Kapitel 17

Mit klopfendem Herzen stand Misaki vor der schweren Tür zum Büro ihres Vorgesetzten. Ihre Hand schwebte in der Luft, bereit, gegen das dunkle Holz zu klopfen, doch sie hielt inne. Ihre Gedanken überschlugen sich.
Was, wenn Ayaka und Miko recht hatten?
Was, wenn Takahashi-san sie tatsächlich feuern wollte? Ein leises Zittern lief durch ihre Finger. Ihre Knie fühlten sich plötzlich wie Wackelpudding an, und ein unangenehmes Stechen breitete sich in ihrem Magen aus. Sie hatte sich in den letzten Monaten so sehr bemüht, sich zu beweisen.

Wäre all das umsonst gewesen? Sie dachte an die langen Abende im Büro, an die unzähligen Stunden, die sie in ihre Quests gesteckt hatte, an das Lächeln ihrer Kollegen – und an Yuma. Sie hatte sich hier ein kleines Leben aufgebaut. Konnte das alles einfach so vorbei sein?

„Komm schon, Misaki“, flüsterte sie sich selbst zu, schüttelte kurz den Kopf und versuchte, ihre Gedanken zu sortieren. „Du weißt nicht, was er will. Hör auf, dich verrückt zu machen.“

Doch ihr Versuch, sich selbst Mut zuzusprechen, brachte nur mäßigen Erfolg. Ihr Herz raste immer noch wie verrückt. Die Stille des Korridors wurde nur vom leisen Summen der Heizungen unterbrochen. Misaki war sich sicher, dass jede Sekunde, die sie zögerte, sich wie eine Ewigkeit anfühlte – und dass jemand irgendwann aus einem der Büros auftauchen würde, um zu sehen, was sie da machte. Schließlich atmete sie tief ein, ballte ihre Hand zur Faust und klopfte zaghaft an die Tür. Der dumpfe Klang schien in ihren Ohren viel lauter, als er tatsächlich war.

„Herein“, kam es in der gewohnt ernsten, fast unbeteiligten Stimme von Takahashi-san.

Misaki schluckte schwer, drückte die Klinke herunter und schob die Tür auf. Misaki trat angespannt in das Büro von Takahashi-san, das wie immer perfekt aufgeräumt war – kein Blatt lag schief, keine Akte unorganisiert.
Ihr Chef saß mit geradem Rücken hinter seinem dunklen Schreibtisch, ein unantastbarer Berg an Autorität, der sich über einem Stapel Akten beugte.

Doch als er sie bemerkte, schob er die Dokumente mit einer präzisen Bewegung zur Seite, faltete die Hände und blickte sie eindringlich an. „Setzen Sie sich.“

Misaki gehorchte sofort, ihre Knie fühlten sich plötzlich wie Wackelpudding an. Sie nahm auf dem kühlen Ledersessel Platz, das Polstern unter ihr knarzte leise. Sein Blick, dunkel und fordernd, ließ ihren Puls in die Höhe schnellen. Sie war noch nicht einmal richtig angekommen, und doch fühlte sie sich, als stünde sie bereits unter einem Verhör.

„Was … äh … was kann ich für Sie tun, Takahashi-san?“ Ihre Stimme brach immer wieder, während sie sprach.
Sie räusperte sich, doch seine einschüchternde Präsenz machte es ihr schwer, einen klaren Gedanken zu fassen.

Er lehnte sich zurück, die Finger aneinandergelegt, und sagte mit einer Direktheit, die ihr den Atem raubte: „Sie werden heute Abend mit mir essen gehen.“ Misaki blinzelte verwirrt. Sie musste sich verhört haben.

„Entschuldigung?“, brachte sie schließlich heraus, unsicher, ob sie wirklich verstanden hatte, was er da gerade gesagt hatte.

Takahashi-san fixierte sie mit einem unergründlichen Blick. „Sie haben mich schon verstanden.“ Ihr Mund öffnete sich, dann schloss er sich wieder, während ihr Gehirn versuchte, seine Worte zu verarbeiten.

„Ähm … Verzeihen Sie die Frage, Takahashi-san, aber … warum soll ich das machen?“ Ihre Worte stolperten aus ihrem Mund, bevor sie es verhindern konnte.

