ich half ihm auf.

„Warum bist du denn so runtergerannt?" fragte ich.

Er zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Ich wollte wissen, wer da ist... aber ich hab's mir irgendwie schon gedacht, dass du es bist."

„Warum dachtest du das?"

„Weil du die Einzige bist, die so früh hier auftaucht", sagte er und lächelte. „Aber ich hab mich echt gefreut. War irgendwie, als hätte ich dich ewig nicht mehr gesehen."

„Wann war denn das letzte Mal, dass du mich gesehen hast?" fragte ich leise.

Sein Blick wurde kurz leer. „Als ich... entführt wurde. Danach... nichts mehr. Schwarz. Ich erinnere mich an nichts."

Ich atmete erleichtert auf. Er weiß also nichts von seinem Verhalten danach...

„Piper meinte, ich hätte mich wie ein Arsch benommen", sagte er und runzelte die Stirn. „Aber ich... weiß nichts davon."

„Nimm das nicht so ernst. Für Piper bist du eh öfter mal ein Arsch", sagte ich grinsend.

Er lachte leise. „Da hast du wahrscheinlich recht. Ich mach mich mal fertig, wir müssen ja gleich los." Und damit verschwand er wieder nach oben.

Ich drehte mich um, nur um fast zusammenzuzucken – Piper stand plötzlich direkt hinter mir.

„Du hast ihn gerade angelogen", sagte sie trocken.

Ich zuckte mit den Schultern. „Ich weiß selbst nicht, was los war. Und... ich wollte's ihm nicht gleich aufdrücken."

„Vielleicht. Aber du hättest ihm sagen sollen, wie scheiße er sich verhalten hat. Weißt du, was mich mehr wundert? Dass er wieder nett ist – und das, seitdem er gestern mit dir unterwegs war."

„Ich war wie immer", erwiderte ich schnell.

„Mhm. Weißt du, was ich glaube?" Piper legte den Kopf schief. „Henry steht auf dich. So schnell wie heute ist der noch nie die Treppe runtergefallen."

Ich wollte gerade etwas sagen, da kam Henry die Treppe runter.

„Sie hat dich nicht beleidigt oder verletzt, oder?" fragte er mich.

„Hey, zu meiner Verteidigung: Das ist die erste von deinen Freundinnen, die ich mag! Also mach ENDLICH den ersten Schritt, das hält ja keiner mehr aus!" rief Piper und verschwand dann Richtung Küche.

Henry sah peinlich berührt zu mir. „Tut mir leid, was sie da gesagt hat."

„Ist nicht schlimm", sagte ich leise. „Aber lass uns los, sonst kommen wir noch zu spät."

Also machten wir uns auf den Weg zur Schule. Unterwegs redeten wir ganz normal. Lachten sogar. Es war fast so, als wäre nie etwas gewesen.

Doch in der Schule... war alles anders.

Die Leute sahen Henry an, als wäre er ein wandelndes Monster. Ihre Blicke waren eine Mischung aus Angst und Vorsicht. Henry schien völlig irritiert.

„Was ist denn los mit denen?" fragte er mich.

„Du hattest... eine kleine Nebenwirkung", mischte sich Charlotte ein, die plötzlich neben uns lief. „Die Leute haben ein bisschen Angst bekommen, wegen dem, was passiert ist."

„Na großartig. Muss ja schlimm gewesen sein, wenn die jetzt zehn Meter Abstand halten", murmelte er.

Ich schluckte. „Tut uns leid. Wir konnten... nichts machen."

„Ist ja nicht eure Schuld", meinte Henry nur, bevor wir den Unterricht betraten.

•••

Mittagspause

„Wann willst du Henry eigentlich sagen, dass du auf ihn stehst?" fragte Charlotte und stupste mich mit dem Ellenbogen.

Ich verdrehte die Augen. „Wie wär's mit... jetzt nicht? Er ist gerade erst wieder normal geworden."

