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Jungkook Pov
Bisher konnte man von mir behaupten was man wollte, aber eines war klar, dumm war ich nicht. Ich denke, gerade jetzt könnte man das aber durchaus von mir denken oder welche Entschuldigung hätte ich sonst, einem offensichtlichem Straftäter zu folgen, der noch dazu ohne jeden Zweifel mit dem Fall des Handys und den Drohungen gegen mich und Taehyung zu tun hat.
Das ist aber nicht das dümmste was ich heute gemacht habe. Nachdem ich zugestimmt habe ihm zuzuhören, sagte er wir müssten das an irgendeinem privaten Ort tun, weil es nur eine Frage der Zeit ist bis wir gefunden werden.
Von wem oder warum wir überhaupt gesucht werden hat er nicht verraten.
Aber bevor wir in sein, wahrscheinlich gestohlenes, Taxi gestiegen sind, musste ich eine Sache tun von der ich mir ziemlich sicher bin das ich sie bereuen werde, ich habe den Akku aus meinem Handy genommen um zu verhindern das man uns verfolgen kann.
Jetzt bin ich also auf mich alleine gestellt und das habe ich einzig und alleine meiner Dummheit zu verdanken. Man könnte doch glatt meinen ich hätte das verlangen zu sterben, warum sonst sollte ich so etwas tun?
Ich fange wieder an normal zu atmen als ich sehe, dass das Gebäude vor dem wir halten ein Motel ist. Kein gruseliges Haus im Wald oder etwas wo man meine Schreie nicht hören könnte. Das hier gibt mir doch ein Stück weit das Gefühl der Sicherheit wieder.
Aber ich verliere mein Misstrauen und die Vorsicht vor diesem Mann nicht, immerhin besteht für mich kein Zweifel daran das er damals dabei war als die Feier der GL Group gestürmt wurde und er ist ja nicht irgendein Mann.
Jungsook sagte, dass der Mann der ihr die Waffe an den Kopf gehalten und abdrücken wollte ehe er aufgehalten wurde ein Tattoo am Handgelenk trug, ein Ouroboros. Dieser Mann hat eben dieses Tattoo und das er damals bereit gewesen ist eine unschuldige Frau zu töten heißt für mich nichts gutes.
Als ich sein Zimmer betrete, bietet sich mir ein faszinierender und gleichzeitig leicht erschreckender Anblick. Er scheint hier schon länger zu hausen, denn auf dem einzigen Schreibtisch im Raum stehen lauter technischer Sachen und ein Ordner der voll gepackt ist mit Unterlagen.
Er schließt die Tür hinter mir und langsam aber sicher kehrt in mir doch die verloren geglaubte Angst zurück. Was habe ich bloß gemacht?
Bevor ich den Akku aus dem Handy entfernt habe, hätte Taehyung wenigstens schreiben sollen das ich mich verspäte. Ich hoffe er flippt nicht aus und bewahrt Ruhe.
"Wer bist du?", frage ich in die Stille hinein und drehe mich wieder zu ihm. Er hat nach wie vor seinen Mundschutz, die Sonnenbrille und die Cap auf, nicht gerade vertrauenserweckend.
"Der Reihe nach. Zuerst möchte ich eine Sache klären: Ich habe nicht vor dich irgendwie zu verletzen, ganz im Gegenteil, ich möchte dir helfen."
Er zieht seine Hände, die bisher, bis auf die Zeit im Auto als sie am Lenkrad geruht haben, stets in den Taschen seines Hoodies vergraben waren und offenbart eine Pistole die sich die ganze Zeit über darin befunden hat.
Ich hebe die Hände schützend an meinen Kopf und lasse mich auf die Knie fallen, die Augen fest zusammengekniffen. Es passiert mehr aus Reflex als das ich wirklich darüber nachgedacht habe, denn während ich so da Hocke und auf den Schuss warte, wird mir bewusst das mich das nicht retten wird.
Aber statt des Schusses höre ich wie etwas klackernd zu Boden fällt und als ich den Blick hebe, sehe ich das es die Waffe war. Er hat sie entsichert und fallen lassen.
"Du brauchst keine Angst zu haben", sagt er und tritt sie unter das Bett.
Er meint das also ernst. Wenn das hier keine Falle ist und er nicht vor hat aus mir heraus zu bekommen wo sich das Handy befindet nachdem plötzlich die ganze Welt sucht, kann es tatsächlich sein das er auf unserer Seite steht?
Wohl eher nicht. Es gibt mehr Indizien die dagegen sprechen als dafür.
"Ach nein? Und wieso solltest du mir helfen wollen?", frage ich und stehe mit zitternden Knien auf.
Er ist größer als ich und auch kräftiger, körperlich bin ich ihm also vollkommen unterlegen, aber vielleicht lügt er nicht und er möchte mir tatsächlich nichts tun.
"Es ist meine Schuld das du dich in dieser Situation befindest."
"Deine Schuld? Hast du diese Männer beauftragt?"
Er hebt die Hände neben seinen Kopf um mir zu zeigen das er mich nicht verletzen wird und läuft an mir vorbei zu dem Laptop, der auf dem Schreibtisch steht. Seine Finger bewegen sich schnell über die Tastatur, sie fliegen praktisch darüber als er das Passwort eingibt und es bestätigt.
Mein Blick richtet sich auf den Bildschirm wo zwei Ordner geöffnet sind, zwei Ordner die mir mehr als gut bekannt sind. Es sind die gleichen Ordner wie auf dem Handy.
Bisher war ich mir ziemlich sicher das er einer der Männer ist und eigentlich bin ich das immer noch, weil ich nicht glaube das Jungsook gelogen hat als sie uns und der Polizei vom Tattoo am Handgelenk erzählt hat.
Aber mittlerweile bin ich verwirrt und weiß gar nicht mehr was ich glauben soll. Das was diese Männer wollten, war das Handy und da das einzige was sich auf diesem Teil befand eben diese Ordner waren, sind es sicher die Dateien an die sie ran wollen.
Wenn dieser Mann die Dateien allerdings bereits besitzt, dann hätte er sie doch seinen Partnern bereits geben können, wieso behält er sie für sich und vor allem wieso braucht er mich dann?
"Wer bist du?", wiederhole ich meine Frage vom Anfang und sehe ihn ungeduldig an.
Ich habe diese Spielchen satt, diese Geheimniskrämerei und die Lügen. Es wird Zeit für die Wahrheit und dieser Mann hat sie ohne Zweifel, die Antworten auf all meine Fragen.
"Ich habe dir bereits gesagt, das ich dich in das ganze hier hereingezogen habe."
"Lass das, hör auf mit den unklaren Antworten. Ich frage noch mal. Wer bist du?"
Er schnaubt und sieht mich prüfend an bevor er sein Handy herausholt und das Passwort eingibt. Verwirrt sehe ich ihn an und frage mich wozu er für die Beantwortung dieser Frage bitte sein Handy braucht, aber als er es mir hinhält und mir den geöffneten Chat präsentiert, verstehe ich langsam.
Das war sein Hilferuf damals.
Er war derjenige der sagte wir müssten uns gegenseitig helfen und das wir uns am Namsan Tower treffen sollen.
"Du hast mir diese Nachrichten geschickt?", frage ich weil mein Verstand das ganze nicht verstehen will.
"Nicht nur das", sagt er und legt das Handy neben den Laptop. "Ich war derjenige der deine Nummer in dem Handy gespeichert und es Taehyung in den Briefkasten geschmissen hat."
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