Er räusperte sich, seine Miene blieb unleserlich. „Ich habe heute ein wichtiges Geschäftsessen, und meine eigentliche Begleitung hat abgesagt. Sie werden mich begleiten.“

Misakis Verwirrung verwandelte sich in einen Cocktail aus Schock und Protest. „Aber … warum ich?“ Ihre Stimme klang höher, fast panisch.

„Nun“, begann er mit der gleichen sachlichen Tonlage, als hätte er gerade das Wetter kommentiert. „Sie haben etwa die gleiche Größe und Statur wie meine ursprüngliche Begleitung. Ich habe für dieses Dinner extra ein Kleid bestellt.“

Ein Kleid? Ein KLEID? Ihr Kopf fühlte sich an, als würde er explodieren. Sie suchte fieberhaft nach einem Ausweg, irgendeinem Grund, um abzulehnen, doch Takahashi-san ließ ihr keine Gelegenheit, einzuhaken.

„Das beantwortet nicht wirklich meine Frage“, platzte es schließlich aus ihr heraus, ihre Stimme zitterte leicht. „Warum muss ich mit Ihnen gehen? Ich meine, könnten Sie nicht … jemand anderen fragen?“

Sein Blick wurde noch intensiver, beinahe so, als würde er durch sie hindurchsehen. „Weil ich Sie ausgewählt habe. Haben Sie noch weitere Fragen, oder möchten Sie lieber die Adresse des Restaurants erfahren?“

Misaki öffnete den Mund, um zu protestieren, doch sein Tonfall machte klar, dass dies keine Einladung zur Diskussion war. Sie biss sich auf die Lippe und nickte schließlich zögerlich. „Welche Uhrzeit?“

Ein kaum wahrnehmbares Lächeln huschte über sein Gesicht, so flüchtig, dass sie nicht sicher war, ob sie es sich eingebildet hatte. „Ich lasse Sie um sieben abholen. Das Kleid habe ich ihrer Tante übergeben, sie wird es für sie mit nach Hause nehmen. Sie können gehen.“

Verwirrt und mit einem Kopf voller Fragen stand Misaki auf. Als sie das Büro verließ, spürte sie seinen Blick noch lange im Rücken. Was hatte sie da gerade zugesagt? Verwirrt und innerlich noch immer vollkommen durcheinander, trat Misaki wieder in die Mensa. Ihre Schritte waren schwer, ihre Gedanken rasten, und doch versuchte sie, sich nichts anmerken zu lassen. Ihre Freunde, Aoi und Yuma, saßen an ihrem gewohnten Tisch, beide entspannt, als hätte sich die Welt in den letzten Minuten nicht völlig verschoben.

„Was wollte der alte Griesgram von dir?“ Aoi fragte direkt, ihr Tonfall so locker wie immer, doch in ihren Augen blitzte eine Mischung aus Neugier und Besorgnis auf. Misaki blieb kurz stehen, als müsse sie die Worte erst selbst glauben, bevor sie sie aussprach.

„Er… Will mit mir essen gehen“, sagte sie schließlich, ihre Stimme leise und fast ungläubig.

Aoi und Yuma hörten augenblicklich auf zu kauen, ihre Blicke richteten sich synchron auf Misaki. Es war Yuma, der zuerst die Sprache wiederfand.
„Moment mal … Was will er?“ Seine Stirn legte sich in Falten, und seine Stimme war ein Mix aus Verwunderung und, war das etwa … Ärger?

Misaki ließ sich auf ihren Platz fallen und wiederholte mit einem kopfschüttelnden Lächeln, das nicht zu ihrer Verwirrung passte: „Mit mir essen gehen.“ Noch immer fühlte es sich an, als rede sie von jemand anderem, nicht von sich selbst.

Aoi riss die Augen auf. „Okay, warte. Du meinst, Takahashi-san? Takahashi Shouta? Unser Takahashi? Der Mann, der niemanden mag? Der Typ, der immer so guckt, als würde er gleich jemanden feuern? Der will mit dir essen gehen?“

Misaki nickte stumm, und ihr ungläubiges Lächeln verwandelte sich in ein nervöses Kauen auf ihrer Unterlippe. „Ja. Genau der.“

Yuma lehnte sich zurück, seine Arme verschränkten sich vor der Brust, und sein Blick war so kühl, dass Misaki fast fröstelte. „Und warum, wenn ich fragen darf? Seit wann nimmt Takahashi jemanden aus der Firma zu einem Dinner mit?“