„Mag sein. Aber tu's, bevor wieder so eine Cassie 2.0 auftaucht und ihn dir wegschnappt."

„Wenn er wirklich was von mir will, dann wird er auch nicht gleich zur Nächsten rennen, oder? Dann wartet er. Dann kämpft er."

„Vielleicht denkt er aber, dass du nichts von ihm willst. Zeig ihm das Gegenteil!"

„Und wie?" Ich seufzte. „Was soll ich denn machen?"

„Etwas Persönliches. Etwas, das zeigt, dass du ihn wirklich meinst. Kein Standardzeug."

„Ich überleg mir was..."

„Denk schneller – denn schau mal, wer da vorne mit Lexy aus der Oberstufe flirtet." Jasper war es, der plötzlich das sagte.

Ich drehte mich um – und mein Herz rutschte mir in die Kniekehlen. Da stand Henry. Mit Lexy. Lachend. Nah. Zu nah. Und dann küsste er... ihre Wange.

„Wer ist das?" fragte Charlotte vorsichtig.

„Lexy...", flüsterte ich enttäuscht. „Ich hab keinen Hunger mehr." Ich stand auf, nahm mein Tablett und ging aus der Cafeteria.

Ich schaffte es gerade noch bis zum Mädchenklo. Dort schloss ich mich ein – und brach in Tränen aus.

Es tut einfach weh.

Jedes Mal, wenn ich denke, vielleicht... vielleicht bedeutet es ihm etwas... macht er so was.

Vielleicht hat er nie etwas empfunden.

Vielleicht wird er das auch nie.

Ich bin so dumm. Immer kümmere ich mich um alle – und am Ende... krieg ich den Arschtritt. Immer.

Ich sollte aufhören. Mich nicht mehr zerreißen für Leute, die mich fallen lassen.

Ich wischte mir die Tränen aus dem Gesicht, atmete tief durch und verließ das Klo – nur um direkt mit jemandem zusammenzustoßen.

„Tut mir leid", sagte ich reflexartig und hob den Blick. Jack.

„Alles gut. Ich hätte auch besser aufpassen können." Er sah mir direkt in die Augen. „Hast du geweint?"

„Nein, ich hatte nur was im Auge", murmelte ich und versuchte, schnell an ihm vorbeizukommen.

„Zara... ich kenn dich zwar nicht lang, aber ich erkenne Lügen. Was ist los?"

Ich zögerte. Dann platzte es aus mir raus: „Henry... Lexy... Er hat ihr einen Kuss auf die Wange gegeben. Und ich weiß, das sollte mir egal sein, aber es ist es nicht."

Jack sah mich ernst an. „Du hast das nicht verdient. Du brauchst jemanden, der dich sieht. Nur dich."

Ich sah ihn lange an. „Noch ein Grund, warum ich abgehauen bin..."

Er nickte. „Komm mit. Ich hab da was, das dich auf andere Gedanken bringt."

Ich zögerte. Eigentlich wollte ich niemanden sehen. Nicht jetzt. Und vor allem niemanden, der mich so ansah, als könnte er zwischen meine Risse sehen.

Aber etwas in seiner Stimme – ruhig, ehrlich, warm – ließ mich nicken.

Wir liefen schweigend den Gang entlang, bis er eine Tür aufstieß: Der Musikraum. Ich war überrascht. Er schaltete das Licht nicht an, ließ aber das Tageslicht durch die großen Fenster fluten. Der Raum war leer. Nur er, ich – und die Stille, die sich plötzlich irgendwie... friedlich anfühlte.

Jack ging zum Klavier, ließ sich auf den Hocker sinken und sah mich dann an.

„Setz dich."

Ich zögerte. „Ich... kann nicht singen."

„Hab ich auch nicht gesagt." Ein kleines Lächeln schlich sich auf seine Lippen. „Du musst gar nichts. Nur zuhören."

