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Eine halbe Stunde später befanden wir uns auf dem Weg zum Parkplatz. Auf dem Hinweg hatten Alex und ich uns natürlich den Weg gemerkt. Oder auch nicht. Wir verbrachten fünf Minuten damit, den Wagen zu suchen, bis meine innere Stimme der Meinung war, sie müsste mir den Weg zeigen. Unsere Unterhaltung in meinem Kopf hatte ungefähr so ausgesehen: Bist du auf der Suche nach irgendetwas? - Nein, ich spaziere gerne auf dem Parkplatz rum. Hab ja eh nichts besseres zu tun. - Okay, dann noch viel Spaß. - Tust du nur so blöd, oder bist du es? - Nur zur Info, ich bin du, also überleg dir mal, welche Antwort dir lieber wäre! - Reg dich ab Nervensäge, ich bin auf der Suche nach Alex' Wagen. - Ähm, du weißt schon noch, dass du auf der Straße geparkt hattest?! - Hab ich das??? Wo denn? - Du musst den Parkplatz verlassen und um die Ecke gehen, Idiot. - Danke, und wenn schon, dann bitte Idiotin. Ich bin, wie du sehr wohl weißt, ein Mädchen. - Jaja, du machst mich müde, ich gehe schlafen. - Irgendwie mochte ich dich mehr, als du mir geholfen hast... - Pech gehabt!
"Alex!", rief ich und wank ihn und Cara zu mir. Er hob fragend eine Augenbraue. Man sah das süß aus. Ihhh. Wenn du dich in den Kerl verliebst, bringe ich dich um. - Wolltest du nicht schlafen gehen? Ja, ich liebte meine innere Stimme. Was würde ich nur ohne sie tun? Party machen?, schlug eben diese Stimme vor. Ich nickte. Das würde ich wohl tun. Dann schlug ich mir mental gegen die Stirn. Wie blöd kann man eigentlich sein? Vor mir standen zwei Personen, die (glücklicherweise) keine Ahnung hatten, was in meinem Kopf vor sich ging. Und diese Menschen starrten mich jetzt komisch an und fragten sich wohl, ob ich noch ganz dicht war, obwohl man diese Frage mithilfe von Dr. Summer leicht beantworten konnte.
Bevor auch nur einer von ihnen seinen Mund öffnen konnte, sagte ich: "Den Wagen haben wir um die Ecke gaparkt." Auch er schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn (nur nicht mental) und seufzte. "Ich sollte echt aufmerksamer sein." Ein gezwungenes Lächeln erschien auf seinen Lippen, woraufhin Cara ihm leicht über den Rücken strich. "Alex. Das ist doch verständlich. Deine Schwester liegt im Koma und du machst dir Sorgen um sie, hinzu kommt, dass du eine neue Freundin hast, um die du dich ebenfalls sorgst. Da machst du dir natürlich keine Gedanken darüber, wo euer Auto steht." Während dieser Rede bakam ich ein schlechtes Gewissen. Ich war so egoistisch. Seiner Schwester geht es nicht gut und jetzt hatte er auch noch ein krebskrankes Mädchen an der Backe. Ein krebskrankes und verrücktes Mädchen. Ja, ich hatte es eingesehen, dass ich nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte, es gab dafür auch genug Beweise. Ich sollte einfach verschwinden, ihr Leben wäre ohne mich viel leichter.
Vorsichtig trat ich ein paar Schritte zurück, drehte mich um und beschleunigte meine Schritte. Nachdem ich den Parkplatz verlassen hatte, bog ich ab und fing an zu rennen. Plötzlich blieb ich ruckartig stehen, aus mehreren Gründen. Einer war zum Beispiel, dass Cara noch meine Tasche besaß. Mir fiel erst jetzt jetzt auf, dass sie sie schon die ganze Zeit trug, zusätzlich zu ihren eigenen Sachen. Ziemlich unhöflich von mir, aber wer hatte heutzutage noch Manieren? Okay, eigentlich viele Menschen, aber ist ja auch egal, hat eh nichts mit dem Thema zu tun.
Ein weiterer Grund war, dass neben mir Alex' schwarzer Wagen stand und ich bemerkte, dass ich immer noch die Autoschlüssel in der Hosentasche hatte. Interessant. Ich war also nicht nur krank und verrückt, nein, ich war auch noch vergesslich und dumm (ich war blond, ich durfte das). Kann das noch irgendjemand übertreffen?
