○30○

Jungkook Pov

"Taehyung?"

"Hm?"

"Ich habe meine Meinung geändert."

"Zu spät."

Er zieht mich noch weiter in seine Umarmung. Ich schließe die Augen, denn trotz meinen Worten genieße ich diese ungewohnte Nähe.

Taehyung kam vor wenigen Minuten zu mir ins Zimmer und hat sich neben mich gelegt. Als wäre das nicht bereits genug, liege ich jetzt in seinen Armen, mein Gesicht an seine Brust geschmiegt und sein Bein um meine gelegt.

Es ist eigentlich meine eigene Schuld, immerhin zählt das als Umarmung und die habe ich ihm ja nicht verboten. Vielleicht sollte ich einfach das beste aus der Situation machen.

"Taehyung", sage ich wieder.

"Hm?"

Ich genieße das auf und absenken seiner Brust wenn er ein und aus atmet und ich liebe es das er immer gut riecht, selbst wenn er verschwitzt vom Joggen kommt.

"Ich weiß nicht, ob ich zu direkt mit der Frage bin, aber ich habe im Sauna Hotel deine Narbe am Knie bemerkt. Ist dir etwas schlimmes zugestoßen?"

Damals fiel es mir sofort nach dem duschen auf, als er nur mit einem Handtuch bedeckt aus der Dusche kam und die kurze Hose anzog, die bis zu den Knien geht, sie aber nicht bedeckt. Rechts ist deutlich eine Narbe zu sehen und es ist keine, die sich ein Kind beim spielen zugezogen hat. Es sieht ziemlich schmerzhaft aus und man sieht auch das er operiert wurde.

"Machst du dir etwa sorgen?", fragt er verspielt, aber ich höre trotzdem die Trauer aus seiner Stimme heraus. Er versucht mich abzulenken, aber es ist auch sein gutes Recht. Es verletzt mich etwas, das er es mir nicht sagen möchte, aber ich verstehe es auch. Wenn es wirklich ein trauriges Erlebnis, dann möchte er wahrscheinlich nicht daran erinnert werden.

Ich traue mich nicht zu ihm hoch zu sehen, aber ich weiß auch so, dass es ihn bereits traurig gemacht hat und das ich der Grund dafür bin, bricht mir das Herz.

"Ok, was anderes. Nehmen wir an ich glaube dir und du magst mich wirklich...-"

"Das tue ich", unterbricht er mich und fängt an mir mit seiner Hand über den Hinterkopf zu streichen.

"Ja, ja, also du magst mich, aber ich verstehe nicht ganz warum. Ich war nie freundlich dir gegenüber, sogar viel mehr abweisend. Bist du ein masochist? Anders kann ich mir das nämlich nicht erklären."

Er lacht und es erfüllt mich mit Freude sein tiefes und herzliches Lachen zu hören nachdem er gerade so niedergeschlagen war. Ich schließe die Augen und genieße das Geräusch seines Herzens welches gegen seine Brust klopft.

"Als ich dir das erste mal geschrieben habe das ich dich mag, meinte ich dich als Person. Ich dachte, jemand der so ehrlich ist wie du und sich nicht verstellt, nur um von jemand anderem gemocht zu werden, kann kein schlechter Mensch sein, aber umso mehr ich mit dir geschrieben habe, desto klarer wurde mir das es keine Freundschaft ist die ich wollte. Ich wollte diese ehrliche Person, die so anders ist als alle, die ich zuvor getroffen habe für mich alleine. Wie könnte ich mich damit zufrieden geben nur einer deiner Freunde genannt zu werden? Ich möchte jemand besonderes für dich sein."

Es wundert mich das seine Worte an sich mich nicht überraschen. Ich habe nicht mit einem solchen Geständnis gerechnet, aber ich hatte darauf gehofft. Viel mehr überrascht mich die Tatsache das ich überhaupt nicht überrascht bin. Ergibt das Sinn? Ich glaube nicht, aber für mich ergibt gar nichts mehr Sinn, seit es Taehyung in meinem Leben gibt.

Ich hatte zwar noch nie eine Freundin und würde auch nicht behaupten jemals verliebt gewesen zu sein, aber dennoch war ich hetero. Mir war klar das ich irgendwann eine Beziehung führen wollte, das ich heiraten wollte und jetzt liege ich hier mit jemand anderem im Bett, aber dieser Jemand ist ein Mann.

Hätte ich jemals erwartet mich in solch einer Situation wieder zu finden? Niemals.

Stört mich diese Art von Situation? Ganz und gar nicht.

Aber ist es nicht genau das, was mich komisch macht? Wieso interessiert es mich nicht wenn ein Mädchen meine Hand berührt, aber alleine Taehyungs Blick reicht um mich ganz verrückt zu machen?