Er atmete einmal tief durch – und dann legten sich seine Finger auf die Tasten. Der erste Ton erklang. Warm. Voll. Und dann spielte er weiter, die Melodie sanft, fließend, fast wie ein Trost. Ich erkannte das Lied sofort – mein Lieblingssong. Wie konnte er den kennen?

Und dann begann er zu singen. Leise. Keine perfekte Stimme, aber echt. Und genau das war es, was mich traf – mitten ins Herz.

„You're fighting me off like a firefighter
So tell me why you still get burned
You say you're not, but you're still a liar
'Cause I'm the one that you run to first"

Ich spürte, wie meine Kehle sich zuschnürte. Tränen sammelten sich wieder in meinen Augen, diesmal nicht vor Wut, nicht vor Enttäuschung – sondern, weil ich mich gesehen fühlte. Zum ersten Mal heute. Vielleicht zum ersten Mal seit Langem.

When it hurts but it hurts so good
Do you take it?
Do you break it off?
When it hurts but it hurts so good
Can you say it?
Can you say it?
Your love is like (hey, na-na-na, na-na)
Your love is like (hey, na-na-na, na-na)
It hurts so good (hey, na-na-na, na-na)
Your love is like (hey, na-na-na, na-na)
It hurts so good"

Ich schloss die Augen. Atmete. Ließ los. Alles, was mich beschwert hatte – die Angst, der Schmerz, die Enttäuschung über Henry – wurde leiser. Nicht weg. Aber leiser. Weil Jack hier war. Weil er sang. Weil er nichts von mir wollte – außer, dass ich wieder atme.

Als er das letzte Wort gesungen hatte, ließ er die Hände langsam von den Tasten sinken. Dann sah er zu mir. Kein Druck in seinem Blick. Nur Wärme.

„Warum... warum hast du das gemacht?" fragte ich leise.

„Weil du's brauchst", sagte er schlicht. „Weil ich's gesehen hab. Und weil jemand es für dich tun sollte."

Ich schluckte. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll."

„Musst du nicht. Ich weiß nur eins: Wenn jemand dich so traurig macht wie Henry... dann hat er dich nicht verdient."

Ich sah ihn lange an. Und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass mein Herz – so durcheinander es auch war – sich ein winziges Stück beruhigte.

„Zara, das war unglaublich", sagte Jack begeistert.

„Du musst mich nicht anlügen. Ich weiß, dass es schrecklich war", murmelte ich und blickte zu Boden.

„Das war überhaupt nicht schrecklich", widersprach Reese sofort. „Das Lied hat perfekt zu dir gepasst. Du singst großartig. Du darfst nicht aufhören damit."

„Er hat recht – und ich stimme sonst niemandem zu", warf Ryder trocken ein.

„Stimmt allerdings", ergänzte Blake. „Und der Typ, der dir das Herz gebrochen hat, wird das ganz sicher noch bereuen."

„Genau. Und vergiss nicht – du hast noch Reese", grinste Ryder.

„Ganz genau – du hast mich." Reese lächelte mich sanft an. „Willst du noch was mit uns unternehmen?"

„Klar, gern. Wenn es euch nichts ausmacht", antwortete ich vorsichtig.

„Du machst uns ganz bestimmt nichts aus. Du kannst ruhig mitkommen", sagte Blake mit einem Zwinkern.

Wir räumten zusammen auf, nahmen unsere Sachen und ich folgte den Jungs einfach. Wohin wir fuhren, wusste ich nicht. Die Gegend, in der wir schließlich landeten, war ziemlich verlassen. Wäre ich allein gewesen, wäre ich hier nie hergekommen.

Als wir aus dem Auto stiegen und durch eine dunkle Gasse gingen, konnte ich nicht anders, als halb im Scherz zu fragen: „Jungs, ihr entführt mich doch jetzt nicht, oder?"

Jack lachte. „Nein, wir wollen dir nur unsere anderen Freunde vorstellen. Du wirst erst denken, dass wir die Bösen sind, weil das hier verboten ist, aber das sind wir nicht."

