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Jungkook Pov

Ich weiß nicht wie lange wir einfach nur da saßen und das Handy in der Mitte des Tisches anstarrten. Es waren vielleicht nur wenige Minuten, aber für mich fühlten sie sich an wie Stunden.

Ein neuer Ordner. Mal abgesehen davon das ich nicht weiß wie das funktioniert haben soll, macht mir das eines besonders klar, nämlich das es für uns noch mehr Schwierigkeiten bedeutet.

Genau wie der erste Ordner lässt sich auch dieser nur mit einem Passwort öffnen, das heißt wir sind immer noch genau so dumm wie vorher, nur das jetzt noch mehr fragen dazu gekommen sind.

Ein Ordner kann doch nicht einfach so von alleine auftauchen, jemand muss ihn erstellen, aber wie soll das gehen wenn der einzige der das Handy in der Hand hatte Taehyung ist?

"Ich will nach Hause", sage ich.

Das hier wird mir zu viel. Wer verdammt tut so was? Wer hat dieses Handy in Taehyungs Briefkasten geworfen, wer hatte Zugang zu meinem Laptop und damit zu diesen Bildern und warum gibt es Leute die dieses Handy unbedingt in die Finger kriegen wollen? Was befindet sich in diesen verdammten Ordnern?

"Ich fahr dich", sagt Taehyung und erhebt sich mit mir.

Obwohl es mir vorher blendend ging, schmerzt mein Kopf jetzt stärker denn je.

Ohne zu widersprechen hüpfe ich auf den Beifahrersitz von Taehyungs Auto, dessen Tür er mir aufhält.

Das Sauna Hotel war für mich immer ein Ort an den ich fliehen konnte wenn ich meine ruhe brauchte, wenn ich selbst von Jimin und Yoongi nicht gefunden werden wollte, aber ich weiß nicht ob ich jemals wieder hierher kommen kann ohne an dieses Handy zu denken.

Taehyung hat sich während der Fahrt an das Lenkrad festgeklammert, es sieht so aus als würde er Halt daran suchen. Sein Griff ist so fest, dass es aussieht als würden seine Knöchel gleich rausspringen.

Ich starre aus dem Fenster und versuche die unangenehme Stille irgendwie zu ertragen, aber es ist schwer, wenn man weiß das man nicht so einfach aus einem fahrenden Auto entkommen kann.

Immer wieder entfahren Taehyung Worte und ich erwische mich dabei wie ich mich bei jedem Geräusch, sei es nur ein Schnauben, entspanne. Wenn er redet, dann weiß ich das er da ist, das ich nicht alleine bin.

"Taehyung", rutscht mir sein Name aus nachdem ich die ganze Zeit an ihn gedacht habe.

"Hm?", kommt es von ihm.

"Glaubst du wir stecken in Schwierigkeiten? Glaubst du jemand wollte uns mit diesem Handy was Schlechtes?"

Ich klammert mich an den Sitz damit mich nicht sofort zu ihm zu drehe um zu sehen wie er auf diese Frage reagiert.

"Nein, das glaube ich nicht."

Es ist wirklich, als würde mir ein Stein vom Herzen fallen. Diese Frage schwirrt schon seit einer ganzen Weile in meinem Kopf herum und ich bin froh sie endlich gestellt zu haben. Obwohl ich nicht weiß ob er recht hat, nimmt seine Antwort eine ganze Menge der Last von mir weg. Selbst wenn er sich irrt und das ganze doch nur Probleme bedeutet, für den Moment möchte ich ihm glauben.

"Wenn man uns hätte damit in Schwierigkeiten bringen wollen, dann wären wir das schon längst, das ist weitaus komplizierter."

"Was meinst du?"

Jetzt drehe ich mich doch zu ihm und erkenne plötzlich wie erschöpft er ist. Natürlich, für ihn muss das ganze noch schlimmer sein, immerhin ist er derjenige, der dieses Teil mit sich herum schleppen muss.

"Ich glaube das jemand uns etwas sagen möchte, aber das wir etwas übersehen. Wer auch immer dieses Handy in meinen Briefkasten geworfen hat, hat mich nicht zufällig ausgesucht und auch deine Nummer auf dem Handy war kein Zufall. Einer von uns kennt das Passwort um diese Ordner zu öffnen."

Mit offenem Mund sehe ich ihn an und kann nicht fassen, dass das alles gerade mit einem Mal aus seinem Mund kam. So habe ich überhaupt nicht gedacht und trotzdem bin ich immer noch genau so verwirrt wie vorher.