„Er sagte, seine ursprüngliche Begleitung habe abgesagt“, erklärte Misaki, die Hände nervös ineinander verschränkt. „Und … offenbar soll ich sie ersetzen. Er hatte für sie sogar ein Kleid bestellt, welches jetzt ich bekomme. Er hat es scheinbar meiner Tante mitgegeben.“

Aoi schnappte nach Luft. „Moment mal. Er hat dir also auch noch ein Kleid bestellt? Das klingt wie der Anfang einer richtig schlechten Soap.“

Yuma hingegen wirkte alles andere als belustigt. Seine Augen waren schmal, und der lockere Ton, der ihn sonst immer ausmachte, war wie weggeblasen. „Das klingt komisch. Sehr komisch. Ich meine, warum du?“

Misaki zuckte hilflos mit den Schultern. „Ich weiß es doch auch nicht. Er meinte, ich hätte die gleiche Größe und Statur wie seine ursprüngliche Begleitung. Das ist alles.“

Aoi lachte plötzlich, ein helles, ungläubiges Lachen, das den angespannten Moment auflockerte. „Also gut. Lass mich das klarstellen: Takahashi Shouta hat ein Kleid für jemanden gekauft, und du sollst es jetzt tragen, um ihn zu begleiten? Das ist … surreal. Du bist in einer Reality-Show, und niemand hat dir Bescheid gesagt.“

„Das ist nicht witzig, Aoi“, murmelte Yuma. Seine Augen funkelten vor Unmut, und er schaute Misaki an, als versuche er, etwas aus ihren Worten herauszulesen, was sie selbst nicht verstand. „Bist du sicher, dass du das machen willst?“

„Habe ich eine Wahl?“ Misaki seufzte schwer. „Er hat es nicht wirklich als Frage formuliert.“

Yuma öffnete den Mund, schloss ihn aber wieder, als ob er nicht wusste, was er sagen sollte. Schließlich war es Aoi, die mit einem schelmischen Grinsen die Spannung durchbrach: „Na ja, immerhin bekommst du ein neues Kleid. Vielleicht ist es ja Designerware?“

Misaki lachte nervös, doch Yumas Blick blieb ernst. Während Aoi weiter scherzte, fragte er sich, was Shouta wirklich im Schilde führte – und warum allein der Gedanke, Misaki in seiner Nähe zu sehen, ihn so ärgerte.
Aoi plauderte munter weiter, ihre Worte schienen den angespannten Moment zu überspielen, doch Yuma schwieg, seine Miene verschlossen. Misaki spürte die Schwere in der Luft, die ganz eindeutig von ihm ausging.
Sie hätte gerne gefragt, was los war, doch sie wusste, dass es nicht der richtige Moment war.

„Also“, begann Aoi, ihre Stimme triefend vor ironischer Begeisterung, „soll ich schon mal einen Friseurtermin für dich buchen? Vielleicht ein bisschen Make-up? Wir müssen dich doch schick machen für Takahashi-san!“

Misaki stöhnte und ließ den Kopf in ihre Hände fallen. „Bitte hör auf. Es ist schon peinlich genug, dass ich überhaupt zugesagt habe.“

„Was bleibt dir auch anderes übrig?“ Aoi grinste. „Aber mal ehrlich, es könnte schlimmer sein. Stell dir vor, du müsstest mit Miko oder Ayaka essen gehen. Die würden dich bestimmt mit Vorträgen über ihre Nailart foltern.“

Yuma reagierte nicht auf den Scherz, sondern stand plötzlich auf, sein Stuhl kratzte laut über den Boden. „Ich muss zurück an meinen Schreibtisch“, sagte er knapp, ohne Misaki anzusehen. „Ihr schafft das ja auch ohne mich.“

Aoi blinzelte überrascht, während Misaki ihm hinterherblickte.

„Ähm … Okay?“ brachte Aoi schließlich heraus, aber Yuma war schon verschwunden.

Misaki fühlte ein unangenehmes Ziehen in ihrer Brust. Etwas an Yumas abruptem Abgang ließ sie sich schlecht fühlen, doch sie wusste nicht, warum.

„Was war das denn jetzt?“, murmelte sie und richtete sich auf. Aoi zuckte die Schultern, doch sie wirkte nachdenklich.