Wir kamen an einer großen Lagerhalle an. Als das Tor aufging, musste ich die Augen zusammenkneifen – drinnen waren lauter Jugendliche, manche mit Schlafsäcken. Wohnten die hier?

„Jack... was ist das hier? Wohnen die alle hier?" fragte ich vorsichtig.

„Ehrlich gesagt, ja. Die meisten sind hier, weil sie zu Hause nicht mehr klargekommen sind – Stress mit den Eltern, Alkohol, Drogen, oder ein neuer Partner, der sie schlecht behandelt. Wir geben ihnen hier Schutz. Ich weiß, es klingt verboten – sie sind alle minderjährig und viele Eltern haben sie als vermisst gemeldet. Die Polizei sucht sie. Aber keiner von ihnen will zurück. Und wir zwingen sie nicht. Nur... bitte sag es niemandem. Ich verstehe, wenn du jetzt gehen willst."

Ich schüttelte entschieden den Kopf. „Ich werde niemandem etwas sagen. Und ich gehe auch nicht. Im Gegenteil – ich finde es toll, was ihr macht. Es gibt viel zu viele Menschen, die immer nur verurteilen. Ich bin nicht so. Ich möchte euch helfen."

„Okay", sagte Jack überrascht. „Wir gehen gleich noch raus sprayen. Du weißt schon..."

Ich nickte. „Ich weiß – ist auch verboten, aber meistens macht ihr's ja dort, wo es niemanden stört."

„Genau", grinste er.

„Ich komme mit – aber nur, wenn ich auch mitmachen darf."

„Gerne", sagte Jack. Und dann gingen wir weiter. Ich freute mich ehrlich darauf. Endlich kam ich mal auf andere Gedanken.

•••

Rays Sicht

„Henry hat was schon wieder gemacht?!" fragte ich entsetzt, nachdem Charlotte und Jasper mir erzählt hatten, was heute los gewesen war.

„Anstatt mal ehrlich zu seinen Gefühlen zu stehen, flirtet er schon wieder mit irgendeiner aus der Oberstufe", sagte Charlotte genervt.

„Er checkt einfach nicht, was Zara alles für ihn getan hat", meinte Jasper. „Ich kann verstehen, dass sie Abstand will."

„Und wo steckt Henry jetzt?" fragte ich.

„Na, er ist mit der Tussi aus der Oberstufe unterwegs", antwortete Jasper trocken.

„Dieser Junge braucht dringend eine Gehirnwäsche", murmelte ich.

Weiter kamen wir nicht – plötzlich ging der Alarm los.

„Was ist los?" fragte Charlotte besorgt.

Ich checkte die Anzeige. „Schon wieder irgendwelche Teenager, die denken, es ist witzig, Wände zu beschmieren."

„Sind es wieder die Walldogs?" fragte Charlotte.

„Nein, andere – aber die krieg ich noch", sagte ich und verwandelte mich schnell in Captain Man. Ich musste mich beeilen.

Als ich ankam, war ich total außer Atem. „Ich würde ganz schnell damit aufhören – hier ist keiner davon begeistert!" rief ich. Vielleicht nicht die klügste Ansage – sie entkamen mir alle. Alle – bis auf ein Mädchen.

Ich schnappte sie mir und hielt sie fest. Sie nickte jemandem zu, drehte sich dann zu mir.

„Zara?!" rief ich überrascht.

•••

Zaras Sicht

Jack drehte sich um – offenbar hatte er nach mir gesucht. Als er mich sah, wollte er mir helfen. Aber ich schüttelte den Kopf und bedeutete ihm, weiterzugehen. Ich schaff das schon.

Dann wandte ich mich Ray zu.

„Zara?!" sagte er immer noch überrascht.

„Hi", murmelte ich.

„Du kannst froh sein, dass die Polizei nicht hier war – sondern ich", meinte er.

„Du hättest meine Freunde trotzdem verpetzt", sagte ich ernst. „Ray, die machen das nur, um auf andere Gedanken zu kommen. Es geht ihnen nicht gut."