"Wenn du das Passwort kennen würdest, hättest du es doch schon längst eingegeben und auch ich habe nicht den leisesten Schimmer was es sein könnte."

Egal wie sehr ich darüber nachdenke, mir möchte kein Grund für das alles einfallen. Wenn wir wenigstens wüssten, was sich in diesen Ordnern befindet, dann könnten wir versuchen eine Verbindung herzustellen.

"Anfangs dachte ich dieser Ordner mit deinen Bildern wäre da um mich nicht ins kalte Wasser zu werfen. Ich dachte, das wer auch immer dieses Handy in meinen Briefkasten geworfen hat wollte, das ich weiß wer die andere Person ist mit der ich schreibe."

Er hat aufgehört mich anzusehen und obwohl sein Blick konzentriert auf die Straße gerichtet ist, merke ich ihm an das er abgelenkt ist.

"Du dachtest? Was ist mit jetzt?"

"Ich glaube, nein, ich bin mir sogar ziemlich sicher das sich in diesem Ordner mit deinen Bildern ein Hinweis befindet. Mir ist es unmöglich ihn zu finden, aber da du die Bilder besser kennst als sonst irgendjemand, könnte das unsere einzige Chance sein."

Taehyungs Theorie fasziniert mich und macht mir zur gleichen Zeit Angst. Wer gibt sich solche Mühe um uns etwas zu sagen?

"Das hier muss am nächsten an deiner Wohnung dran sein, nicht wahr?" Er fährt an die nächste Bushaltestelle und parkt dort, direkt vor dem Lokal in dem das Bild geschossen wurde das er mir einmal geschickt und mit dessen Hilfe ich herausgefunden habe wo er wohnt.

Ich nicke dankbar und schnalle mich ab. Als ich einen letzten Blick auf Taehyung werfe, kommt mir kurz der Gedanke, ob ich ihn einfach einladen und ihm einen Kaffee kochen soll, weil er aussieht als würde er nicht alleine sein wollen.

Ich schüttle den Kopf um diese Dummen Gedanken aus meinem Kopf zu vertreiben und steige aus. Ohne mich ein weiteres mal umzudrehen, vergrabe ich meine Hände in meinen Jackentaschen und lausche dem Geräusch des Autos als Taehyung wieder weg fährt.

Eine Weile wandere ich nur durch die Straßen. Ich möchte nicht zurück in meine Wohnung wo ich ganz alleine mit den vielen Fragen bin, auf die ich keine Antwort habe und ich möchte auch an keinen mit Menschen überfüllten Ort.

Eine Stunde später entscheide ich mich doch zurück zu gehen und zu duschen bevor ich Jimin einen Besuch abstatten würde. Bei dieser Gelegenheit könnte ich ihn auch gleich fragen ob sich das zwischen ihm und Yoongi geklärt hat und was da überhaupt vorgefallen ist.

Ich drehe den Schlüssel im Schloss um und schmeiße ihn in die Schüssel die auf einem Schuhschrank neben der Tür steht. Erst da hebe ich den Kopf und stoppe mitten in meiner Bewegung.

Vielleicht kann man das was ich empfinde als Fassungslosigkeit beschreiben, aber da war definitiv auch die blanke Angst und der Unglaube.

Mein Blick schweift über den Flur auf dem die Sachen wild verstreut rum liegen. Obwohl ich mich vor dem fürchte was mich erwarten könnte, tue ich einen Schritt vor den anderen und dringe bis ins Wohnzimmer vor.

Mein Herz schlägt wie wild gegen meine Brust und die Kälte nimmt meinen Körper in beschlag. Hektisch krame ich mein Handy aus der Hosentasche und wähle die erste Nummer die im Protokoll auftaucht.

"Jungkook?", meldet sich nur kurze Zeit später eine Stimme. Meine Hände zittern als ich das Handy an mein Ohr führe und versuche meine Stimme zu finden, aber ich kann nicht genug Konzentration aufbringen, meine ganzen Gedanken haften an dem durcheinander in meiner Wohnung.

"Jungkook! Was ist los? Ist alles in Ordnung?", fragt die Stimme auf der anderen Seite besorgt und aufgeregt.

"Taehyung", sage ich als ich endlich wieder einen klaren Gedanken fassen kann. "Jemand war hier. Jemand ist bei mir eingebrochen."

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