Zögernd trat ich auf das Auto zu und holte den Schlüssel aus meiner Hosentasche. Ich wog ihn in meiner Hand hin und her und überlegte, was ich jetzt tun sollte. Ich könnte jetzt hier warten, bis die anderen kommen, könnte meine Tasche mit dem Schlüssel tauschen und meinen Weg gehen. Ich könnte allerdings auch meinen Plan verwerfen und mich mit ihnen anfreunden. Dann könnte ich aber auch noch einfach weiterlaufen. Hey, innere Stimme, sag mir mal, was ich tun soll! Meine innere Stimme gähnte übertrieben, als hätte sie wirklich geschlafen und meinte daraufhin: Mach doch, was du willst, was hast du schon zu verlieren. - Sehr hilfreich, vielen Dank auch! - Immer wieder gerne. Wie ich Sarkasmus auch liebe. Wenn das ein Film wäre, würde ich mir jetzt eine Verbeugung von meiner inneren Stimme vorstellen, die natürlich so aussah wie eine hässlichere Version von mir. Das habe ich gehört!, gab sie daraufhin beleidigt von sich. Danach sprach sie noch weiter. Verdammt, ich hätte sagen sollen "Eine hässlichere Version von dir ist unmöglich!" Wieso bin ich darauf nicht früher gekommen? Ich musste ein wenig schmunzeln und wandte mich wieder den wichtigeren Dingen zu. Eins oder Zwei? Drei hatte ich schon längst verworfen. Ich wollte ja nicht als Diebin abgestempelt werden.
Ich fasste einen Entschluss und öffnete die Autotür. Einmal konnte ich ja auch mal egoistisch sein. Ich ließ mich auf dem Fahrersitz nieder und drehte den Schlüssel im Zündschloss um. Nach einer 180º Wendung, fuhr ich zu den Parkplätzen des Krankenhauses und hupte einmal kurz, damit die beiden mich bemerkten. Sie liefen auf mich zu und Alex öffnete die Tür auf den Beifahrersitz. Erleichert setze er sich hin und wandte sich mir zu. "Wo warst du? Wir haben uns schon Sorgen gemacht!" - "Ich habe das Auto geholt. Sieht man das denn nicht?" Leicht verwirrt nickte er und warf mir einen komischen Blick zu. "Ja, schon, aber nicht jeder braucht dafür zwölf Minuten" Erschrocken sah ich ihn an. Zwölf Minuten? Ich sollte wohl echt weniger nachdenken. Alex lachte. "Ja, da hast du Recht." Ich wurde schlagartig rot. Mal wieder. Ich sollte mich bei jedem mal vielleicht einmal kurz kneifen, um mir das abzugewöhnen. "Hab ich das gerade laut gesagt?", fragte ich, obwohl die Antwort eigentlich schon klar war. Er nickte, öffnete ein Fenster und sagte belustigt. "Du kannst auch laufen, aber ich bezweifle, dass du mit uns mithalten kannst."
Erst jetzt bemerkte ich, dass Cara immer noch draußen stand und keine Anstalten machte, sich in den Wagen smzu setzen. "Ich würde ja gerne mitfahren, aber ich betrete ganz sicher nicht die Rückbank." - "Wieso nicht?", nahm Alex mir die Worte aus dem Mund. Jetzt mal ehrlich, es war doch nicht so schlimm, einmal hinten zu sitzen. Cara warf Alex einen unsicheren Blick zu. "Na ja, dort liegt das ganze Blut verteilt und ich habe ehrlich gesagt keine Wechselkleidung dabei." Synchron sahen Alex und ich über unsere Schulter. Ich bemerkte, wie er sich verkrampfte und schnell wieder nach vorne sah. Er hatte wohl vergessen, dass er Lily in diesem Auto ins Krankenhaus gebracht hatte. Oder er hatte es einfach verdrängt. "Dann leg etwas drauf", schlug Alex emotionslos vor. Ich wüsste wirklich gerne, was in seinem Kopf vor sich ging.
Seufzend stieg ich aus und öffnete den Kofferraum. Cara und ich suchen zusammen nach etwas, was wir auf den Rücksitz legen konnten. Nachdem wir alles abgesucht hatten, fanden wir nur eine neue Rolle von Mülltüten, die wir rausnahmen und drei abrissen. Eine Tüte pro Sitz müsste eigentlich reichen. "Ich hoffe, eine Tüte reicht mir. Sonst muss sich Louis mit seinen Designerklamotten auf das Blut setzen. Würde seinem Ego ja nicht schaden!", sagte Cara und Alex fing an zu lachen. Er hatte sich immer noch nicht beruhigt, als Cara schon im Auto saß und ich losgefahren war. Erst als ich ihn fragte, was daran so lustig sei, hörte er auf zu lachen und meinte: "Louis ist ziemlich reich, seine Eltern sind bekannte Geschäftsleute und würden ausrasten, wenn er mit Blut befleckten Kleidern nach Hause kommt. Er tut immer so, als würde er genauso denken, aber wir wissen, dass er nur schauspielert." - "Das heißt also, das war nicht ernst gemeint?", hakte ich nochmal nach. "Nein", meldete sich nun auch Cara zu Wort. "Er wartet eigentlich nur auf den Moment, wo so etwas passiert, um seinen Eltern ein auszuwischen. Außerdem haben wir doch noch Mülltüten im Kofferraum." Langsam verstand ich, was sie damit meinte. "Also, wenn ich das richtig verstanden habe, ist Louis reich, möchte seine Eltern ein wenig ärgern, möchte aber auch nicht mit Absicht seine Kleidung zerstören? Wow!" Alex und Cara nicken synchron und fragten gleichzeitig, woher ich wusste, dass er seine Klamotten nicht absichtlich kaputt machen würde. "Du meintest, er warte nur auf so eine Gelegenheit, dann hätte er das doch schon längst machen können", erwiderte ich nur und konzentrierte mich weiter auf die Straße.
