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Jungkook Pov

Taehyung bleibt in diesem Zustand. Ich warte ruhig darauf, das er sich wieder fasst, weil ich nicht weiß ob es in diesem Moment richtig wäre ihn in den Arm zu nehmen oder zu fragen, was mit ihm los ist.

Als der Kaffee bereits kalt und der Display schwarz ist, erwacht Taehyung plötzlich aus seiner starre und steht auf. Er nimmt seine Tasse, kippt den Inhalt daraus in die Spüle und steht eine Weile nur so da. Ich zucke zusammen als er sie dann plötzlich mit voller Wucht gegen die Wand wirft.

Der Schrei der seiner Kehle entweicht, lässt mich vor Schreck zusammen zucken, aber er ist noch nicht fertig damit seiner Wut Ausdruck zu verleihen.

Er öffnet den Kühlschrank und holt eine Flasche nach der anderen heraus. Zuerst ist es eine Bier flasche, die klirrend an der Wand zerbricht als er sie der Tasse hinterher wirft und als nächstes Rothwein.

Die weiße Wand, die aussieht als hätte nicht einmal der Staub es gewagt in ihre Nähe zu kommen, ist nun voll mit der roten Farbe des Getränkes welches nun da runter tropft.

Ich habe nicht genug Zeit darüber nach zu denken, wie man richtig in einer solchen Situation zu handeln hat, aber wenn ich nichts tue, wird er die ganze Wohnung zerlegen bevor er sich wieder beruhigt.

Ich nehme ihm die Whiskey Flasche aus der Hand, die er gerade im Begriff war den anderen hinterher zu werfen und lege sie auf den Küchenthresen, dann schlinge ich meine Arme um ihn.

Meine nähe macht ihn nur noch wütender, er wehrt sich, versucht mich von sich weg zu schubsen, aber ich kralle mich an seinem Rücken fest und vergrabe meine Gesicht in seiner Brust.

"Lass mich los!", schreit er und packt mich grob an den Armen, aber so sehr sein fester Griff auch weh tut, ich gebe nicht nach. Er ist vielleicht älter, aber wir sind in etwa gleich groß und so schwach bin ich auch nicht.

"Jungkook, lass mich los verdammt!" Wieso schmerzt es mich ihn so verletzt zu sehen?

"Was ist in dich gefahren?", frage ich als er es tatsächlich schafft mich von sich zu schubsen und ich mit dem Rücken gegen die Kücheninsel stoße.

Sein Anblick lässt etwas in mir zerbrechen. Taehyung weint. Er weint und es sind nicht nur einzelne Tränen die seine Wangen befeuchten, sondern ein ganzer Wasserfall der seine Augen verlässt.

Er rauscht an mir vorbei, schnappt sich eine Jacke, schlüpft in seine Schuhe und knallt die Tür hinter sich zu als er die Wohnung verlässt, als hätte er gewusst das ich gerade erneut im Begriff war ihn in den Arm zu nehmen.

Vollkommen verwirrt und durcheinander lässt er mich zurück. Unfähig zu begreifen was gerade passiert ist und wieso dieser Name diese Größe an Gefühlen in ihm ausgelöst hat, lasse ich mich auf die Couch fallen und vergrabe das Gesicht in den Händen.

Er ist nicht wütend auf mich, nicht wahr? Das kann nicht sein, immerhin war alles okay bevor wir dieses Passwort eingegeben und die Video Datei entdeckt haben.

Die Video Datei.

Mein Blick wandert zu dem Handy, das er Achtlos auf den Tisch geworfen hat und ich strecke die Hand danach aus. Bevor ich das Video anklicke, zögere ich allerdings.

Es schien als wüsste Taehyung was das für ein Video ist und worum auch immer es sich handelt, es betrifft ihn. Wenn ich mir das also ansehe, verletze ich nicht nur seine Privatsphäre, sondern vor allem sein Vertrauen.

Trotz dieser Gedanken wandert mein Daumen von alleine darauf und noch bevor mein Gewissen sich einschalten kann, fängt das Video bereits an.

Zuerst ist da nichts als schwärze, aber als ich den Ton lauter stelle, höre ich ein rascheln und nach dreißig Sekunden völligen nichts, taucht überraschenderweise das Bild auf.

