28 - Ein Versprechen wird gegeben und gebrochen

Der 1. Zaubererkrieg (Teil 7):

Als ich die Augen aufschlug, wusste ich zuerst nicht wo ich war. Ich lag... in einem Bett? Hektisch setzte ich mich auf.

"Cassy, du bist wach!", stellte Remus erfreut fest. Er saß auf einem Stuhl neben dem Bett in dem ich lag.

Ein Gefühl von Déjà-vu überkam mich. In dieser Situation hatte ich mich bereits befunden, vor gar nicht langer Zeit. Die Erinnerung an alles, was danach passiert war, traf mich wie ein Schlag in die Magengrube. Ich hatte die Gerichtsversammlung gestürmt. Mein Vater hatte Regulus, Barty und Evan nach Askaban geschickt. Und ich war bewusstlos geworden. War es etwa schon zu spät? Befanden sie sich bereits in der Gewalt der Dementoren? War alles umsonst gewesen?

"Was ist passiert?", brachte ich krächzend hervor.

Angenehm überrascht bemerkte ich, dass meine Zersplinterung gänzlich verheilt war, ich spürte die Wunde nicht einmal mehr. Marlene hatte ganze Arbeit geleistet, meine einzigen Gründe zum Jammern war mein staubtrockener Mund und die Tatsache, dass ich keine Ahnung hatte, was passiert war.

"Du bist Zersplintert und hast wegen dem Blutverlust das Bewusstsein verloren", teilte mir Marlene mit, erst jetzt bemerkte ich, dass sie an der Wand lehnte, "Aber keine Sorge, ich habe dich wieder zusammengeflickt. Schonen musst du dich aber trotzdem, also bleib dieses Mal gefälligst im Bett!"

Suchend ließ ich meinen Blick durch das Zimmer schweifen. Mein Blick blieb an einem Glas Wasser hängen. Ich griff danach - und hätte es fast fallen lassen, aber irgendwie schaffte ich es, ein paar Schlucke zu trinken, ohne Chaos zu verursachen. Sofort fühlte ich mich besser und ein wenig mehr in der Lage, der Welt entgegenzutreten.

"Das meinte ich eigentlich nicht", teilte ich Marlene mit, "Was ist mit Reg, Barty und Ev? Wurden sie freigesprochen?"

"Nein", sagte Remus, und mir sackte das Herz in die Hose.

"Aber sie sind auch nicht in Askaban", schob Marlene schnell hinterher.

"Aber wenn sie weder in Askaban noch frei sind... Wo sind sie dann?", wollte ich wissen.

Zum Rätselraten fühlte ich mich nun wirklich noch nicht gesund genug, ich wollte Antworten, und zwar am besten schnell.

"Nachdem du bewusstlos geworden bist, habe ich dich hierhergebracht", erklärte Marlene, "Cas und Pandora sind in dem ganzen Chaos in den Gerichtssaal gestürmt und haben beendet was du angefangen hast. Nach langem Hin und Her und einer Abstimmung wurde beschlossen, dass die Drei nach dem Krieg frei sein werden. Bis dahin müssen sie den Orden mit Insiderinformationen versorgen und dürfen vor allem das Ordenshauptquartier nicht verlassen."

"Das sind ja super Neuigkeiten!", rief ich und sprang aus dem Bett, "Wo sind sie?"

"Nix da, du bleibst liegen! Oder hast du schon vergessen, was das letzte Mal passiert ist?", schimpfte Marlene auch schon los und schubste mich zurück ins Bett, "Cas und Pandora sind bei ihnen, sie sind im Keller und jetzt schlaf wieder, sonst verabreiche ich dir einen Schlaftrank! Du kannst sie morgen besuchen!"

"Aber-", setzte ich an, doch weiter kam ich nicht.

"Kein Aber!", unterbrach Marlene mich und unter ihrem eisernen Blick schrumpfte mein Widerstand in sich zusammen.

Ein wenig Schlaf würde mir bei genauerem Nachdenken wohl wirklich guttun... Und solange Reg, Barty und Ev in Sicherheit waren...

"Na gut", gab ich mich geschlagen.

