Kapitel 1

Ich begrüße euch zu meiner ersten richtigen Geschichte auf diesem Account.
Dieses erste Kapitel widme ich Nachmittagsregen, einfach weil sie mich schon so lange begleitet und meine, damals und aus heutiger Sicht, eher mittelmäßigen Geschichten gelesen hat, an der Stelle Danke dafür xD
Damit möchte ich mich bei ihr für die jahrelange Treue bedanken, ich hoffe diese Geschichte wird dir gefallen <3
Die Geschichte wird immer Mittwochs geupdatet, haltet euch bereit und jetzt viel spaß beim lesen.

Sie durfte es nicht. Nicht hier und jetzt. Sie durfte jetzt nicht anfangen zu weinen. Ihre Fingernägel bohrten sich in die Haut ihres Handinneren, um sich von dem Schmerz, welcher gerade in ihrem Herzen wütete, abzulenken. Sie biss ihre Zähne zusammen und starrte auf die hölzerne Tischplatte vor sich. Was würden alle anderen denken, wenn sie jetzt hier in der Öffentlichkeit einfach anfangen würde zu weinen? Er hatte es geschickt gemacht, dass beliebte Café in der Innenstadt für so etwas zu wählen. Viele Kunden saßen im Inneren Bereich des Cafés und auch der Außenbereich war aufgrund des sonnigen Wetters gut gefüllt. Jeder um sie herum schien glücklich zu sein. Die Gäste um sie herum redeten und lachten, einige tippten auch an ihren Laptops, Handys und iPads herum.

Es war ihr Lieblingscafé, das Café befand sich im Herzen des Stadtparks. Misaki liebte die idyllische Umgebung, man konnte hier schön im Grünen sitzen und an ruhigen Tagen den Vögeln lauschen, während man sonst die Kinder hören konnte, welche auf dem nahegelegenen Spielplatz herumtollten.

Hier hatten sie ihr erstes Date gehabt und hier wollte er es nun auch beenden. Misaki starrte fassungslos in das Gesicht ihres Freundes, mit dem sie inzwischen sieben ganze Jahre zusammen war. War, traf es ziemlich gut. Vor nicht einmal zwei Minuten erzählte er ihr, dass er sich in eine neue Frau verliebt hatte. Die junge Frau wusste nicht genau was sie sagen sollte, oder auch nur wie sie im Geringsten die Gefühle benennen sollte, die gerade in ihr aufkeimten.

Sie war wütend, verletzt, enttäuscht. Sie wollte Marco anschreien, weinen einfach sagen was für ein Sturm der Gefühle gerade in ihr vorging. Kurz kam ihr auch die Idee einfach aufzustehen und ihm eine Ohrfeige zu verpassen. Doch sie konnte nicht. Misaki wusste einfach nicht, wie sie es ansprechen oder wie sie reagieren sollte.

Sollte sie fragen, wer die neue Frau war? Wollte sie das überhaupt wissen? War es jemand den sie kannte oder eine völlige Fremde? Ihr wäre es womöglich lieber gewesen, wenn es eine Fremde war, der Schmerz auch noch eine weitere bekannte Person dadurch zu verlieren, wäre zu groß gewesen.

Ein tiefer Seufzer entfuhr ihrem gegenüber und er fuhr sich mit einem entschuldigenden Blick durch sein hellbraunes Haar „Hör zu...es ist einfach so passiert. Ich war auf dieser Party und habe sie dort kennengelernt...da ist es eben einfach passiert. Man kann sich nicht entscheiden, in wen man sich verliebt."

Misaki zog eine ihrer Augenbrauen hoch „Was meinst du mit 'da ist es eben einfach so passiert?'"

Marco sah sie mit seinen grünen Augen an, als wäre er derjenige, dessen Herz gerade gebrochen worden wäre „Muss ich das wirklich weiter ausbreiten?"

Misaki antwortete nicht, sondern wartete nur ab, bis ihr gegenüber wieder etwas sagen würde. Ihr Herz zog sich etwas zusammen und auch ihr Magen rebellierte. Sie ahnte schon, was er damit meinte, aber er sollte es ihr selbst sagen. Sie wollte die Worte, welche ihr schwer auf ihrem Herzen lagen, aus seinem Mund hören: Er hatte sie betrogen.