„Keine Ahnung. Vielleicht hat er einfach zu viel Kaffee getrunken oder so.“

Misaki nickte, war aber nicht überzeugt. Yuma hatte in den letzten Wochen viel Zeit mit ihr verbracht, und sie hatte sich an seine lockere, warmherzige Art gewöhnt. Diese plötzliche Kühle irritierte sie mehr, als sie zugeben wollte.

„Lass ihn einfach“, sagte Aoi schließlich und lehnte sich zurück. „Er wird schon wieder auftauen. Vielleicht ist er nur ein bisschen … Eifersüchtig.“

„Eifersüchtig?“ Misaki schnaubte und schüttelte den Kopf. „Warum sollte er eifersüchtig sein?“

Aoi grinste breit und legte die Finger ans Kinn, als würde sie nachdenken. „Nun ja, sagen wir mal so: Yuma mag es offensichtlich nicht, wenn Takahashi-san dich für sich beansprucht. Und ehrlich gesagt … Könnte ich mir vorstellen, dass er dich nicht ganz so neutral sieht, wie du glaubst.“

Misaki wollte protestieren, doch ihre Worte blieben ihr im Hals stecken. Der Gedanke, dass Yuma sie anders sehen könnte, als nur als Freundin und Kollegin, ließ ihr Herz schneller schlagen – und das verwirrte sie.
„Ich glaube, du interpretierst da zu viel rein“, sagte sie schließlich leise und stand auf. „Ich gehe auch zurück an meinen Schreibtisch. Ich habe noch genug zu tun.“

Aoi hob die Hände in einer spielerischen Geste der Kapitulation. „Wie du willst. Aber wenn er plötzlich anfängt, dir seine Pokémon Sammlung anzubieten, weißt du, dass ich recht hatte.“

Misaki schenkte ihr ein gequältes Lächeln und verließ die Mensa. Doch während sie zurück zu ihrem Platz ging, kreisten ihre Gedanken um Yuma – und darum, warum sein plötzliches Verhalten sie so aus dem Gleichgewicht brachte. Seufzend stapelte Aoi die Bento-Boxen aufeinander, ihr Blick immer wieder auf die leeren Plätze von Misaki und Yuma wandernd. Ihre Gedanken waren unruhig, wirbelten chaotisch durcheinander.

Was genau war da gerade passiert? Yumas plötzliche Veränderung hatte sie aus dem Konzept gebracht, und das leichte Ziehen in ihrer Brust wollte einfach nicht verschwinden. Eifersüchtig? Sie biss sich auf die Unterlippe, als der Gedanke sich in ihrem Kopf festsetzte. Aber auf wen? Auf Misaki? Auf Yuma? Oder auf die Nähe, die die beiden miteinander teilten?

„Das ist lächerlich“, murmelte sie zu sich selbst, schüttelte den Kopf und richtete sich auf.

Sie wollte diese unnötigen Gedanken nicht länger zulassen. Aoi griff nach den Bento-Boxen, ihre Bewegungen etwas energischer als nötig, und marschierte zurück in Richtung der Abteilung. Als sie das Großraumbüro betrat, sah sie sofort Misaki und Yuma an ihren Schreibtischen sitzen. Auf den ersten Blick schien alles wieder normal. Yuma warf seinem Bildschirm gelegentlich diesen charmanten, lässigen Blick zu, den er immer draufhatte, während Misaki konzentriert an ihrer Arbeit tippte.

Doch als Aoi näher kam, bemerkte sie die feinen Nuancen in ihrer Körpersprache: Misakis Schultern waren angespannt, und Yuma schien sich etwas zu bemühen, gelassen zu wirken. Er gibt das nur vor, dachte Aoi. Sie kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass hinter seinem typischen Grinsen mehr steckte.

„Da seid ihr ja wieder voll fleißig“, sagte sie betont locker, als sie die Bento-Boxen abstellte.

Misaki blickte überrascht auf, und ein leichtes Rosa überzog ihre Wangen. Yuma hob eine Augenbraue, sein gewohntes Grinsen sofort zur Stelle.

„Manche von uns haben eben keine Zeit, die ganze Mittagspause mit sinnlosen Grübeleien zu verbringen“, konterte er, wobei er Aoi einen schnellen Blick zuwarf.

