Kapitel 7

Es dauerte eine ganze Weile und zehn Passanten, die ich nach dem Weg fragen musste, bis ich vor dem Haus meiner Stiefmutter stand.

Das war jetzt mein neues Zuhause.

Meine Mutter hatte mir immer Bücher vorgelesen als ich klein war. Und eines davon handelte von einem Bauernhof, es war sogar mein Lieblingsbuch. Es waren viele Bilder darin und das Haus, vor dem ich gerade stand, sah genauso aus, wie das, in dem die Familie in diesem Buch lebte.

Ich atmete tief ein und aus, packte meinen Koffer und ging so selbstbewusst, wie ich nur konnte, mit erhobenem Haupt und herausgestreckter Brust durch das Gartentor, das zu meiner Überraschung sperrangelweit offen stand, den bewachsenen Weg entlang bis zu der bunt bemalten Holztür des Hauses. Mein Koffer plumpste dumpf auf den Boden, da mein Arm schwach geworden ist und sein Gewicht nicht mehr halten konnte. Ich wollte gerade die Klingel betätigen, als etwas hinter mir raschelte und ich mich blitzschnell umdrehte.

Oh nein, ich war diese Paranoia noch immer nicht los. Jedes Mal, wenn ich ein Geräusch hörte, das mich auch nur im geringsten an Feuer erinnerte, schreckte ich zusammen. Aber nicht wegen dem Geräusch an sich, sondern wegen der Bilder, die sofort vor mein inneres Auge schossen.

Meine Klassenlehrerin wollte mich sogar schon einmal zum Psychotherapeuten schicken, aber ich weigerte mich, denn ich war nicht krank. Meine Vergangenheit, meine Familiengeschichte war vielleicht krank, aber ich war noch ziemlich gut bei Verstand, ich konnte nur nicht weglaufen vor meiner Erinnerung und das war doch normal. Oder?

Ein Seufzer entwich mir und ich drückte den kleinen Knopf neben der Tür, woraufhin ein ohrenbetäubendes Schrillen das Haus durchfuhr. Ich trat einen Schritt zurück und schüttelte überrascht den Kopf.

Etwa drei Sekunden später öffnete sich die Tür und eine mollige, etwas ältere Frau schob sich hindurch und betrachtete mich mit strengem Blick von oben bis unten.

"Ähmm...", fing ich an, aber sie unterbrach mich plötzlich lachend:

"Beatrice, richtig? Dein Vater hat mir alles erzählt, den Schlingel hab ich auch schon Jahre nicht mehr gesehen, wie geht's dir?"

Etwas verwirrt blinzelte ich, fing mich aber sofort wieder.

"Gut, also nein, eigentlich nicht, aber gut reicht im Moment."

Ich zwang mich zu einem Lächeln und versuchte dabei nicht allzu nervös zu wirken. Gleichzeitig schwirrte in meinem Kopf die Frage umher, was sie alles über meinen Vater wusste. Und über meine Mutter.

"Komm rein, Mädchen, ist dir kalt?"

"Ein bisschen", gab ich zu und zuckte mit den Schultern.

Sie nahm mit einem Ruck meinen Koffer und schob mich mit der anderen Hand ins Haus. Die Tür fiel hinter uns zu und ich befand mich in einer warmen, wohlriechenden Stube, die sehr altmodisch wirkte, zwar schön, aber etwas gewöhnungsbedürftig für ein Stadtkind wie mich, das bis jetzt in einer modernen Wohnung gelebt hatte.

"Na, wir müssen uns wohl noch ein bisschen besser kennenlernen, bis du gesprächiger wirst, aber..., oh ich hab ja komplett vergessen mich vorzustellen. Mein Name ist Ella Phillips, ich heiße dich hier in meinem Zuhause herzlich willkommen!"


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