Nervös spielte Marco mit seinen Fingern, es schien als würde er genau überlegen, was er Misaki sagen sollte. Natürlich war es auch für ihn nicht einfach gewesen, doch das hatte er sich selbst eingebrockt. Schließlich hatte er sich dazu entschieden, eine sieben Jahre alte Beziehung auf diese Art und Weise zu beenden.

Misakis Stimme war brüchig, als würde sie ihre Tränen nicht mehr lange zurückhalten können, doch sie gab ihr Bestes so kalt wie möglich zu klingen, „Spuck es einfach aus. Jetzt hast du schon damit angefangen."

„Ich...Ich....", Marco brach ab und sah Misaki in die Augen „Ich..."

Die junge Frau mit dem Platin blond gefärbten Haar sagte nichts und sah ihren Freund nur schweigend an. Ihr Herz zog sich immer mehr zusammen. Sie versuchte die Mauer, welche sie gerade Stück für Stück um sich aufbaute, in standzuhalten, während die Welle an Emotionen, welche sie gerade überfluteten, drohte diese Mauer wieder einzureisen. Das Gestammel des jungen Mannes machte es nicht leichter für sie. Misaki hoffte einfach nur, dass er ihr endlich die Wahrheit sagen würde. Er sollte es schnell und schmerzlos machen, einfach so, als würde er ein Pflaster abreisen.

Marco atmete tief ein „Ich...wir....", er machte eine kurze Pause, atmete erneut tief ein und hielt seine Hände fest, „ich habe seit zwei Monaten eine Affäre mit ihr... Nein eine Beziehung."

Fassungslos starte sie ihn an. Ihr entglitten jegliche Gesichtszüge. Misaki ahnte bereits, dass ihr Freund sie betrogen hatte, aber das? Damit hatte sie wirklich nicht gerechnet. Marco war immer derjenige der sagte, dass man direkt Klartext reden sollte, wenn man sich in jemand neuen verliebt und nun das? Er, ausgerechnet er, war derjenige, welcher sie zwei lange Monate belog?
Jedoch wurde ihr jetzt einiges klar.

Seit zwei Monaten sagte Marco ihr kaum noch, dass er sie liebte. Und wenn sie es ihm sagte, sah er sie nur kurz an, lächelte aber erwiderte es nicht. Und auch die Überstunden, welche er angeblich immer wieder hatte, kamen ihr jetzt falsch vor. Die letzten beiden Monate, hatten sie sich, wenn überhaupt nur samstags getroffen, wo es vorher fast jeden Tag war.

Vielleicht war dies das Problem gewesen. Sie sahen sich so oft und es gab kaum Zeiten, in denen sie sich nicht sahen. Selbst damals in den Ferienzeiten hatten die beiden meistens ihre Zeit miteinander verbracht. Sie hatte ihn mit nach Japan, zur Familie ihrer Mutter genommen und ihn dort vorgestellt und obwohl er kein Wort Japanisch sprach, liebten ihre Großeltern ihn. Ihre Tante Himeko hatte er bisher noch nicht kennenlernen können, aber das war eine andere Sache.

Marco sah sie schon beinahe flehend an, „Bitte Misaki, sag etwas."

Die Halbjapanerin versuchte weiterhin ihre Tränen zu unterdrücken und starrte ihn weiter an, ihr Blick war schon fast angsteinflößend, „was soll ich dazu noch sagen? Du sagst mir, dass du eine andere liebst und mir die letzten zwei Monate nur etwas vorgemacht hast."

„Naja so ganz stimmt das nicht. Ja ich habe mich in dieses Mädchen verliebt, aber ich will auch das zwischen uns nicht verlieren, ich liebe dich auch noch", begann er sich zu erklären, „es ist nur....ich weiß auch nicht. Sie ist einfach... Erfrischender?"

„Erfrischender?", die junge Frau klang verwirrt. Was meinte er mit „erfrischender"?

Schon beinahe verlegen kratzte sich der junge Mann am Hinterkopf „Naja....ich weiß nicht wie ich es dir erklären soll. Es fühlt sich einfach neuer und... Schöner an mit ihr. Sie ist die Frau, mit der ich eine Zukunft möchte. Sie ist wunderschön, witzig und naja....besser als du in manchen Situationen. Aber glaube mir, es ist nicht deine Schuld. Wirklich."

