~ 5 ~
Der Wind blies sanft durch ihre Haare. Außer ihnen war niemand auf der kleinen Dachterrasse, des Hospizes. "Auch wenn man nur Hochhäuser sieht, ist der Ausblick wunderschön.", sagte Marlene und Nick nickte stumm.
Nach einigen Minuten des Schweigens, ging Marlene ein paar Schritte näher an das Geländer. Erst wollte Nick hinterher, aber blieb dann stehen. Marlene nahm tief Luft. "Ich werde dich vermissen.", sagte sie. Nick stand wie gelähmt da. Was sollte das heißen? Dann drehte sich das Mädchen wieder um und ging auf Nick zu. Sie blieb vor ihm stehen und küsste ihn sogleich. "Komm lass uns wieder reingehen. Es ist etwas kühl geworden."
In dieser Nach schlief Nick schlecht. Irgendwie ließen ihn Marlenes Worte nicht los. Wieso hat sie es gesagt? Wird sie etwa...? Nein! Nicht jetzt, nicht heute! Nick kniff die Augen zusammen, aber spürte wie ihm trotzdem die Tränen sein Gesicht hinunter liefen.
Am nächsten Morgen konnte er nicht anders, als aus dem Bett zu springen, sich sofort umzuziehen, Zähne putzen, ein Zettel zu hinterlassen und dann zur Bushaltestelle zu rennen. Als er völlig außer Atem bei dem Hospiz ankam, sah er als erstes zu Marlenes Fenster hoch, das gerade offen stand, als er wieder runter schaute, bemerkte er dann das Auto von ihren Eltern.
Sein Herz stockte und sein Atem beschleunigte sich. Er packte sich an sein Herz und schüttelte den Kopf. Nein, Nick, sie können einfach nur zu Besuch sein und Marlenes Krankheit hindert sie nicht daran, mal ihr Zimmer zu lüften.
Er nahm zitternd tief Luft und ging dann zur Eingangstür. Als er eine Minute später auf Marlenes Zimmer zuging, kam gerade eine der Mitarbeiterinnen dort heraus. Sie schaute ihn an und als er ihre getrockneten Tränen sah, gaben seine Beine nach. Das Nächste, was er spürte, war eine Umarmung. Die Mitarbeiterin war sofort zu ihm gelaufen. "Es tut mir so Leid. Sie war einfach ein atemberaubendes Mädchen. Sie hat es einfach nicht verdient..."
Sie half ihm aufzustehen und setzte ihn auf einen der Stühle im Flur. Er wollte sich bedanken, aber bekam kein Wort heraus. Es waren nur einige Sekunden vergangen, da griff ihn eine neue Kraft und er stand mit einem Ruck auf. "I-Ich muss sie sehen...", sagte er nur und die Frau, die sich neben ihn gesetzt hatte, nickte nur.
Trotz des plötzlichen Kraftschubs, stolperte Nick zu Marlenes Zimmer, aus dem er schon ein klägliches Weinen hören konnte. Er kam um die Ecke und stand dann in ihrem Zimmer. Das Erste, das er sah, war Marlenes Vater, der seine weinende Frau in den Armen hielt, während ihm selber unaufhaltsam die Tränen fielen. Dann sah er Marlene...
Nick näherte sich ihr. Kurz schloss er die Augen und nahm dann tief Luft, um sie dann wieder zu öffnen. Das schlafende Mädchen vor ihm war blass, aber sah sonst sehr zufrieden aus, als würde sie etwas schönes träumen.
Er streckte seine zitternde Hand nach ihr aus. Obwohl sie so friedlich schlief, wollte er sie wecken. Doch als er ihre Hand berührte, zuckte seine Hand weg. Er ging einen Schritt zurück und schüttelte dabei heftig seinen Kopf. Nein! Nein, nein, nein! Das geht nicht!
Nick ging wieder auf sie zurück und bückte sich zu ihr runter, um sie in eine Umarmung zu nehmen. "Nein, Marli... D-Das ist einfach n-nur ein Traum..." Er schluchzte starkt, als die Kälte ihres Körpers seine Wärme wegzuziehen versuchte. Der Junge drückte das Mädchen noch stärker an sich, als plötzlich ein starker Wind durch das Zimmer wehte und alles durcheinander warf. In dem Moment, in dem der Wind kam, löste sich sofort ein Knoten in ihm. Doch nicht der Wind an sich war der Grund, wieso die Panik in Nick sich plötzlich löste.
Nick lockerte seine Umarmung und legte das immer noch schlafende Mädchen wieder so hin, wie es vorher gelegen hatte. Er schaute sie an und flüsterte, während er eine Strähne zur Seite strich: "Danke."
Eine zweite Träne lief ihm die Wange hinunter, als er wieder in die Gegenwart zurückkehrte. Vor ihm sah er nicht mehr das Gesicht des Mädchens, sondern den kühlen Grabstein mit ihrem Namen. Er nahm tief Luft und sagte: "Ich komme bald wieder." Damit stand er wieder auf und entfernte sich langsam von dem Grab.
~ 700 Wörter ~
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