„Genauso wie dir", erwiderte er ruhig.

„Nein – ihnen geht's noch viel schlechter. Du kennst sie nicht, also verurteile sie nicht, okay?"

Er seufzte. „Komm."

Wir gingen zusammen zur Man-Höhle. Ich hatte gehofft, Henry wäre da. War er aber nicht.

„Wo ist Henry?" fragte ich.

„Mit Lexy unterwegs", antwortete Charlotte knapp.

„War ja klar... Warum frag ich eigentlich noch?" Ich seufzte.

„Zara... er wird schon merken, dass du die Richtige für ihn bist. Warte einfach ab", versuchte Charlotte mich zu beruhigen.

„Nein. Nein, Charlotte – ich warte nicht mehr. Ich hab mich immer um ihn gekümmert, wenn's ihm schlecht ging. Ich dachte, er mag mich auch... Aber offenbar mochte er nur das, was ich für ihn getan habe – nicht mich. Und das tut verdammt weh. Soll er doch mit Lexy ausgehen. Vielleicht finde ich auch jemanden. Ich hab schon jemanden kennengelernt. Er ist süß. Und wenigstens bringt er mich auf andere Gedanken."

„War das der Typ, dem du vorhin zugewunken hast?" fragte Ray.

„Nein – der nicht. Aber der ist auch nett. Seine Kumpels übrigens auch."

„Ihr beide macht euch gegenseitig kaputt – und er merkt's nicht mal", sagte Charlotte.

In dem Moment ging der Fahrstuhl auf – Henry kam rein. Unsere Unterhaltung war sofort vorbei.

„Hey Leute", sagte er grinsend.

„Und? Wie war's?" fragte Jasper.

„Super. Sie ist süß. Wusste gar nicht, dass sie auf Jüngere steht", meinte er grinsend.

Mir wurde schlecht.

„Henry, sag mir das nächste Mal bitte vorher Bescheid. Ich musste heute allein arbeiten", sagte Ray, sichtlich genervt.

„Es ist doch nichts passiert, oder?" fragte Henry unschuldig.

„Nur, dass mir die Walldogs 2.0 entkommen sind", erwiderte Ray verärgert.

„Ist Veronica wieder draußen? Cool – dann kann ich mit ihr abhängen", sagte Henry, als wäre nichts.

Ich konnte nicht mehr.

„Hast du nicht jemanden vergessen?" fragte Charlotte spitz.

„Äh... Zara. Wollen wir morgen was zusammen machen?" fragte er mich.

Ich lachte bitter auf. „Ist das dein Ernst? Such dir ein anderes Mädchen, das dir hinterherrennt. Ich hab keinen Bock mehr auf deinen Scheiß. Geh doch zu Lexy!"

„Was ist denn jetzt los mit dir?" fragte er verwundert.

„Ganz einfach: Du denkst, du bist der Frauenheld und bekommst jede, die dir über den Weg läuft."

„Das stimmt doch gar nicht!"

„Doch! Du merkst es nur schon gar nicht mehr!"

„Zara hat recht", stimmte Charlotte mir zu. „So läuft's gerade wirklich."

„Red erst wieder mit mir, wenn du wieder klar denken kannst", sagte ich nur noch, drehte mich um und ging.

Ich hielt es einfach nicht mehr aus.

Zu Hause riss ich die Tür auf, rannte ins Haus, schlug die Tür zu. „Zara, alles okay?" hörte ich meine Mum rufen.

Ich antwortete nicht.

Sie wusste, was das bedeutete.

Ich hasste Henry. Ich hasste ihn so sehr.

Und ich hoffte, er würde bald zur Besinnung kommen.

Wenn nicht, will ich nie wieder etwas mit ihm zu tun haben.

Ich kann nicht mehr mit einem gebrochenen Herzen leben.

Ich. Kann. Einfach. Nicht. Mehr.

•••

Lied: Astrid S - Hurts So Good ab jetzt in der Spotify Playlist

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