27. Kapitel
Harry:
Es vergehen drei Tage, in denen ich nicht mit Louis spreche. Oder mit ihm schreibe. Stattdessen arbeite ich so lange, dass ich als Erster morgens in Büro kommen und spät abends als Letzter gehe. Und ich versuche die Gedanken zu verdrängen, die meinen Kopf gerade in Beschlag nehmen. Seitdem ich Louis vor der Wache abgesetzt habe, denke ich ständig daran. Ich habe das Gefühl, ich schmecke ihn immer noch auf meiner Zunge und spüre seine Hand in meinen Haaren. Ich erinnere mich genau, wie er mich gepackt und geleitet hat. Fuck. Ein Kribbeln überzieht meinen Körper und obwohl ich allein im Büro sitze, erröte ich ein wenig. Shit.
Schnell schüttle ich den Kopf und versuche die Gedanken zu verdrängen. Es bedeutet nichts. Es ist irrelevant. Es... ich will es wiederholen. Ich will es nochmal spüren, diese Lust, dieses Adrenalin. Ich könnte es leugnen, doch insgeheim weiß ich schon seit Tagen, dass Leugnen auf Dauer nichts bringen wird. Mein Handy piept. Sofort zuckt mein Blick nach links. Mein Herz schlägt schneller und ohne nachzuschauen, weiß ich, dass es Louis ist. Es muss einfach Louis sein. Ich tippe den Satz der E-Mail zu Ende und nehme es dann.
Louis: War es so schlimm, dass du dich nicht meldest?
Harry: Ich hatte zu tun.
Louis: Ok
Harry: Musst du heute arbeiten?
Louis: Wieso? Willst du mehr?
Harry: Was?
Louis: Oh, ich verstehe. Du versuchst es mit Smalltalk.
Harry: Du hast mich doch angeschrieben
„Harry?" Ich sehe auf Oliver steht in meiner Tür. „Störe ich?" – „Komm rein", antworte ich und lege mein Handy weg. Oliver setzt sich mir gegenüber. „Du hast nichts zu Matts Einladung gesagt", beginnt er das Gespräch. „Ich muss arbeiten", antworte ich knapp. Oliver sieht mich skeptisch an. „Ich bin dein Chef und weiß, dass du am Samstag definitiv nicht arbeiten musst." – „Werde ich aber", antworte ich ihm nur. Oliver seufzt. „Es ist seine Hochzeit." – „Ich kenne seine Verlobte nicht einmal", entgegne ich trocken. Was soll ich bitte auf Matts Hochzeit? Wir sind seit einigen Jahren Kollegen, aber wir sind nicht so eng, dass ich ihn auf meiner Hochzeit einladen würde. Wenn ich denn irgendwann mal heirate. „Du hast ihm keine Rückmeldung gegeben", antwortet Matt mir. Ich zucke mit einer Schulter. „Ich habe ihm gesagt, dass ich arbeite, aber er meinte, er glaubt mir nicht und ich solle es mir doch bitte überlegen." – „Hast du es dir überlegt?", fragt Oliver mich und ich stocke.
Teamgeist, rufe ich mir in Gedächtnis. Ich kann mich nicht immer vor diesen Terminen drücken und erwarten, dass ich Partner werde. „Ich habe keine Begleitung." – „Was?", fragt Oliver verwundert. „Ich habe keine Begleitung", wiederhole ich. „Gemma hat keine Zeit, das weiß ich. Sie ist am Samstag mit Freunden unterwegs und Louis... und sonst kommt niemand in Frage", korrigiere ich mich schnell. Fuck! Das darf nicht passiert sein! „Louis?", fragt Oliver überrascht und mustert mich. „Meinst du den Feuerwehrmann?" – „Das ist nicht wichtig", blocke ich ab. Wieso zur Hölle ist mir sein Name über die Lippen gerutscht?! Das ist doch ein schlechter Scherz.
„Er ist freundlich, er kennt Matt. Frag ihn", bestimmt Oliver. „Ich bin nicht... er... das geht nicht", stottere ich hervor. Verwundert sieht er mich an. Normalerweise weiß ich immer, was ich sagen möchte. Ich stottere nie. „Gib Matt einfach bis zum Feierabend Bescheid, okay?" – „Mache ich", antworte ich angespannt und Oliver nickt zufrieden. Er schließt die Tür hinter sich, als er das Büro verlässt. „Fuck!", fluche ich laut. Ich sehe auf die Uhr. In vier Stunden macht Matt normalerweise Feierabend. Ich muss mich also jetzt um dieses Problem kümmern.
Kurzerhand nehme ich mir mein Handy und rufe Louis an. Ich komme so oder so nicht drum herum. Verdammte Scheiße.