Aoi schnaubte gespielt empört. „Oh, verzeih mir, Meister der Effizienz. Vielleicht sollte ich mir eine Scheibe von dir abschneiden.“

Doch in ihrem Inneren arbeitete etwas. Warum hatte sie das Gefühl, dass Yumas Worte eine doppelte Bedeutung hatten? Misaki, die den Schlagabtausch der beiden wie immer amüsiert verfolgte, wandte sich schließlich wieder ihrem Bildschirm zu. Doch auch sie spürte die Spannung, die leise, aber spürbar im Raum hing. Was war nur mit Yuma los?

Er war so gut darin, seine Emotionen zu verbergen, doch irgendetwas an seinem Verhalten heute fühlte sich … anders an. Aoi ließ sich auf ihren Stuhl fallen, lehnte sich zurück und beobachtete die beiden aus den Augenwinkeln. Yuma hatte sich wieder voll auf seinen Bildschirm konzentriert, doch seine Finger bewegten sich langsamer als sonst über die Tastatur.

Er stahl sich immer wieder kleine Blicke zu Misaki hinüber, so subtil, dass es kaum auffiel – doch Aoi bemerkte es. Sie spürte, wie dieses Ziehen in ihrer Brust zurückkehrte, stärker als zuvor. Sie wollte es ignorieren, wollte es wegschieben, doch es ließ sie nicht los. Was ist, wenn ich ihn doch nicht nur als Freund sehe? Der Gedanke war beängstigend, fast schon erdrückend, und dennoch konnte sie nicht anders, als sich ihm zu stellen.

„Aoi?“ Misakis Stimme riss sie aus ihren Gedanken. „Alles okay bei dir? Du bist so still.“ Aoi blinzelte und setzte ein schnelles Lächeln auf.

„Klar. Alles bestens. Warum fragst du?“ Misaki sah sie skeptisch an, zuckte dann aber die Schultern.

„Keine Ahnung, du wirkst nur … irgendwie abgelenkt.“ Yuma warf Aoi einen flüchtigen Blick zu, sein Gesichtsausdruck schwer zu lesen.

„Vielleicht hat sie einfach zu viel gegessen“, sagte er schließlich und wandte sich wieder seinem Bildschirm zu. „Das verlangsamt das Gehirn.“

Aoi warf ihm einen Seitenblick zu, konnte jedoch nicht anders, als leise zu lachen. „Oder vielleicht bist du einfach nur nervig, Yuma.“

„Vielleicht.“ Yumas Grinsen wurde breiter, aber er hob den Kopf nicht.

Aoi lehnte sich mit einem verschmitzten Lächeln zu Misaki hinüber. „Also, Misaki", begann sie, ihre Stimme triefend vor gespielter Unschuld, „nachdem du heute Abend ein Date hast, werde ich nach der Arbeit mit zu dir kommen und dir helfen, dich fertig zu machen.“

Misakis Augen weiteten sich, und eine zarte Röte überzog ihre Wangen. „Das ist kein Date", protestierte sie hastig. „Es ist einfach nur ein Geschäftsessen, mehr nicht.“

Aoi hob eine Augenbraue und grinste. „Aber vielleicht siehst du Takahashi-san ja mal entspannt.“

Yuma, der bisher still zugehört hatte, schnaubte leise und murmelte: „Der kann nicht entspannt leben.“

Misaki warf ihm einen dankbaren Blick zu, froh über die Unterstützung. Doch tief in ihrem Inneren nagte die Unsicherheit. Was, wenn Aoi recht hatte?
Was, wenn dieses Essen mehr bedeutete, als sie sich eingestehen wollte? Aoi bemerkte Misakis Unbehagen und legte sanft eine Hand auf ihre Schulter.

„Keine Sorge, Misaki. Wir werden das Beste daraus machen. Und wer weiß, vielleicht wird es ja doch ein schöner Abend.“ Misaki zwang sich zu einem Lächeln und nickte.

„Ja, vielleicht.“ Doch in ihrem Herzen tobte ein Sturm aus Gefühlen und Gedanken, die sie kaum ordnen konnte.

Yuma beobachtete die beiden Frauen aus den Augenwinkeln, seine Miene verschlossen. Ein seltsames Gefühl breitete sich in ihm aus, etwas, das er nicht benennen konnte. Eifersucht? Sorge? Er wusste es nicht. Aber eines war sicher: Der Abend würde für alle Beteiligten voller Überraschungen sein.

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