Die Reaktionen meines Körpers sind für mich nicht erklärbar, er sollte auf Frauen reagieren statt auf die Berührungen eines Mannes, aber was ich noch weniger erklären kann sind sie Gefühle, die ich dabei empfinde. Ich fühle mich schrecklich und zur gleichen Zeit war ich noch nie so glücklich wie mit ihm.

"Schläfst du schon?", fragt er leise und pustet mir sanft gegen das Ohr. Ich lache und schmiege mich noch enger an ihn.

"Wie könnte ich in dieser Situation schlafen?"

Ich bin mir sicher auch er hat mein Zittern bemerkt, nicht weil es kalt ist, ganz im Gegenteil, die Heizung des Zimmers ist ständig an und wärmt es schön. Das zittern ist da, weil ich nervös bin, weil es das erste mal für mich ist jemand anderem so nah zu sein, das erste mal das ich mein Herz in einem solchen Zustand erlebe.

"Gut, ich muss dir noch was sagen, weil ich nicht möchte das du etwas falsches denkst."

Er löst sich von mir und rutsch etwas weiter nach unten, bis mein Gesicht nicht länger an seiner Brust ist, sondern wir beide auf Augenhöhe sind.

"Ich habe immer nach einer bestimmten Art gelebt. Wenn man mich etwas fragt oder um etwas bittet, antworte ich immer mit ja wenn mir innerhalb von drei Sekunden kein Grund dagegen einfällt."

Ich ziehe die Augenbrauen zusammen und sehe ihn Zweifelnd an. "Das ist dämlich", sage ich.

"Vielleicht, aber ich wollte was anderes sein als das, was ich zuvor war, also habe ich es ausprobiert und irgendwann wurde es zur Gewohnheit. Wenn Mädchen mich fragten ob ich mit ihnen ausgehe, war die Antwort meistens ja. Die Beziehungen hielten unterschiedlich lange, aber sie gingen nie über zwei Monate."

"Wieso erzählst du mir das?"

Er lächelt, aber es ist kein gückliches Lächeln, es wirkt eher so als würde ihn irgendetwas bedrückend.

"Weil ich nicht möchte, dass das gleiche mit dir passiert. Ich dachte von mir selber immer ich hätte genug Selbstvertrauen, aber wenn es um dich geht ist das anders. Zwei Monate sind mir nicht genug, aber ich kann nichts dagegen tun wenn du es nicht willst."

Er hat die Augen geschlossen als könnte er es nicht ertragen mich anzusehen. Warum verletzt mich dieser Anblick so? Ich war doch gegen die Beziehung, ich wäre doch nicht freiwillig sein Freund geworden wenn wir nicht in dieser Situation gewesen wären, in der es der einzige Weg war seinen Berührungen zu entfliehen.

Obwohl das alles nicht von mir ausging, bin ich froh das es so gekommen ist. Ich bin froh all die Dinge von ihm zu hören.

"Machst du bereits Schluss?", frage ich.

Er reisst die Augen auf und sieht mich schockiert an. Hektisch schüttelt er den Kopf und nimmt mein Gesicht in seine Hände.

"Sag das nicht!" Sanft streicht er mir mit den Daumen über die Wangen. "Diese Beziehung wird nicht von meiner Seite enden, aber ich habe dir zwei Monate gesagt und dementsprechend bist auch du der einzige der diese Beziehung verlängern kann."

Meine Haut kribbelt und in meinem Nacken stellen sich bereits wieder die feinen Haare auf.

"Du sprichst davon wie von einem Vertrag."

"Nicht wahr?", fragt er als wäre genau das seine Absicht gewesen. "Aber das ist es nicht. Ich möchte nur aus deinem Mund hören, das es das ist was du willst, weil ich nicht vorhabe diese Beziehung alleine zu führen."

Ich kann jetzt schon nicht mehr. Selbst ohne mich zu berühren schafft er es mich vollkommen durcheinander zu bringen und das nur mithilfe von Worten. Ich ziehe die Decke bis zu meinem Kinn hoch und drehe ihm den Rücken zu. Er schlingt seinen Arm um meinen Bauch und presst mich an sich.

Ich schließe die Augen um mich der Müdigkeit hinzugeben, aber Taehyung scheint keine ruhe für diese Nacht beabsichtigt zu haben, denn plötzlich fängt er an sein Unterleib an meinen Arsch zu pressen.

Peinlich berührt Rolle ich mich über das Bett auf die andere Seite und runzle wütend die Stirn. Taehyung grinst nur und hebt wieder einladend die Decke.

"Ich schlafe auf der Couch", zische ich, reiße die Decke von ihm runter und knalle dir Tür hinter mir zu.

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