Die Qualität des Videos ist nicht die beste und wer auch immer da filmt ist ein Anfänger, kein Profi, denn die Hand in der die Kamera oder das Handy liegt mit der gefilmt wird wackelt und steht nie still.

Als plötzlich ein Knall im Video zu hören ist, zucke ich zusammen und auch das Geschehen im Video wird kurz unterbrochen, als der Bildschirm wieder schwarz wird und das Geschrei der Menschen zu hören ist.

Was geht da vor sich? Was passiert da?

"Runter auf den Boden!", schreit eine Stimme laut und die panischen Laute verstummen.

Jetzt wird auf dem Bildschirm wieder etwas sichtbar, allerdings ist der Winkel aus dem gefilmt wird nicht ideal, weil die Person, die das gefilmt hat nun wie gefordert auf dem Boden liegt, aber ich erkenne trotzdem was vor sich geht.

Die Linse ist auf eine Bühne in einem riesigen Saal gerichtet. Überall stehen Tische und darauf ist essen großzügig verteilt, aber es ist deutlich das sich die Haupthandlung auf der Bühne abspielt.

Ich pausiere um mir das Bild genauer anzusehen und zu verstehen was das für eine Veranstaltung ist.

Die Menge an Menschen ist riesig und es ist klar das es sich nicht nur um eine kleine Feier handelt, sondern das es eine riesige Veranstaltung ist.

Alle dort haben sich aufwendig gekleidet und es sieht so aus, als würden sie alle einen Haufen Geld besitzen.

Wer auch immer filmt, ist ziemlich nah dran an der Bühne, so dass ich das Unternehmen erkennen kann, dessen Name auf dem Banner steht.

GL Group.

Ich lese nie die Zeitung, deswegen kenne ich mich mit Firmen und Wirtschaft überhaupt nicht aus und kann mit dem Namen dementsprechend nicht viel anfangen.

Ich drücke wieder auf den Start Knopf um das Video weiter abzuspielen. Es wird an die Menschen, die auf der Bühne stehen heran gezoomt und jetzt erkenne ich mit Schrecken in den Adern wo dieser Ohren betäubende Knall herkam.

Auf der Bühne des Saales steht eine Gruppe von in schwarz gekleideten Männern. Ihre Gesichter sind durch Masken und ihre Haare durch Mützen verdeckt. Die Hände mit denen sie die Waffen halten sind mit Handschuhen geschützt. Sie kommen mir bekannt vor und ich weiß genau woher, diese Männer sind auf die gleiche Weise gekleidet wie die Männer, die mir aufgelauert und mich zusammengeschlagen haben.

Gegenüber von ihnen stehen vier Personen dessen Gesichter ich aufgrund der schlechten Qualität nicht erkennen kann und auf genau diese vier Personen sind die Waffen gerichtet.

Bei ihnen handelt es sich um drei Erwachsene und einen Jugendlichen, höchstwahrscheinlich eine Familie, weil sie aussehen als hätten sie sich mit den Klamotten abgestimmt und weil sie so dicht aneinander stehen das man nur davon ausgehen kann, das sie in einer engen Beziehung zueinander stehen. Vielleicht sind es auch nur bekannte oder Freunde und es ist die Angst die sie so nah aneinander treibt, aber irgendetwas sagt mir, dass das eine Familie ist.

"Niemand wird verletzt, wenn Sie uns den Koffer reichen", schreit einer von den vermummten Männern.

Die Stimmung im Saal ist deutlich angespannt und selbst hier auf der Couch kriege ich Angst vor dem was als nächstes geschehen wird.

Jetzt erst fällt mir der Koffer auf, den der ältere Mann auf der Bühne in der Hand hält, das Ziel der Männer ist es also diesen Koffer an sich zu bringen.

Es gibt genug Filme, in denen so etwas passiert und auch wenn es ein typisches Klischee ist, bin ich mir sicher das es sich bei dem Inhalt des Koffers um Geld handelt.

"Die Bullen!", schreit ein Mann der zu den anderen auf die Bühne gerannt kommt und in der Menge fängt erneut das Gemurmel an. Ein weiterer Schuss fällt, dieses mal sehe ich das es ein Warnschuss ist und niemand verletzt wird.

"Den Koffer her, sofort!"

Aber der alte Mann hat keine Zeit mehr ihm das verlangten zu übergeben, denn gerade als er den Griff seiner Frau um seinen Unterarm löst und einen Schritt nach vorne tritt, stürmt die Polizei den Raum.