Misaki stand auf und griff nach ihrer schwarzen Handtasche, „ich verstehe."

„Was... Was hast du vor?", fragte ihr Gegenüber verwirrt.

„Was ich vorhabe?", Misaki wiederholte die Frage mit einem leicht sarkastischen Unterton, „gehen. Wonach sieht es denn aus."

Marco starrte sie ungläubig an „Du willst jetzt einfach so gehen?"

Mit einem bitteren Lächeln sah sie auf den brünetten jungen Mann an, den Schmerz in ihren Herzen verdrängend „Klar, ich dachte, es wäre nett, dir die Rechnung zu überlassen - eine letzte Geste meiner Großzügigkeit."

„Du kannst doch nicht einfach-"

Die Platinblonde junge Frau unterbrach ihn lächelnd „Ah, genau das kann ich, und ich tue es sogar mit einer beeindruckenden Leichtigkeit."

Ohne ein weiteres Wort ihres nun Exfreundes abzuwarten, verließ Misaki das Café. Wieso sollte sie noch eine Sekunde ihrer Zeit an einen Mann verschwenden, welcher ihr eindeutig klargemacht hatte, dass er nicht mehr mit ihr zusammen sein wollte.

Sie war von sich selbst überrascht wie sehr sie gerade ihre Gefühle herunterschlucken und ihn einfach dort sitzen lassen konnte. Sie war schon beinahe stolz auf sich, dass sie am Ende ihrer großen Liebe so hart und kalt gegenüber sein konnte. Doch je mehr sie sich von ihrem Lieblingscafé entfernte, desto mehr kam ihr Schmerz wieder zum Vorschein. Sie erinnerte sich an die guten Zeiten, wie sehr sie ihn liebte und wie sehr es schmerzte zu wissen, dass er nie wieder so fühlen würde wie sie und vermutlich nicht einmal wusste, was er ihr damit antat. Tränen begannen ihr über die Wange zu rollen, welche sie trotzdem noch verzweifelt versuchte, zurückzuhalten. Sie konnte doch nicht einfach in der Öffentlichkeit anfangen zu weinen.

Misaki brauchte jetzt dringend jemanden, mit den sie darüber reden konnte und von dem sie wusste, dass diese Person für sie da sein würde. Schnell wischte sie sich einige ihrer Tränen weg, welche ihre Wange herunterlief und kramte in ihrer Handtasche nach ihrem Handy. Ihre Sicht verschwamm als sie die Nummer eingeben wollte.

„Nein Misaki, nicht jetzt", flüsterte sie zu sich selbst und wischte erneut ihre Tränen weg, um die Nummer ihrer Schwester einzutippen.

Rina war Misakis ältere Schwester, wobei sie auch gleichzeitig wie beste Freundinnen waren. Rina wusste immer was zu tun war, wenn es ihrer geliebten kleinen Schwester schlecht ging. Misaki hoffte nur, dass ihre Schwester Marco nicht umbringen würde, wenn sie ihr von der Trennung erzählen würde.

Sofort nachdem sie die Nummer in ihr Handy eingegeben hatte, ertönte Rina's freudige Stimme, „Hey Misaki, wie lief das Gespräch mit Marco?"

Misaki schniefte und beachtete die Frage ihrer großen Schwester nicht „Bist du zu Hause? Ich muss mit irgendjemanden reden."

„Weinst du etwa?", die Stimme ihrer Schwester wurde schlagartig besorgt „was ist passiert?"

„Rina...", Misaki fiel es immer schwerer ihre Tränen zurückzuhalten.

Zum Glück musste sie nicht weiter sprechen, ihre Schwester verstand sofort was los war „Ich verstehe, komm zu mir, ich bin zu Hause."

Mit zitternden Händen legte Misaki auf und machte sich auf den Weg zu ihrer geliebten großen Schwester. Sie fühlte sich als ob ihre ganze Welt innerhalb von nur einem Monat komplett zusammenbrach.