„Vermisst du mich?", fragt Louis, als er abhebt. „Das hättest du gerne", antworte ich und verfluche mich erneut dafür, was gerade passiert ist. „Ich habe am Samstag Zeit", sagt er dann. „Was?" Wie kann er das wissen? „Du denkst daran, oder nicht? Was in deinem Auto passiert ist. Und du bist neugierig, was du noch so verpasst hast", erwidert er. „Uhm... vielleicht. Aber... also..." – „Alles okay?", fragt Louis mich nun etwas ruhiger und weniger provokant. Ich zögere einen Moment. „Gerade war mein Chef in meinem Büro", fange ich an. „Mir ist etwas dummes passiert", muss ich zugeben. „Matt, mein Kollege heiratet am Samstag und wir sind alle eingeladen. Ich habe bisher nicht zugesagt, weil ich ehrlichgesagt gar nicht hingehen will. Oliver ist es aber wichtig, dass ein möglicher zukünftiger Partner der Firma teamfähig ist und sich für seine Mitmenschen interessiert."
„Also musst du dahin gehen", schlussfolgert er. „Richtig", stimme ich zu. „Ich meinte dann aber, dass ich keine Begleitung habe. Erst dachte ich an Gemma, aber sie hat keine Zeit und dann... also..." Es wird nicht besser, wenn ich es hinauszögere. Es ist so oder so unangenehm. „Dein Name ist gefallen." – „Mein Name?" fragt er überrascht. „Ja, nur ausversehen und als ich es richtigstellen wollte, war Oliver von der Idee schon begeistert und meinte, dass ich dich fragen sollte, weil du Matt schließlich auch kennst."
Louis schweigt einen Moment. Ich verziehe den Mund und drehe mich auf meinem Stuhl in Richtung Fenster um. „Hast du jetzt nur deine Pflicht getan? Damit, mich anzurufen, meine ich." – „Ich hätte auch lügen können und sagen können, du hättest keine Zeit", erwidere ich. „Guter Punkt", antwortet Louis. „Ich würde mitkommen, wenn du das möchtest. Ich habe Samstag noch nichts vor." – „Du sagst nicht nein?", frage ich überrascht. „Wieso sollte ich das tun? Offensichtlich ist es wichtig, dass du mit einer Begleitung dort auftauchst", antwortet er mir. „Ich hole dich ab." – „Du... mich?" – „Schick mir deine Adresse und die Uhrzeit", bestimmt er und dieser Tonfall jagt mir einen Schauer über den Rücken. Verdammt. Ich sollte es definitiv nicht mögen, wenn er mit diesem bestimmten Ton mit mir spricht.
„Ja, okay... also dann sage ich Matt, dass du mitkommst", stimme ich zu. „Weiß er es denn?" – „Dass ich kommen werde?" – „Dass du einen Mann mitbringen könntest", erwidert er. „Uhm... nein. Aber Oliver wusste das eigentlich auch nicht, bis..." – „Dir mein Name rausgerutscht ist", versteht er. „Ja." – „Also ist es okay für dich?" – „Du könntest auch nur ein Freund sein", gebe ich zu bedenken. „Ich bin nicht... also..." – „Willst du jetzt sagen, du stehst nicht auf Männer? Dass du es nicht heiß findest, meinen Schwanz zu lutschen? Dass du nicht wissen willst, was ich noch alles mit dir anstellen könnte?" Mein Schwanz zuckt.
„Ich möchte gar nicht darüber reden. Das ist zu früh", weiche ich aus. „Matt kann denken, was er will." – „Wenn das okay für dich ist, komme ich mit. Ich möchte nur, dass dir vorher klar ist, das viele Leute es als Outing auffassen werden." – „Sollen sie doch denken, was sie wollen", antworte ich ihm. „Das interessiert mich nicht. Oliver hat es ganz normal aufgefasst und er schlägt mich als Partner vor. Und er ist nicht homophob." – „Okay. Such dir einen sexy Anzug raus, Harry. Der Tag wird lang." Dann legt er auf. Perplex sehe ich nach draußen auf die Straße unter mir. Hat er gerade gesagt, ich soll mich sexy anziehen?
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Tja, Harry muss auf eine Hochzeit und nimmt ausgerechnet Louis mit. Meint ihr, das geht gut?
Ich stecke gerade außerdem in einer Schreibblockade fest (u.A. zeitlichem Stress geschuldet). Dadurch habe ich wenig Ideen, wie es weitergehen könnte. Bisher wenn das so war, haben mir eure Kommentare meistens sehr geholfen, also haut mal Ideen/ Wünsche für den weiteren Verlauf der Story raus. Gerne auch konkrete Ideen/ Situationen usw. :)
Love, L
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