Danach blieb es ein paar Minuten still, bis mir einfiel, dass ich keinen blassen Schimmer hatte, wo ich eigentlich hinfuhr. "Ähm, Leute...auf welche Schule geht ihr denn eigentlich?", nuschelte ich, doch Alex hatte mich trotzdem verstanden. Er lachte und meine daraufhin: "Einfach da vorne rechts abbiegen, dann kannst du sie schon sehen. Nun ja, ich würde eher sagen, du kannst sie gar nicht übersehen."
Ich tat, was er gesagt hatte und bog rechts ab. Er hatte vollkommen Recht, man konnte sie gar nicht übersehen, selbst wenn nicht etwa 200 Schüler davor standen. Es war ein riesiges Backsteingebäude, rechts daneben ein Parkplatz für die Leute, die ein Auto besaßen, links daneben zwei kleinere Gebäude. Eines wusste ich schon in der ersten Sekunde: das war eine Schule für reiche Menschen. Jemand wie mein ehemaliger bester Freund Kevin wäre da nie hingegangen. Er hätte nicht das nötige Geld dafür.
"Was sind das für Gebäude?", fragte ich, nachdem sich die anfängliche Überraschung gelegt hatte, und deutete auf die zwei kleineren Gebäude. "Das sind die Sporthalle und ein Schwimmbad. Dahinter liegt noch ein Sportplatz für die etwas wärmeren Tage", beantwortete Alex meine Frage und winkte zwei jungs zu, die auf uns zugerannt kamen. Oder eher auf Alex und Cara, mich kannten sie noch nicht. Hat er gerade gesagt 'Schwimmbad'?, hakte meine innere Stimme völlig überrascht nach. Ja, hat er, gab ich zurück.Schade, ich dachte meine innere Stimme wäre ich für zwei oder drei Stunden los. Mich wirst du nie los, Schätzchen. Ich ignorierte sie und und konzentrierte mich auf die beiden Jungs, die neben dem Wagen, den ich inzwischen abgestellt hatte, stehen geblieben sind. "Hey, warum wart ihr heute nicht in der Schu...", der blonde Junge unterbrach sich mitten im Satz. Er hatte gerade die Autotür geöffnet und bemerkt, dass ich da war. Der schwarzhaarige warf ebenfalls einen Blick in den Wagen. "Hey Alex, wo ist Lilly? Oder ist das da vorne Lilly und sie hat nur ein paar Schönheitsoperationen hinter sich?" Er deutete mit der Hand auf mich, woraufhin ich anfing zu husten. Empört versuchte Alex den Schwarzhaarigen zu schlagen, wobei er sich ziemlich verknotete (okay, nicht ganz, aber machte ein paar seltsame Verrenkungen). "Willst du damit sagen, dass meine Schwester eine Schönheitsoperation benötigt?" - "Nein will ich nicht. So ungern ich das sage, denn deine Schwester ist wirklich heiß, aber mit deiner Freundin kann sie leider nicht mithalten" Alex öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch ich schnitt ihm das Wort ab. "Also, mein Name ist Ana, ich bin nicht Alex' Freundin, Lily ist tausendmal hübscher als ich, also braucht sie definitiv keine Schönheitsoperation und jetzt steigt ein, die Leute starren mich irgendwie komisch an." Nach meiner kleinen Rede hörte ich den Schwarzhaarigen noch murmeln: "Sie sieht aber wirklich nicht so gut aus wie du." Ich war mir nicht sicher, ob ich das hören sollte, aber ich ignorierte es einfach und beobachtete den Blonden, wie er die Autotür öffnete- und zurück schreckte. "Ist das Blut? Wieso ist da Blut? Wem gehört das Blut? Oder eher gehörte das Blut?" Cara, Alex und ich warfen uns unruhige Blicke zu. Danach sagte ich nervös: "Das erklären wir euch später, können wir jetzt los?" Der schwarzhaarige Junge nickte, doch der blonde meinte: "Ich steig da nicht ein. Da liegt Blut, ich möchte nicht auch blutig werden, so wie du, Alex." Ich betrachtete Alex kurz und mir fiel auf, dass er recht hatte. An Alex klebte ein wenig Blut. Trotzdem musste ich ein wenig lachen. "Lass mich raten: du bist Louis?!!"
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