VI

Mein Todesurteil hängt über mir so bitterkalt wie ein Eimer voller Eiswürfel, und doch so verführerisch, als sei es ein romantischer Abend im Duft der Kirschblüten meiner schönsten Träume.

Das Messer, das der Dämon in seiner rechten Hand hält sieht aus, als könnte es selbst Knochen zerschneiden – und ich bezweifle nicht, dass er genau das damit vor hat. Er kommt auf mich zu, die roten Augen ausdruckslos.

Ich bereite mich darauf vor, dass er mir die Klinge mit einer mühelosen Bewegung ins Herz jagt. Aber das tut er nicht. Nein, stattdessen bietet er sie mir auf der bloßen Handfläche dar. Verwirrt blicke ich auf, da ich immer noch auf der dünnen Matratze des Bettes sitze.

»Nimm es«, verlangt er. Zögerlich greife ich nach dem Messer. Der Griff ist aus Ebenholz und reich verziert mit Schnitzereien. Die Klinge scheint, der Zahl darauf nach zu urteilen, Silber zu sein. »Und jetzt töte mich.«

Mein Herz setzt einen Schlag aus. Augenblicklich lasse ich das Messer klirrend zu Boden fallen. Das kann er gerade nicht verlangt haben. Oder doch …?

Doch der Dämon – nein Aurélien – dreht mir den Rücken zu und wartet. Er wartet darauf, dass ich ihm den Todesstoß versetze.

Dämonen sind zwar schwer zu bezwingen, doch eine Klinge im Herzen tötet selbst sie. Aber noch nie habe ich davon gehört, dass ein Dämon freiwillig durch die Hand eines Menschen sterben möchte.

Zitternd stehe ich auf und nehme das Messer vom Boden wieder an mich. Schwer und schuldig liegt es in meiner Hand. Unsicher trete ich auf Aurélien zu. Ich weiß, dass es richtig wäre ihn zu töten, dass es besser so wäre. Aber ich kann nicht. Vielleicht ist es verachtenswert, dass ich nicht einmal das zustande bringe, wo doch gerade alles, was mir wichtig ist, verloren scheint und ich nichts zu verlieren hätte. Doch ich bin kein Monster. Keine Mörderin. Ich töte niemanden, der vor mir am Boden kniet. Und auch wenn Aurélien nicht wirklich kniet, so sehe ich es doch in seiner Haltung, dem Beben seiner Schultern und dem Zittern seiner Hände. Ich weiß, dass er sich von mir töten lassen würde.

Vielleicht ist das hier aber auch nur ein Trick, weil er weiß, dass ich das nicht tun kann. Vielleicht ist er aber auch aufrichtig, weil er weiß, dass es keinen anderen Weg gibt, auf dem er mein Vertrauen gewinnen könnte.

Ich bin hin und her gerissen, denn zählt es überhaupt als Mord eine Kreatur wie ihn zu töten? Ist es nicht eine ehrenvolle Tat? Und ich grübele und grübele und grübele …

Bis ich zu einer Entscheidung gekommen bin.

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