Die Kamera wackelt, fokussiert sich nicht auf eine Sache sondern wandert panisch durch den Raum, bis auf einmal erneut ein Schuss zu hören ist und der ganze Raum von totenstille beherrscht wird.

Die Kamera wird wieder auf die Bühne gerichtet und was sich mir da für ein Anblick bietet ist nicht zu glauben. Was Anfangs aussah wie ein schlecht geplanter Raub, entwickelt sich zu einem Ereigniss, dass das Blut in meinen Adern gefrieren lässt.

Fassungslos starre ich auf den Mann der Bewusstlos zusammensackt und versuche zu begreifen was gerade passiert, bis ich sehe wie sich das Blut unter ihm unaufhörlich ausbreitet.

"Hajun!", zerreißt der Schrei des Jugendlichen die Stille. Obwohl ich nicht so recht verstehe was da passiert ist und wer diese Leute sind, zerreißt mir das, was eben geschehen ist das Herz.

Hajun. Der Name der Datei. Der Name der Taehyung so aus der Bahn geworfen hat. Mit großen Augen starre ich auf den Bildschirm, das Bild verwandelt sich erneut in schwärze, aber dieses mal endgültig.

Ungläubig betrachte ich die Datei, klicke rauf und schaue mir das Video noch einmal an, in der Hoffnung, es war nur ein Fehler, aber tatsächlich bricht es immer bei derselben Stelle ab.

Was war das? Das kann doch nicht das Ende sein...

Ich rufe die Details zum Video auf und starre auf das Datum. 22. Dezember 2009, da war ich gerade mal 12, da wundert es mich nicht das ich nichts davon mitbekommen habe, Zeitungen waren für mich damals das Spielzeug der Erwachsenen und das interessanteste die Bilder darin.

Aber was ist mit diesem Mann passiert? Was war das für eine Veranstaltung? Warum hatten sie einen Koffer voll Geld dabei?

So viele Fragen auf die ich eine Antwort brauche.

Ich schmeiße das Handy auf das Sofa und öffne den Laptop, der auf dem Esstisch steht. Ich könnte den Namen des Mannes eingeben, Kim Hajun, aber das alles hängt irgendwie mit der Gruppe zusammen, also gebe ich ihren Namen ein.

GL Group.

Direkt das erste Ergebnis ist ein Treffer und verrät mir so einiges.

Die GL Group ist ein Mischkonzern welches ihren Firmensitz hier in Seoul hat. Es wurde von Kim Sanghun gegründet und ist in vielen Bereichen wie der Stahlverarbeitung, dem Autobau und der Waffenindustrie tätig.

Ich überspringe die Geschichte der Entstehung des Unternehmens und klicke auf den Namen des Vorsitzenden und CEOs.

Kim Yeongcheol, 58 Jahre alt, verheiratet und zwei Söhne. Das scheint alles zu dem zu passen, was ich im Video gesehen habe.

Ich scrolle weiter runter und treffe tatsächlich auf das Bild der Kim Familie und erstarre.

Das Bild zeigt eine glücklich in die Kamera lächelnde Familie, ein Jahr vor den Geschehnissen, an Weihnachten im Jahr 2008, aber das ist es nicht was mir die Luft aus den Lungen nimmt.

Wie soll man das Gefühl beschreiben, das man in solchen Momenten empfindet? Überraschung ist noch zu gelinde ausgedrückt, Schock zu übertrieben.

Ich erkenne sein Gesicht sofort, dieses Lächeln und die selbst im Winter leicht gebräunte Haut und obwohl es keinen Zweifel daran gibt das er es ist, lese ich mir unter dem Bild die Namen durch.

[Von links nach rechts: Kim Yeongcheol, Kim Duri, Kim Hajun und Kim Taehyung]

Plötzlich fällt es mir leichter all das zu verstehen. Der Grund warum ihn dieser Name so sehr getroffen hat und warum sich ein Student diese Wohnung und dieses Auto leisten kann.

Es war sein Bruder der im Video angeschossen wurde und er war der Jugendliche der voller Verzweiflung seinen Namen geschrien hat.



Viele von euch haben das bereits vermutet, aber das ganze ist noch lange nicht zu Ende 😄

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