Erst die Familiärenprobleme ihrer Eltern, welche gerade eine Phase durchmachten und welche sich immer weiter zuspitzte. Sie stritten jeden einzelnen Tag. Das die Ehe ihrer Eltern schon lange nicht mehr die Beste war, wusste Misaki bereits. Vielleicht waren die kulturellen Unterschiede nach 25 Jahren Ehe doch zu groß, wenn man bedenkt, dass sie nur geheiratet hatten, weil Yumiko, Misakis Mutter, damals mit 18 Jahren mit ihrer großen Schwester Rina Schwanger war und Yumiko, aufgrund ihrer Familie und der Familie ihres Ehemannes, gedrängt wurde mit nach Deutschland zu gehen. Misaki hatte immer das Gefühl, dass sich ihre Mutter in Deutschland nicht wohlfühlte und das die Dame eigentlich immer zurück nach Japan ziehen wollte, was für Michael, ihrem Vater, natürlich absolut ausgeschlossen war.

Sie lebten in Deutschland und das würde auch so bleiben, ganz egal, ob seine Frau unglücklich war. Jedes Mal, wenn die Familie ihre Ferien in Japan verbrachte, schien Yumiko, abgesehen von den Streitereien mit ihrer Schwester Himeko am Telefon, da es wie eine Art Tabu war, diese Frau zu sehen, wie eine andere Frau zu sein, sie lachte mehr, sie unternahm mehr mit alten Freundinnen, sie war einfach lebensfroher.

Manchmal fragte Misaki sich, ob ihre Eltern nur noch wegen ihres kleinen Bruders Ryo zusammen waren. Der Fünfzehnjährige litt unter dieser Situation am meisten, da er die Streitereien tagtäglich mitbekam, während Misaki davor immer floh, egal ob es auf die Arbeit oder zu Freunden war. Ryo hingegen versuchte so lange wie möglich von zu Hause wegzubleiben, wenn es denn ging, was meistens nicht der Fall war, da ihr Vater zu seinem einzigen Sohn am strengsten war und sehr strenge Anforderungen an ihn hatte, manchmal kam es ihr so vor, als hätte ihr Vater bereits das ganze Leben ihres Bruders vorgeplant. Vielleicht kam ihr das aber auch nur so vor, da ihr Vater schon immer einen Jungen haben wollte. Waren Väter einfach immer so zu ihren Söhnen?
Misaki seufzte als sie an ihre Familie dachte, lange würde die Ehe ihrer Eltern nicht mehr halten.

Neben den Problemen zu Hause kamen dann auch noch ihre Probleme auf der Arbeit hinzu. Früher liebte die Gamedesignerin ihren Beruf doch seit das letzte Spiel nicht sehr gut bei den Spielern und den Kritikern ankam, war ihr, sonst sehr netter, Chef nur noch gereizt und unausstehlich. Dann setzte er ihr auch noch diese junge und sehr attraktive Teamleitung, Katja, vor die Nase, welche es scheinbar auf Misaki abgesehen hatte und ohne jeglichen Grund zu Mobbingattacken und Sabotagen griff. Egal ob sie Misaki bei ihren Kollegen schlecht macht oder sie direkt auf geschickte Art und weiße mit ihren Sticheleien fertig machte, sie ließ sich täglich eine neue Überraschung einfallen.

Nachdem ihr letztes Projekt, an welchem die junge Gamedesignerin Monate lang gearbeitet hatte, komplett verpfuscht wurde, hatte ihr Chef ihr eine Abmahnung erteilt und wurde Misaki gegenüber noch dünnhäutiger als zuvor. Natürlich glaubte ihr Chef ihr kein Wort, als Misaki darauf bestand, dass es nicht ihre Schuld war und ihr Projekt manipuliert wurde, was ihre Situation auf der Arbeit nicht verbesserte. Irgendwie konnte sie es auch verstehen. Schließlich hatte die platinblonde Dame keinerlei Beweise dafür, dass ihre Arbeit sabotiert wurde, aber auch ohne diese, konnte sie sich denken, dass ihre neue Nebenbuhlerin Katja etwas damit zu tun hatte. Selbst wenn sie diese gehabt hätte, Katja hätte gewusst wie sie ihren Chef um den Finger wickeln konnte. Mit ihrem Aussehen, besser gesagt den beiden Silikon Bergen, die sie ihre Brüste nannte.

Und jetzt, nach all den Problemen der letzten Wochen auch noch das? Ihr Herz fühlte sich schwer an. Alles, was ihr Halt gegeben hatte, schien nach und nach zu verschwinden, Rina war im Moment ihr einziger Lichtblick.

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