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Ich versuche mich auf die schwarzen Punkte an der Decke zu konzentrieren, aber immer wieder tauchen Farben vor meinen Augen auf die dort nicht hingehören.
Der Arzt sagte ich würde keine bleibenden Schäden davon tragen, wenn etwas mit meinen Augen also nicht in Ordnung wäre, dann hätte er es mir sicher gesagt.
Trotz der ganzen Schmerzmittel mit denen man mich vollgepumpt hat fühlt es sich an als hätte man in meinem Kopf Bauarbeiten angefangen und nicht beendet.
Ich zucke zusammen als plötzlich die Tür aufgerissen wird. Fast hätte ich die Infusion vor schreck mit gerissen, aber der Schmerz der Spritze in meinem Handrücken hält mich zurück.
Das erste was mir auffällt sind die Haare. Statt einem schwarzen schmückt jetzt ein blonder Haarschopf seinen Kopf, in seiner Hand hat er eine große Tasche und sein Gesicht spiegelt all seine Gefühle wieder.
Er stürmt zu mir ans Bett und betrachtet mit offenem Mund zuerst mein Gesicht und dann die Monitore als würde er wirklich sicher gehen wollen das ich noch am Leben bin.
"Was ist passiert?", fragt er und stellt die Tasche neben dem Bett ab.
Er wischt sich den Schweiß aus dem Gesicht und atmet durch den Mund um seine Lungen wieder mit Luft zu füllen. Man merkt ihm an das er gerannt ist nachdem das Krankenhaus mir erlaubt hat ihn anzurufen.
Jimin ist mein bester Freund und ich habe ihn noch nie angelogen. Er ist immer für mich da und selbst wenn ich scheiße baue wendet er sich nicht von mir ab, aber das ist eine andere Geschichte.
Wenn ich ihm die Wahrheit sage, dann könnte ihm das gleiche passieren wie mir. Das nächste mal könnte ich es sein der ihm einen Besuch abstatten muss, oder noch schlimmer.
"Es war eine Gruppe von betrunkenen." Meine Stimme ist Rau, meine Kehle trocken weil ich seit einer ganzen Weile nichts getrunken habe.
Jimin scheint das zu bemerken, geht zu der großen schwarzen Tasche und holt eine Wasserflaschen raus.
Dankend nehme ich sie entgegen und trinke gierig jeden einzelnen Tropfen daraus.
"Was wollten sie von dir?"
"Sie waren betrunken, irgendjemand vor mir muss sie gereizt haben."
Ich versuche genauso verwirrt zu klingen wie er, aber das lügen war nun mal wirklich nie meine Stärke und vor allem jemand wie Jimin bemerkt es eigentlich immer sofort wenn ich unsicher bin, aber heute nickt er einfach nur.
"Hast du das Ladegerät mit?", frage ich ihn und lenke seine Aufmerksamkeit von den Geräten wieder zu mir.
"Ist das jetzt gerade wirklich dein größtes Problem?"
Er zieht die Augenbrauen zusammen und sieht mich mit einem Blick an der mir deutlich zu verstehen gibt, das er an meinem Verstand zweifelt.
"Es ist wichtig, Jimin. Bitte gib mir das Ladegerät."
Er zögert noch eine Weile, schnaubt dann aber und geht absichtlich langsam zu der Tasche. Er tut so als würde er nach dem Ladegerät suchen, dabei sehe ich genau das es sich ganz oben neben der Zahnbürste und der Unterwäsche befindet.
Als er nach einer gefühlten Ewigkeit merkt, das sein Spiel mich wirklich nicht reizt, kommt er mit dem Gerät in der Hand zu mir ans Bett. Ich zeige auf die Steckdose die sich neben meinem Bett befindet.
Ich verbinde mein Handy mit dem Kabel und wackle ungeduldig mit dem Bein während ich darauf warte das mir endlich mein Hintergrundbild entgegen springt.
"Jimin"
"Hm?"
"Guck mich nicht so an", sage ich und ringe mir ein schwaches lächeln ab.
"Wie gucke ich denn?", fragt er und verschränkt seine Arme vor der Brust.
"Als wärst du enttäuscht von mir."
Es zu denken und es auszusprechen sind zwei verschiedene Sachen, denn Gedanken sind nur Vermutungen die sich durch das aussprechen zur Wahrheit entwickeln können.
"Ich werde dich nicht drängen, Jungkook, aber ich hoffe du wirst mir irgendwann von alleine sagen können was du angestellt hast um so zugerichtet zu werden."
Er dreht sein Gesicht weg und starrt statt mir nun die immer noch offen stehende Tür an.
Es hat also doch nichts gebracht ihn an zu lügen, ich schaffe es nie ihn hinters Licht zu führen, dafür kennt Jimin mich einfach viel zu gut.
"Das hoffe ich auch", sage ich und schließe für einen Moment die Augen, nur um sie zwei Sekunden später wieder auf zu reissen.
"Was hast du?", fragt Jimin und eilt zu mir an die Seite. "Hast du irgendwelche schmerzen?"
"Noch schlimmer."
"Was? Was kann noch schlimmer sein?" Jimin wird aufgeregter und wenn das passiert, dann wird seine Stimme höher und er klingt fast wie ein Mädchen.
"Jimin", sage ich ausdruckslos und drehe mein Gesicht zu ihm. "Ich habe vergessen dir zu sagen du sollst Shampoo mitbringen."
Jimin sieht mich mit seinen großen Augen an und es dauert eine Weile bis er realisiert, dass ich mir einen Spaß mit ihm erlaubt habe.
Mein ernster Ausdruck wandelt sich und meine Lippen bilden ein breites Grinsen.
"Aish!" Er hebt die Hand über seinen Kopf und holt aus, lässt sie allerdings wieder sinken als er sich daran erinnert das ich bereits verletzt wurde.
"Es wundert mich nicht das du zusammengeschlagen wurdest, selbst ich ertrage dich kaum." Er schiebt seine Hände in die Jackentaschen und sieht mich mit gerunzelter Stirn an. "Dann gehe ich dir Shampoo besorgen, brauchst du sonst irgendetwas?"
Ich schüttle den Kopf und lächle ihn dankbar an. Schnaubend verlässt er den Raum und schließt die Tür hinter sich. Plötzlich ist der Raum von Stille beherrscht und meine eigenen Gedanken kommen mir lauter vor als je zuvor.
Mein Handy vibriert in meinem Schoß und bedeutet mir so, das es endlich an ist. Ich nehme es in beide Hände und gebe die Pin ein, dann, ohne auf die ganzen Anrufe meiner Eltern zu achten, öffne ich den Chat von Taehyung und mir.
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