Ich war viel müder, als ich angenommen hatte. Was ich unter anderem daran bemerkte, dass ich nur Sekunden nachdem ich meine Augen geschlossen hatte ins Land der Träume driftete.

~~~~~

Als ich die Augen jedoch wieder aufschlug, hatte ich endgültig genug davon herumzuliegen. Herumliegen konnte ich immer noch wenn ich tot war. Jetzt wollte ich erst einmal sehen, wie es Regulus, Barty und Evan ging. Immerhin hatte ich sie das letzte Mal vor Gericht gesehen, davor im Hauptquartier der Todesser und davor schon lange nicht mehr. Ich vermisste die drei.

Da der Raum leer war, hielt mich auch niemand auf, als ich nach meinen Schuhen kramte und die Treppen nach unten stieg, in den Keller, in dem sich Regulus, Barty und Evan laut Marlene ja befanden. Es waren viele Treppen, und so hatte ich jede Menge Zeit um mir auszumalen, was ich ihnen zu sagen hätte, denn es war trotz allem nicht so, als hätten sie nichts angestellt. Ich war froh, dass sie nicht in Askaban waren und ich war bereit, mit ihnen zu reden, aber nur weil ich ihnen vergeben hatte hieß das ja nicht automatisch, dass ich auch vergessen würde.

Zuallererst einmal war es unerhört von den Dreien gewesen, dass sie Dorcas, Pandora und mir gegenüber nicht ehrlich gewesen waren. Sie hätten sich erklären können, und das schon lange bevor ich in Gefangenschaft geraten war! Wenn sie uns nur eingeweiht hätten, hätte so viel anders laufen können! Aber nein, sie hatten die Sache ja unbedingt allein durchziehen müssen! Jetzt erst merkte ich, wie viel aufgestaute Wut ich eigentlich mit mir herumschleppte.

Schließlich erreichte ich das unterste Ende der Treppe. Der Keller war zwar bei Weitem nicht so gemütlich wie der Rest des Hauses, aber ausgestattet mit Tischen und Sofas sah er doch ganz nett aus. Jemand, mit hoher Wahrscheinlichkeit Pandora, hatte sogar eine Vase mit Blumen auf dem Tisch platziert. Barty und Evan lümmelten auf einem der Sofas. Barty las ein Buch und Evan verarbeitete eine alte Zeitung zu etwas, das Ähnlichkeiten mit einem Papierflieger aufwies.

Als ich am Fuß der Treppe zum Stehen kam, blickten die beiden auf. Barty machte Anstalten aufzustehen und auf mich zuzugehen, überlegte es sich dann jedoch anders uns kam etwa auf halber Strecke zum Stillstand.

"Cassy", sagte er und sah mich unsicher an.

Sein Blick spiegelte mein eigenes Gefühlschaos wieder. Wir hatten uns bereits füreinander entschieden, aber das war in der Hitze des Gefechts gewesen. Jetzt waren wir alle in Sicherheit und mit der Sicherheit kamen auch die zur Seite geschobenen Gefühle.

Ich öffnete den Mund um ihm alles an den Kopf zu werfen, was ich in den letzten Monaten für mich behalten hatte. All die Wut, die Enttäuschung, den Verrat. Aber alles, was ich herausbrachte, war: "Es tut mir leid."

Dann überbrückte ich die Distanz zwischen uns und zog Barty in eine Umarmung.

"Was tut dir bitte leid?", fragte Barty völlig perplex, "Wir waren es doch, die Mist gebaut haben."

"Aber ich hätte zuhören müssen", murmelte ich, "Ich bin eure Freundin, deine Zwillingsschwester, verdammt nochmal!"

"Trotzdem ist es nicht deine Schuld", sagte Evan, der aufgestanden war und jetzt neben uns stand. Ich ließ Barty los und drückte stattdessen Evan an mich.

"Es ist egal, wessen Schuld es ist. Versprecht mir nur, mich nie wieder zu hintergehen oder anzulügen. Von jetzt an sagt ihr von Anfang an die Wahrheit."

"Versprochen", sagte Barty und sah mich ernst an.

"Versprochen", pflichtete Evan ihm bei.

Da fiel mir die Drachenscherbenkette wieder ein. Und, dass ich noch immer Bartys Scherbe hatte. Vorsichtig löste ich die beiden Ketten voneinander und reichte eine davon mit einem schiefen Grinsen Barty, der sie sich sogleich umlegte.

Ich trat einen Schritt zurück und grinste die beiden an. Ich war glücklich, denn Krieg hin oder her, jetzt würde alles gut werden, ganz bestimmt. Alles war perfekt, wir konnten das wieder hinkriegen, wir konnten wieder Freunde werden, so wie früher, wir-

"Wo ist eigentlich Reg?", hakte ich nach.

"Der ist... auf dem Klo", sagte Barty und Evan nickte bestätigend.

Keiner der beiden sah mir in die Augen. Mein Lächeln sackte in sich zusammen.

"Ihr tut es schon wieder. Ihr lügt. Ihr habt mir gerade versprochen, mich nicht mehr anzulügen", stellte ich tonlos fest.

"Cassy, es tut-", setzte Barty an, aber ich schüttelte nur den Kopf.

"Spar dir die Entschuldigung. Sag mir einfach wo er ist. Ihr dürft hier nicht raus. Wenn ihn jemand erwischt, dann steht er schon mit einem Fuß in Askaban", sagte ich und bedachte meinen Zwillingsbruder mit einem bohrenden Blick, "Also. Wo ist Regulus?"

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